Schavan-Update: Wie eine Forschungsministerin wiederholt Luhmann recycelte

Es ist schon unglaublich: Schavan hat nicht nur wiederholt eindeutig plagiiert, sondern auch immer wieder halb- und viertelsatzweise bei Niklas Luhmann abgeschrieben, und zwar im Umfeld von direkten Zitaten Luhmanns. Das heißt: Auch beim vermeintlich interpretierenden Eigentext betrieb Frau Schavan Wortbrocken-Recycling von Niklas Luhmann. Eine Methode, die vielleicht im Mittelalter möglich war, wenn Gelehrte der Antike wiedergegeben wurden, aber sicher nicht in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Fundstellen finden sich auf Schavanplag Wiki, einem nach dem Vorbild von GuttenPlag und VroniPlag neu gegründeten Wiki von Martin Heidingsfelder alias „Goalgetter“. Da sich die weiteren dokumentierten Funde bislang nur auf Luhmann konzentrieren (offenbar auf Grund einer Initialzündung in diesem Blog), besteht der dringende Verdacht, dass Frau Schavan im Umfeld von zitierten Wissenschaftlern öfter, wenn nicht immer so vorgegangen ist.

Ach ja – nicht einmal hier hat Frau Schavan Luhmann korrekt zitiert, aber immerhin ihr eigenes ‚Rollenproblem‘ vorausgeahnt:

„[…] wiegen Fehlhandlungen und -reaktionen schwerer, mit denen ‚ganze Rollenbereiche diskreditiert‘ werden. […] Luhmann wählt als Beispiele: ‚… wenn einem Gelehrten Plagiate nachgewiesen werden, ein Offizier Angst zeigt, ein Ehegatte untreu wird‘ (ebd. S. 265).“ (Annette Schavan: Person und Gewissen, 1980, S. 65)

(Danke für den Hinweis auf das Zitat an Erbloggtes. Das im Umfeld mit Abgeschriebene wurde erst von Schavanplag Wiki entdeckt.)

Quelle: Schavanplag Wiki

12 Kommentare zu „Schavan-Update: Wie eine Forschungsministerin wiederholt Luhmann recycelte

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  1. Erbloggtes

    Heute ist Schavans Luhmann-Fußnote in den Massenmedien angekommen. Ich betrachte den Kunstgriff, mit dieser Wendung Schavan das selbstvernichtende Schlusswort zu erteilen, mal als heimliche Würdigung meines entsprechenden Artikelabschlusses aus dem Mai. *g*

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  2. Nachdenklicher

    Könnte es nicht sein, dass Robert Schmidt den Trittbrettfahrern mal zeigen wollte, wie gewissenhafte Dokumentation aussieht jenseits der „Bloglogik“ „Zuerst publizieren, dann prüfen“?

    Interessant, Herr Weber, dass Sie schreiben: „das würde alles ändern“. Tatsächlich? Glauben Sie also selbst nicht so wirklich, dass die „Beweislast“ gegen Schavan ausreichend ist? Zuerst mal eine Aberkennung fordern und einen Rücktritt, die Beweise werden schon auf dem üblichen Wege von anderen zusammengesucht werden?

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  3. Martin Heidingsfelder

    Ein weiterer Beleg, wie perfide und hilflos einige Leute gegen mich agieren.

    Der Schuss ging allerdings nach hinten los und außer mir wurden einige mehr getroffen. Neben der Seite hier und Erbloggtes haben Journalisten Recherchen zu dem Fund angestellt und mehrere Leute ihre kostbare Zeit damit vertan. Deshalb hat den größten Schaden VroniPlag Wiki, weil sich, wie oben angedeutet, der Kreis der Personen mit Motiv, entsprechenden Kenntnissen und die im Besitz der Dissertation sind gut eingrenzen lässt.
    Wenn Frau Schavan oder ein anderer gegen Schavanplagger eine Strafanzeige stellen sollte, ist die Anonymität schnell perdu. Solche Gelegenheiten für Ermittlungen, Hausdurchsuchungen etc. bei den anonymen Plagiatssuchern wird es nicht alle Tage geben.

    Schön, dass der von VroniPlag Wiki so gern geschmähte Kreuzritter mit seinem synoptischen Textvergleich nachgelegt hat. Das wird nicht das Ende der Enthüllungen um Schavan sein.

    Dank an PlagDoc für die schnelle Information über den Fake von Schavanplagger!

