Erneute Reinwaschung durch die ÖAWI? Wie die Plagiatsprofessoren der FH Salzburg abgeschrieben haben

Der Teufel steckt oft im Detail. Aber genau das macht Wissenschaft aus, und eben auch die Plagiatsforschung. Der gekündigte Professor der FH Salzburg, Thomas Grundnigg, hat nicht nur von Schulliteratur abgeschrieben. Betrachten wir diese Stelle auf S. 8 seiner Diplomarbeit:

Hier werden die Marketingwissenschaftler Christoph Herrmann (bei Grundnigg falsch: Hermann) und Heribert Meffert zitiert. Auch in den Fußnoten 5 und 6 bei Grundnigg stehen (nur) diese beiden Autoren. Die gesamte Passage fußt aber nicht auf der eigenen Literaturarbeit Grundniggs, sondern auf einer weiteren, nicht genannten Arbeit: Auf der Hausarbeit „Madonna – a new star is born?„, eingereicht im Sommersemester 1999 im Seminar „Mensch als Marke“ an der Hochschule für Künste Berlin und zum Zeitpunkt des Abfassens der Diplomarbeit noch im Volltext online. Das Turnitin-Archiv findet sie noch:

Grundnigg schreibt (von der Software gar nicht komplett markiert):

„[…] sind zwar heute noch wesentliche Bestandteile der Markendefinition, insgesamt wird der Markenbegriff jedoch weiter gefasst. Nach Christoph Hermann lassen sich sieben verschiedene Gruppen von Definitionen ausmachen.“

In der Berliner Hausarbeit von Lucy Braun und Nina Ulrich heißt es:

„[…] sind zwar auch heute wesentliche Bestandteile der Markendefinition in der Marketingliteratur, insgesamt wird der Markenbegriff aber sehr viel weiter gefasst. Nach Herrmann lassen sich grob sieben verschiedene Gruppen von Definitionen ausmachen, […].“


Plagiatsbruder im Geist ist der ebenfalls gekündigte Medienwissenschaftler Michael Manfé. In seinem Werk „Kunst und Methode„, geschrieben im Jahr 2013 zu seiner Zeit als FH-Lehrer und Gegenstand seiner unfassbaren Antrittsvorlesung, finden sich ebenfalls deutliche Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis.

Schon der allererste Satz im Buch ist ein Plagiat von Wilhelm Dilthey:

Die Konvention besagt: Wenn nicht eingerückt zitiert wird und sich im sonstigen Fließtext keine Anführungszeichen und Quellenangaben befinden, textet der Autor selbst. Manfé hat aber nun Texte jener Autoren, die er an anderer Stelle korrekt eingerückt zitiert, auch in seinen eigenen Fließtext (eben inkorrekt) einverleibt – unzitiert und nicht im Konjunktiv. Gerade durch den Wechsel von eingerücktem Zitat und nicht-eingerücktem Fließtext muss der Leser nun glauben, diese Passagen stammen von Manfé, sie würden die Zitate interpretieren. Tun sie aber nicht: Wenn Manfé den späteren Corona-Leugner Wolfgang Wodarg zitiert, schreibt er von ihm auch im Fließtext ab:

Das ist die klassische Lesertäuschung, die seit 2006 in der Fachliteratur Bauernopfer-Referenz heißt (nach Benjamin Lahusen).

Das alles hat mit Wissenschaft nichts zu tun, wurde aber über Jahre an der FH Salzburg so finanziert. Wo war die Qualitätskontrolle?

Die FH-Geschäftsführung hat nun angekündigt, sich ob meiner Plagiatsvorwürfe an die ÖAWI zu wenden. Na, da wissen wir ja schon, was herauskommen wird. Ich empfehle wie im Fall Schavan eine Prüfung im eigenen Haus (die FH Salzburg hat die beste Plagiatssoftware, die auch ich verwende) und durch Experten im eigenen Haus (auch diese gibt es). Da braucht es keinen Wiener Verein, in den Hochschulen nur einzahlen, damit das Plagiatsproblem unter den Teppich gekehrt wird.

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