Welche beiden Wissenschaftlerinnen die Dissertation von Christine Aschbacher durchgewunken haben

Es sind zwei Namen, die sich in der Dissertation von Christine Aschbacher nicht finden, nämlich die der sogenannten Opponenten: Sie sind im Promotionsverfahren die eigentlichen Begutachter der Dissertation neben dem bereits bekannten Betreuer Jozef Sablik. Im slowakischen Zentralregister für akademische Abschlussarbeiten erfährt man die Namen der beiden:

Für den Entstehungs- und „Reifungsprozess“ des Elaborats war also Jozef Sablik verantwortlich. Begutachtet und damit letztlich beurteilt und wissenschaftlich durchgewunken wurde die Promotionsschrift von Frau Aschbacher allerdings von Dagmar Babčanová und Felicita Chromjaková.

Von Dagmar Babčanová gibt es laut ResearchGate nur englischsprachige Publikationen. Im Protokoll des 2019 stattgefundenen Habilitationsverfahrens sind ebenfalls nur englischsprachige Titel verzeichnet. Ein fachlicher Bezug zu Aschbachers Dissertationsthema Führungsstile und Mitarbeiter-Flow ist nicht einmal im Ansatz zu erkennen.

Felicita Chromjaková kommt aus einer tschechischen Universität. Kommuniziert wird auch hier offenbar nur in Tschechisch und Englisch.

Waren beide Opponenten überhaupt in der Lage, eine deutsche Doktorarbeit zu lesen und beurteilen? Wurde die Dissertation womöglich automatisch ins Slowakische übersetzt, dann in Slowakisch korrigiert und anschließend zurück ins Deutsche übersetzt?

Übrigens: Auch Supervisor Sablik hatte von 109 Abschlussarbeiten, die sich seit dem Jahr 2010 im slowakischen Zentralregister befinden, nur eine Handvoll deutscher Arbeiten zu betreuen.

Und noch ein zweites Rätsel: Christine Aschbacher hat der FH Wiener Neustadt den Studiengang „Wirtschaftsberatende Berufe“ absolviert. Hatte sie damit überhaupt die Berechtigung für ein Doktoratsstudium im Studienfach „Maschinenbau“ erworben?

29 Kommentare zu „Welche beiden Wissenschaftlerinnen die Dissertation von Christine Aschbacher durchgewunken haben

Neuen Kommentar verfassen

  1. Brandl Wolfgang

    Die FH Wr. Neustadt hat doch eine Aussenstelle in Wieselburg.
    Interessant ist ein Artikel der Presse über „Die türkisen Seilschaften“. Darin geht es etwa auch um Susanne Raab und Christine Aschbacher . …und um eine „türkise Seilschaft, die man Wieselburg-Connection nennen könnte.“
    https://www.diepresse.com/5748407/die-turkisen-seilschaften
    Vielleicht gibt es da Zusammenhänge und Verbindungen??

    Antworten
  2. Selbst FH Prof.

    Sollte so ein Fall nicht auch Komsequenzen für die Begutachter*innen haben?

    Haben diese Personen tatsächlich nichts zu verlieren?

    Antworten
  3. BB

    Mittlerweile kommt mir am realistischsten vor, sie hat auf eine Professur auf einer FH spekuliert, was mit dieser Vita und den Publikationen durchaus funktionieren hätte können. Und die KollegInnen aus Osteuropa haben sich davon gemeinsame Forschungsprojekte und Fördergelder aus Österreich u.a. erhofft. „Eine Hand wäscht die andere“. Und sind vielleicht des Deutschen kaum mächtig. Deshalb war es ihr auch wichtig, mitten in Corona die Diss abzuschließen, weil ja keiner weiß, wie lang sie in der Regierung bleibt – und wollte nahtlos mit einer „wissenschaftlichen“ Karriere anschließen. ABER, falls das der Plan war, früher oder später wäre das ja ohnehin rausgekommen. Was wieder heißt, sie waren alle von ihrer eigenen Großherrlichkeit überzeugt. Und das schlimmste: Als Professorin hätte sie die nächste Generation an Studis hervorgebracht, die diesem Beispiel nachfolgen. Ist Spekulation natürlich, aber kommt mir derzeit als logischste Begründung für das Verhalten aller Beteiligten bei der Diss vor. Bei der DA wars vermutlich nur Schlamperei. Aber mit Hinblick auf diese Möglichkeit und der dadurch ausgehenden Gefahr für Studierende und den Ruf unserer Hochschulen sieht man sehr gut, wie wichtig die Arbeit von Stefan Weber ist. Wenn das nicht publik geworden wäre, möchte ich mir den Rattenschwanz gar nicht vorstellen, den eine Frau Prof. dann auch noch nach sich gezogen hätte. 

