Aschbacher plagiierte in einer Arbeit zum Brain Gain ein Strategiepapier des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft

Es ist das bekannte Strickmuster: Die Texte Christine Aschbachers und ihrer Ko-Autoren sind eine Melange aus Plagiat (ca. 80-90 Prozent) und selbst geschriebenen einleitenden und zusammenfassenden Sätzen in schlechtem bis sehr schlechtem Deutsch (ca. 20-10 Prozent). Neu ist bei dieser Entdeckung nun, dass die beklaute Arbeit im Literaturverzeichnis des Plagiats gar nicht mehr erwähnt wird. Neu ist weiter die Tatsache, dass jemand vier Jahre, bevor er ein Ministerium übernahm, ein Elaborat eines anderen Ministeriums dreist abkupferte.

Hier wie gehabt zu den Fakten: Frau Aschbacher hat mit zwei Ko-Autoren Mitte 2016 das Research Paper „Brain Gain am Beispiel Österreich“ veröffentlicht. Nach dem Abstract schreiben die Autoren einleitend:

Keine Anführungszeichen, keine Einrückungen, keine Fußnoten. Dennoch findet sich der Text bereits hier, in der Analyse „Leitbetriebe Standortstrategie“ des – damaligen – BMWFW, des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, veröffentlicht im Oktober 2014:

Das plagiatsinfizierte Paper von Frau Aschbacher et al. erfreute sich sogar eines wissenschaftlichen Reviewings (zweier Deutsch-Profis?):

Unter den Autoren der Analyse „Leitbetriebe Standortstrategie“ des BMWFW findet sich Frau Aschbacher erwartungsgemäß nicht:

Wenn hingegen im Schlusswort von der „Änderung der Rahmenbedienungen“ die Rede ist und von einer angestrebten „Erhöhung der Gesellschaft im Wissensbereich“, dann muss man kein Stilometriker oder Textforensiker sein, um die Autorschaft Frau Aschbacher attribuieren zu dürfen.

Ja, mir tut Frau Aschbacher aufrichtig leid. Wenn sie in ihrer Amtszeit keinen Schaden angerichtet hat, zeigt das, wie wenig Politiker bewirken können. Wenn sie Schaden angerichtet hat, wird wohl noch mehr Übles zu Tage treten.

PS: Mein Dank geht an einen anonymen Hinweisgeber für diese neue Entdeckung.

Im Moment ist davon auszugehen, dass alle 16 „wissenschaftlichen“ Arbeiten von Frau Aschbacher zu wesentlichen Teilen plagiatsinfiziert sind. Frau Aschbacher wäre damit nicht nur die am schnellsten wegen einer Plagiatsaffäre zurückgetretene Politikerin aller Zeiten, sondern auch noch die größte Serienplagiatorin in der jüngeren Geschichte des Wissenschaftsplagiats.

18 Kommentare zu “Aschbacher plagiierte in einer Arbeit zum Brain Gain ein Strategiepapier des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft

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  1. T.P.

    Ich bin mit Christine „Chrissi“ Aschbacher vor rund 20 Jahren öfters mal um die Häuser gezogen und kannte sie recht gut. Sie war ein lebenslustiges, hübsches Mädel. Dass sie aber für eine akademische Karriere die Voraussetzungen mitbringt, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Bestenfalls hätte ich sie mir als Chefsekräterin vorstellen können.

    Sehr schade, dass ihr Ehrgeiz und wohl auch ihr Geltungsdrang nicht mit ihren intellektuellen Fähigkeiten konform gehen. Solche massenhaften Behumpsereien hätte ich ihr trotzdem nicht zugetraut. Freilich, Menschen ändern sich leider oft im Lauf der Jahre zu ihrem Nachteil…

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  2. Columbo

    Guten Tag Herr Weber

    Ich nehme an, Österreich hat im öffentlichen Dienst immer noch Gehaltsstrukturen wie zu Kaisers Zeiten. Falls es für Akademiker immer noch quasi automatisch mehr Gehalt (Einstufungen in Gehaltsgruppen) geben sollte:

    Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie von den diversen „eigentlich Nichtakademikern“ die zuviel bezogenen Gehälter zurückbezahlt werden (mit jährlichem Ausweis wieviel Gelder erfolgreich zurückgefordert und eingenommen wurden). Wird das eingefordert (von wem?) und könnte dies nicht auch sogar eine strafrechtliche Komponente haben?

    Super schöne Recherchen und Gutachten von Ihnen, chapeau. Ein Genuss ist es auch Ihre treffenden Kommentare in den diversen Interviews zu hören, wahrlich erfrischend.

    Wie schon der legendäre Robert Hochner (sinngemäss) in einer ZIB sagte: Der grösste Feind eines Politikers (er diskutierte mit einem Politiker und konnte Falschaussage nachweisen) ist das Archiv.

