Archiv des Jahres: 2023

Uni-Reform Teil 3 und des Pudels Kern: Keine GWP- und Qualitätskriterien im zentralen § 13 zu den Leistungsvereinbarungen

Es macht immer Sinn, sich mit einer Sache so ausführlich zu beschäftigen, bis man irgendwann zum Kern des Problems vordringt. Hier ist er: Der § 13 des österreichischen Universitätsgesetzes (UG) regelt die Beziehung zwischen den Geld ausgebenden 22 staatlichen Universitäten und dem (Steuer-)Geld verteilenden Ministerium. In dem langen Paragrafen, fast einem Herzstück des UG, kommt die gute wissenschaftliche Praxis (GWP) mit keinem Wort vor. […]

Uni-Reform Teil 2: Weitere Expertenvorschläge für eine Reform des österreichischen Universitätsgesetzes (UG)

Gastbeitrag von Peter Hilpold, Universität Innsbruck


Es ist erfreulich, dass sich Stefan Weber – noch dazu während der Weihnachtsferien – die Mühe angetan hat, einen Raster für eine Reform des Universitätsgesetzes zu entwerfen.

Dieses Gesetz, das derart viele Fehlentwicklungen ermöglicht hat, ist tatsächlich strukturell reformbedürftig. Man muss sich die Frage stellen, ob es nicht grundlegend durch ein neues Gesetz ersetzt werden soll. […]

Uni-Reform Teil 1: 24 Forderungen an eine Novelle des österreichischen Universitätsgesetzes (UG)

Seit 2019 liefern Peter Hilpold und ich – mittlerweile auch als Sprecher des Netzwerks „Gute wissenschaftliche Praxis für Österreich“ – dem österreichischen Wissenschaftsministerium Ideen und konkrete Vorschläge für eine dringend notwendige Novellierung des österreichischen Universitätsgesetzes (UG).

Wir haben diese Vorschläge in verschiedenen Formaten kommuniziert: ich in mehreren persönlichen Gesprächen mit dem Hochschul-Sektionschef Elmar Pichl (ÖVP und CV), mit Ex-Minister Heinz Faßmann (ÖVP-Ticket) und einem Legisten des BMBWF sowie in diversen Publikationen wissenschaftlicher und journalistischer Art; Peter Hilpold vor allem in Medienkommentaren in der „Wiener Zeitung“, in der „Presse“ und im „Kurier“. […]

Nochmals Universität Salzburg & Co.: Tolerierte Rechtsbeugung bei der Rektorswahl?

Zunächst: Jeder möge selbst das Universitätsgesetz (UG) nach dem Begriff „Dreiervorschlag“ durchsuchen.

Sodann: Aus dem UG-Kommentar Perthold-Stoitzner (3. Auflage; § 21 Rz 3):

Man muss den letzten Satz genau lesen: Perthold-Stoitzner hält einen Vorschlag mit weniger als drei Kandidaten nicht einmal nach einer bereits erfolgten Neuausschreibung für unproblematisch. […]

Plagiatsvorwurf gegenüber der stellvertretenden Chefredakteurin der „Süddeutschen“, Alexandra Föderl-Schmid, ist zutreffend

Das deutsche Start-up „MEDIENINSIDER“ überraschte heute mit einem Plagiatsvorwurf gegenüber der allseits anerkannten österreichischen Journalistin Alexandra Föderl-Schmid. Auch meine ersten Reflexe waren „Das hätte sie doch gar nicht notwendig gehabt.“ und „Der Vorwurf muss falsch sein.“.

Ich habe mich nach Bekanntwerden der Story mit dem Journalisten des „MEDIENINSIDER“ unterhalten und ich habe die publizierten Übereinstimmungen überprüft. […]

Rektorsposse an der Universität Salzburg: Martin Hitz springt als Kandidat ab – mit schweren Vorwürfen gegenüber dem Ministerium

Es ebnet sich der Weg für die Juristin Viola Heutger als neue Rektorin der Universität Salzburg. Der Senatsvorsitzende der Universität Klagenfurt, Martin Hitz, zog heute in der Früh überraschend seine Bewerbung zurück (er war ja erst nachträglich aus dem Hut gezaubert worden). Dabei sparte Hitz in einer E-Mail, die via Uni-Salzburg-Senatsvorsitzendem Wolfgang Faber an ca. […]