    Antworten
  4. RaRa

    Obwohl der bezahlte Plagiat v Fr Aschbacher MA (MaturaAbsolventin) abscheulich ist, spricht doch absolut NICHTS dagegen, dass man Master’s und PhD in verschiedene Fächer macht!

    Das Problem in Ö ist doch umgekehrt, dass Leute in einem Tunnel arbeiten, ohne Blick nach links oder rechts.

    RaRa (Prof. Dr. DI.)

    Antworten
  5. Matthias Gonzi

    Erschreckend, welche Personen die höchsten staatlichen Ämter in Österreich bekleiden können. Ich finde zwar, ein Studium sollte nicht Voraussetzung für ein politisches Amt sein, jedoch sollte ein Kandidat schon volkswirtschaftlich – im Falle Arbeitsminister auch betriebswirtschaftlich – bewandert sein. Das ist sie nicht! Was die Qualität von Diplomarbeiten einer FH Mitte der 2000er Jahre angeht, so war das Level damals sicher nicht auf einem Universitären, erst mit der Zeit wurde das harmonisiert. Auch der wissenschaftliche Wert der Arbeiten war/ist zu hinterfragen, und das sage ich als Absolvent einer FH im Jahr 2015. Man darf also solche Arbeiten nicht nach heutigem Anspruch bewerten. Aber eine solche DA mit zT völlig unverständlichen/sinnlosen/selbsterklärenden Sätzen durchzuwinken und sogar mit „Sehr gut“, und das auf einer österreichischen FH, ist hochnotpeinlich für das Lehrinstitut. Ich denke aber auch, man sollte es jetzt langsam – zumindest medial – sein lassen, Aschbacher zu attackieren. ihr ruf ist damit (zu Recht) zerstört, auch der ihrer Familie beschädigt.

    Antworten
  6. Franz Muellerhoer

    Es ist für die Uberfahrer wohl schwer an einen Taxischein ranzukommen. Im selben Land ist es wohl einfacher einen Doktortitel zu erlangen.

     

     

     

    Antworten
  7. Dr. X

    Von besagter FH wäre es nicht die erste Verfehlung von der ich gehört habe. Diese ist anscheinend ausländischen Universitäten mit kaufbaren Titeln gleichzusetzen, da Absolventen selbst gerne von ihren Heldentaten erzählen. Es wirkt in den Medien sehr störend, wenn von Universitäten gesprochen wird und damit eigentlich eine FH gemeint ist.

    Antworten
  8. dagmar proy

    Was für Minister wir haben??????
    Ist nicht genug Minister Titel und Post haben? Muss man noch doktor Titel wollen? In Umwegen? Gier! „Sorry“ ist zu wenig. Unser Kanzler,  lauter Freunde.

    Antworten
  9. Günter Schwab

    Was soll denn das Herumgerätsel? Dass hier zumindest das Doktorat erkauft wurde, sieht bei diesen Fakten doch ein Blinder mit dem Krückstock.

    Antworten
  10. Katharina

    Ich denke , so sehr es einem auch uebel dabei wird,man kann unter Umstaenden davon ausgehen, dass Sie einfach gezielt an einer Uni promovieren wollte, um möglichst rasch zu einem Titel zu kommen solange Sie Ministerin ist, ohne sich gross anstrengen zu muessen, um dann eine hoehere Pension zu bekommen.

