Terrorismus im Web 2.0 oder historisches Verdienst für die Wissenschaft?

Während die Berliner Medieninformatikerin und „Plagiatsjägerin“ Debora Weber-Wulff in einem Interview mit Deutschlandradio die Aktivitäten der Plag-Wiki-Aktivisten lobt (wie dies auch Ihr werter Plagiatsgutachter bislang getan hat), äußert sich nun erstmals ein ebenso engagierter Kämpfer gegen Plagiate sehr kritisch gegenüber der aktuellen Entwicklung. Volker Rieble sagt in einem Interview mit „Focus online“ folgendes:

„Aber ich verstehe auch die derzeitige Aufregung der Internetgemeinde nicht. Es herrscht ein Ungleichgewicht in der Wahrnehmung, wenn in unserem Land der geistige Diebstahl derart angeprangert wird, Steuerhinterziehung aber nicht. Viele der Plagiatsjäger sitzen nur zuhause in ihrem Sessel, kopieren Textstellen und geben sie bei Google ein. Auf der anderen Seite verlangen sie offenen Zugang zu allen Daten und Quellen im Internet. Da muss man sich schon fragen, ob Herz und Hirn noch zusammenpassen.“

Rieble ortet weiter politische Motive hinter der Hatz:
„Nur haben im Moment politisch Linksstehende in der Internetgemeinde die Konservativen als Zielgruppe ausgemacht.“

Schließlich relativiert er den Plagiator als (Übel-)’Täter‘:
„Aber die meisten Plagiatoren sind keine Übeltäter, sondern arme Würstchen.“

Bald könnte jemand argumentieren, die Plag-Wiki-Aktivisten seien die Terroristen des Web 2.0: Um einen Politiker ‚abzuschießen‘ (man verzeihe mir diese Metapher), müsse man nicht mehr, wie noch in den Siebzigern und Achtzigern, grausame irrationale Dinge tun. Es genüge heute die virtuelle Kriegsführung: der Barcode.

Wer das so denkt, darf aber nicht vergessen, dass hier (Spitzen-)Politiker als Plagiatoren enttarnt werden: als jene, die genau das getan haben, wogegen jeder seriöse Wissenschaftler seit Jahren ankämpft. Politiker als Beitragende zu einer Textkultur ohne Hirn sind jedenfalls ein riesiges Problem, und man muss ja auch die Frage nach ihren eigenen kognitiven Kapazitäten stellen dürfen, wenn man solche Arbeiten liest. Ich möchte jedenfalls nicht, dass ein Plagiator über die Zukunft meiner Kinder in diesem Land mit entscheidet und sehe deshalb den Barcode als reinigendes Symbol.

Klar ist auch (mit den Worten von Petkovic und Sokal, in diesem Blog schon öfter zitiert, siehe S. 66 hier), dass Plagiate objektivierbare Tatsachen, ‚intersubjektiv überprüfbare‘ Phänomene, neue (mehr oder weniger) konsensuelle Interpretationen bzw. Beschreibungen sind (je nach Wissenschaftstheorie: Realismus, kritischer Realismus, Konstruktivismus, Nondualismus…). Dabei spielt es wohl keine Rolle, ob der Aufdecker politisch aktiv ist, sich an jemandem rächen möchte, nach einem neuen Geschäftsmodell sucht oder nur wegen chronischer Schlafstörungen zum besessenen Nachgoogler geworden ist. Oder?

Das ist im Moment die Frage. Einer der Hauptaktivisten auf GuttenPlag und VroniPlag, „Dr. Martin Klicken“, schreibt in seinem Benutzerprofil (müsste mittlerweile um Koch-Mehrin ergänzt werden):

„Da wir jetzt 3x Süddeutschland, 3x Schwarz, 3x Rechtswissenschaften hatten, würde ich mich riesig über einen Hinweis auf eine Dissertation z.B. aus der Gegend um Kiel, Informatik, Autor Sozialdemokrat freuen. Das ist kein Witz.
Durch die Bearbeitung eines solchen aussagekräftigen Hinweises könnten wir einigen den Wind aus den Segeln nehmen. „

