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	Kommentare zu: Immer neue Dimensionen des Skandals um Wolfram Weimer: &#8222;Das System ist kaputt.&#8220;	</title>
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	<description>Sachverständiger für Plagiatsprüfung</description>
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		Von: Mario Kräft		</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mario Kräft]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 14:35:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die 2000-Autoren-Republik
(Eine Glosse über mediale Selbstvermehrung)

Es gibt Medienhäuser, die arbeiten mit Redaktionen – und andere, die arbeiten lieber mit Zahlen. Besonders eindrucksvoll ist jene Ziffer, mit der die Weimer Media Group einst für ihr Portal „The European“ warb: 2000 Autoren. Eine beeindruckende Summe – wenn man sie nicht wörtlich, sondern als literarische Kategorie versteht.

Denn „Autor“ ist bekanntlich ein dehnbarer Begriff. Mal meint er jemanden, der schreibt, mal jemanden, über den geschrieben wird, und manchmal einfach nur jemanden, der auf einer Liste steht. Die digitale Welt hat das erweitert: Heute kann man offenbar auch dann Autor sein, wenn man von der eigenen Autorschaft nichts weiß.

Der Charme dieses Systems liegt in seiner Effizienz. Kein klassischer Redaktionsbetrieb, keine lästige Honorarkorrespondenz – dafür ein publizistisches Biotop, in dem Texte, Zitate und Reden wie von selbst entstehen. Das Zitatrecht wird dabei zum Generalschlüssel der Gegenwart: ein wenig Öffentlichkeit hier, ein bisschen Tagesinteresse dort – und schon lässt sich fast alles als „Diskursbeitrag“ etikettieren.

Man könnte das als Zeichen des Fortschritts sehen: Der Journalismus hat die nächste Evolutionsstufe erreicht. Aus dem Autor wird eine Kategorie des Anscheins, eine Art rhetorischer Platzhalter. Nicht der Text zählt, sondern die Zahl.

Wer das kritisch sieht, übersieht vielleicht, dass hier ein neuer Typus von Medienästhetik entsteht – eine Form von kuratiertem Pluralismus, bei dem Realität und PR eine vorübergehende Zweckgemeinschaft eingehen. Ein Experiment, das irgendwo zwischen Legitimität, Kreativität und Rechtsauslegung pendelt.

Und doch bleibt die Pointe:
Wenn ein Medium behauptet, 2000 Autoren zu haben, dann sagt das vor allem etwas über seinen Glauben an die Macht der Behauptung.
Denn wo Zahlen zur Marke werden, ist die Wahrheit längst zur Stilfrage geworden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die 2000-Autoren-Republik<br />
(Eine Glosse über mediale Selbstvermehrung)</p>
<p>Es gibt Medienhäuser, die arbeiten mit Redaktionen – und andere, die arbeiten lieber mit Zahlen. Besonders eindrucksvoll ist jene Ziffer, mit der die Weimer Media Group einst für ihr Portal „The European“ warb: 2000 Autoren. Eine beeindruckende Summe – wenn man sie nicht wörtlich, sondern als literarische Kategorie versteht.</p>
<p>Denn „Autor“ ist bekanntlich ein dehnbarer Begriff. Mal meint er jemanden, der schreibt, mal jemanden, über den geschrieben wird, und manchmal einfach nur jemanden, der auf einer Liste steht. Die digitale Welt hat das erweitert: Heute kann man offenbar auch dann Autor sein, wenn man von der eigenen Autorschaft nichts weiß.</p>
<p>Der Charme dieses Systems liegt in seiner Effizienz. Kein klassischer Redaktionsbetrieb, keine lästige Honorarkorrespondenz – dafür ein publizistisches Biotop, in dem Texte, Zitate und Reden wie von selbst entstehen. Das Zitatrecht wird dabei zum Generalschlüssel der Gegenwart: ein wenig Öffentlichkeit hier, ein bisschen Tagesinteresse dort – und schon lässt sich fast alles als „Diskursbeitrag“ etikettieren.</p>
<p>Man könnte das als Zeichen des Fortschritts sehen: Der Journalismus hat die nächste Evolutionsstufe erreicht. Aus dem Autor wird eine Kategorie des Anscheins, eine Art rhetorischer Platzhalter. Nicht der Text zählt, sondern die Zahl.</p>
<p>Wer das kritisch sieht, übersieht vielleicht, dass hier ein neuer Typus von Medienästhetik entsteht – eine Form von kuratiertem Pluralismus, bei dem Realität und PR eine vorübergehende Zweckgemeinschaft eingehen. Ein Experiment, das irgendwo zwischen Legitimität, Kreativität und Rechtsauslegung pendelt.</p>
<p>Und doch bleibt die Pointe:<br />
Wenn ein Medium behauptet, 2000 Autoren zu haben, dann sagt das vor allem etwas über seinen Glauben an die Macht der Behauptung.<br />
Denn wo Zahlen zur Marke werden, ist die Wahrheit längst zur Stilfrage geworden.</p>
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