    Das wirkt alles sehr berechnend wie hier offensichtlich schnell schnell noch eine Diss. eingereicht wurde .

    Aber man muss abwarten was bei den Untersuchungen herauskommt .

     

     

    Antworten
  11. Marlies wachata

    Durchwinken, wunk durch, durchgewunken…. Oder: durchwinken, wank durch, durchgewunken….. Klingt beides gut.

    Antworten
  12. sonja nuck

    Sehr gut, dass Sie die Namen der „Begutachter“ dieses Machwerks veröffentlichen. Offensichtlich liest vor der Bestätigung (noch dazu mit Sehr gut!) kein Mensch diesen Blödsinn durch, der sich halbwegs auf Deutsch verständigen kann!

    Gott sei Dank gibt es Menschen wie Sie!

    Antworten
  13. Christian

    Das geschriebene Deutsch der Ex-Ministerin kling Ohr, wie wenn ein Slowake ein „relativ gutes Deutsch“ spricht.

    Antworten
  14. Ndk1976

    Seltsam, dass erst jetzt auffällt, dass sie einen Dr.-Titel in Maschinenbau führt, obwohl sie Wirtschaft studiert hat. Vielleicht sollte ich mit meinem BWL-Master irgendeine Diss an der MedUni schreiben. Bin ich dann Dr.med???🤔 😉😝

     

    Antworten
  15. Weil

    Wenn sich jemand  als österreichischer Staatsbürger in Bratislava  sich den Titel  holt  bzw  Dissertation , müsste das übersetzt und beglaubigt überprüft werden.

    Weiteres müsste die ex Ministerin – ohne akademischen Grad  –  so das stimmt!  rückwirkend für den Schaden (gehaltsstufe) herangezogen werden.

     

    Antworten
  16. Pingback: “Dinge passieren schnell, wenn nicht aufgepasst wird”: Welche Konsequenzen ziehen die Hochschulen aus der Affäre um Christine Aschbacher? – Astrodicticum Simplex

  17. Dipl.-Ing. Dr. agr. Wilhelm von Zirzewitz

    Hier gehören die begleitenden ProfessorInnen auf die Anklagebank! Schon bei Guttenberg mauerte hier die Uni Gießen auf meine damalige Anfrage hin. Mein Doktorvater und der Zweitbeurteiler, beide hochangesehene Kapazitäten ihres Faches an der Uni Bonn, haben sich bis zum letzten Rechtschreibfehler engagiert, abgesehen von der Nachschau des Inhalts. Immerhin ging es um zwei intensive praktische Jahre Feldforschung in Tunesien und danach einjährige Zusammenschrift. PC-Nutzung gab es noch nicht, zusätzliche umfangreiche Literaturstudien in drei Fremdsprachen waren selbstverständlich.

    Später im Beruf war der Vorstandsvorsitzende auch Dr. ohne jegliche akademische Vorstufe(!). Als ich meinen direkten Vorgesetzten danach fragte, wurde mir beschieden, dass ich dazu niemals fragen sollte. Dafür hatte die Vorstandsetage zum Ausgleich einen separaten Lift.

    Jede Uni und TH sollte sich zuerst mit ihren Schwarzen Schafen befassen!

    Antworten
  18. Thra Ker

    So wird langsam ein Schuh draus.Und nur so kann es lustig werden, nicht durch Stilblütenzitate aus den Aschbacherarbeiten.Ein Doktor in Maschinenbau  –  das ist lustig, finde ich. 

    Antworten
  19. ste

    Die Dissertation war im Bereich Industriemanagement, das ist nahe genug. Vgl Wirtschaftsingenieurwesen in der TU Wien beim Maschinenbau.

    Aber ist Das Studium überhapt relevant solange sie als Dissertantin akzeptiert wird?

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Maximale Dateigröße: 20 MB.
Sie können hochladen: Bilddatei.