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  4. Rumpelstilzchen

    ’Megafund’ – vom Winde verweht.
    Doch es gibt auch gute Nachrichten. Wie ich schon auf Erbloggtes [http://erbloggtes.wordpress.com/2012/05/12/schavanplag-ermittelt-weiter-doch-professoren-scheuen-die-offentlichkeit/] bemerkte, gibt es bereits weitere dokumentierte Fundstellen, z.B. auch unter der Adresse [http://kreuzritterplagdoku.wordpress.com/2012/05/14/texte-schweigen-nicht/]. Bei Durchsicht konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass im Falle dieser Dissertation gilt, wenn sich ein bestimmtes Verhaltensmuster im Umgang mit Quellen erst einmal finden lässt, dann wird es nur Fleiß und Zeit erfordern, die Durchgängigkeit dieses wissenschaftlichen Fehlverhaltens noch an vielen weiteren Textstellen in der Arbeit aufzuweisen. Auch ‚Robert Schmidt’ spricht auf schavanplag.wordpress.com von einem „Muster“ so wie ‚Kreuzritter’. Da hilft auch nicht der Hinweis, es gebe gravierendere Fälle. Denn es geht nicht um vereinzelte Abweichungen vom wissenschaftlich korrekten Umgang mit Quellen, sondern um den – inzwischen fast schon als gegeben zu bewertenden – Nachweis, dass es sich hier um einen systematischen ‚Bias’ handelt.
    Und der abschließende Eindruck bei Durchsicht der Dokumentationen ist: ‚more to come’.

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  5. Erbloggtes

    Das ist natürlich fatal.
    In der Versionsgeschichte der Schavanplag-Wiki-Seite steht beim Nutzer „Schavanplagger“ der Kommentar „Durch einen Tor-Ausgangsknoten“. Dann hat da noch eine IP 77.247.181.164 im Sinne des angeblichen Schavanplagger beigetragen, vermutlich auch TOR. Und dann gibt es noch den Kommentar: „auflagen unterscheiden sich sehr. interessant! Es geht bei Frau Zarncke auf seite 32 weiter, aber nicht mehr so wortwörtlich.“[1] Vermutlich ebenfalls verschleierte IP. Diese Aussage reagiert nach 6 Minuten auf Goalgetters Feststellung „Die 1. Auflage ist tatsächlich ohne diese Passage.“
    Sieht mir nach einem systematischen Angriff aus. Die Verdächtigen möchte ich allerdings gar nicht kennen.
    Danke fürs Prüfen!

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  6. GvW

    Sehr geehrter Herr Weber,

    das wäre ein böser Scherz. Er sabotierte die Arbeit des Herrn Heidingsfelder und zerstörte den schon beschädigten Ruf Frau Schavans.

    Und er beweist zugleich, dass die „Bloglogik“ böse Folgen nach sich ziehen kann.

    Ich fände diese Geschichte wäre einen eigenen Eintrag wert. Oder wenigstens den Erhalt depublizierter Einträge.

    LG

    GvW

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  7. Erbloggtes

    Fazit-Übernahme ist sogar noch etwas schlimmer als Einleitungs-Übernahme. Die letzten beiden Seiten hat nichtmal der Freiherr abgeschrieben. Wenn man mit abgeschriebenen, 18 Jahre alten „Ergebnissen“ einen Fortschritt der Wissenschaft vortäuscht, dann ist der Doktortitel nicht zu retten, die Honorarprofessur nicht, und der Ministerposten ebenfalls nicht. Oder wie ich heute Mittag schrieb: „Wenn das stimmt, ist es aus.“
    http://twitter.com/#!/Erbloggtes/status/201958099488223232

    Schavan ist – wenn das stimmt – zum Risiko für Merkel geworden: Im Wahlkampf 2013 eine Bildungs- und Forschungsministerin ohne rechtmäßigen Studienabschluss, ohne wissenschaftliches Verständnis, ohne Gewissen? Das könnte die CDU 3 Prozent kosten – was Merkel sich nicht leisten kann. Also braucht man keine Rücktrittsforderungen mehr. Rücktrittsprognosen reichen schon.

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      1. admin

        Mittlerweile habe ich die Scans des Buchs in der zweiten Auflage erhalten. Die Passagen finden sich dort NICHT. Vielleicht hat sich jemand einen „Scherz“ erlaubt, um Heidingsfelders Arbeit zu sabotieren? Ich kenne da einige Verdächtige… ;-).

    1. admin

      „Sensationsfund“ wäre untertrieben. Die Schavan-Diss liegt mir vor, ich habe auch schon „instinkthalber“ den allerletzten Absatz, da auffallend schwulstig geschrieben, durchgegoogelt. Wenn der Fund Zarncke stimmt, bitte gib Bescheid, denn das würde alles ändern. Bei einem normal funktionierenden Wissenschaftsbetrieb müsste es das dann mit der Frau „Minister“ gewesen sein. Eine derartig krasse Übernahme der ‚letzten Worte‘ entspräche 1:1 der Einleitungs-Übernahme durch Guttenberg.

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