Promovierter ORF-General auf Kriegsfuß mit Deutsch: Sprachliche und inhaltliche Finsternis im Twitter-Kanal des heimischen Top-Medienmanagers

Ich habe heute zum ersten Mal den Twitter-Auftritt von ORF-General Alexander Wrabetz besucht und musste mich zunächst einmal bei verschiedenen Personen und im ergoogelten Medien-Archiv versichern, dass es sich um keine Fake-Seite handelt. Denn noch nie habe ich in einem Social Media-Auftritt einer Führungskraft, in diesem Fall noch dazu eines promovierten Juristen, so viele Interpunktions-, Rechtschreib- und Grammatikfehler gesehen. Dazu gesellt sich auch Stuss. – Und wieder stelle ich mir diese eine Frage: Was darf man sich in Österreich von einer Führungskraft erwarten? Warum wird jemand Führungskraft? Stinkt der Fisch vom Kopf her?

Hier ein Tweet von heute Abend (nach meiner Kritik auf Twitter sofort wieder gelöscht):

Das darf nicht wahr sein, oder? Man kann sich hier das Zählen der Fehler getrost ersparen. Aber auch der Inhalt entlarvt den Schreiber als ein eher schlichtes Gemüt. Einige Kommentatoren twitterten (auch dieser Thread wurde mittlerweile gelöscht):

Wurde das Twitter-Profil des ORF-Bosses am Ende heute gehackt? – Nein, auch deutlich ältere Tweets wurden in diesem unverkennbaren Stil verfasst:

Aus der Digitalkonferenz „Darwin’s Circle“ wurde „Darwins Cercle“ (so wie man es spricht, quasi):

Hier gratuliert Herr Wrabetz „zu Sendung in Millionenpublikum“:

Hier entscheiden Journalisten kommafrei „was sie Fragen“. Denn „Das muss so bleiben auch bei neuem Gesetz!“

Das Undeutsch des Generals steigert sich in diesem Tweet so sehr, dass zumindest ich kein Wort mehr verstehe:

Von einem hohen Amt für Schwarzenegger – und von Wirtschaftssanktionen und Waldbränden

Wer so massiv mit Deutsch auf Kriegsfuß steht, der neigt auch zu inhaltlichem Nonsens. Im folgenden Tweet empfiehlt Herr Wrabetz dem österreichischen Bundespräsidenten, ein Gespräch mit Arnold Schwarzenegger zu führen. Da dieser Mann weithin unbekannt ist, wird ein Steckbrief gleich mitgeliefert. Fragt sich nur, wofür denn die Auszeit von Herrn Schwarzenegger in seiner alten Heimat gut sein soll:

Auch bei dieser Logik kann man nur den Kopf schütteln:

Die österreichischen Medien zitierten übrigens immer wieder aus den Wrabetzschen Wortkaskaden, aber niemand hat bislang den einzigartigen Stil bemängelt. Medien kritisieren in Österreich nicht Medien, heißt es. Nun gut, offenbar ist es Zeit, auch das ein wenig zu ändern.

Quelle: Kleine Zeitung

12 Kommentare zu “Promovierter ORF-General auf Kriegsfuß mit Deutsch: Sprachliche und inhaltliche Finsternis im Twitter-Kanal des heimischen Top-Medienmanagers

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  1. Hans

    Schon lange wundert mich das immer mieser werdende Programm des ORF. Abgesehen von anscheinend immer zahlreicher auftauchenden  begünstigten AnsagerInnen scheint dieser gesamte ORF-Stadl inzwischen zu einer großen Verwandtschaft mutiert zu sein. Wen wundert es noch, dass bei so einer Führungskraft wie diesem Orthographieverweigerer wöchentlich eine Unzahl an Krimis mit immer denselben Subventionskünstlern gesendet werden. Das in einer Zeit wo Mord und Totschlag an der Tagesordnung sind!

    Traurig das Ganze, wo doch dieser ORF einen öffentlichen Bildungsauftrag hat und dafür auch noch fleissig die zwangsverpflichteten Gebührenzahler abzockt.

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  2. Sam

    Vielen Dank für Ihre (leider) höchst notwendige Arbeit, Herr Weber.
    Die Schludrigkeit, mit der manch einer schriftlich einfach was „hinrotzt“, zumal jemand, der in einem Medium wirkt, das in Österreich eines der Leitmedien ist, ist wirklich bedenklich.
    Zu wenig wird darauf geachtet, dass Sprache nicht nur Bewußtsein ausdrückt, sondern auch daran mitwirkt, Bewußtsein zu bilden. Das eigene, und das der Leser*innen.

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  3. Samuel L.

    Vor einigen Jahren habe ich an Armin Wolf eine E-Mail geschrieben, in der ich wissen wollte, ob er es denn für  journalistisch seriös hält, seinen Interviewgästen Suggestivfragen zu stellen.

