Sagt uns die Wahrheit! Der Lockdown wird bis 2021 dauern und er kann nur weltweit funktionieren

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ (Ingeborg Bachmann)

„Zukunftsforscher“ Matthias Horx hat unrecht. Wir werden wohl nicht im Herbst 2020 relaxed in einem Straßencafé sitzen und gestärkt aus der Corona-Krise auf diese zurückblicken. Wir werden noch mitten in ihr sein. Alle derzeitigen Modellrechnungen zeigen an, dass uns die Corona-Pandemie mindestens 300, wohl eher 400 Tage beschäftigen wird, siehe etwa hier (Universität Basel) und hier (TU Wien). Denn es gilt:

„Je besser wir die sprunghafte Ausbreitung des Coronavirus eindämmen, umso länger müssen wir uns restriktiven Maßnahmen fügen. Denn dann ist die Kurve der Neuinfektionen zwar flacher, das Virus grassiert dafür […] deutlich länger.“ (Quelle: Der Spiegel)

Ein Jahr Stillstand: Sagt der Bevölkerung bitte schon jetzt die Wahrheit!

Meine Bitte an die Politik: Sagt der Bevölkerung lieber gleich, dass schon jetzt alle Modellrechnungen, die rigorose sogenannte nicht-pharmakologische Interventionen (NPIs) wie etwa Social Distancing oder Ausgangssperren in ihre Kalkulationen mit einbeziehen, von 300 Tagen und länger ausgehen. Und dies nicht im Worst Case-Szenario.

Ich dachte bis vor kurzem auch noch, ab Ostermontag, 13. April 2020, werde das System wieder langsam „hochgefahren“. Doch warum streut man der Bevölkerung jetzt Sand in die Augen? Können wir uns nicht alle besser darauf einstellen, wenn wir wüssten, dass unser aller am Freitag, den 13. (sic) März 2020 begonnenes neues Leben länger als angenommen dauern wird? Wir sind die intelligenteste Spezies auf diesem Planeten, wir werden die Energie haben, uns zu adaptieren, wie bei vergangenen Epidemien, Seuchen und Naturkatastrophen. Wir werden den Wiederaufbau schaffen, wie nach vergangenen Kriegen. Aber es liegt in der Verantwortung der Politik, uns jetzt die Wahrheit zu sagen!

Kampf gegen SARS-CoV-2 mindestens ein Jahr Punkt eins auf der Agenda der Menschheit

Die Menschheit wird kreativ sein (müssen) im Erfinden und Aushalten von Maßnahmen, aber auch im Suchen und Finden neuer Geschäftsmodelle für das finanzielle Überleben.

  • Über allem steht natürlich die Suche nach einem Medikament für COVID-19-Erkrankte und nach einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Ich denke, die Wissenschaft sollte alle ihre Ressourcen in den nächsten Monaten primär in die Erreichung dieser beiden Ziele stecken. Und freilich in mehr und noch zuverlässigere und schnellere Tests.
  • Ein neues globales Virus-Frühwarnsystem als Learning aus der Coronakrise wird die nächste große Herausforderung für die Menschheit werden.
  • Dann wird es neue Ideen geben müssen, wie wir mit unserem zurückgezogenen Leben in den eigenen vier Wänden zurechtkommen können.
  • Lieferdienste aller Art werden sich durchsetzen.
  • SchülerInnen und Studierende werden ein Jahr ihres Bildungswegs mehr oder weniger komplett verlieren.
  • Das ganze Gerede von Home Learning, e-Learning, Telelearning & Co. ist Digital-PR, reine Augenauswischerei. Wir sind einfach technisch noch nicht so weit, dass Lehre und Lernen ganz ohne Präsenz funktionieren. Kein/e Schüler/in, kein Studierender hört seiner/seinem Lehrenden stundenlang im Stream zu. Wenn, dann müsste das so funktionieren wie bei der Khan Academy oder bei Coursera. Aber dafür brauchen wir Lehrende Weiterbildung – es genügt nicht, einfach vor der Laptop-Kamera drauf los zu labern. Da braucht es ein interaktives Storyboard, da braucht es den ausgeklügelten Einsatz von Stimme, Gestik und Präsentationsmaterialien. Und dafür braucht es Aus– und Weiterbildung (nächstes Geschäftsmodell).

