Archiv des Jahres: 2011

Ideal für Copy-Paste: Heiße-Luft-Neusprech

Ihr werter Plagiatsgutachter hatte unlängst nichts Besseres zu tun, als sich für die Headhunter-Branche zu interessieren. Er fand ein Unternehmen, und er las auf dessen Website den folgenden schönen Satz (ohne Anführungszeichen):

Der Mehrwert aus unserer Beratungsarbeit sind, neben messbaren und gewinnwirksamen Ergebnissen, qualitative Verbesserungen durch effiziente Organisationsstrukturen und Prozesse und ein Controlling über die Projektarbeit hinaus.“ […]

Das große Scannen oder: Ehrendoktorat für Guttenberg!

Blicken wir mal zurück: Noch 2010, im Jahre vor Guttenberg, waren Kollegin Debora Weber-Wulff – schon länger präsent mit eigenem Webportal und Blog – und Ihr werter Plagiatsgutachter alleine auf weiter Flur. Dann kam Guttenberg, und neue Spieler wie „PlagDoc“ oder „Dr. Martin Klicken“ traten auf den Plan und förderten ziemlich Unschönes zutage. […]

Die TU Dresden und das (oder ihr?) Plagiatsproblem

„Plagiatsvorwürfe sind bei uns sehr selten“, sagt der ehemalige Rektor und heutige Ombudsmann für die saubere Wissenschaft an der TU Dresden in einem lesenswerten Artikel in der Sachsen-Ausgabe der heutigen „Zeit“. Und der ehemalige Dekan ergänzt, es habe überhaupt nur einen einzigen Fall gegeben, nämlich den „Fall“ Wöller. […]

Dissertationsplagiatsverdacht erstmals in österreichischem Wiki gemeldet

Wer hätte damit noch gerechnet: Auch im Land der inner- und außerakademischen Wurschtigkeit gibt es einen ersten im Wiki gemeldeten Verdachtsfall. Ich habe mir freilich vor dieser Meldung erlaubt, die erste (und wohl eindeutigste) Stelle zu überprüfen, und siehe da: Sie stimmt. Nun stellt sich die Frage, ob das in Österreich irgend jemanden interessiert. […]

Dissertation an der TU Berlin: Erneut schmerzliche Enthüllungen auf VroniPlag


Anything goes: Quellenangabe „Super Illu“ auf S. 45 der Dissertation

Eigentlich ist es fast schon egal, ob der Promovierte Bürgermeister ist oder nicht, FDP-ler ist oder nicht, als Fachmann auf seinem Gebiet gilt oder nicht, Webseiten zum einschlägigen Thema betreibt bzw. betrieben hat oder nicht: Die neuen Enthüllungen auf VroniPlag über eine 2009 an der TU Berlin angenommene Dissertation sind auch ohne das den massenmedialen Nachrichtenfaktoren entsprechende Beiwerk wieder schwer zu verdauen: Neben den bekannten Spielarten des Textplagiarismus stellt sich hier die (zwar in den VroniPlag-Fällen auch nicht neue, aber doch selten so klar hervorgetretene) Frage nach der Quellenseriosität – unabhängig von korrekter Zitation oder Plagiat. […]

Über wissenschaftliche Standards „nicht aufgeklärt worden“


Quelle: Schriftenverzeichnis Siegfried Haller, S. 2

Er hat es tatsächlich gesagt. Siegfried Haller sei „nicht aufgeklärt worden, was wissenschaftliche Standards sind“. Indirekt will er damit wohl der Universität Mitschuld an seinem wissenschaftlichen Fehlverhalten geben. Bringschuld oder Holschuld – das ist hier fast einerlei. Was mich mehr bewegt, ist das Faktum, dass es sich nicht nur um einen ‚reinen‘ Amtsleiter handelt (dem könnte man das vielleicht noch abkaufen), sondern um einen – siehe Schriftenverzeichnis mit mehr als 100 Publikationen – „Dipl.-Soziologe[n] […]

Mainzer Herzchirurgin unter Plagiatsverdacht

Nach einer Führungskraft im öffentlichen Dienst (siehe Leipziger Amtsleiter) nun also auch noch die Medizin: Eine Mainzer Herzchirurgin steht massiv unter Plagiatsverdacht, siehe hier und hier. Unter anderem soll sie aus der Habilitationsschrift ihres eigenen Doktorvaters großflächig unzitiert abgeschrieben haben, der das „durchgehen“ ließ (oder wieder mal: nie gelesen hat). […]

