Endbericht: 100 Plagiatsfragmente in Annalena Baerbocks Buch „Jetzt“ dokumentiert – Auch von CDU-, SPD- und FDP-nahen Autoren wurde abgeschrieben

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Endbericht: 100 Plagiatsfragmente in Annalena Baerbocks Buch „Jetzt“ (57 Seiten, 1.927 KB)

Bericht: 17 Plagiatsfragmente in Armin Laschets Buch „Die Aufsteigerrepublik“ (11 Seiten, 264 KB)

Bericht: 3 Plagiatsfragmente in Olaf Scholz‘ Buch „Hoffnungsland“ (6 Seiten, 226 KB)

Annalena Baerbock hat nicht an 100 Stellen plagiiert. Womöglich sind es 200 oder 300 oder noch mehr Stellen. Aber wir haben die Untersuchung nun bei 100 Stellen abgebrochen, weil das Vorgehen und das Ausmaß aus unserer Sicht hinreichend dokumentiert sind und wir nun genug unbezahlte Arbeitsstunden in das Projekt investiert haben. Wir – das sind ein Freiwilliger, Martin J., und ich. Martin J. hat in zahllosen Arbeitsstunden mehr als 200 Textübereinstimmungen gefunden. Ich habe sie dann selektiert – nach der herrschenden Auffassung von Textplagiat – und in die Dokumentation eingearbeitet.

Das Ergebnis ist schockierend: Es ist zu vermuten, dass sich im Buch „Jetzt“ von Annalena Baerbock kein originärer Gedanke befindet (jene Stellen ausgeklammert, die der „Biograf“ verfasst hat). Der Text ist ein Flickenteppich von irgendwo anders her. Selbst in der Ich-Form formulierte Sätze wurden unzitiert übernommen. Neu sind illegitime Aneignungen aus zumindest drei Sachbüchern, darunter aus einem Sammelband der CDU/CSU, aus dem Buch eines SPD-nahen Wissenschaftlers und aus dem Buch einer FDP-nahen Unternehmerin.

Ein Quellenverzeichnis, das es nie geben wird, hätte hier auch nicht geholfen: Denn die Simulation eines Buchs dieses Strickmusters setzt gerade die Nicht-Nennung der Quellen voraus. Und wie viele Quellen wollte Frau Baerbock denn angeben? Immer genau jene, die wir gefunden haben?

Warum dieses geistige Armutszeugnis? Warum dieses Begräbnis eigener geistiger Arbeit erster Klasse? Man muss sich das vorstellen: Jemand schreibt ein programmatisches Buch, wie er (hier: sie) sich die Zukunft Deutschlands vorstellt. Und heraus kommt ein großes unzitiertes, paraphrasiertes Textgewebe aus schon Gesagtem. Da ist bei genauem Hinsehen gar nichts neu, gar nichts originär, und da weist rein gar nichts in die Zukunft. In Wahrheit gibt es nur Referenzen zu schon Veröffentlichtem. Das ist billig, plump und schäbig. Und irgendwie sehr klein.

Das Buch ist das Musterbeispiel einer Textkultur ohne Hirn, vor deren Entstehen ich seit 15 Jahren publizistisch warne. Nun ist diese Textunkultur endgültig im Sachbuch und in der Spitzenpolitik angekommen. Statt mit simulierter Wissenschaft haben wir es nun mit simulierter politischer Programmatik zu tun. Plagiate dieser Art betrügen die Gesellschaft mehr als Plagiate in Doktorarbeiten.

Aber auch Armin Laschet hat plagiiert. Wären da nicht die massiven Plagiate von Annalena Baerbock, wäre auch dieser Fall eine breite Diskussion wert. Aber die Plagiate von „Jetzt“ stellen Laschets Plagiate, die isoliert betrachtet genau so verwerflich sind, wohl in den Schatten.