Lockdown ja, aber nicht top-down!

Schließlich plädiere ich für einen Lockdown, der hoffentlich bald nicht mehr Top-Down vom Staat verordnet wird, sondern eigenverantwortlich gelebt wird. Eine Gesellschaft verkümmert und verroht, wenn ihr auf viele Monate das gesamte kulturelle und soziale Leben vom Staat verboten wird (obwohl wir mittlerweile verstanden haben, dass etwa auch in Deutschland der entscheidende Paragraph 28 des Infektionsschutzgesetzes über den Grundrechten steht!).

Vielmehr müssen wir jetzt beginnen, unser soziales und kulturelles Leben so zu organisieren, dass es möglichst zu keinen neuen Ansteckungen kommt: Mit einem Mindestabstand von einem Meter (besser zwei!), mit Desinfektionsgeräten allerorts. Dafür werden Restaurants und Züge, öffentliche Verkehrsmittel und Wartezimmer in Arztpraxen neu gestaltet werden müssen. Bei Verstößen sollte freilich auch weiter streng gestraft werden.

Im Zeitalter von Corona sitze ich lieber in einem Biergarten mit zwei Metern Sicherheitsabstand zum nächsten Gast (dann wohl sehr exklusiv und nur mit Reservierung) als gar nicht. Ich trainiere lieber mit wenigen Menschen unter strengen Auflagen im für mich fast überlebensnotwendigen Kieser Training-Studio als gar nicht. Auch diese Aspekte der mentalen und körperlichen Gesundheit dürfen wir in den nächsten zwölf Monaten nicht ignorieren!

Wir müssen den Lockdown schaffen, aber bitte nicht dafür die Demokratie in ein totalitäres Regime verwandeln, das jeder Bürgerin und jedem Bürger die Selbstverantwortung raubt. Gerade Österreich ist ein Land, das gerne in Obrigkeitsschemata denkt. Dazu passen Journalistenfragen wie „Herr Minister, dürfen wir noch ins Freie?“ oder „Herr Polizeipräsident, dürfen wir noch Spazierengehen?“ Und wir alle denken nach dem Florianiprinzip, wir reden dann etwa von „italienischen Verhältnissen“, die nicht nach Österreich kommen dürfen. Nun, in Wahrheit ist die Lombardei eine der höchstentwickelten Regionen.

Als das Coronavirus noch in China war, war es ganz weit weg. Auch der Ausbruch in Italien ließ uns, mich eingeschlossen, noch unbeschwert in Südtirol Skifahren (Corona findet ja weiter „unten“ statt). Nun, unser Denken hinkt hier der Globalisierung weit hinterher.

Risiko eines neuen SARS-Virus war seit acht Jahren bekannt

Wussten Sie, dass es eine dem Deutschen Bundestag seit 2012 vorliegende Risikowarnung in Bezug auf den möglichen Ausbruch eines modifizierten SARS-Virus gibt? Auf S. 55 ff. dieses Papers finden Sie das fiktive Szenario „Pandemie durch Virus ‚Modi-SARS‘„. Es ist eine sich gespentisch lesende Vorwegnahme jenes Verlaufs, der im März 2020 diesen Planeten radikal verändert hat.

Ein Gedanke zu „Sagt uns die Wahrheit! Der Lockdown wird bis 2021 dauern und er kann nur weltweit funktionieren

  1. Sabine Zierz

    Lieber jetzt einen neuen Stillstand vornehmen.

    Seit Tagen wird es ersichtlich daß die Zahlen nach oben gehen.Es wäre sinnvoller jetzt einen schnellen Stillstand zu machen.Ehrlich vor 50-60 Jahren war es selbstverständlich Seine Kids bei Hausaufgaben usw beizustehen ,heute ist man überfordert? Unsinn!Besser einige Wo ein Stop zu Machen als eine höhere Epidemie zu durchleben! Auch das wird Deutschland schaffen .

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