Harte Zeiten für den Plagiatsjäger? Von Einschüchterungsversuchen der WKO, einer Geldstrafe des Magistrats und einer obskuren Klage vor dem Landgericht Stuttgart

Nein, es sind keine harten Zeiten, es sind einmalig spannende Zeiten. Rund 250 Kundenanfragen seit Bekanntwerden der Causa Aschbacher am 07.01.2021, spannende neue Fälle wie noch nie zuvor, neue kompetente Kooperationspartner und vieles mehr. Der Preis für das vermehrte Licht der Öffentlichkeit: Einschüchterungsversuche und Bestrebungen, mich mürbe und mundtot zu machen. Schade ist es jedenfalls um die Zeit, die man für die Abwehr dieser Angriffe aufwenden muss. Interessant ist in meinem Fall, dass Versuche, mich kleinzukriegen, sowohl vom Establishment als auch von einem alternativen Publizisten kommen. Was ist geschehen?

WKO-Geschäftsführer: „Sie müssen eine Detektivausbildung machen“

Da war zunächst am 05.02.2021 eine E-Mail vom Geschäftsführer des Fachverbands der gewerblichen Dienstleister in der WKO (Wirtschaftskammer Österreich). Ich wurde gerügt, weil ich online eine Tätigkeit angeboten habe, die in Österreich (nicht hingegen in Deutschland!) Berufsdetektiven vorbehalten ist: nämlich das Ausforschen von Verfassern anonymer Schreiben. Kurioserweise hatte ich in all den Jahren einen einzigen diesbezüglichen Auftrag, und der kam aus Deutschland! Ich schrieb das dem WKO-Geschäftsführer, nahm das Angebot vom Netz und man antwortete mir, dass „die Angelegenheit aus unserer Sicht zufriedenstellend erledigt werden konnte“ (E-Mail vom 08.02.2021). Nun, dem Informanten, einem WKO-Vertreter der Berufsdetektive, genügte diese rasche amikale Lösung offenbar nicht und er spielte den E-Mailverkehr an die „Kronen Zeitung“ weiter. (Ich habe mit solchen Leaks kein Problem.)

Aufschlussreich war dann jedoch der erst richtige Einschüchterungsversuch des WKO-Funktionärs: Er erklärte mir am Telefon, dass ich eine Ausbildung zum Detektiv machen müsse, damit ich weiter in meinem Bereich tätig sein kann. Ich müsse zumindest ein Jahr als Angestellter eines Detektivs in Ausbildung arbeiten und dann eine komplexe Prüfung absolvieren. Dafür gebe es Kurse und Skripten. (Ein Protokoll des Telefonats liegt vor.) Ich muss zugeben, dass ich mehrere Tage lang verunsichert war und das Ende der Plagiatsprüfung kommen sah.

Die Prognose des WKO-Funktionärs lag daneben: Nach einem Ansuchen um Feststellung der individuellen Befähigung liegt nunmehr für mich eine Gewerbeberechtigung für Plagiats-, Titel- und Gutachtenprüfungen vor, mit Ausnahme der Face-to-Face-Ermittlung unter Personen (nicht generell „bei Personen“, wie berichtet wurde). – Warum wollte der WKO-Funktionär, dass ich eine steinige Ausbildung zum Detektiv absolviere? Warum sagte er mir am Telefon, dass ich ab Herbst nicht mehr in meinem Metier arbeiten dürfe? Warum informierte er mich nicht über die tatsächlich mir offenstehenden Schritte?

Und es kam nochmal ganz anders: Sinn und Zweck der Gewerbeordnung ist es ja offensichtlich, Zugänge zu Berufen zu regeln, bei denen sich der Kunde eine spezifische Fachexpertise, basierend auf einer speziellen Ausbildung, erwarten darf (gut so, keine Frage). Ein wenig sah es in meinem Fall indes so aus, als würde die Gewerbeordnung dazu missbraucht werden, das Entstehen von Fachexpertise gerade zu verhindern. Mittlerweile habe ich zwei Berufsdetektive in meine Verfahren der Plagiats-, Titel- und Gutachtenprüfung eingeschult und sie arbeiten nach meinen Methoden. Der Brain Drain lief also genau in die andere Richtung, das sei der WKO hiermit ausgerichtet.

