Die Schattenuniversitäten (Teil I): Salzburger Promotionsvermittler bietet schnellen PhD für 25.000,– Euro an der Mendel-Universität Brünn an

Der Fall Aschbacher hat nicht nur die Politik endlich wachgerüttelt und für das Thema Plagiate und allgemein für mangelnde Qualität in wissenschaftlichen Abschlussarbeiten sensibilisiert (genau besehen sind es sogar vier Dimensionen: 1. Genuines Plagiat; 2. Schlampiges Zitat/Missbrauch des „Vgl.“; 3. Mangelnde Deutschkenntnisse und 4. Mangelnde Forschungsqualität; Kauderwelsch und Unverständliches reihe ich unter 3. und kommt so extrem wie bei Aschbacher wohl eher selten vor).

Die Causa hat auch zu einer Diskussion über die Titel-Industrie in Österreich und seinen Nachbarländern geführt. Und wir reflektieren plötzlich, warum wir in Österreich – etwa im Gegensatz zu Deutschland – schon in der Schule „Herr“ oder „Frau Professor“ sagen oder sich der Doktortitel auf der Kreditkarte befindet. Gut so!

Hierzulande hat sich offenbar jenseits aller Akkreditierungs- und Qualitätssicherungsinstanzen ein blühendes Geschäftsmodell der „Promotionsvermittlung“ nach Ost- und Südosteuropa herausgebildet, das wir bislang kaum hinterfragt haben. Wenn man sich die Websites einschlägiger Anbieter ansieht, wird man schnell feststellen, dass es hier um alles Mögliche geht – nur nicht um Wissenschaft, um Inhalte, um eine spannende Forschungsfrage, um ein zu lösendes gesellschaftliches Problem, um wissenschaftliches Neuland bzw. Innovation – und um Qualitätsstandards.

Rascher Doktortitel für „Top-Management“ und Aufsichtsräte

Und so sieht die Bewerbung des PhD-Programms eines Salzburger Anbieters aus: Versprochen wird ein rascher Weg zum Doktortitel, „für den Sie weder Ihre Karriere noch Ihr Privatleben in großem Umfang beschränken“ müssen. Insgesamt muss man innerhalb von drei Jahren nur sechsmal nach Brünn fahren. Auch die Dissertation muss nicht allzu umfangreich sein: „Auch hat sich der quantitative Umfang einer Dissertation geändert, diese ist kompakter geworden.“ Keinen Hehl macht der Veranstalter des „Doktortourismus“ schließlich aus der Zielgruppe:

„Der höchste akademische Abschluss bietet optimale Chancen für das Top-Management oder einer späteren Lehr- bzw. Führungstätigkeit an Fachhochschulen und Universitäten. Namhafte Konzerne erwarten mittlerweile auch von Aufsichtsräten einen PhD oder Doktorgrad.“

Eigentlich erstaunt es, wie offen hier damit geworben wird, dass sich Klienten einen raschen Weg zum Doktortitel erkaufen können und Inhalte ganz offensichtlich überhaupt keine Rolle spielen. Meine Frage ist nun: Wie viele Personen nutzen so ein Programm und lassen sich die Doktorarbeit auch noch von einem Ghostwriter verfassen? Wie viele haben also rund 50.000,– Euro bezahlt und überhaupt nichts für ihren Doktortitel gearbeitet?

Der Doktortitel als Return on Investment oder auch: Der „ROI-PhD“

Alleine schon die Vorstellung, dass es diese Fälle geben könnte, führt die österreichische Titelbesessenheit endgültig ad absurdum: Der Doktortitel würde dann nicht mehr für intellektuelle, sondern für finanzielle Potenz stehen. Der Promotionstourist hingegen kann es sich durchrechnen: Um wie viel verdiene ich mit einem Doktortitel mehr, d.h. ab wann lohnt sich mein Investment?

Die Fakultät für Business & Economics der Universität Brünn betreibt nicht nur offenbar gute Geschäfte mit dem Salzburger Promotionsvermittler. Sie ist gleichzeitig im Forschungsbereich der wissenschaftlichen Integrität ein bekannter Player und hat auch bereits die „Plagiarism Across Europe And Beyond“-Konferenz ausgerichtet. Wie passt beides zusammen? Das Geld aus Österreich stinkt halt nicht. Aber welche Betreuer und Begutachter spielen da mit, und wie viel kassieren sie? Ein Wissenschaftler aus Brünn mailt mir:

„I am shocked how huge and deep it is. Please trust me that I am not involved. I have heard some stories about students passing with low quality thesis, but nothing extraordinary compared to students from other countries. I had no idea about the real extent of the problem. It’s disgusting.“

Es wäre sinnvoll, wenn die UG-Novelle nicht nur Plagiat und Ghostwriting ins Visier nehmen würde, sondern auch gleich all diese Titelmühlen-Konstruktionen verbieten würde. Denn nicht nur Plagiat und Ghostwriting, auch sie tragen zur Verlogenheit der Gesellschaft bei.

