Sachbuchplagiate: Ein neues Problem für unsere Text- und Wissenskultur

Jene, die an den Universitäten das Zitieren nicht oder nicht richtig gelernt haben und/oder bereits als Studierende plagiiert haben, sind die Sachbuchautor/innen von heute und morgen. Das Plagiat ist nun auch am Sachbuchmarkt mit voller Wucht angekommen, es zeigen sich die Konsequenzen einer verfehlten Ausbildung und verfehlter akademischer Anreize. Jede/r der im Folgenden genannten Autor/innen ist Akademiker/in, mehrere sind selbst Universitätslehrer/innen. Eine Schande für die Geistes- und Sozialwissenschaften, eine Schande aber auch für die Verlage und deren Lektor/innen.

Mir wurde unter vier Augen mitgeteilt, dass man bewusst keine Plagiatssoftware einsetze, weil man dann zu viele Manuskripte gerade auch von zugkräftigen Autor/innen ablehnen müsste. Nun, das würde das Schweigen des Verlegerverbandes zu diesem akuten Problem erklären.

Eine ausgezeichnete Übersicht über aktuelle (nicht nur Sachbuch-)Plagiatsfälle finden Sie auch hier.

„Verfasser/in“ Titel Verlag
1. Annalena Baerbock (mit Michael Ebmeyer) „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“, 2021 Ullstein (Überarbeitung angekündigt, aber nicht durchgeführt; dann vom Markt genommen)
2. Ulrike Guérot „Wer schweigt, stimmt zu. Über den Zustand unserer Zeit und darüber, wie wir leben wollen“, 2022 Westend (Verlag spricht von „Flüchtigkeitsfehlern“)
3. Ulrike Guérot „Warum Europa eine Republik werden muss. Eine politische Utopie“, 2016 Dietz (2017 korrigiert, Neuerscheinung bei Piper)
4. Diana Kinnert (mit Marc Bielefeld) „Die neue Einsamkeit. Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können“, 2021 Hoffmann und Campe (vom Verlag zurückgezogen)
5. Diana Kinnert „Für die Zukunft seh‘ ich schwarz: Plädoyer für einen modernen Konservatismus“, 2017 Rowohlt
6. Cornelia Koppetsch „Rechtspopulismus als Protest. Die gefährdete Mitte in der globalen Moderne“, 2020 VSA
7. Cornelia Koppetsch „Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopulismus im globalen Zeitalter“, 2019 Transcript (vom Markt genommen)
8. Cornelia Koppetsch „Die Wiederkehr der Konformität. Streifzüge durch die gefährdete Mitte“, 2013 Campus (vom Markt genommen)
9. Armin Laschet „Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance“, 2009 Kiepenheuer & Witsch
10. Erhard Oeser „Herausragende Frauen in der Geschichte der Menschheit“, 2021 Wissenschaftliche Buchgesellschaft (vom Verlag zurückgezogen; weitere Bücher Oesers werden untersucht)
11. Edgar Wolfrum „Der Aufsteiger. Eine Geschichte Deutschlands von 1990 bis heute“, 2020 Klett-Cotta (vorübergehend aus dem Verkauf genommen)
12. Edgar Wolfrum „Die Mauer. Geschichte einer Teilung“, 2009 C. H. Beck (fehlende Nachweise sollen ergänzt werden)

(Wird wohl fortgesetzt werden)

3 Kommentare zu “Sachbuchplagiate: Ein neues Problem für unsere Text- und Wissenskultur

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  1. Pingback: Plagiierte Sätze, Bauernopfer-Referenzen und Fehlzitate in der Dissertation von Maja Göpel

  2. Sven Schroder

    „Claudia Koppetsch“? „Claudia“? Cornelia, mein lieber Herr Sebastian Weber. 😉

    https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelia_Koppetsch

    „Die Gesellschaft des Zorns“ enthält in der ersten und in der zweiten (durchgesehenen und korrigierten) Auflage Plagiate. Zählt also doppelt. Faktisch hat der Transcript Verlag das Buch „vom Markt genommen“, aber nach eigener Vorstellung ist der Bestseller „[l]eider vergriffen“.

    https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-4838-6/die-gesellschaft-des-zorns/

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