Vom Uni-Serienbetrüger zum ÖH-Politiker und Fernsehreporter? Der „Fall David“ legt die unerträglichen Zustände der (nicht nur österreichischen) Kommunikationswissenschaft offen

Dieser Text ist keine Abrechnung. Die hier geschilderten Vorkommnisse sind auch keine „alternativen Fakten“. Der Text erzählt vielmehr einen Aspekt der jüngeren Geschichte eines Fachs jenseits von Online-Auftritten, Hochglanzbroschüren, Jubiläen, Wissensbilanzen und Institutsrankings. Und er erzählt vor allem eines: Eine wahre Geschichte. Eine Geschichte, deren Wiederholungscharakter mich immer wieder staunen lässt.

Aufgeschrieben aus Anlass des „Falls David“ im „Standard“, der sich – soviel ist gewiss – am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg zugetragen hat (die Redaktion versicherte mir gegenüber in einer schriftlichen Stellungnahme, dass der Fall authentisch ist, aber ohne Angaben zu Studienort und Person).

  1. Meine ersten Erfahrungen mit dem pervertierten System der Kommunikationswissenschaft machte ich, ohne es zu wissen, auch am Salzburger Institut zwischen 1992 und 1996: Die damaligen Professoren meiner Wahl, Siegfried Zielinski und Peter A. Bruck, hatten den Status von Gastprofessoren. Doch der eine floh schon während seines auf fünf Jahre anberaumten Gastspiels zurück nach Deutschland, der andere schuf für sich selbst eine unbefristete Folgeprofessur, die nicht er, sondern ein sonderbarer Marxist bekam. Ich weiß heute: Beide waren zu gut, zu pushy, zu originell. Wenn man aus der Schule, dem Gymnasium kommt, sieht man das zunächst nicht. Man hält eine solche auf den Kopf gestellte Dynamik an der Universität schlichtweg nicht für möglich.
  2. Nachdem 1996 die Karriere meines Doktorvaters jäh beendet wurde (Bestrafung für Leistung), wandte ich mich für ein Ansuchen um ein FWF-Forschungsprojekt im Jahr 1997 an Hans-Heinz Fabris, damals Ordinarius für Angewandte Kommunikationswissenschaft am Salzburger Institut. Wieder dauerte es einige Zeit, bis ich begriff, was da vor sich ging (durch autoritären Gestus gelang es ihm zunächst, vom eigentlichen Problem abzulenken): Der ordentliche Professor für angewandte Wissenschaft konnte seinen Computer gar nicht anwenden! Folglich hatte er auch keinen Schimmer von SPSS und Software-Anwendungen generell. Und folglich war ihm auch meine E-Mailingliste höchst suspekt. Aber wie konnte er Projektleiter eines quantitativen Forschungsprojekts sein? Ich beschwerte mich beim FWF und verschickte 1998 mein erstes Rundmail ans Institut. Die Antwort des FWF fiel knapp aus: Projektstreitigkeiten seien an der Tagesordnung, man mische sich da nicht ein. Qualitätssicherung? Offenbar ein Fremdwort. Nur ein Magazin der Studienrichtungsvertretung berichtete zu Herrn Fabris‘ Zorn über den Fall.
  3. Im Jahr 2002 lehrte ich am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Klagenfurt. Ich war sehr erstaunt über das unterirdische Niveau, vor allem aber darüber, dass die Studierenden nahezu allesamt nicht zitieren konnten. Ich fand heraus, warum das so war: Es wurde ihnen falsch beigebracht. Eigene Formulierungen in Texten wurden ihnen de facto untersagt, das Umschreiben wurde ihnen antrainiert (= Klagenfurter Irrlehre). Es gab eine interne Krisensitzung mit Matthias Karmasin (O-Ton „die sind goa ned so deppad, die haben es falsch gelernt“), und erstmals schickte ich danach ein Rundschreiben an die Fach-Community. Es war mein erster (wissenschafts)öffentlicher Protest wegen Qualitätsmängel. Reagiert hat darauf in der scientific community niemand. 2021 wurde erstmals in der „Kleinen Zeitung“ darüber berichtet.