Dennoch: Hier haben zwei Hochschulabsolventen (!) gearbeitet (oder sie ließen zuarbeiten). Zwei Akademiker, die beide wissen müssen, was ein Zitat ist und was ein Plagiat. Gerade die Rechtswissenschaften haben extrem akribische Regeln, was Zitation anbelangt.

Nicht einmal der dritte Jurist in der Runde, Olaf Scholz, kann vom Plagiatsvorwurf ganz freigesprochen werden. Aber hier befinden wir uns derzeit tatsächlich innerhalb der Bagatellgrenze, obwohl die drei Fragmente eben auch nicht nichts sind.

Es steht 100 zu 17 zu 3, was die Anzahl der derzeit nachweisbaren Plagiatsfragmente in den drei Büchern anbelangt. Schauen wir, ob das auch der Endstand bis zur Wahl sein wird. So oder so ein intellektuelles Armutszeugnis für Deutschlands Politiker anno 2021 – und/oder für deren Ghostwriter.

10 Kommentare zu “Endbericht: 100 Plagiatsfragmente in Annalena Baerbocks Buch „Jetzt“ dokumentiert – Auch von CDU-, SPD- und FDP-nahen Autoren wurde abgeschrieben

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  1. Ralf Rath

    Horst Kern als seines Zeichens ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, die in ihrer Geschichte als Deutschlands älteste Akademie inzwischen 74 Nobelpreisträger in ihren Reihen zählt, berichtete in der Zeitschrift „Soziale Welt“ bereits vor langen Jahren von seinen Erfahrungen als Feldforscher. Wesentlich an einem qualitativen Interview sei demnach jeweils der Moment der Katharsis; also der Akt der Selbstbefreiung des Experten aus seiner Verfangenheit in den Herrschaftsverhältnissen, wie sie auch schon Herbert Marcuse als Notwendigkeit reklamiert hat. Eine etwaige Simulation solch eines für das Überleben der Menschheit unverzichtbaren Aktes (vgl. den Anhang zu Adornos „Minima Moralia“) blockiert deshalb den Prozess der Findung von hartgesottenen Praktikern einerseits und einer unnachgiebigen Theorie andereseits. Max Horkheimer spricht angesichts der in Szene gesetzten Blockade von dem Unwillen, der sadistischen Versuchung zu widerstehen. Insofern könnte die Simulation von geistig eigenständig erbrachten Arbeitsleistungen als eine Form der sexualisierten Gewalt gedeutet werden. Die beispielsweise von Frau Baerbock in ihrer Schrift „Jetzt“ nicht kenntlich gemachten Autoren werden dadurch zu Objekten sadistischer Projektionen herabgewürdigt. Der gegenwärtig landauf und landab verhandelte Missbrauchsskandal in der katholischen, aber auch evangelischen Kirche würde somit von einer falschen Praxis ablenken, die dann sogar regierungsamtlichen Status genießt, falls Herr Scholz oder Herr Laschet womöglich im kommenden Herbst vom Parlament zum Bundeskanzler gewählt werden.

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  2. chr/christiane

    Es ist ja jetzt nicht so, dass Frau Baerbock eine Rede hielt, in der die Plagiate benutzt wurden.
    Frau Baerbock verdient mit diesem Buch Geld.
    Was für ein Vorbild gerade für all die jungen Menschen, die „Grün“ für die Zukunft und Freiheit wählen.

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  3. Sextus Empirikus

    Das Schlimme sind nicht die Plagiate, das Schlimme ist die Gleichgültigkeit mit der dieser Skandal in der Öffentlichkeit hingenommen wird. Keine Aufregung, keine Rücktrittsforderungen, nichts, gar nichts.
    Armes Deutschland!

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Laut einer Politikjournalistin gibt es Konsens bei fast allen Parteien in Deutschland, dass das Thema „totgeschwiegen“ werden soll, und keiner soll die andere Partei dafür angreifen. Das ist nachvollziehbar, da das Problem womöglich auch fast alle Parteien (oder alle) betrifft.
      Die Öffentlich-Rechtlichen, also ARD und ZDF, aber auch der ORF in Österreich, berichten nur am Rande oder gar nicht. Warum das so ist, das wäre interessant herauszufinden.

