Noch schwerwiegendere Vorwürfe gegenüber SZ: Fälschung eines wörtlichen Zitats über die AfD in einer plagiierten Reportage über NS-Kriegsverbrecher?

Die Vorwürfe gegen die derzeit pausierende Vize-Chefedakteurin der „Süddeutschen Zeitung“, Alexandra Föderl-Schmid, werden immer massiver. Neben dem derzeit in bereits 38 Artikeln nachgewiesenen Plagiarismus (in diesem Zwischenbericht waren es noch 25 aus der SZ und einer aus dem „Standard“) kommt nun erstmals der dringende Verdacht einer Zitatfälschung hinzu.

In einer ausschweifenden historischen Reportage der SZ über die Landsberger Demonstration gegen die geplante Hinrichtung von NS-Kriegsverbrechern anno 1951 hat Alexandra Föderl-Schmid an zumindest zehn Stellen plagiiert, sieben davon betreffen einen genau fünf Monate zuvor erschienenen Beitrag von Hans Pfeifer in der „Deutschen Welle“. Die Übereinstimmungen sind hier im Blogbeitrag unten dokumentiert.

Interviewt wurde von Hans Pfeifer auch der Leiter der Europäischen Holocaustgedenkstätte in Landsberg, der 2023 verstorbene Manfred Deiler. Vier wörtliche, unter Anführungszeichen gesetzte Zitate Deilers aus dem Beitrag der „Deutschen Welle“ finden sich sehr ähnlich auch bei Alexandra Föderl-Schmid in der Süddeutschen. Das fünfte und letzte Zitat über die AfD allerdings weicht von der Fassung der „Deutschen Welle“ deutlich ab (im Gutachten hier auf S. 3 im roten Kasten).

Wenn ich mir eine Bewertung erlauben darf: Das ist alles ein unglaublicher journalistischer Skandal. Die Süddeutsche hat nach dieser weiteren Enthüllung endgültig ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Mit jedem Tag, an dem die Süddeutsche zu meinen Funden weiter schweigt, beschädigt sich das Medienhaus reputationstechnisch und vor allem ökonomisch schwer.

Sie finden hier die Dokumentation:

Vor Ort Plagiat Mögliches Fake-Zitat Seite 1
Vor Ort Plagiat Mögliches Fake-Zitat Seite 2
Vor Ort Plagiat Mögliches Fake-Zitat Seite 3
Vor Ort Plagiat Mögliches Fake-Zitat Seite 4

3 Kommentare zu “Noch schwerwiegendere Vorwürfe gegenüber SZ: Fälschung eines wörtlichen Zitats über die AfD in einer plagiierten Reportage über NS-Kriegsverbrecher?

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  1. Chris Berger

    Sehr geehrter Dr. Weber,
    einige – wenn auch anhand des restlichen Textes nicht unbedingt realistische – Überlegungen möchte ich einbringen:

    A, Vielleicht gab es eine Pressekonferenz der Europäischen Holocaustgedenkstätte, bei der Manfred Deiler sich äußerte, was die nahezu gleichlautenden Zitate erklärt (ggf. online, da in der Hochphase der Pandemie zumindest als Präsenzveranstaltung eher wenig denkbar). Alternativ versendet die Gedenkstätte vielleicht wie andere auch, Pressemitteilungen, die Zitate enthalten?

    B,Es kommt durchaus vor, dass sich Interviewpartner gegenüber verschiedenen Medien inhaltlich / stilistisch nahezu wortgleich äußern. Schon möglich, dass dies häufiger der Fall ist, wenn ein Schauspieler, ein Autor oder ein Musiker 15 Interviews zu seinem aktuellen Projekt gibt…

    C, Hätte sich Herr Deiler falsch zitiert gefühlt, hätte er dann nicht eine Korrektur eingefordert?