Leipziger Amtsleiter unter Plagiatsverdacht


Aus der Dissertation. Der Hinweis auf das Plagiat wurde hier in der Fußnote selbst gegeben. Keine optische Hervorhebung der übernommenen Passagen im Fließtext. Der Skandal ist hier auch: Jeder Betreuer müsste sofort sehen, dass es so eine Zitierweise nicht gibt. Die Nicht-Kennzeichnung wörtlich übernommener Stellen ist ein non licet. […]

Althusmann will „Gegengutachten“ nicht veröffentlichen

Während „Kultusminister Dr. Bernd Althusmann“ etwa Kindertageseinrichtungen, Schülerlabors und die überbetriebliche Berufsausbildung in Niedersachsen öffentlich lobt, ist er in puncto Öffentlichkeit bei seiner eigenen Dissertation doch deutlich zurückhaltender. Eine offenbar „mindestens 15 Seiten lange Stellungnahme“ und auch (besonders interessant!) „ein wissenschaftliches Gegengutachten von anderen Hochschulprofessoren“ will er nicht veröffentlichen, schreibt das „Hamburger Abendblatt“. […]

Der Wikinepp in Uni-Bibliotheken geht munter weiter

Die taz widmet sich einem neuen/alten Thema, auf das unter anderem auch in diesem Blog erstmals hingewiesen wurde: den dubiosen Verlagspraxen von VDM. Geschäftsidee des Verlegers ist es, möglichst viele Books-on-Demand anzubieten, wobei in einigen VDM-Subverlagen ausnahmslos Wikipedia-Artikel auf mitunter beliebig anmutende und unredigierte Weise kompiliert werden – und das für teures Geld. […]

Forderung nach flächendeckender rückwirkender Überprüfung von Dissertationen

Ich finde, es ist an der Zeit, eine Forderung auszusprechen: Die Universitäten und Fachhochschulen Deutschlands sollten verpflichtet werden bzw. idealerweise sich verpflichten, alle Dissertationen zumindest der vergangenen fünf Jahre (etwa: 2006 bis 2010) auf Plagiat im Stile Guttenbergs & Co., aber auch auf sinnlose bzw. falsche Zitation im Stile Althusmanns (mit der Folge des „Subtilplagiarismus“) zu überprüfen. […]

Fall Althusmann: Akribischer Einblick in den Abgrund der Textunkultur

Bei diesem Dokument wird einem schwindlig. Aber nicht, weil es nachweist, dass ganz offensichtlich, etwa absatz- oder seitenweise, kopiert wurde – wie in den bisherigen Fällen. Sondern gerade, weil es zeigt, dass auch dann abgeschrieben und gnadenlos zusammengestoppelt wird, wenn etwa auf Literatur mit „vgl.“ indirekt verwiesen wird. […]

Ein Trauerspiel: Kultusminister Althusmann unter Plagiatsverdacht

Es geht heute munter weiter. Diesmal war’s nicht VroniPlag, sondern hat’s ein Redakteur der „Zeit“ exklusiv berichtet.
Habe ich es nicht gesagt? In jeder Kommission, die für Qualitätsstandards im Bildungswesen zuständig ist, sitzt mindestens ein Plagiator (und wenn nicht Textdieb, dann andersartiger Titelbetrüger). Wir brauchen nun – neben dem Purzeln zahlreicher Doktorgrade – wirklich so etwas wie eine Revolution in der Wissenschaft. […]

Sehr gut! Wieder ein „Doktor Decorus“ in Deutschland weniger

Die Universität Tübingen hat heute mitgeteilt, dass Matthias Pröfrock der Doktorgrad entzogen wurde. Interessant ist dabei die Formulierung in der Pressemitteilung, der Promotionsausschuss „geht aufgrund der Schilderungen des Betroffenen zu seiner Arbeitsweise bei der Abfassung der Dissertation davon aus, dass die Übernahme der fremden Texte jedenfalls grob fahrlässig erfolgte“. […]

SE-Arbeiten aus „Fälschung, Betrug und Plagiat in Wissenschaft und Kunst“

Ich freue mich, eine erste Auswahl von Seminararbeiten aus meinem einschlägigen Seminar in diesem Sommersemester hier publizieren zu können (Universität für angewandte Kunst Wien, Fachbereich Medientheorie).