  4. Ralf Rath

    Man kann das Phänomen der Simulation geistig eigenständig erbrachter Leistungen nicht scharf genug kritisieren. Als Industriesoziologe im Feld begegneten zumindest mir dabei die seltsamsten „Experten“. So hatte etwa Europas heute größter Automobilhersteller zur Mitte der 1990er Jahre einen auf 30.000 Belegschaftsangehörige bezifferten Personalüberhang allein in seinen westdeutschen Werken. Anstatt in den damals durchgeführten Interviews den je individuellen Lösungswegen auf die Spur zu kommen, die letztlich eine Überwindung der schweren Krise bedeutet hätten, gefiel sich insbesondere ein hochrangiger Angestellter in einem Motorenwerk, das sich selbst als das so genannte „Leitwerk“ des Konzerns versteht, in einer schieren Simulation. Mein früherer Kollege zeigte sich darüber im Anschluss an das Interview zutiefst entsetzt. Weil das keine Einzelfälle waren und sogar der Betriebsratsvorsitzende eines Getriebewerks sich derlei Praktiken bediente, blieb von Anfang an fraglich, inwieweit es möglich ist, die dortige Krise tatsächlich zu meistern. Liest man den daraufhin veröffentlichten Werkstattbericht der Fallstudie aufmerksam durch, lassen sich sehr viele Hinweise darauf finden, wie schwach in Wirklichkeit das Unternehmen ist. Es nahm dann auch nicht wunder, dass in der Folgezeit an den Börsen manche Anleger sinkende Notierungen der Aktie erwarteten. Vor allem der Blaubeurer Industrielle Adolf Merckle als einer der reichsten Deutschen verlor im Herbst 2008 im Zuge eines völlig chaotischen Kursverlaufs große Teile seines Vermögens. Am 5. Januar 2009 nahm er sich schließlich das Leben. Wenn man so will, lässt sich daraus das Fazit ziehen, dass allen voran die komplette Simulation von Frau Baerbock mithin den jäh eintretenden Tod von daran unbeteiligten Dritten nach sich zieht. Herr Scholz und Herr Laschet als die beiden anderen Kanzlerkandidaten politischer Parteien, die noch die meisten Aussichten darauf haben, künftig das entscheidende Regierungsamt der Bundesrepublik Deutschland zu bekleiden, nähren insofern bereits vor ihrer Vereidigung vielfältig die Zweifel daran, ob sie dafür jeweils im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind, wie es der Souverän von ihnen unabweisbar verlangt.

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  5. Gerrit Sünkler

    Es ist unfassbar, wie diese Frau fast jeden Gedanken irgendwoanders abgeschrieben hat. Vielen Dank für diese umfassende Darlegung, die zeigt, dass man in der Politik bis nach ganz oben kommen kann, ohne einen eigenen Gedanken zuende gedacht zu haben.

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  6. Pingback: “Textkultur ohne Hirn”: Plagiatsjäger rechnet mit Baerbock ab | Exxpress

  7. Steve

    Kann man Baerbock in einem Atemzug mit Laschet und Scholz als Juristin bezeichnen? Ansonsten herzlichen Dank für die wichtige Aufklärungsarbeit!

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  8. Hans Volker Holler

    Nun, da hat die Copy-Paste-Tussi uns allen ein paar Bären aufgebunden und ein paar Böcke geschossen…was soll’s!? Wird die noch von irgendeinem für voll genommen? Was Laschet und Scholz betrifft, ist es nicht weniger verwerflich aber schon eher verständlich, da die beiden ja Politiker sind und daher Lügen und vorsätzliches Betrügen zum Tagesgeschäft gehören. Alle drei Personen haben absolut NICHTS im Tagesgeschäft der deutschen Politik zu suchen!

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