8 Kommentare zu „Die Schattenuniversitäten (Teil I): Salzburger Promotionsvermittler bietet schnellen PhD für 25.000,– Euro an der Mendel-Universität Brünn an

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  1. Gideon

    Da bei mir leider das Antworten auf einen anderen Beitrag nicht funktioniert, mache ich es eben so.

     

    Der User „Student der Mendel Uni“ hat in seiner Verteidigung der Mendel Uni geschrieben:

    „– es wird einem tatsächlich auf Basis des eigenen research proposals ein Betreuer zugewiesen. Eine Leistung, die in AT keine einzige Uni hinbekommt. Was ist daran verwerflich?“

    Also ich bin derzeit im (hoffentlich!) letzten Jahr meines PhD Studiums an der Universität Wien. Meine Arbeit wurde mir nicht von einem Professor angeraten oder aufgezwungen, sondern ich habe ein Proposal mit meinen eigenen Ideen und Forschungskonzept erstellt. Ich habe auch problemlos einen Betreuer bekommen (wenn ich auch zugeben muß, daß besagter Betreuer nicht unbedingt glücklich darüber ist). Es ist also nicht richtig, zu sagen, daß keine Universität in Österreich diese Möglichkeit bietet!

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  2. Kein Student an der Mendel

    Nur mal ein kleiner philosophischer Einschub:

    Ein ordentlicher Professor an der größten Universität von Österreich, hat einmal gesagt, dass private Universitäten keine echten Universitäten seien. Dementsprechend werden die Wissenschaftler von diesen privaten Institutionen bezüglich Forscherqualität bei anderen KollegInnen ernst genommen. Tatsächlich habe ich wahrgenommen, dass wirklich gute Praedoc und Postdoc – AssistentInnen, welche eine wissenschaftliche berufliche Laufbahn anstreben, äußerst selten bis gar nicht an einer mitteleuropäischen Privatuniversität, dazu zähle ich auch die Österreichischen, anzutreffen sind. Es gab eine Situation, wo ein Professor zu seinem Praedoc – Assistenten gesagt hat, dass dieser ihn nicht in der Wissenschaft sehe. Dieser Assistent ist nach seiner Dissertation der Wissenschaft erhalten geblieben, an einer Privatuniversität.

    Leider sind oft für die jungen WissenschaftlerInnen die Arbeitsverhältnisse, in puncto Vertragsdauer, prekär. Allerdings wagt fast niemand von ihnen den Abstieg von einer großen Universität mit einem befristeten Vertrag, zu einer FH oder Privatuniversität mit einem unbefristeten Vertrag, mit der Befürchtung, ihre berufliche Laufbahn und letztendlich ihre Reputation als echte/r Wissenschaftler/in sei dahin. Da haben keine akademischen Titeln Vorrang, sondern echte Forscherqualität. Und diese echte Forscherqualität beginnt spätestens mit einer vorbildlichen Dissertation.

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  3. Student2

    Lieber Student,
    suchen Sie doch zum Aufwärmen mal das Original zu diesen Sätzen aus den Proceedings 2017:
    https://pefnet.mendelu.cz/wcd/w-rek-pefnet/pefnet17_fin.pdf
    „This means not initially wanting to develop the responsibility strategy as a wholeand then deriving measures from it, but to tacklethe obvious and close-by problem or task first.Thus to offer a clearly defined solution that ispracticable, easy to implement and not too time-consuming, and where it is clear that they aremeaningful and can be used at short notice.“

    Hier der geheime Code: 9783834908063

    Präsentieren Sie Ihre Lösung hier.

    Tasten Sie sich von dort gern weiter.

    Melden Sie sich gern falls Sie einen Tipp brauchen oder ein weiteres Rätsel zu den Proceedings lösen möchten.

    Viel Erfolg für Ihre Arbeit.

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  4. Student an der Mendel

    Vorweg: Danke für die Antwort und dass Sie auf meinen Beitrag eingehen. Das schätze ich sehr.

    zum Text auf der Homepage
    Man muss hier zwei Sachen auseinander halten. Die  Rolle von IFM als Organisator und Vermittler (bitte letzteres Wort ganz wertfrei betrachten), und die der Mendel Uni, mit deren Professor sich ja der Student dann im regelmäßigen Austausch befindet.   IFM zeigt natürlich auch die positiven Seiten (Vereinbarkeit mit Beruf/Familie). Beim Punkt “kompakte Dissertation” musste ich zugegebenermaßen schmunzeln, weil sich das mit den 2 papers rasch relativiert. Ob man nach dem PhD direkt in einen Aufsichtsrat bestellt wird – naja, vielleicht gibt es ein paar Glückliche 😉

    was meiner Ansicht nach ein ganz wichtiger Punkt ist: Es bleiben bei IFM/Mendel einige Studienkollegen auf der Strecke und schließen nie ab. Und ich glaube, dass das auch eine gute Sache ist! Dabei muss man sich auch vor Augen halten, dass man die Studiengebühren nicht einfach so mal ausgibt, sondern sich dieses Investment (ja!) vorab gut überlegt und mit Elan an die Sache rangeht. Ich kenne mittlerweile ein paar Unis/FHs in Europa inkl WU Wien – auch im Vergleich zu diesen wird einem an der Mendel nichts geschenkt.