    D, Interessanterweise ist bei diesem Verweis auf die Süddeutsche der Deutsche Welle Artikel hinterlegt:

    Süddeutsche Zeitung: „Solidarität mit den Mördern“

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  2. StefaN

    Sehr geehrter Herr Weber!
    Vorab: ich schätze Ihre Arbeit, lese vieles mit Begeisterung, weil es spannend ist und man den Skandal liebt und weil ich Ihre Akribie bewundere.
    Für den außenstehenden Laien, der ich bin, sieht es manchmal so aus, als ob Sie sich verrennen. Was nicht heißt, dass Sie nicht Recht haben oder Ihre Arbeit wichtig ist, aber manchmal muss man einfach erkennen, dass die, die es angeht, es einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Auch würde ich raten, mehr die Fakten sprechen zu lassen und weniger zu werten (zu schimpfen, zu verurteilen). Kommt einfach besser. (Ein kostenloser Rat von jemandem, der es auch nicht beherrscht 🙂

    Mich hat es immer mal gejuckt, was zu sagen oder zu fragen, ich glaube aber, es ist heute mein erster Kommentar.

    Zwei Dinge würde ich heute gerne ansprechen und vielleicht hat im ersten Fall jemand oder Sie die Zeit, darauf einzugehen, es würde mich hoffentlich erhellen.
    Erstens:
    Ist es realistisch anzunehmen, dass in Zeitungen mit Quellenangaben gearbeitet wird? Ich habe mehrere Abos, lese täglich mehrere Ausgaben, aber Quellenangaben kommen doch einfach nicht vor. Und dem Leser ist doch klar, dass das, was da steht der Autor nicht selber immer vor Ort ermittelt hat. Z.B. Ableben eines Promis XY. Da wird irgendein Material übernommen, aber es steht doch nie dabei, von wem das ist. (Okay: manchmal „dpa“). Natürlich haben die hier betrachteten Artikel eine andere Qualität, einen anderen Anspruch. Aber ist es nicht dennoch gepflegte Praxis? (Das heißt nicht, dass das gut ist, aber es würde vielleicht weniger Grund zum Verteufeln geben).
    Ich erlebe z.B. oft, dass ich größere Artikel in meiner Tageszeitung lese („Von unserem Mitarbeiter xy“) und kenne diesen Artikel schon von woanders (dort von einem anderen Mitarbeiter). Da werden Materialien einfach ausgetauscht. Vielleicht auch im obigen Fall passiert?

    Zweitens:
    Plagiatsaufdeckung lebt auch von der Überzeugungskraft.
    Wenn ich die farblichen Hervorhebungen oben als Plagiatshinweise (oder Verdachtsbelege) interpretieren darf, dann ist halt nicht alles überzeugend.
    Links: „auch die Kinder“
    Rechts: „auch der Oberbürgermeister“.
    Das Wort „auch“ wird farbig hervorgehoben. Hm….
    Auch in dem fünften (und von Ihnen als Fälschung bezeichneten) Zitat Hr. Deilers wird munter mit Farben hinterlegt.
    Die Zitate weichen so stark von einander ab, dass man nicht den Eindruck gewinnt, dass sie etwas gemein haben, dennoch wird durch die Farben der Plagiatseindruck erweckt.
    Links: „Die Begriffe funktionieren noch immer.“
    Rechts: „Die Bevölkerung hängt diesem Zeitgeist noch immer an.“
    Hervorgehoben wird *noch immer*.
    Da fällt mir schwer, ein Plagiat zu erkennen.
    Da die beiden Zitate so stark von einander abweichen, könnte es doch sogar so sein, dass Fr. Föderl-Schmid nicht gefälscht hat, sondern einfach über ein anderes Zitat verfügt als Hr. Deiler. Das muss jetzt nicht wahrscheinlich sein, aber einen Nachweis, dass es nicht so ist, sehe ich nicht.

    VG
    StefaN

    Antworten
    1. Chris Berger

      Stefan, Sie bringen vieles gut auf den Punkt.
      Das vermeintliche Plagiat von „auch“ hat mich ebenfalls irritiert.

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