  4. Meine allererste Erfahrung mit dem Thema Plagiat machte ich auch im Sommersemester 2002 in Klagenfurt: Mein Nachfolger in meiner abgebrochenen Vorlesung hatte seine Vorlesungsfolien plagiiert und musste sich dafür öffentlich schriftlich entschuldigen. Und eine Antragstellerin für ein Erwin-Schrödinger-Stipendium hatte (nicht nur) aus meiner Dissertation plagiiert. Der Klagenfurter Philosophieprofessor Josef Mitterer dokumentierte den Fall umfassend und machte mich während meiner Block-Lehrveranstaltungen in Klagenfurt darauf aufmerksam. Der FWF zog wieder keine Konsequenzen. Die Dame erhielt ihr Stipendium im zweiten Anlauf. Bis heute postet sie in Webforen, von Josef Mitterer gemobbt worden zu sein, was freilich kompletter Unsinn ist.
  5. Im Jahr 2005 unterrichtete ich am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, diesmal im Magisterseminar. Das Niveau der Studierenden, allesamt bereits in der Studien-Endphase, war erneut unterirdisch. Im selben Semester hielt eine frisch berufene Gender-Forscherin aus Deutschland, Elisabeth Klaus, einen grottenschlechten Vortrag, und eine bundesdeutsche Kollegin von ihr beurteilte eine Bachelorarbeit positiv, die fast vollständig aus dem Internet plagiiert war, inklusive statistischer Darstellungen (das Plagiat war also sofort zu erkennen). Nun platzte mir der Kragen und ich schickte ein Protestmail an rund 800 WissenschaftlerInnen der „Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft“. Heiner Boberski von der „Wiener Zeitung“ hat damals als einziger darüber berichtet.
  6. In Salzburg sagte mir eine frisch angestellte Assistentin in Bezug auf die „Zitierschwächen“ der Studierenden: „Als ich von Deutschland nach Salzburg kam und die Arbeiten las, dachte ich mir: Weber hat Recht!“ – Als ich dann aber entdeckte, dass ihre eigene Chefin qualitative Forschung nicht beherrscht, hatte ich nicht mehr Recht.
  7. Dem Bachelor-Plagiator wurde im Jahr 2006 der akademische Grad aberkannt. Er ist heute Fernsehmoderator bei Servus-TV und hat längst eine neue Bachelorarbeit geschrieben oder schreiben lassen (das wissen wir ja nach einer „Ersttat“ nie).
  8. Im Frühjahr 2006 schaffte es das erste kommunikationswissenschaftliche Plagiat in die Headlines: Eine Diplomarbeit mit dem Titel „Wickie und die starken Männer“ von der Universität Klagenfurt enthielt erhebliche Plagiate und unterbot erneut alle Qualitätsstandards empirischer Forschung. Ich traute mich einfach, das via APA-OTS zu veröffentlichen. Nun war die Medienöffentlichkeit da: Die „Wickie-Diplomarbeit“ kam in die Ö3-Nachrichten und wurde zum Doppelseiter im Magazin „News“. In der Stellungnahme des Betreuers wurde ich scharf angegriffen. Die Entscheidung der Universität entsprach nicht dem Wunsch des Professors. Die Plagiatorin schaffte es später immerhin trotzdem zur Gastprofessorin in Deutschland sowie selbstredend zu einem neuen Magister- und später Doktortitel. Der Whistleblowerin blieb eine akademische Karriere in Österreich und anderswo hingegen versagt. Über den Fall berichtete auch Malte Olschewski, übrigens Teilnehmer der berühmten „Uni-Ferkelei“ von 1968, wobei er nach einer Klagsdrohung der Uni Klagenfurt den Titel seiner Story entschärfen musste. Dieser hieß ursprünglich „Die Plagiatsschmiede am Wörthersee“.