    In diesem Sinne, beste Grüsse aus Bern.ch

    Columbo

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  3. Fritz Jörn

    Plagieren scheint wie Puzzeln zu sein: Die Plagiatorin muss das passende Stück erst finden. Ich bin Techniker, da muss Gesagtes vor allem stimmen. Mein Vorschlag: Titel (wie in Österreich Adelstitel) ganz aus dem Namen verbannen. In Deutschland ist der Doktor sogar amtlich ein Namensbestandtei! Journalisten machen das so, und das tut gut. Doktor ist eine ordentliche Berufsbezeichnung, fertig. Fritz Jörn – der früher auch einmal versucht hat zu schummeln, als echter »Dottore Ingeniere del Politechnico di Milano« und somit falscher Dr.

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  4. Alexander Wöhrer

    Wie kommen sie auf 16 Arbeiten?

    Bisher konnte ich nur sowas 10 finden … hier vlt auch angeben?

    Ich werde die Arbeiten von der Dame in Zukunft als warnendes Beispiel in meinen LVA zum Thema verwenden 🙂

     

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  5. Theodor Horkheimer

    Übrigens, Herr Dr. Weber, wie sehr sich das Publikum der fühligen (!) linksradikalen Zeitung „Der Standard“ über Sie aufregt und welche peinlichen Ausreden es versucht in den dortigen Trashkommentarspalten plausibel zu machen, sollte Ihnen eine Lehre sein.

    Schöne Grüße, nur weiter so!

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  6. Theodor Horkheimer

    Daß in Arbeiten denglische Blödelwörter wie „Brain Gain“ prominent verwendet werden dürfen, ist bereits Symptom des zivilisatorischen Verfalls.

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  7. wissenschaftlichermitarbeiter

    Hallo Herr Weber,
    hier wird von der Plagiats-Praxis als no-go gesprochen https://www.vol.at/plagiate-ein-absolutes-no-go/6864412
    Vielleicht wäre es, nachdem es gerade Thema ist, interessant, warum eigentlich. In dem Interview wird von der Ethik und dem wissenschaftlichen Konsens gesprochen. Nun, wer nicht dabei ist oder dabei sein möchte, dem mag dies „on the shoulders of giants“ des google scholar vielleicht nicht so viel sagen.

    Also WARUM soll man das nicht machen?  Wer hat etwas davon? Der Erst-Schreiber, als der Erfinder? Der hat doch schon seinen (krisensicheren Beamten-) Job an der Uni? .. Und falls ich ihn oder sie zitiere, also angebe, dann hat er oder sie halt einen Punkt mehr in bestimmten Analyse-Programmen von Universitäten. Fein, hab ich als Schreiber ihm oder ihr in der Karriere geholfen .. Ist das alles?

    Viele dieser „Akademiker“ (sorry) werden eventuell nie wieder etwas in der Richtung machen, nach der Abschlussarbeit. Also warum soll man das, dann, dort, „korrekt“ im akademischen Sinne tun? Was ist der Sinn, tatsächlich, davon? Von diesem, ehrlich gesagt, Wahnsinns-Zeitaufwand.

    (Die Tatsache, dass die akademische Arbeit eigentlich die Referenzen-Liste selbst ist, das trifft in BWL Studien vermutlich eher weniger zu, und auch wohl erst ab höherem Studium.)

    Vielleicht wäre dies einen Vortrag wert! Ich würde mich sehr freuen. Viele Grüsse!
    (meine Betreuer haben meine wohlgemerkt Master, nicht Dr. Arbeit dreimal (!) zurückgehen lassen, mit der Bemerkung: die 200 Seiten, die ich schrieb, auf Englisch, die können in den Anhang gesetzt werden .. und ich solle mein Englisch ein wenig in gewissen Punkten verbessern. .. nun, das war auch nicht in Österreich, vielleicht hätte ichs in Wien versuchen sollen. Sorry der Witz war dumm mußte aber wohl kommen 🙂

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  8. abiturfueralle

    Also was am aller-allermeisten, eigentlich, interessiert, ist doch: wie konnte eine Arbeit in einem solchen Deutsch(TM) von einer deutsch(TM)sprachigen FH anerkannt werden?? Ist zwar keine Uni und hat vielleicht einen geringeren wissenschaftlichen Anspruch, und, nun ja .. ist BWL, okok. Aber dennoch.

    Also hatten denn alle Beurteilenden an dieser FH hm ja Deutsch als sagen wir Dritt-(nicht Zweit!)Sprache?? oder 4. oder 5. …

    Da fragt man sich, ob EIN einziger Blick darauf verschwendet wurde. Zumindest diejenigen, die dann mit der Archivierung bzw dem Digitalisierungsvorgang betraut waren, haben es doch, zumindest, vom Titelblatt her, gesehen. Bzw vielleicht war das dann auch egal, das war dann vielleicht ausgelagert in Indien.