Dass das öffentliche Aufdecken von Plagiaten in Netz-Kollaborationen so oder so weitergehen wird, zeigt sich auch daran, dass VroniPlag mittlerweile schon auf der Startseite klarmacht, längst über den Tellerrand von Veronica und Co. hinaus schauen zu wollen: „Dieses Wiki dokumentiert Plagiate in Dissertationen.“

Wo bleiben eigentlich die Statements von DFG, Wissenschaftsministerium und anderen zu dieser Entwicklung? Und wacht die Politik erst dann auf, wenn die PlagWikis zu Neuwahlen geführt haben? Themen ohne Ende für neue Bücher, Symposien, Vorträge, Streitschriften hat zumindest die Wissenschaft für die nächste Zeit… Nur: Wer hat vor lauter Nachgoogeln, Presseanfragen beantworten usw. noch Zeit für Tiefgang und Reflexion? Ihr werter Plagiatsgutachter war gestern in der architektonisch fulminanten SLUB und borgte sich 22 Bücher aus. Ein tolles Kontrasterlebnis, das jedem Tag-und-Nacht-Googler einmal verordnet werden sollte… 😉

12 Gedanken zu „Terrorismus im Web 2.0 oder historisches Verdienst für die Wissenschaft?

  1. Dr. erb. Senzahl

    Bin froh, dass ich, wenn auch etwas verspätet, diesen Eintrag nebst zug. Diskussion gefunden habe. Ich hatte mir nämlich auch schon den Kopf zerbrochen, was Rieble mit der „Herz und Hirn“-Äußerung sagen wollte. Gut zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der es nicht verstanden hat. Eine Anmerkung noch zur Bibliothek aus Stein: Mir war bis vor kurzem nicht bewusst, dass es bzgl. der Katalogdaten auch eine digitale Blindheit gibt. Zumindest in meiner (zugegeben mittelgroßen) Landesbibliothek ist der bis Anfang der 1980er geführte Zettelkatalog zwar digitalisiert worden. Diese Daten sind aber bislang nicht mit dem aktuellen OPAC zusammengeführt. Dh. wenn man zB per Verbundkatalog sucht, werden vor 1980 angeschaffte Werke vielfach nicht berücksichtigt. Ich bin bei einer GuttenPlag-Recherche von einem Bibliothekar auf den digitalen Zettelkatalog aufmerksam gemacht worden (OPAC-OLD). Dort konnte ich dann viele Werke direkt vor Ort finden, die laut Verbundkatalog nur bei ganz wenigen Bibs im Bestand sein sollten.

    Dankeschön an die Beteiligten für ihr Engagement und ihre Beharrlichkeit und freundliche Grüße
    Senzahl

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  2. Prometheus

    Lieber Herr Weber,

    danke für die Klarstellung – ich hatte das in der Tat anders gelesen, was vielleicht der Tatsache geschuldet ist, dass in der aktuellen Debatte Vorwürfe von akademischer Seite hochpoppen, von denen man dachte, sie seien Geschichte. Aber über Stürmer haben Sie ja bereits geblogt. Und über Schumacher muss man wahrscheinlich kein Wort mehr verlieren, zumal er sich erkennbar ausserhalb jedes wissenschaftlichen und auch journalistischen Diskurses bewegt. So wie Wissenschaft in den „Arbeiten“ der Plagiatoren zur formalen Diskurssimulation verkommt, so verkommt hier journalistische Arbeit zur verschleiernden PR.

    Verzeihen Sie deshalb meinen spitzen Einwurf. Es ist eh blöd, dass wir über Rieble hier diskutieren müssen. Offensichtlich mangels medialer Kompetenz des Kollegen. Die Frage der Anonymität sei mal dahingestellt. Zum Thema haben Sie eigentlich alles notwendige gesagt. Text- und quellenkritische Arbeit wird nicht mehr allein durch große Persönlichkeiten mit Amtssitz an einer Universität garantiert im Netzzeitalter, sondern durch Offenheit, Transparenz, Gestaltbarkeit, Veränderbarkeit – eben alles, was ein Wiki auszeichnet. Wer seinen Namen daruntersetzen mag, sollte sich fragen, wie lange er noch Teil der medialen Öffentlichkeit sein wird.