  9. Im Zuge eines Forschungsprojekts im Jahr 2007 entdeckte ich unter 100 Diplomarbeiten der Salzburger Publizistikwissenschaft zwei weitere erhebliche Plagiate: Einer Person wurde der Grad aberkannt (ohne Medienöffentlichkeit), einer weiteren wurde der Grad nicht aberkannt. In letzterem Fall wurde schlagend, dass der damalige Vizerektor Rudolf Mosler und der Betreuer der Diplomarbeit eng befreundet waren. Ich schrieb eine Protestmail an den Senat der Universität Salzburg unter Vorlage aller Plagiatsstellen („Herr Mosler, warum machen Sie das?“). Intern reagierte niemand. Auch dieser Plagiator ist heute u.a. als Fernsehreporter tätig.
  10. 2007 entdeckte ich Plagiate und fehlende Quellenangaben im Online-Abschlussprojekt des Journalisten-Kollegs im Kuratorium für Journalistenausbildung in Salzburg. Ich schickte die Belegstellen an Chefredakteure und schrieb wörtlich von einer „gesellschaftlichen Fehlentwicklung“. Einer antwortete: „Gott sei Dank ist keiner von uns dabei.“
  11. Aus privaten Gründen verlagerte ich meinen Lebensmittelpunkt für ein paar Jahre nach Deutschland. Interessanterweise entdeckte ich auch am Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden Plagiate bei zwei angestellten Professorinnen. Ich musste die schmerzhafte Erfahrung machen, dass dies keine austriazistische Besonderheit darstellt. Ein interessantes Detail: Wie schon in Salzburg und Klagenfurt reagierte man auch in Dresden mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Plagiat.
  12. Zurück in Österreich, nahm ich meine Lehrtätigkeit im Jahr 2015 wieder auf. Bei den Bachelorseminaren am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien stellte ich seit 2016 fest, dass die größte Hürde nicht nur das korrekte Zitieren, sondern vor allem auch das eigenständige Formulieren von Forschungsfragen und Hypothesen ist. Wieder konnte ich es kaum glauben, dass das in meinem Bachelorseminar fast niemand beherrschte. Die Leute hatten doch schon einige Semester studiert und vorher mehrere Arbeiten verfasst. Zudem hatten sie eine Lehrveranstaltung zur Forschungslogik besucht. Nachdem ich wieder intern nach einschlägigen Beschwerdemails keine Rückmeldungen erhalten hatte, schrieb ich in der Zeitung „Addendum“ und in der „Presse“ über meine Erfahrungen. Ich begann, endlich das große Ganze zu sehen: Das Plagiatsproblem ist ein Aspekt der Studierunfähigkeit. Das Problem der Unfähigkeit, eigene Forschungsfragen und Hypothesen zu formulieren, ist ein anderer Aspekt der Studierunfähigkeit.
  13. Es gäbe noch viel mehr zu berichten. Etwa die offene Frage, warum am Wiener Publizistik-Institut Menschen für ein Fachgebiet angestellt werden, zu dem sie niemals geforscht und publiziert haben. (Die Antwort lautet: Man will dem Ministerium falsche Tatsachen vorspielen, sich einen modischen Chic auferlegen, den man nicht hat.) Oder warum man in der Wiener Publizistik-Einführungsvorlesung für alle mit „feministischen Ansätzen“ zwangsbeglückt wird. Oder warum ein Klagenfurter Professor sich schon Jahre vor Corona fast nie am Institut blicken ließ. Oder warum StudienrichtungsvertreterInnen, also Studierende, so viel Macht haben, dass sie über den Schweregrad von Prüfungsfragen und über ProfessorInnenbesetzungen bestimmen. Warum Professoren ihren „Herzensdamen“ bessere Noten geben. Etc. etc.