ÖAW-Veranstaltung plädiert für Eingliederung von „Anti-Genderismus“ in die Rechtsextremismusforschung

Erstaunliches ist auf einem Flugblatt zu lesen, das das Logo der altehrwürdigen Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) trägt:

„Da es sich bei ‚Anti-Genderismus‘ um einen interdisziplinären Untersuchungsgegenstand handelt, wird plädiert, diesen unter dem Dach einer feministischen Rechtsextremismusforschung zu betrachten.“

Das forderten drei Wissenschaftlerinnen der Universitäten Wien, Innsbruck und Gießen bei einer Lecture, die die ÖAW vor wenigen Tagen in ihrem Theatersaal in Wien veranstaltet hat. […]

Herr Minister Polaschek, es reicht! Akademie der bildenden Künste Wien erteilt wahnwitzigen Freibrief zum Plagiieren

Die Hochschulkorruption in Österreich hat einen neuen Höhepunkt erreicht. In einem Plagiatsfall mit 66 von Plagiaten betroffenen Seiten einer Dissertation und 71 meist komplett unzitierten Übernahmen aus Wikipedia sieht die Akademie der bildenden Künste Wien „keine Täuschungsabsicht“. Der Plagiatsfall wurde von VroniPlag Wiki vor mehr als einem Jahr publiziert. […]

Universität Innsbruck: 158.000,– Euro Steuergeld für FWF-Projekt ohne publizistischen Output – doch der FWF hält seine schützende Hand darüber

Ende Juni 2016 erhielt der damals noch an der Universität Innsbruck lehrende Rechtswissenschaftler Andreas Th. Müller ein Projekt des österreichischen Forschungsförderungsfonds (FWF) mit dem Titel „Erlaubnisnormen im Völkerrecht“ und einer Dotierung von 158.096,– Euro.

In der Projektbeschreibung (ebenfalls aus dem Jahr 2016) hieß es:

„Im Rahmen des Projekts soll auf Basis einer vorläufigen Definition von Erlaubnisnormen eine Auswahl von ca. […]

Wie eine Schweizer SVP-Politikerin die Berichterstattung über Plagiatsfragmente in ihrer Dissertation zu verhindern suchte

Ich verwende gerne folgende Analogie: Ich weiß etwa, dass ich in meiner Dissertation nicht plagiiert habe. Keinen Halbsatz. Wenn ich nun davon Wind bekäme (alles fortan rein hypothetisch!), dass etwa mein größter journalistischer Feind in Österreich, Florian Klenk, eine Story mit dem Titel „Plagiatsvorwurf gegen Dissertation des Plagiatsjägers“ für die kommende Ausgabe des „Falter“ planen würde, dann würde ich mich doch ganz entspannt zurücklehnen, mich halbtot lachen und schon ein bisschen auf das viele Geld freuen, das mein Anwalt von dem Wiener Wochenblatt in Bälde holen könnte. […]

Briefkastenuni frotzelt öffentliche Unis: Doktorat in zehn Monaten; Habilitation und Universitätsprofessur in einem Jahr

Schnell. Schneller. Am schnellsten. Wohl nur die wenigsten Wiener werden wissen, dass hier an der Nobeladresse Graben 12 in Wiens erstem Bezirk der Eingang zu einer polnischen Universität ist – und das Tor zu wahnsinnig schnell erworbenen und bezahlten höheren bis höchsten akademischen Weihen:

Quelle: Google Maps, November 2023

Das „Collegium Humanum“, eine Privatuniversität aus Warschau, betreibt hier eine „Studienberatungsstelle“. […]

Chronologie eines (Anti-)Plagiatskampfs

2005-07: Erste breite Berichterstattung zu „meinen“ ersten aufgedeckten Plagiatsfällen an Unis in allen Medien in Österreich

2007: Antrag einer Studie von mir zur Plagiatsprävalenz beim Bildungsministerium, Vorgespräch mit ÖVP-Mann und Hochschul-Sektionschef Friedrich Faulhammer

März 2007: Elmar Pichl, aus der steirischen ÖVP kommend, wird Büroleiter beim frisch gekürten ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn

Mai 2007: Unbegründete Absage meiner Studie durch Sektionschef Faulhammer

Mai 2007: Mein Plagiatsvorwurf gegen ÖVP-Minister Johannes Hahn

September 2007: Pichl lobt Hahn in der „Presse“ als „besten Wissenschaftsminister, den ich mir vorstellen kann“: https://www.diepresse.com/321549/vom-partei-vordenker-zum-wissenschafts-planer […]

Warum verhindert der ÖVP-Hochschulsektionschef Elmar Pichl seit Jahren die Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis?