    Auf meine Frage wurde nicht wirklich eingegangen, sondern vielmehr machte er sich in seiner Antwort über einen Buchstabendreher in meinem Schreiben lustig. Dabei verwendete er allerdings nur Kleinbuchstaben, hat also absichtlich auf die deutsche Rechtschreibung gepfiffen.

    Man sieht daran, dass das intellektuelle Niveau beim ORF insgesamt eher abgesandelt sein dürfte.

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Denken Sie? Naja, nächste Woche kommt Dok 1 mit Herrn Settele zum Thema Plagiate und Fake-Doktoren. Das Team war auch bei mir. Wenn ich in der Doku nicht vorkomme, haben Sie Recht ;-)!

  4. Angehende Akademikerin

    @Stefan Weber

    Ich bin im universitären Bereich tätig und habe einer habilitierten Professorin beibringen müssen, worin der Unterschied zwischen einem Bindestrich und einem Gedankenstrich liegt.

    Würde mich sehr freuen, wenn Sie mit Ihren Forschungsschwerpunkten einen eigenen Lehrstuhl oder gar ein Institut etablieren.

    Vielleicht kreuzen sich unsere Wege beruflich.

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  5. Angehende Akademikerin

    Unter anderem @Erwin:

    Von einer Führungskraft darf man eine Vorbildfunktion erwarten.

    Bin mir nicht ganz im Klaren, ob ich den Herrn Wrabetz dazu zählen darf. Wenn ja, mit einem Jahreseinkommen von 400 000 Euro brutto (meine Wenigkeit verdient nicht einmal ein Zehntel davon), sollte ein promovierter Akademiker seiner Muttersprache sehr wohl mächtig sein, um fünf Sätze fehlerfrei formulieren zu können. Ich, als einfache Mitarbeiterin mit nichtdeutscher Muttersprache, schaffe es auch.

    Kleine Hoppalas können uns allen passieren. Jedoch, wenn ich einen Vorgesetzten hätte, welcher in seiner Fachkompetenz und Vorbildfunktion mehr Flop als Top wäre, so würde ich mir die sehr berechtigte Frage stellen, ob diese Führungskraft überhaupt in der Lage sei, etwas zu meiner persönlichen Weiterentwicklung beizutragen. Eloquenz wäre meines Erachtens ein guter Ansatz dafür.

    Neulich habe ich die Redaktion von einer größeren, österreichischen (nicht das Kleinformat) Tageszeitung kontaktiert. Anlass meines Schreibens war, dass gleich im ersten, sehr kurzen Absatz drei peinliche Fehler (Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion) waren. Gleich drei ProtagonistInnen durften sich als stolze AutorInnen mit diesem Artikel schmücken. Nach einer kurzen Recherche habe ich in Erfahrung gebracht, dass mindestens zwei Akteure einen akademischen Abschluss sowie jahrelange Erfahrung im Journalismus haben. Die Redaktion hat mir netterweise nicht zurück geschrieben.

    Was sollte dieser Umstand uns lehren? Schenken wir bitte diesem Akademikertum weniger Achtung.

    Übrigens Herr Weber, ich finde Ihr Engagement sehr bereichernd und erfrischend. Halten Sie uns bitte auf dem Laufenden.

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Schöner Kommentar, vielen Dank. Ich sehe es genau so wie Sie und habe gestern in einem Vortrag folgenden Vergleich angestellt: Meine Tochter geht in Deutschland zur Schule, dort sind – strenger als in Österreich – gute (vor allem Deutsch- und Mathe-)Noten die Bedingung für den „schulischen Aufstieg“, etwa den Übertritt von der Grundschule ins Gymnasium. Wenn sich aber am Ende des Tages in beruflichen Hierarchien Personen durchsetzen, die hier eklatante Schwächen haben, stimmt entweder mit dem Schulsystem oder mit der Arbeitswelt etwas nicht.

  6. David G. Sturm

    Wenn politische Gesinnung und Haltung wichtiger sind als tatsächliche Eignung. Angeblich ein beim ORF und anderen Medien häufiger auftretendes Phänomen …

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  7. Erwin

    1. Was darf man sich in Österreich von einer Führungskraft erwarten?

    Seine/Ihre Mitarbeiter auf ein gemeinsames Ziel einschwören.

    2. Warum wird jemand Führungskraft?

    Hoffentlich nicht wegen seiner einwandfreien Deutschkenntnisse und Perfektionismus bei Beiträgen in social media. Führungskräfte sollen Menschen zusammenbringen und Gräben schließen. Also ein bisserl die Antithese von dem was Sie betreiben Herr Weber.

    3. Stinkt der Fisch vom Kopf her?

    Manchmal sicher. So mancher Fisch beginnt aber auch woanders zu stinken.

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Lieber Erwin!
      Danke für Ihren Kommentar. Finden Sie, dass die Beherrschung der drei grundlegenden Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen die Voraussetzung für die von Ihnen geschilderten Qualitäten einer Führungskraft ist? Anders gefragt: Was wäre, wenn mehrere Führungskräfte (auch in der Politik) die aufgedeckten Defizite hätten? Ist das „kompensierbar“?

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