Ich habe lernen müssen, dass die österreichische universitäre Kommunikationswissenschaft kein Milieu ist, in dem Leistung, Kreativität und Innovation belohnt werden. Im Gegenteil: Man wird für diese Talente mit Karriereverhinderung bestraft. So wird eine „leuchtturmfreie Zone“ geschaffen.

Hinter vorgehaltener Hand sagt mehr als ein Institutsvorstand, dass „nur noch plagiiert“ wird („Bei einem Bier erzähle ich Ihnen was anderes“). Nach außen hin jedoch macht man auf Plagiatsabsenz und Qualität. Als ich vor vielen Jahren in einem „Bericht zur Lage der Qualität des österreichischen Journalismus“ auf viele Fehler aufmerksam machte, dankte man nicht mir, sondern reagierte mit den Worten: „Lassen wir uns vom Weber nicht ins Bockshorn jagen.“ Ich musste feststellen, dass der, der auf Fehler hinweist, der Böse ist. Was für ein krankes System!

Ich versichere Ihnen: Dies ist keine Geschichte eines Menschen, der genau hinzuschauen begann, weil er keinen Job bekommen hat (x-fach wurde meine Geschichte so erzählt). Es ist vielmehr die Geschichte eines Menschen, der keinen Job bekommen hat, weil er (zu) genau hingesehen hat.

Es ist die Geschichte einer Perversion des Systems: von der Bildung zur Unbildung (Konrad Paul Liessmann), vom Streben nach Erkenntnis zur „simulierten Wissenschaft“ (Gerhard Dannemann).

Wenn nun verstanden wird, warum genau dieses Milieu einen „Fall David“ hervorbringt und dieser mit Sicherheit kein Einzelfall ist, hat dieser Blogbeitrag sein Ziel erreicht.

Aber wie kann sich die Universität – und vor allem ein Massenfach wie die Kommunikationswissenschaft – ändern?

7 Kommentare zu “Vom Uni-Serienbetrüger zum ÖH-Politiker und Fernsehreporter? Der „Fall David“ legt die unerträglichen Zustände der (nicht nur österreichischen) Kommunikationswissenschaft offen

Neuen Kommentar verfassen

  1. Stefan L.

    @Igo Huber:

    Im naturwissenschaftlich-technischen Bereich dürfte die Betreuungsqualität doch viel besser sein als in „Massenfächern“, oder? Ich denke, da käme man mit den von Stefan Weber aufgezeigten Gepflogenheiten nicht weit.

    Antworten
  2. Nurcan Cakan

    @Stefan L.

    Nicht nur Vitamin B, ich denke dabei an das “Soziale Kapital” von Pierre Bourdieu, kann einer Person bei der Karriere weiterhelfen. Auch gute Blender und reißerische Persönlichkeiten werden in die Führungsetagen gehievt. Überlegen wir mal, wie viele zum Teil exzellente Fachkräfte erledigen die Vorarbeit für den Vorgesetzten, oder bringen gar den ganzen Input, und der vermeintlich kompetente Chef deklariert die Leistung seiner Mitarbeiter als seine eigene Errungenschaft? Oft sind die „unbedeutenden“ Mitarbeiter die intelligenten Köpfe im Hintergrund, aber der Chef ist der bessere Selbstvermarkter.

    @Fernsehen: In der hiesigen Gesellschaft, wo auch die sozialen Medien eine prägende Rolle einnehmen, kann man mit guter (Selbst)Vermarktung sogar mit Trash erfolgreich sein.

    Thank God, nicht jede Person ist dem Trash verfallen, wenn man reflektiert die Medien konsumiert. Da wird eine gute Telegenität auch nicht zu mehr Qualität beitragen.

    Antworten
    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Absolut. Ich bin längst dafür, ein Studienfach „Blendologie: The Art of Hochstapeln“ zu etablieren. Dort lernen die Studierenden systematisch die Techniken des Bescheißens in allen sozialen Systemen und können diese gleich quasi Hands-on bei allen Klausuren und Abschlussarbeiten trainieren. Techniken des Bescheißens spielen ja nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Partnerschaft, in der Wirtschaft und in der Politik eine wirklich wichtige Rolle.

  3. Stefan L.

    Wie ist es möglich, dass Absolventen mit eklatanten fachlichen Mängeln, die offensichtlich zutage treten, dann im Berufsleben derart erfolgreich sein können? Zählt nur noch „Vitamin B“?

    Antworten
    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Nein, aber im Bewerbungsgespräch beim Fernsehsender wird vielleicht auf andere Kriterien geschaut (Telegenität etc.). Aber es ist schon lustig, dass bei besagtem Boulevardsender dann nun schon ein Plagiator und ein „Beghostwriteter“ arbeiten, beide KoWi Uni Salzburg!

  4. Igo Huber

    Beginnt nicht diese unsägliche Grundhaltung bereits in der Schule, wo das Schwindeln geradezu als Kulturtechnik angesehen wird?

