Performativer Widerspruch: Die seltsamen Plagiate des Nürnberger Kommunikationswissenschaftlers Markus Kaiser

Markus Kaiser ist Kommunikationswissenschaftler, Change-Berater, Lehrbuch-Autor und ehemaliger Journalist. An der Technischen Hochschule Nürnberg hat er eine Professur inne und ist Vorsitzender einer Prüfungskommission. In seinem Lehrbuch „Recherchieren. Klassisch – online – crossmedial“, erschienen 2015 bei Springer VS, beschwert er sich über eine heutzutage weit verbreitete journalistische Unsitte:

„Noch schlimmer: Journalisten machen bei einer Pressemitteilung Copy & Paste und veröffentlichen diese wortwörtlich und ungeprüft in ihrer Zeitung, Zeitschrift oder auf ihrer Website.“ (Vorwort, S. VII)

Recht hat er, der Kollege Kaiser! Und auf S. 65 von „Recherchieren“ erinnert Kaiser die schreibende Zunft auch daran, dass Wikipedia eigentlich nicht zitierfähig sei. Und wieder hat er Recht!

Wikipedia aber scheint plagiierbar zu sein. Zu dieser Erkenntnis kommt man zumindest, wenn man das Buch „Recherchieren“ meines Fachkollegen genauer analysiert. In dem schmalen Band finden sich nicht nur mehrere Plagiate aus Wikipedia, sondern etwa auch ein Plagiat aus dem Spiegel. Hier nur einige erste Beispiele, eine komplette Darstellung wird folgen und dem DFG-Ombudsgremium übermittelt werden.

Kaiser, S. V. Markiert die Übereinstimmungen mit https://de.wikipedia.org/wiki/Kindsmord_in_Emden_2012 (auch schon vor 2015 so online)


Kaiser, S. 86. Markiert die Übereinstimmungen mit https://de.wikipedia.org/wiki/Mailingliste (auch schon vor 2015 so online)


Kaiser, S. 91. Auf Wikipedia liest sich das so (auch schon vor 2015 auf Wikipedia so online, der Text wurde auch von anderen Quellen plagiiert):


Kaiser, S. 65 f. Diesmal wurde ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2007 mit Autorenkürzel „pat“ plagiiert:

Quellenverweise an Ort und Stelle, wie es sich urheberrechtlich und medienethisch gehören würde? Fehlanzeige. Ein Literaturverzeichnis mit den verwendeten Quellen? Ebenso Fehlanzeige. Und das alles in einem Buch zum Thema „Recherchieren“.

Selbstverständlich nehme ich alle Vorwürfe sofort zurück, wenn Markus Kaiser höchstselbst eifriger Wikipedianer ist – mit verschiedenen Usernamen – und u.a. auch der Autor „pat“ des Spiegel war. Bei den weiteren Plagiaten müssten dann dieselben Nachweise erfolgen. (Wird fortgesetzt)

1 Kommentare zu “Performativer Widerspruch: Die seltsamen Plagiate des Nürnberger Kommunikationswissenschaftlers Markus Kaiser

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  1. Hilpoltsteiner

    Wurde hierzu schon die angekündigte Fortsetzung veröffentlicht? Herr Kaiser hat die Plagiats-Analyse in der Presse ja deutlich kritisiert.

    Antworten

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