Ministerin Aschbacher in akademischen Nöten: Der Magistergrad an der FH muss widerrufen werden, damit verliert sie aber auch den PhD-Titel aus Bratislava

Aber alles der Reihe nach an diesem turbulenten Tag: Heute gab der Pressesprecher von Ministerin Aschbacher bekannt, dass diese an der FH Wiener Neustadt ein „Sehr gut“ für ihre Plagiatsdiplomarbeit bekommen hat. Damit kommt auf die Ministerin ein weiteres großes Problem zu: Der österreichische Verwaltungsgerichtshof (VwGH) sagt nämlich in einem Stammrechtssatz zu Plagiaten, dass eine Erschleichung dann anzunehmen ist, wenn der Verfasser/die Verfasserin bei objektiver Betrachtung und mit entsprechenden Hinweisen eine schlechtere Note bekommen hätte:

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/JudikaturEntscheidung.wxe?Abfrage=Vwgh&Dokumentnummer=JWR_2011100187_20140527X01

Ich habe diesen Satz erst vor wenigen Tagen mit der führenden UG-Kennerin und -Kommentatorin in Österreich, Kollegin Bettina Perthold, diskutiert (Mailverkehr vom 22.11.2020). Der Stammrechtssatz liest sich so: Hätte Frau Aschbacher alle Plagiate und inkorrekten Zitate korrekt ausgewiesen, hätte sie kein „Sehr gut“ erhalten. Das wird zweifellos zu bejahen sein, andernfalls schaffen wir neue Antiqualitätsstandards in Österreich. Aus der Höchstnote „Sehr gut“ folgt also juristisch, dass der Grad widerrufen werden muss, weil es im Falle der korrekten Ausweisung aller nicht korrekt oder gar nicht ausgewiesenen Stellen eine schlechtere Note gegeben hätte:

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20002128&Paragraf=89

Der Präzedenzfall in Österreich ist der auch medial bekannt gewordene Fall „Wickie und die starken Männer“ an der Universität Klagenfurt. Auch hier vergab der Betreuer ein „Sehr gut“, obwohl die Diplomarbeit zu erheblichen Teilen aus Plagiaten bestand. Der Grad wurde widerrufen und der Widerruf hielt auch Bestand.

Frau Aschbacher ist nicht mehr nur Mag. (FH). Sie hat ihre Doktorarbeit in Bratislava bereits während der Corona-Krise, nämlich am 26.08.2020 erfolgreich verteidigt und ist nun eine Frau Mag. (FH) Christine Aschbacher PhD (die Frage der Nostrifizierung konnte ich noch nicht beantworten). Eine Plagiatsprüfung der im Volltext online und kostenlos erhältlichen Doktorarbeit steht noch aus. Klar ist aber: Sollte der österreichische Magistergrad an der FH Wiener Neustadt widerrufen werden (und anders wird es mit rechten Dingen nicht zugehen können), hat sich Frau Aschbacher die Zulassungsvoraussetzung für ein Doktoratsstudium in der Slokawei ebenso erschlichen. Unabhängig von der Frage des Plagiats in der Doktorarbeit müsste also der Doktortitel aus der Slowakei auch widerrufen werden.

Hier die entsprechende Rechtsauskunft einer österreichischen Studienrechtlerin: „Die Zulassung zum Doktoratsstudium wurde erschlichen. Es erfolgt ein Widerruf des akademischen Grades und die Nichtigerklärung sämtlicher Prüfungen des Doktoratsstudiums wegen Erschleichung der Anmeldung“, sofern dies das slowakische Hochschulgesetz so vorsieht wie das österreichische.

9 Kommentare zu “Ministerin Aschbacher in akademischen Nöten: Der Magistergrad an der FH muss widerrufen werden, damit verliert sie aber auch den PhD-Titel aus Bratislava

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  1. Utz

    Die Frage ist, warum hat Fr. Aschbacher in der Slowakei (auf Deutsch!) eine Doktorarbeit verfasst und nicht in Österreich?

    Vielleicht weil dort die Qualitätsstandards geringer sind bzw. nicht genau hingeschaut wird und sie wusste das? Das wäre dann noch peinlicher.

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  2. Pingback: “Annahmen sind wie Seepocken”: Die wissenschaftliche Arbeit von Ministerin Aschbacher zeigen ein großes Qualitätssicherungsproblem an den Hochschulen – Astrodicticum Simplex

  3. Joe Taferner

    Jetzt weiß ich, warum die derzeitige österreichische Regierung solch chaotische Handlungen setzt. Es dürften in diesem Haufen noch weitere “ Kapazunder“ werken!

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  4. Theodor Horkheimer

    Die von Herrn Michael Behm verlinkte Arbeit fängt so an, als wäre sie via Google Translate aus dem Slowakischem übersetzt worden. Sehr witzig bzw. übel.

    ps. Es scheint, als könne man mit der neuesten Version des Webbrowsers Firefox nicht auf Kommentare anderer Kommentaren antworten, es erscheint kein Cursor. Nur so als Hinweiß, denn ob das Problem in der Programmierung der Website liegt oder am Firefox, das kann ich nicht wissen.


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  5. Michael Behm

    Da die „Dissertation“ in Deutsch verfasst ist, waere es interessant zu wissen ob/wie weit der Betreuer der slowakischen Universitaet der deutschen Sprache maechtig ist. Wenn nur rudimentaer (was natuerlich nicht sein muss), ist es wohl klar dass dieser Witz zur Aberkennung fuehren muss.

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