Archiv des Jahres: 2011

Unglaubliche Enthüllungen auf VroniPlag: Des Politikers Textkultur ohne Hirn


Quelle: VroniPlag

Ich bin immer wieder fassungslos, was das Team von VroniPlag alles zu Tage fördert. Man sehe sich nur die abgebildete Seite 23 in der Dissertation des FDP-Politikers Chatzimarkakis an. Warum erstellte er wie so eine Textschnipsel-Collage mit den Anschein eigener Durchdringung? Zum „Warum“: So etwas entsteht aus Überforderung oder Unterforderung. […]

Cut-Up-Technik als Vorläufer des Copy-Paste-Syndroms?

Soeben lese ich die Dissertation eines bekannten österreichischen Politikers. Und siehe da, ich entdecke schon wieder eine neue Variante der rätselhaften Textverwertung. Die Arbeit ist von Seite 1 bis Seite 182 nicht nur wort-, sondern auch gleich satz- und seitenspiegelidentisch mit einer Ministeriumsstudie, die der damalige Dissertant gemeinsam mit einem anderen Wissenschaftler einige Monate zuvor veröffentlicht hatte. […]

Wissenschaftsminister findet akademisches Ghostwriting ok

Die „Salzburger Nachrichten“ berichteten heute über eine auch in Salzburg ansässige Firma für akademisches Ghostwriting. Darauf hin eine klare Frage eines ORF-Journalisten im Ö1-Mittagsjournal an den (von der ÖVP nominierten) derzeitigen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle:
„Es gibt bereits eine Firma in Salzburg, die wissenschaftliche Arbeiten für andere schreibt. […]

Anti-Intellektualismus österreichischer Art

Nun ist also mein Gutachten zu Johannes Hahn Journalisten übergeben und online publiziert worden. Die Reaktionen sind im Wesentlichen seit Jahren dieselben, wenn in Österreich Plagiatsfälle aufgedeckt werden, und so kam es auch diesmal:
FAKTENIGNORANZ. Obwohl die Anschuldigungen schwarz auf weiß dokumentiert werden und von jedermann/frau nachvollzogen werden könnten, hat sich die Mehrheit der Netz-Poster bereits ihre Holzhammer-Meinung gebildet, oft mit haarsträubender Fakten-Unkenntnis, obwohl das PDF nur einen Mausklick weit vom Webforum entfernt wäre (nachzulesen etwa hier). […]

Die Cultural Studies und das Copy-Paste-Syndrom

Ein totgeglaubtes Thema kehrt zurück. Prof. Lothar Mikos mag keine Plagiats-Wikis. – Wer ist Lothar Mikos? Nähere Informationen finden sich auf seiner optisch wie inhaltlich sensationellen Webseite. Ich glaube, er gehört im weiteren Sinne den so genannten „Cultural Studies“ an. Der Name tauchte für mich das erste Mal auf, als Lothar Mikos externer Erstbegutachter einer Diplomarbeit wurde, die von der Klagenfurter gekündigten Assistentin und Plagiatorin von „Wickie und die starken Männer“ verfasst wurde. […]

Wer muss sich „stellen“?

In einigen Blogs und Massenmedien wird nun die Forderung erhoben, die anonymen „Jäger“ im Netz müssten sich „stellen“, müssten ihre Anonymität auf- und ihre wahre Identität preisgeben. Das ist Humbug, man nennt dieses Denken „Opfer-Täter-Umkehr“. Musste sich in der Vergangenheit denn jemals ein im klassischen Reviewing-Prozess anonym bleibender Gutachter „stellen“? […]

Die „besten“ Ausreden der abschreibenden Zunft

Aus aktuellem Anlass eine kleine Sammlung:
1. Er habe die Dissertation selbst verfasst, was durch ein handgeschriebenes Konvolut bewiesen werden könne (Johannes Hahn, EU-Kommissar).
2. Er habe ein „Diskettenproblem“ gehabt, es handle sich somit um ein „elektronisches Versehen“ (Hubert Biedermann, Montanuniversität Leoben). […]

Textueller Missbrauch an deutschen Unis und in der Europapolitik

Seit gestern wissen wir, wieder einmal dank VroniPlag, dass ein weiterer deutscher Politiker aus dem konservativ-liberalen Lager bereits die ersten Sätze der Einleitung seiner Dissertation aus der FAZ abgeschrieben hat. Der gute Mann muss schon ins Schwitzen gekommen sein, denn auf seiner Website erklärt er – auch seit gestern – seine Neuerfindung der wissenschaftlichen Zitiertechniken: vom Harvard-Style zum Jorgo-Style sozusagen. […]