    Beste Grüße,
    Prometheus

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    1. admin

      Die „formale Diskurssimulation“ trifft es sehr gut. Ich war im Übrigen, weil es gerade so passt, erstaunt, gerade das hier zu lesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-23905874.html
      Die Arbeit gäbe es für weniger als 2 Euro bei amazon (um auch schön im Netz zu bleiben ;-)):

      Ähnliche Länge, nicht unähnliches Thema wie bei zu Guttenberg, ähnliche Erstvorwürfe offenbar (bei denen es blieb). Der 15seitige Textvergleich aus „Amerikastudien“ (Analogie zur „Kritischen Justiz“) wäre wohl auch sehr interessant…
      LG
      sw

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  3. Prometheus

    Lieber Herr Weber,

    bei allem Respekt für die Arbeit, die Sie leisten – dieser Blogbeitrag von Ihnen hat durchaus ein Geschmäckle. Warum versteigen Sie sich dazu, am Schluß des Beitrags in eine Kerbe zu schlagen, wo nichtmal ein Stück Holz vorhanden ist? Ich zitiere:

    „Nur: Wer hat vor lauter Nachgoogeln, Presseanfragen beantworten usw. noch Zeit für Tiefgang und Reflexion? Ihr werter Plagiatsgutachter war gestern in der architektonisch fulminanten SLUB und borgte sich 22 Bücher aus. Ein tolles Kontrasterlebnis, das jedem Tag-und-Nacht-Googler einmal verordnet werden sollte… ;-)“

    Eigentlich hätte Ihnen bereits die Auseinandersetzung mit der Dissertation von Saß zeigen müssen, dass auch im VroniPlag-Wiki der Gang in Bibliotheken weder gescheut noch vernachlässigt wird. Bei Koch-Mehrin, deren Dissertation bekannt ausschließlich gedruckt vorliegt, ist der Gang in eine Bibliothek – oder Buchhandlung, ganz nach Belieben – gar die Voraussetzung für die Arbeit im Wiki.

    Es ist sicher richtig, dass Sie dem Kollegen Rieble nicht über Techniken informieren müssen, die er offensichtlich weder kennt noch versteht. Aber Sie sollten nicht Argumente aufgreifen, von denen Sie selbst wissen, dass Sie allein einem Ziel dienen: Die Arbeit im VroniPlag- und GuttenPlag-Wiki als die Arbeit von Hobbyisten ohne wissenschaftlich fundierte Methodik und Dokumentation zu diskreditieren. Darauf läuft nämlich die Kritik von Rieble ebenso hinaus wie Ihr vielleicht gut gemeinter Ratschlag am Ende Ihres Beitrags.

    Beste Grüße,
    Prometheus

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    1. admin

      Lieber Prometheus,

      um es ein für allemal klarzustellen: Was hier in den Wikis dokumentiert wurde, ist von elementarer Bedeutung für die Wissenschaft, und vieles, wenn nicht alles habe ich seit Jahren in solchem Ausmaß befürchtet bzw. hatte ich auch einige empirische Hinweise darauf. Die Akribie und Präzision, mit der Sie das machen (auch Dinge wie die Screenshots von Klicken u. v. a.), suchen ihresgleichen, und die betroffenen Unis macht dies wohl alles im Moment sehr sprachlos. WEITER SO!

      Mein letzter Satz (das „Geschmäckle“, wie Sie schreiben) ist zunächst mal mit einem winking smiley gekennzeichnet – ich denke, das muss ich nicht weiter interpretieren. Primär meinte ich damit ehrlich gesagt mich selbst, die Menge der „Tag-und-Nacht-Googler“ enthält hier also – eben augenzwinkernd – auch mich. Auch mit den Fragen vorher meinte ich doch erkennbarerweise mich selbst!

      Wenn Sie das so lesen, dass ich glaube, dass die VroniPlag’ler nicht in die Bibliothek gehen oder keinen „Tiefgang“ haben, würde das bedeuten, dass ich die Funde aus nur offline verfügbarer Literatur nicht kenne. Sie dürfen mir glauben, dass ich regelmäßig durch all Ihre Funde scrolle und immer wieder ‚erschlagen‘ davon bin, also das entfällt.