    Es lohnt sich halt, sich an der FH Wien einzuschreiben .. „first who than what“ – first Vienna than Mag. Ein sehr harter Schlag für den „Wissensstandort“ Österreich und Wien.

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  9. Alex Obemaier

    Bei allem Respekt und Dank für die wichtigen Ent- und Aufdeckungen – den polemischen

    Hinweis „(zweier Deutschprofis?)“ finde ich überflüssig und nicht gerade feine Klinge…

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  10. IJ

    Sehr geehrter Herr Weber!!

    Frau Aschbacher hat in ihren Werken und Interviews bewiesen, dass sie weder lesen und schreiben, noch schlüssig denken und sprechen kann.

    Warum hat dieser Frau auf ihrem „akademischen Weg“ niemand Einhalt geboten und ihr abseits der Öffentlichkeit klaren Wein eingeschenkt, dass für sie eine akademische Karriere nicht das Richtige ist?

    Ist es nur das Streben nach Anerkennung in hochstaplerischer Form?

    Welche Kräfte wurden hier in den graduierenden Institutionen wirksam, solche Arbeiten auch nur anzunehmen?

    Warum kritisieren Medien die Aufdeckung (ORF, Profil..)?

    Ein Betrüger, sofern öffentliches Interesse besteht, wird in den Medien an den Pranger gestellt.

    Für mich ist Betrug kein Kavaliersdelikt.

     

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  11. Leopold Weninger

    Wieder ein Beweis für das Zutreffen des grandiosen Satzes: „Heute zählt in der Politik nicht mehr das Erreichte – es reicht das Erzählte!“
    Leider bin ich nicht mehr sicher, von wem ich diesen Satz gehört habe; ich glaube, es war der Kabarettist Alfred Dorfer (bitte um Entschuldigung, falls ich mich irre).

     

     

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  12. plpl

    Ich möchte anregen, bei vorhandenen Kapazitäten vielleicht einmal die Diplomarbeit von Herrn Bundesrettungskommandant Mag. Gerry Foitik in Augenschein zu nehmen – in seinen TV-Auftritten brilliert er nicht gerade durch sattelfeste Sprachkompetenz.

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  13. FM

    Sehr geehrter Herr Weber, Ihr heller Geist ist in diesen intellektuell düsteren, oftmals so verlogenen Zeiten eine wohltuende Erscheinung. Ich beobachte den Fall Aschbacher mit größtem Interesse, weil er doch beispielhaft etwas symbolisiert, was in Österreich und im weiterem Sinne der ganzen Welt falsch läuft: nicht Können, Integrität oder Rückgrat verhelfen Leuten zu Karriere und Status, sondern das gekonnte Ausnutzen von Beziehungen, dubiosen Seilschaften und das Aufführen einer Fassade des „Erfolgs“. Ich lauschte Ihren Äußerungen u.a. im Interview von OE24 und im Podcast des Profil mit großer Genugtuung, und freue mich schon auf weitere Recherche von Ihnen!

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  14. Rudolf Meier

    Es ist wieder einmal zu Tage gekommen wie leicht man hier in Österreich ohne wirklich gebildet zu sein ein hohes, verantwortungsvolles Amt bekommt.Vitamin B zählt immer noch zu den wichtigsten Faktoren, weit vor Bildung, Wissen, Moral, Anstand,etc..

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  15. Dr. Renate Grimmlinger, MSc.

    Da wurden wohl „Bedienungsanleitungen“ mit „Bedingungen“ verwechselt… Wenn das alles nicht so arg wäre, würde ich einen Lachkrampf bekommen. Es sollten aber nicht nur die vermutliche Schein-Autorin, sondern vor allem auch die Prüfer zur Rechenschaft gezogen werden, denn sie beschädigten noch mehr das Ansehen der Wissenschaft!

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  16. b.k.

    „Rahmenbedienungen“, das ist gut!Wirklich schade um die Zeit sich diese werke durchzulesen. Nicht einmal eine einfache Rechtschreibüberprüfung wurde gemacht.Das research paper ist komplett abgeschrieben, siehe das von Ihnen erforschte Original S.64-67. Dort werden allerdings die Quellen gleich nach den Sätzen angegeben. Im Paper von Frau A. nicht.Lediglich das Schlußwort ist original A. Ich würde sagen 95% Plagiat.

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  17. Stefan L.

    Auffällig ist hier die E-Mail-Adresse der „Erstautorin“, die mit „gmx.sk“ endet, ein Domänenteil, den es meines Wissens nie gegeben hat.

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