Ludwig Hammel und Joseph Knierzinger:
Plagiat und Wirklichkeit

Alexander Korab:
Der Tisch, der in der Ecke steht… Mitterers Non-Dualismus, Schrödingers Quantenmechanik sowie eine kritische Position gegenüber der infiniten Wahrheitssuche und weiteren wissenschaftlichen Fortschritten im Dienste des Kapitalismus. […]

Schon wieder neue Spielart entdeckt: Die „Dissertationsdoublette“

Wie oft ist es eigentlich passiert, dass sich eine neue Dissertation an einer älteren auffällig intensiv „orientiert“? Man vergleiche einmal die beiden Dissertationen hier (2000) und hier (2004). Partiell überschneiden sich in beiden Arbeiten zumindest:

– Der Titel
– Etwas „frei nach Wilhelm Busch“ als Motto 😉
– Die Kapitelüberschriften
– Die Kapitelabfolge
– Das Abkürzungsverzeichnis
– Die Einleitung, S.
[…]

„Ars Electronica“ als PR-Plattform für CERN

Die „Ars Electronica“ im österreichischen Linz war einmal ein Festival für spannende, teils subversive Kunst und für innovatives, teils gesellschaftskritisches Denken. Ihr werter Plagiatsgutachter wunderte sich schon vor Jahren über die höchst seltsamen Pfade, die dieses dereinst wegweisende Festival seit Ende der neunziger Jahre eingeschlagen hat – und über das große Schweigen dazu in Österreich, wie immer bis auf einige ganz wenige kritische Stimmen. […]

Plagiatsnachweise bei bereits sieben bundesdeutschen Politiker(umfeld)-Dissertationen


Quelle: VroniPlag

„‚Mit GuttenPlag haben wir gezeigt, dass Guttenberg ein Betrüger ist‘, sagt er. ‚Mit VroniPlag haben wir gezeigt, dass er nicht der einzige ist. Was soll da noch kommen?‘ Das Ausmaß des Betrugs, die Zahl, das soll, wenn es nach ihm ginge, noch kommen. Er hat einen Namen, den er nicht öffentlich machen will, im Internet heißt er KayH.“ […]

Zitierregeln und Plagiat – wie war es früher?

Die derzeitigen Debatten in Österreich um die Doktorarbeiten von Johannes Hahn, Peter Pilz und womöglich auch bald Christa Them werfen eine hochinteressante Frage auf: Herrschten früher, vielleicht vor 2000, vielleicht vor 1990, tendenziell Wildwuchs und Beliebigkeit in den textorientierten Wissenschaften? Wurden verbindliche Zitierregeln, ja am Ende die Grundregeln der Kennzeichnung fremden Textmaterials erst nach 1990 oder gar erst nach 2000 eingeführt? […]

Wollte die Medizinische Universität Wien einen Plagiatsfall vertuschen?

Eine „Forschungsinstitution mit Weltruf“ sei man, heißt es in der Webseiten-Beschreibung der Med-Uni Wien, die Google listet. Da stören offenbar Fälle von wissenschaftlichem Fehlverhalten. Aber genau dieser Umgang ist der falsche Weg: Solche Fälle passieren, gerade bei großen Institutionen, und sie sollten transparent behandelt, das heißt publik gemacht werden. […]

Warum keine kollaborative Wiki-Lösung gegen die EHEC-Krise?

GuttenPlag und VroniPlag haben sich bei der raschen kollektiven Aufklärung wissenschaftlichen Fehlverhaltens bewährt. Im Moment hat Deutschland noch viel handfestere Probleme als abschreibende Führungskräfte: EHEC ist (hoffentlich nicht) in aller Munde.
Und ich frage mich gerade, warum es noch kein Wiki für die Bewältigung der EHEC-Krise gibt. […]

Schon wieder Nachwuchs bei VroniPlag


Quelle: VroniPlag

Die Parteifarben sind immer noch dieselben. Auch sind weiterhin Nicht-Naturwissenschaftler und Nicht-Techniker betroffen. Aber immerhin gibt es eine thematische Abwechslung: Endlich mal kein mehr oder weniger klares EU-Thema. Dafür dürfte die Abschreibunkultur wieder dieselbe sein. Willkommen zu Fall Nummer fünf auf VroniPlag!
Sollte VroniPlag jemals eine Fernuniversität gründen, würde ich auf ihr doch gerne noch Professor werden! […]