Verwaltungsstrafe des Magistrats Salzburg für Internet-Angebot

Das alles sollte nicht verhindern, dass am 22.04.2021 ein Straferkenntnis bei mir eintrudelte: Das Strafamt der Stadt Salzburg hat mir eine Verwaltungsstrafe aufgebrummt, weil ich die einschlägigen Dienstleistungen der Plagiats- und Titelprüfung vor Erhalt meiner Gewerbeberechtigung online angeboten habe:

Quelle: Straferkenntnis 01/06/30933/2021/005 vom 12.04.2021

Man wollte also sicherstellen, „dass Gewerbe nur von hiezu befugten Personen ausgeübt werden“. Nun, noch einmal: Die Detektive haben nicht mich geschult, sondern ich sie. Nun ja, jetzt ziehen wir zumindest im Team an einem Strang. Und das sollte keine WKO und keine Bezirksverwaltungsbehörde mehr verhindern können. Eigentlich, so sollte man meinen, sollten doch die Interessensvertretung der Unternehmer und die Behörde vor Ort froh sein über aufklärerische und reinigende Projekte wie das unsere?

Drosten-Jäger klagt Weber: Hat Christian Drosten eine Straftat begangen?

Und noch eine Sache läuft im Moment unter „Versuchen, mir ans Bein zu pinkeln“. Der vehemente Jäger Christian Drostens, Markus Kühbacher, hat mich geklagt, weil ich hier im Blog für kurze Zeit behauptet habe, dass es Fake News seien, die er, Kühbacher, verbreitet habe: Herr Kühbacher behauptet nämlich seit vielen Monaten in zahllosen Tweets, dass Christian Drosten seinen Doktortitel unberechtigt führe, weil er drei Pflichtexemplare seiner Dissertation im Jahr 2003 nicht oder zumindest nicht fristgerecht abgegeben habe. Die Universität Frankfurt vereitle überdies die Verfolgung dieser „Straftat“.

Sie lesen richtig: Nicht Christian Drosten klagt Markus Kühbacher für potenzielle monatelange Rufschädigungen. Sondern Markus Kühbacher klagt Stefan Weber! Herr Kühbacher ist ein intelligenter und humorvoller Zeitgenosse, wie er in privater Korrespondenz bewiesen hat. Warum macht er das? Warum klagt er mit dickem Konvolut? – Der Prozess soll offenbar als Vehikel dafür geführt werden, dass Herr Kühbacher seine Hypothese doch noch beweisen kann. Möge es ihm gelingen! Ich bin an Wahrheitsfindung selbstverständlich immer interessiert und denke alles ergebnisoffen.

Quelle beider Screenshots: https://twitter.com/Kuehbacher

Fazit: Pervertierte Welt der Interessensvertreter, Behörden und Gerichte?

Meinen Kindern sage ich: Das ist eine verkehrte Erwachsenenwelt, in der wir leben. Der Aufdecker eines Missstands wird von öffentlichen Stellen eingeschüchtert. Eine Gewerbeordnung wird missinterpretiert, um neue Berufe und neue Verfahren zu verhindern. Und nicht der Verbreiter einer möglichen Rufschädigung wird geklagt, sondern der, der darauf hinweist, dass es eine sein könnte.

Erinnerungen an TU Dresden werden wach

Vielleicht gelingt es meinen Kindern, einen kleinen Teil zu einer weniger pervertierten Welt beizutragen. Ich versuche es jedenfalls weiter, nunmehr im Team! Und ich lasse mich so sicher nicht weiter einschüchtern. Das hatten wir alles schon in Deutschland, an der TU Dresden, vor zehn Jahren. Ich deckte Plagiate auf, und wurde von Top-Anwälten gejagt und mit Forderungen sechsstelliger Geldsummen eingeschüchtert.