Ein denkwürdiger Tag

Sollten wir am 11. Mai fortan den „Tag der wissenschaftlichen Redlichkeit“ feiern? Heute morgen kam die Nachricht, dass die Universität Konstanz Veronica Saß den Doktortitel aberkannt hat. Am Vormittag folgte der Endbericht zu Guttenberg: Er findet klare Worte zu Guttenbergs unermesslichem Fake, aber leider keine klaren Worte zu Häberle und Streinz und deren Netzkompetenz anno 2006. […]

In Deutschland purzeln die Doktorgrade

Willkommen beim neuen Spiel (dank Massenmedien und vor allem Internet): „Ex-Doktor, ärgere Dich nicht“. Nach Guttenberg, zu dem der Prüfbericht der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ seit heute im Internet nachzulesen ist, nun also auch Veronica Saß. Zumindest drei oder vier weitere heiße Kandidaten für das Spiel, das zuletzt von VroniPlag maßgeblich gesteuert wurde, könnten folgen. […]

Fünf-Jahres-Jubiläum: Plagiate statt Ostereier suchen


Noch kein Wiki, aber immerhin Wickie: Akademischer Plagiatsfall anno 2006 im Netz

Es war Ostern 2006, als eine Kollegin und ich erstmals die Idee hatten, das Ausmaß eines akademischen Plagiatsfalls im Netz zu dokumentieren und zu diskutieren. Dieses Faktums gedenken wir heute fast ein wenig nostalgisch ;-). […]

Plagiierende und Plagiate verharmlosende Professoren als Teile des Systemproblems

Dass das ungeheuerliche Ausmaß des Plagiierens, das in den Wikis fortwährend akribisch dokumentiert wird, kein alleiniges Problem von (Spitzen-)Politikern ist, ist jedem Szene-Kenner bekannt. Es gibt nicht wenige Professoren, die glasklare Plagiate fortwährend relativieren, bagatellisieren oder gar ganz in Abrede stellen. Diese Leute werden oder wurden dafür gut bezahlt, wiederholt am Bruch der wissenschaftlichen Spielregeln mitzuwirken – oft auch unter Hinweis auf angebliche ‚größere‘ Weltprobleme, siehe etwa zuletzt die Statements hier und hier. […]

Die niedere Kunst des geringfügigen Umschreibens

Nach Guttenberg, Saß, Pröfrock und Koch-Mehrin nunmehr also Fall Nummer fünf in Deutschland. Dieser wird seit einigen Stunden auf PlagiPedi dokumentiert. Vieles deutet mittlerweile auf ein hochgradig systemisches Problem hin, auf eine Epidemie.
Was zeigt das erste Handvoll Fundstellen in diesem Fall? Ganz wie gehabt: Ab- und umschreiben (meist kürzen, vereinfachen, sehr selten erweitern) statt selbst schreiben. […]

Terrorismus im Web 2.0 oder historisches Verdienst für die Wissenschaft?

Während die Berliner Medieninformatikerin und „Plagiatsjägerin“ Debora Weber-Wulff in einem Interview mit Deutschlandradio die Aktivitäten der Plag-Wiki-Aktivisten lobt (wie dies auch Ihr werter Plagiatsgutachter bislang getan hat), äußert sich nun erstmals ein ebenso engagierter Kämpfer gegen Plagiate sehr kritisch gegenüber der aktuellen Entwicklung. Volker Rieble sagt in einem Interview mit „Focus online“ folgendes:

„Aber ich verstehe auch die derzeitige Aufregung der Internetgemeinde nicht. […]

Neubewertung von Selbstplagiaten?

Auf eine hochinteressante Nachricht hat mich gerade der Wissenschaftsjournalist Hermann Horstkotte hingewiesen: Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität, die erst heute eine Stellungnahme zum Umgang mit Plagiaten publiziert hat und Österreichs Universitäten vor einer „falsch verstandenen Solidarität“ mit Plagiatoren warnt, hat offenbar nun doch eine Verletzung der guten wissenschaftlichen Praxis in einem Fall erkannt, der schon vor einigen Jahren in den Medien aufgegriffen wurde. […]

PlagWiki-Aktivisten melden nächsten Verdachtsfall

Fall vier der Politiker(umfeld)dissertationen wird hier analysiert. Interessant ist, dass die anonymen Plagiatsjäger im Netz nach derselben Methode vorgehen wie ich: Erste Text-Konkordanzen werden häufig über die Google Buchsuche gefunden. Auch mit der Snippet-Ansicht lässt sich schon gut arbeiten (Stichwortsuche). Wenn aus den Originalquellen des Plagiats in jüngeren Schriften nur Teile zitiert werden, bringen der Gang in die reale Bibliothek und das Aufsuchen dieser Originalquellen in der Regel noch mehr Treffer. […]

