Schlagwort-Archive: Titelbetrug

Welche Wissenschaft wollen wir? – Brauchen die Universitäten Betrüger? Einige grundsätzliche Überlegungen

Es ist schon immer wieder befremdlich, wenn ich die Kopfnoten in den Schuljahreszeugnissen meiner Kinder lese: Da werden unter anderem „Leistungsbereitschaft“, „Zuverlässigkeit und Sorgfalt“ und „Selbstständigkeit“ benotet (Anmerkung: Meine Kinder gehen in Sachsen zur Schule). […]

Wie konnte Staatssekretärin Ulrike Lunacek auf den Promotionsbetrüger und Urkundenfälscher Axel Spörl hereinfallen?

Nun ist es also amtlich: Axel Spörl hat seine Promotionsurkunde gefälscht und alle – auch mir im persönlichen Gespräch berichteten – Fakten zu seiner Dissertation frei erfunden. Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Mann in einer Spitzenposition im österreichischen Kulturbetrieb, mit mehr als 200 MitarbeiterInnen ‚unter‘ sich und einer Jahresgage von rund 200.000,– Euro (das verdient auch der bisherige Chef von „Art for Art“), der diese Zeilen zu seiner Dissertation einfach so frei erfindet:

„Im Kern betrachtet die Arbeit Regeln der Harmonielehre (Gestaltung von Mehrstimmigkeit) und Kompositionstechnik (Entwicklung von Phrasen und Melodien) aus mathematischer und physikalischer Sicht. […]

„Art for Art“ oder doch „Art of Upgrading“: Was die Causa Spörl über die Besetzungspolitik in Staatsbetrieben aussagen könnte

Axel Spörl ist also zurückgetreten. Das Problem jener Seilschaft, die ihn in Zeiten einer durch das Coronavirus dahin darbenden Kunst- und Kulturszene in den 200.000-Euro-Posten gehievt hat, ist damit noch nicht einmal im Ansatz gelöst.

Wenn es jetzt von der Bundestheater Holding via APA heißt, niemand habe vor der Bestellung von den Verdachtsmomenten gewusst und alle Unterlagen seien durch einen externen Personalberater genau geprüft worden, muss man doch einiges zurechtrücken:

1) Diese Sachverhaltsdarstellung wegen Verdachts des Verstoßes gegen § 116 UG durch Herrn Spörl habe ich am 30.12.2019 der Bezirksverwaltungsbehörde, in diesem Fall dem Magistrat Wien und namentlich Bürgermeister Dr. […]

Ghostwriting-Fall bei WU Wien angezeigt: Hans-Peter Haselsteiner war offenbar Mitwisser von Titelerschleichung seiner späteren Ehefrau

Ghostwriting ist neben Plagiarismus eines der großen Probleme an den Universitäten, und Softwareanbieter wie Turnitin oder PlagScan arbeiten hier an Lösungen. Der diese Zeilen schreibende Plagiatsgutachter hat über die Jahre einen eigenen stilometrischen Kriterienkatalog entwickelt, mit dem er Texte auf Autorschaft vergleichen kann, basierend auf einer Liste von 21 formalen und stilistischen Merkmalsgruppen mit Untermerkmalen. […]

Weder Universitätsprofessor noch Psychologe: Die konstruierte akademische Vita des O. Fred Donaldson

O. Fred Donaldson ist „Erfinder“ von „Original Play“, einer Art Körperkontakt-Ritual, bei dem sich (Klein-)Kinder mit Erwachsenen animalisch, d.h. wie kleine Tiere verhalten und sich austoben können. Zahlreiche vor allem evangelische Kindertagesstätten etwa in Deutschland, Montessori-Schulen und viele andere vorschulische und schulische Institutionen bieten „Original Play“ an. […]

Jahresrückblick 2018: Qualität von Sachverständigengutachten, automatisch generierte Texte ohne Autor, Abschreiben von EU-Prüfbehörden

Neben der üblichen Begutachtung von Doktorarbeiten, die ich mittlerweile im 11. Jahr durchführe, brachte das Jahr 2018 einige neue Schwerpunkte meiner Arbeit mit sich:

  • Ein erster Schwerpunkt lag auf der Qualität – inkl. der Prüfung auf Plagiat – von Gerichtsgutachten von Sachverständigen und auch auf deren Ehrlichkeit bei der Führung ihrer akademischen Grade.
[…]

AMS vermittelt akademische Ghostwriter: Arbeitsmarktservice unterstützt damit Verstöße gegen das Universitätsgesetz

In zumindest diesem Inserat – und in womöglich noch mehreren – vermittelt das österreichische AMS (Arbeitsmarktservice) akademische Ghostwriter, die für andere Hausarbeiten, Seminararbeiten, Bachelorarbeiten, Master- und Diplomarbeiten sowie Doktorarbeiten schreiben. Das Thema machte gerade auch in Deutschland die Runde. Es ist offenbar mittlerweile nicht mehr so, dass sich die akademische Ghostwriter-Szene auf diversen Freelancer-Plattformen tummelt, wie von mir noch 2016 beklagt. […]