Irgendwann reicht es mir mit der Karotte vor der Nase. Ich habe den derzeitigen Sektionschef für Hochschulen im österreichischen Bildungsministerium, Mag. Elmar Pichl, 2019 auf meinen Wunsch kennen gelernt. Was ich damals noch nicht wusste: Er kam von der ÖVP-Bundespartei, wurde dann im Jahr 2007 von Dissertationsplagiator und Ex-Wissenschaftsminister Johannes Hahn (kurz vor meinem Plagiatsvorwurf gegenüber Hahn) ins „Kabinett“ nach Wien geholt und wechselte dann, drei Jahre später, in die Hochschulsektion, siehe den Lebenslauf hier. […]

Prokrastinierte Publikationen: Über Falschangaben von im Druck befindlichen Veröffentlichungen in den Rechtswissenschaften

Nach den von mir aufgedeckten Problemen mit Zitierstandards in den österreichischen Rechtswissenschaften gibt es schon wieder eine Baustelle im Fach: Habilitationsschriften, deren Drucklegung über Jahre angekündigt wird, die aber bis dato nicht erschienen sind. Eigentlich sind das Falschangaben in Lebensläufen, etwa bei Bewerbungen: Es wird die kurz bevorstehende Drucklegung einer Publikation (meist der umfangreichsten im ganzen Schriftenverzeichnis) vorgetäuscht, die dann immer wieder hinausgeschoben wird. […]

Knalleffekt auf Aruba: Rektorsanwärterin der Universität Salzburg steht offenbar kurz vor dem Rücktritt

Während die Salzburger Lokalmedien wie immer nicht-investigativ über ein bevorstehendes langes juristisches Tauziehen (besser: Kräftemessen) in der Frage der Rektorswahl an der Universität Salzburg berichten, kommen verstörende Nachrichten aus Übersee: Die Rektorin der Universität von Aruba, Viola Heutger, die vom Senat für den Rektorsposten der Universität Salzburg favorisiert wurde und immer noch wird, wird offenbar überraschend nach zwei Jahren innerhalb ihrer für vier Jahre anberaumten Amtszeit zurücktreten. […]

Der TU Wien ist wirklich nichts zu blöd: Textkultur ohne Hirn schon im ersten Satz

Quelle: https://www.tuwien.at/studium/lehren-an-der-tuw/digital-gestuetzte-lehre/kuenstliche-intelligenz-in-der-lehre


Quelle: https://datasolut.com/was-ist-kuenstliche-intelligenz/#Was-ist-K%C3%BCnstliche-Intelligenz

Und andere Webquellen. Aber sicher nicht ChatGPT, denn im Gegensatz zur TU Wien plagiiert dieser nicht.

In derselben „Richtlinie“ steht auch noch (diese Textteile stammen wiederum von Peter Purgathofer von der TU Wien; seine Autorschaft wird nicht angegeben):

„Wenn generative KI-Texte ohne substanzielle Änderungen in eigenen Arbeiten verwendet werden, sollten sie ähnlich wie Zitate aus anderen Quellen behandelt werden. […]

Ein Jahr nach dem großen Canceling: Gepflegtes Nichtstun in Sachen GWP (guter wissenschaftlicher Praxis) aller Institutionen

Es ist nun etwas mehr als ein Jahr her, als mir nach meinem wahren Plagiatsvorwurf gegen Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) Schritt für Schritt alle begonnenen oder geplanten Projekte zu guter wissenschaftlicher Praxis (GWP) in Österreich weggenommen wurden: eine Arbeitsgemeinschaft in der ÖVP-nahen „Österreichischen Forschungsgemeinschaft“, ein mehrjähriges Prototypen-Entwicklungsprojekt an der TU Wien und schließlich ein bereits weitgehend fertig gestelltes Wiki zu Zitierkonventionen im Auftrag des BMBWF. […]

Isolde Charim, Hegel und der „polizeiartige“ Plagiatsjäger

Die aus der linken Denktradition kommende Philosophin Isolde Charim, erst vor wenigen Tagen mit dem „Tractatus“-Preis des „Philosophicum Lech“ gekürt, schreibt in der ebenfalls linken Wiener Stadtzeitung „Falter“ aktuell etwas über „Die Jagd nach dem Plagiat“.