    Und dann kommt noch dazu, dass viele Betreuer sich nicht kümmern, und dass vor allem den Betreuern, die in einem Plagiatsfall betroffen sind, seitens der Uni nichts passiert! Siehe bei Christian Buchmann. Meinem Eindruck nach hatte die Uni Graz nur ein einziges Interesse, den Fall so schnell wie möglich zu beenden, um ja nicht die Rolle der Betreuer hinterfragen zu müssen. Von Verweisen etc. ist nicht bekannt geworden.

    Aber das passt ja ins Bild: Arbeiten, die nicht richtig und umfassend gegendert sind, werden dort gar nicht zugelassen! Form schlägt Inhalt! Mit anderen Worten, es geht hier weniger um Wissenschaft als um  universtätspolitisch gewünschtes Wohlverhalten!Und das ist ein weiterer Grund für die Qualitätsmalaise!

     

    P.S.: meine Diplomarbeit (technische Chemie, TU Graz 1980)  musste/durfte ich in stundenlangen Sitzungen mit meinem Betreuer durchgehen – da wurde jedes Zitat hinterfragt! Leider konnte ich meine sprachlichen Vorstellungen, geprägt von einer humanistischen Grundbildung,  nicht durchsetzen – offensichtlich das genaue Gegenteil von heute!

    Antworten
  5. Nurcan Cakan

    Danke für Ihren Beitrag, Herr Weber.

    Ich denke, die Ablöse von Qualität durch Quantität an den Hochschulen, ist unter anderem der Akademisierung der Berufe geschuldet. Neulich habe ich einer ehemaligen Kollegin im Schmäh geraten, dass wenn sie mit ihrer Dissertation von der Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum, keine adäquate Anstellung mehr bekommen sollte, könnte sie ja noch immer in einer Bibliothek am Schalter arbeiten. Ich staunte nicht schlecht, als ich erfahren habe, dass tatsächlich ein Studium für das Bibliothekswesen gibt. Quasi, das was früher eine Lehre getan hat, muss jetzt studiert werden.

    Wir wissen auch, je größer eine Fakultät, desto mehr Ressourcen. Mehr Ressourcen bedeuten auch mehr Personal. Bei Ausschreibungen werden manchmal alte Bekannte bevorzugt, um Seilschaften in der Organisation zu stärken. Oder AssistentInnen vom eigenen Doktorvater als Demonstration von ewiger Dankbarkeit und Loyalität werden eingestellt. Oder die Freundin bewirbt sich für die Ausschreibung, und der Freund setzt sich beim Hearing der anderen BewerberInnen hinein, und stellt diesen BewerberInnen sehr unangenehme Fragen, um so den Bewerbungsprozess zu beeinflussen, sodass die Freundin die Anstellung bekommt.

    Ich habe auch eine Situation erlebt, wo ein Professor seinen Unmut gegenüber einem anderen Kollegen geäußert hat, weil der Kollege bei der Fakultäts-öffentlichen Präsentation das Thema des Dissertanten vom Professor nicht ausgereift erachtete. Der Professor nahm das sehr persönlich, und hat anscheinend Gefälligkeit mit dem Können seines Assistenten verwechselt. Die FÖP hat der Assistent nicht bestanden. Auch hat dieser besagte Kollege als Gutachter darauf bestanden, dass eine Dissertation “nur” mit einem “Gut”bewertet wird.

    Meine Wenigkeit durfte in den dankbaren Genuss kommen, dass dieser Kollege mehrere Jahre mein Vorgesetzter war.

    Oft habe ich verärgerte (Nachwuchs)WissenschaftlerInnen wahrgenommen, weil sie sich mit einem “Schund” befassen und diese mit einem “Genügend” oder “Nicht genügend” beurteilen mussten.

    Ja, viele Zustände sind nicht optimal und Verbesserungsprozesse langwierig. Jedoch gibt es kleine Lichtblicke in der Wissenschaft, wenn WissenschaftlerInnen ihre Berufung in ihrer Gesamtheit seriös betrachten.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

The maximum upload file size: 20 MB. You can upload: image. Links to YouTube, Facebook, Twitter and other services inserted in the comment text will be automatically embedded.