4 Kommentare zu „Harte Zeiten für den Plagiatsjäger? Von Einschüchterungsversuchen der WKO, einer Geldstrafe des Magistrats und einer obskuren Klage vor dem Landgericht Stuttgart

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  1. Nurcan Cakan

    Herr Weber, wehe Sie lassen sich von Querulanten beirren und weichen aufgrund von Einschüchterungsversuchen von Ihren Prinzipien ab!
    Das vermeintliche Establishment möchte anscheinend nicht, dass ihr instabiles Kartenhaus zusammenstürzt. Falls dies passiert, laufen Mitwirkende Gefahr, dass wenn ihre Gönner und Beförderer in eine unrühmliche Causa verwickelt sind und dank Ihrer Person und Ihrem Team zu Fall gebracht werden könnten, sie selbst weder durch Postenschacher ihre Karriereleiter weiter erklimmen, noch durch die Vergabe von öffentlichen Aufträgen zu deren Gunsten ordentlich abkassieren. Denn jahrelang war man gehörig und loyal, und dieser Umstand sollte belohnt werden, gleichgültig ob der Weggefährte oder die eigene Wenigkeit Fachkompetenz innehat oder eben nicht.
    Als Steuerzahler sollte es in unserem Interesse sein, uns aufzuklären mit welchen Fachkompetenzen Persönlichkeiten die oft hochdotierten Stellen in der Politik, in der Wissenschaft und in staatlichen Betrieben, etc. besetzen. Und wenn wir Gehälter mit jeweils oft mehreren Hunderttausend Euro pro Jahr finanzieren müssen, und dann noch diese Protagonisten Titelbetrug begehen, plagiieren, Daten fälschen oder erfinden, oder gar einen Ghostwriter für ihre Abschlussarbeit engagieren, so ist es meines Erachtens die gesamtgesellschaftliche Pflicht, diesen beschämenden Missstand zu thematisieren. Kontextuell rufen wir bitte ins Gedächtnis, wie viel mit unserem hart verdienten Steuergeld „Experten-/Fachwissen“ von der Politik/Regierung gekauft werden und mit deren Entscheidungsfindung in der Legislative, Judikative und Exekutive sie letztendlich unser Leben damit beeinflussen.
    Der gebührende Zuspruch des „einfachen Fußvolkes“ für Ihr Engagement Herr Weber, ist weitaus höher als es den Anschein erweckt. Deshalb ist es gewiss, dass Sie und mittlerweile auch Ihr Team eine richtungsweisende und gewichtige Stimme für den Großteil unserer Gesellschaft sind und somit unentbehrlich.

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Liebe Frau Cakan!
      Danke für Ihren Kommentar. Ich stimme mit Ihnen überein, dass mir eher der Nobelpreis gebührt als eine Straferkenntnis des Stadtmagistrats ;-). Ich würde den auch sehr gerne aufteilen mit oder weitergeben an VroniPlag Wiki und Benjamin Lahusen für seine Pionierarbeit zu Textplagiarismus und die Erfindung des Begriffs der „Bauernopfer-Referenz“. Aber das Märtyrerdasein ist auch sinnstiftend. Ich sage dann immer: Das Establishment und meine Feinde kriegen maximal mein Geld, aber nicht meine Ideen. Beste Grüße, sw

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  2. Thomas Bauer

    Stefan, so ist das, zumindest physikalisch: Deine Tätigkeit sickert und treibt die Erdbewohner ans Tageslicht. Deine Beschreibungen haben eine humoreske Färbung, die sogar kommentarlos hinnimmt, dass das Salzburger Amt Deine Unbescholtenheit mildernd wertet. Schön, dass du nun ein Team hast. Alles Gute!

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