Ich freue mich grundsätzlich über Medienresonanz, auch wenn sie – wie im vorliegenden Fall – nur aus Nebelkerzen besteht. […]

Breite Solidarität mit Diplomarbeitsplagiator Matthä und Angriffe auf den Aufdecker auf LinkedIn und X

Führende österreichische Journalisten der linken bzw. linksliberalen Reichshälfte wie Florian Klenk, Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung „Falter“ und Armin Wolf, Moderator des „Österreichischen Rundfunk“, haben auf „X“ (vormals „Twitter“) offen ihre Aversionen gegen meine Arbeit bekundet und damit wohl auch klargestellt, dass sie über den schweren Plagiatsfall des Chefs der Österreichischen Bundesbahnen, Andreas Matthä nicht berichten werden. […]

Plagiatsfall Matthä: FHW-Studium „mit ausgezeichnetem Erfolg“ abgeschlossen – drei Jahre später Karrieresprung und Prokura bei den ÖBB

Diplomarbeitsplagiator Andreas Matthä, Chef von mehr als 40.000 Menschen in Österreich, hat sein Studium an der FH Wien im Jahr 2002 „mit ausgezeichnetem Erfolg“ abgeschlossen. Zumindest behauptet er das selbst auf einer alten Unternehmenswebsite der ÖBB:

Quelle: https://web.archive.org/web/20101012143051/http://www.oebb.at/infrastruktur/de/2_0_Das_Unternehmen/2_2_Management/Matthae.jsp
(Mein Dank für den Fund an Martin Jaksch.) […]

Diplomarbeit von ÖBB-Vorstand Andreas Matthä: Dutzende Internet-Plagiate in klarer Täuschungsabsicht

Noch ungeschrieben ist ja eine Abhandlung über Formen des Wissenschaftsplagiats. Da wäre zu allererst an Bauernopfer-Referenzen zu denken: Nur ein kleiner Teil des tatsächlich übernommenen Textumfangs wird als Zitat ausgewiesen. Das um das Zitat herum mit Abgeschriebene wird nicht gekennzeichnet und nicht belegt, sodass der Leser eigenen Text annehmen muss. […]

Stefanie Stahl, Immanuel Kant und das Trügerische beim Plagiieren

Die Autorin millionenfach verkaufter Bücher, „Deutschlands Psychologin Nr. 1“ Stefanie Stahl beglückte ihre Leser in ihrem jüngsten Bestseller „Wer wir sind“ (2022) nicht nur mit ganz viel Psychologie, sondern auch mit einer Prise Philosophie. Auf S. 32 meines neuen Lieblingsbuchs von Dipl. Psych. Stahl ist etwa zu lesen:

Hat das Kant tatsächlich irgendwo so geschrieben? […]

Plagiatsverfahren Niki Popper: Text-Parallelen ohne Quellenangaben auch in der Diplomarbeit des für das Verfahren zuständigen Vizerektors

Dem Simulationsforscher Niki Popper werden auch in seiner Dissertation höchstens Zitierschwächen attestiert: Dieses erwartbare Ergebnis auf Basis eines externen Gutachtens verkündete heute die TU Wien in einer Originaltext-Aussendung. Monate vorher gab es schon einen „Freispruch“ für die fast zur Hälfte des Fließtextes plagiierte Diplomarbeit von Niki Popper. […]

Wie die TU Wien die Öffentlichkeit seit Monaten zu „guter wissenschaftlicher Praxis“ anlügt – und das Ministerium dabei tatenlos zusieht

Am 17. Januar 2023 gab es ja diese Presseaussendung der TU Wien anlässlich des Plagiatsfalls Niki Popper. In dieser war unter anderem zu lesen:

Nun, wo bleibt dieses Projekt? Gibt es eine Website, irgend einen Outcome, eine Veranstaltung, eine Publikation? Die Zeit läuft ja bald ab, wo sind denn die „Instrumente und Prozesse“, die von allen genutzt werden können? […]