Einmal kein Plagiat, einmal Plagiat mit Vorsatz – und zweimal die Frage nach der Transparenz

Die Diplomarbeit des ehemaligen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser stellt kein Plagiat dar, meldete heute die Universität Klagenfurt, auch unter Berufung auf eine „summarische Prüfung“ (?) der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI). Verdächtige Passagen der Arbeit waren unter anderem in einer österreichischen Tageszeitung als Faksimiles veröffentlicht worden (siehe die „Bilderstrecke“ hier). […]

Deutscher Plagiatsskandal: Wann äußert sich Schavan?

Ich war heute auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ich lese dort unter „Hochschulen“ nur von Qualitätspakt, Innovationspotenzial und Exzellenzinitiative. Die PlagWikis zeichnen derzeit ein ganz anderes Bild der Lage, das sehr traurig stimmt: Dissertationen, die offenbar von Betreuern (mittlerweile sind schon sechs Professoren betroffen!) […]

Copy-Paste-Affäre: Dritte rechtswissenschaftliche Dissertation im Visier

Nach den bereits verifizierten Plagiatsfällen Guttenberg und Saß gibt es nun einen dritten Verdachtsfall in Deutschland: Wieder Rechtswissenschaften, wieder Zeitraum nach 2005, wieder eine Universität in der südlichen Hälfte Deutschlands, wieder (Umfeld) CDU/CSU, und wieder macht man sich im Wiki kollektiv auf die Plagiatssuche.
Im Moment fällt es selbst mir schwer, die Sache einzuordnen, und so wird es wohl auch den Qualitätsmedien in den nächsten Tagen gehen. […]

In bester Gesellschaft


Quelle: Telepolis

Das Buch „Das Google-Copy-Paste-Syndrom“ Ihres werten Plagiatsgutachters findet sich im Amazon-Partnerprogramm von „Telepolis“ in bester Gesellschaft – gleich neben postmodernen Gesamtkunstwerken wie „Verfassung und Verfassungsvertrag“ oder „Regulierung im Mobilfunk“. Das freut mich!
Nur: Was bitte hat denn die Dissertation des CDU-Abgeordneten Günter Krings hier zu suchen? […]

Neuer Begriff macht die Runde: „Gutteln“

„gutteln“ im „Wörterbuch der deutschen Sprache“, 1838, damals in etwa gleichbedeutend mit „gluck gluck gluck machen“

Die Guttenberg-Affäre hat nicht nur der Frage nach dem Sinn wissenschaftlicher Abschlussarbeiten und der Qualitätssicherung bei ebendiesen eine völlig neue Dimension gegeben, sie hat nicht nur die Kultur der Aufdeckung radikal verändert, sie hat nun auch bereits erste Auswirkungen auf die deutsche Sprache: Der Begriff „gutteln“ macht die Runde. […]

VroniPlag Wiki funktioniert – Eine erste kleine Plag-Wiki-Bilanz

Respekt! Über Nacht hat die Netzgemeinde auf 47 Seiten der Dissertation „Regulierung im Mobilfunk“ von Veronica Saß Plagiatsstellen gefunden. Dies ist ein geeigneter Zeitpunkt, einmal eine erste vorläufige Plag-Wiki-Bilanz zu ziehen.

* Begonnen hat alles mit dem fulminanten Erfolg von GuttenPlag Wiki, das am 17. […]

VroniPlag Wiki gegründet – ob es wieder funktionieren wird?

Der Titel des neuen Wikis ist schon mal sehr originell. Wenn ich es richtig einschätze, ist die neue Plagiatsaffäre den Massenmedien, auch der Qualitätspresse, zunächst weitgehend egal. Dann stellt sich die Frage, ob sich genügend Netznutzer über die netzeigenen Kanäle aufraffen werden – schade wäre es, wenn’s nicht ein zweites Mal klappen würde. […]

Nächste Dissertationsaffäre nach Guttenberg braut sich zusammen


Aus dem Original, Diskussionspapier, Universität der Bundeswehr Hamburg, 2003, S. 1

Aus der Doktorarbeit, Universität Konstanz, 2008

Waren die Causa Guttenberg und das Ausmaß des Plagiats ein Einzelfall? Alle Universitäten aller Länder der Welt haben ein Plagiatsproblem. Aber Deutschlands Universitäten haben langsam ein Imageproblem, falls sich nunmehr tatsächlich das „Muster Guttenberg“ wiederholen sollte. […]