      Was übrig bleibt, ist eine Kritik, über die man natürlich reden kann: dass Sie alle anonym sind. Freilich müsste Rieble dann auch Wikipedia ähnlich kritisieren und sich dagegen wehren, dass hier anonyme Menschen Beiträge sichten und so über die Gültigkeit unseres Wissens bestimmen.

      Ich persönlich sehe, dass es funktioniert. Ich habe über Wikipedia auch schon mal anders gedacht. Genau so, wie auch viele Netzaktivisten zunächst das „Google-Copy-Paste-Syndrom“ nicht für wichtig erachtet haben und darin eine konservative Verteidigung von buchkulturellen Urheberrechtskonzepten sahen.

      Ist doch schön, wenn sich beide Seiten annähern, oder? Das ist Lernen.

      LG
      sw

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  4. Prometheus

    Lieber Admin,

    vielleicht schicken Sie Herrn Rieble einfach mal den Link auf diese Seite in VroniPlag: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Kategorie:Skm/Quelle? Und dann erklären Sie ihm vielleicht, wie man mit Google Books Quellen identifiziert, die man dann nach Gang in eine Bibliothek Schritt für Schritt verifiziert. Dabei kommt dann sowas wie in GuttenPlag raus: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Guttenberg-2006/Quellen. Eine ziemlich penible Verzeichnung elektronischer und gedruckter Plagiatsquellen. Mir scheint die werten Kollegen mit den Spürnasen haben noch nicht wirklich verstanden, wie seriöse Text- und Quellenarbeit in diesem Bereich funktioniert. Aber, vielleicht kann man auch hier auf einen wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt qua eigener Anschauung hoffen?

    Beste Grüße,
    Prometheus

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    1. admin

      Äh… warum sollte ICH das tun? Ich arbeite genau so (Google Books, dann ‚reale‘ Bibliothek). Das genügt mir… Siehe z.B. auch die jüngste Auflistung http://de.antiplagaustria.wikia.com/wiki/Plagiatsfunde_in_der_Dissertation_von_Mario-Max_Schaumburg-Lippe mit dem Quellenverzeichnis hinten.
      Ich hielt es für interessant, zu berichten, dass das ein Kollege wie Volker Rieble offenbar anders sieht. Daraus folgt weder, dass ich mit dieser Sichtweise sympathisiere – noch, dass ich jemanden, der anderer Meinung ist, ‚bekehren‘ möchte.
      LG
      sw

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  5. Prometheus

    Unterm Strich muss man wohl sagen: Mit diesem Interview bedient Rieble die Hohlmeiers (starker Auftritt bei Anne Will zu Beginn der Guttenberg-Affäre) und Schumachers (starke Auftritt in seiner Hauspostille zu Beginn der Koch-Mehrin-Affäre) dieser Welt und outet sich als der netzinaffine Talarträger, der er ist: Da sitzen also linke Terrortruppen auf dem Sofa und richten ihre virtuellen Kalaschnikows auf die zuvor entführten Politiker des konservativen Lagers. Derweil sitzt der habilitierte Jurist im Ledersessel seines Unibüros und erspürt Stilbrüche in bei ihm eingereichten Dissertationen. Anschließend sitzt die versammelte Prüfungskommission voller habilitierter Spürnasen mit nichts als der beanstandeten Dissertation und dem eigenen Erinnerungsvermögen bewaffnet über den vermeintlichen Übeltäter zu Gericht und fällt das akademisch verbürgte Urteil: schuldig oder nicht, meine Herren Professoren, was sagt die Nase?

    Nein, werter Herr Rieble. Plagiatsaufdeckung im Netz ist text- und quellenkritische Schwerstarbeit, die sich der öffentlichen Kritik und Veränderung stellt. Das macht das besondere an der Arbeit in GuttenPlag und VroniPlag aus. Dissertationen sind veröffentlicht. Kritische Auseinandersetzungen damit sind öffentlicht. Und Sie können darüber gerne hinter den verschlossenen Türen Ihrer Prüfungskommissionen die Spürnasen rümpfen. Das interessiert uns wenig.