    Ich schicke Ihnen mein fertiges Werk sobald es fertig ist – wird vlt. noch 2 Jahre dauern. Die Mendel publiziert übrigens 1* im Jahr proceedings einer Dissertantenkonferenz (PEFnet) – werfen Sie doch da mal einen Blick rein.

    BG

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  5. Student der Mendel Uni

    Sehr geehrter Herr Weber,

    man merkt hier leider, dass Sie Ihr Metier verlassen und über Dinge philosophieren, die Sie leider nicht vollkommen erfasst haben und generell zu wenig Einblick haben. Bleiben Sie beim Plagiatscheck, da haben Sie Exzellenz, aber lassen Sie die Finger davon  hochmotivierte Doktoranden pauschal anzuschwärzen, die Beruf, Studium und Familie unter einen Hut bringen (zu versuchen).

    Der Grund an einer ausländischen Universität zu studieren ist in sehr vielen Fällen ein ganz einfacher: In Österreich ist es tlw. unmöglich als Externer an einen Betreuer für eine Diss zu gelangen. Vor allem wenn man zu einem Thema forschen will, dass einen wirklich interessiert. Von den verpflichtenden Seminaren zu Bürozeiten ganz zu schweigen. Und eine Stellung als Forschungssklave des Professors ist auch nicht jedermanns Sache. Jemandem, der sich 25k abspart um in seine Bildung zu investieren, zu unterstellen, dass er/sie im selben Aufwasch einen ghostwriter beauftragt ist eine Schweinerei! (Ich sage nicht, dass es diese Fälle nicht geben mag…so etwas schließe ich kategorisch für keine Hochschule mehr aus)

    Als Student der Mendel Universität kann ich Ihnen berichten:

    – es wird einem tatsächlich auf Basis des eigenen research proposals ein Betreuer zugewiesen. Eine Leistung, die in AT keine einzige Uni hinbekommt. Was ist daran verwerflich?

    – an der Mendel sind neben der Dissertation noch 2 peer-reviewed papers (scopus indexed) und 2 Konferenzbeiträge gefordert. Nicht easy das ganze – ich brauche Ihnen da nichts erzählen. Englisch ist Grundvoraussetzung
    – das Zulassungsverfahren dauert Monate inkl. Eignungsüberprüfung

    – auf wissenschaftliche Standards (research question, aim, Methoden, sauber formulierte Hypothesen) wird höchsten Wert gelegt. Durchgewunken wird hier nichts

    – die Studienkollegen sind durchwegs durch gute Vorstudien gegangen und haben verantwortungsvolle  Jobs. Ich darf Ihnen verraten, dass der Austausch mit denen spannender ist, als mit einem 25 Jahre alten UnivAss.

    – ja, die Präsenzzeiten sind geblockt und auf das Minimum reduziert. Eben nicht 1* pro Woche Dienstag Vormittag ein Häppchen serviert

    Für mich ist das Verfassen einer Dissertation ein persönlicher Wunsch, der einem in AT berufsbegleitend nicht mehr erfüllt werden kann. Seit Bologna sind die 2-jährigen Doktorate Geschichte.

    Noch einmal mein Appell an Sie: Hören Sie auf Leute oder Institutionen pauschal und ohne Grundlage vorzuverurteilen. Lesen Sie Ihren Blogbeitrag doch noch einmal selbstkritisch durch und dann versetzen sich in die Lage eines berufstätigen Studenten, der lange Abende und Wochenenden vor seiner Diss hockt und sein Bestes gibt.

    Was Sie hier beitreiben hat mit Aufdecken von Plagiaten nichts zu tun!

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Aber was sagen Sie zu dem Wording auf der IfM-Seite? Trifft das Ihre Intentionen? Ich glaube Ihnen Ihre Intentionen selbstverständlich. Aber warum stehen dann diese oder zumindest einige dieser nicht auf der Website? Auf Schwächen – wie etwa in Österreich einen passenden Dissertationsbetreuer zu finden – wird mit keinem Wort hingewiesen. Auf alle anderen von Ihnen angegebenen Vorteile an der Mendel-Universität auch nicht. Das, was Sie hier an Gegenperspektive einbringen, müsste Sie eigentlich dazu veranlassen, sich vom Text auf der IfM-Seite zu distanzieren. Oder nicht?

      Ich würde mich freuen, wenn Sie zum Qualitätsnachweis hier Ihre Forschungsfrage(n) und Hypothesen veröffentlichen würden.
      LG
      sw

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