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  6. Martin Klicken

    Genau, marcusb, ganz wichtiger Punkt!
    Das ist mir beim Lesen auch aufgefallen. Wo ist denn da der Widerspruch? Freier Zugang zu Informationen, Verfügbarkeit von Büchern im Netz – und dennoch kann man doch die Ideen anderer Leute anerkennen, ohne sie beklauen zu müssen, auf den wissenschaftlichen Leistungen anderer aufbauen, ohne die Herkunft fremder Gedanken verheimlichen zu müssen. Zwischendurch habe ich mich immer wieder gewundert, wie intensiv sich Hr. Rieble mit der Thematik auseinandergesetzt hat, wenn er immer wieder ganz unverhofft so einen Ulk einstreut? Wo er doch sogar dazu ein Buch verfasst hat (das ich nicht gelesen habe).

    Antworten
    1. admin

      Lieber Martin,

      ich glaube, mit der Passage „Viele der Plagiatsjäger sitzen nur zuhause in ihrem Sessel, kopieren Textstellen und geben sie bei Google ein. Auf der anderen Seite verlangen sie offenen Zugang zu allen Daten und Quellen im Internet“ meinte Rieble folgendes: ‚Ihr‘ fordert nur deshalb einen freien Zugang zu allen Arbeiten, weil ihr zu faul seid, jenseits der Google-Recherche zu arbeiten. Etwas Ähnliches hat er hier gesagt: „Funktioniert der Wikigedanke nur, wenn die Wikianer alles am Bildschirm erledigen können und keine Bibliothek aufsuchen müssen?“ (siehe http://www.forschungsmafia.de/blog/2011/03/28/initiative-transparente-wissenschaft/#comments). Vielleicht habe ich ihn im Focus-Interview auch missverstanden. Wenn nicht: Das ist natürlich seeeehr wenig freundlich. Rieble dürfte vergessen haben, dass Ihr das alles völlig unbezahlt erledigt. Insofern ist die Kritik an Recherchewegen von einem bezahlten Professor, der in der Sache ja auch in Plagiaten ein großes Übel sieht, nicht nachvollziehbar. Aber: Man muss nicht immer einer Meinung sein, auch nicht unter Anti-Plagiats-Kämpfern…
      LG
      sw

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  7. Marcusb

    Eine andere Unsinnigkeit in dem Kommentar von Rieble sollte aufgedeckt werden: Es gibt ja keinen Widerspruch zwischen wissenschaftlicher Redlichkeit und freien Zugang zu Quellen und Informationen. Auch in freier Software und bei der Creative Commons Bewegung wird ueblicherweise korrekt zitiert und werden Quellen und Urheber angegeben.

    Bedrückend ist, wie selbstverständlich die Widersprüche zwischen Anspruch und Realität in den Eliten hingenommen werden. Regeln sind anscheinend nur für die Dummen da, die sich daran halten.

    Festhalten möchte ich dies: Wir, die Plagiate aufdecken, haben nicht die Regeln wissenschaftlicher Redlichkeit geschaffen (auch wenn wir sie unterstützen). Diesen Anspruch haben sich die Universitäten selbst auferlegt. Und wir haben auch nicht die Plagiate geschrieben und veröffentlicht, das haben sich diese Personen selber eingebrockt. Und natürlich nutzen wir die Popularität der „Opfer“, um mediale Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.

    Warum Plagiate zum Verlust der politischen Ämter führen, Schwarzgeldkoffer und andere Betrügereien aber nicht, erschließt sich mir persönlich nicht. Vielleicht wird das Thema Forschung und akademischer Grad tatsächlich noch mit viel Naivität behandelt. Aber auch das ist nicht unser Verdienst.

    Ich warte natürlich wie Sie auf Reaktionen des Wissenschaftsbetriebs auf diese Schieflage. Es wäre sehr einfach, die nötige Transparenz zu schaffen, die Voraussetzung für jedes weitere Handeln ist. Der Blick in den Spiegel scheint aber am schwersten…

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  8. Rieble0.5

    Volker Rieblezahl hat vollkommen Recht mit seinem gut durchdachten Argument: Was kann einen Plagiarismus kümmern, wenn es viel schlimmere Dinge auf der Welt gibt wie Steuerhinterziehung, Kinderarmut, Gelbsucht und die Piraten in Somalia!

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