Britische Regierung beraten und Unternehmerin? Wikipedia-Diskutanten hinterfragen Lebenslauf von Diana Kinnert

Nun, wenn jemand mehr als 200 mal plagiiert und das als „Versehen“ kleinredet, dann sollte man sich nicht nur die Bücher und sonstigen Texte noch genauer ansehen. Eine Diskussion auf Wikipedia brachte mich auf die Idee, nun auch den Lebenslauf von Diana Kinnert zu screenen, wie den von Annalena Baerbock. Sind hier am Ende dieselben Mechanismen am Werk? Bestätigt sich die Hypothese, dass derjenige, der sich in seinen Texten inflationär mit fremden Federn schmückt, auch in seinem Lebenslauf gerne mal übertreibt?

Vier Studienorte, zwei bis drei Studienrichtungen, ein Bachelor

Sehen wir uns diesen Lebenslauf zunächst in der Kurzfassung an:

Quelle: https://z2x.zeit.de/profile/4272

Da waren laut Eigenangabe vier Studienorte und zwei Studienrichtungen, und dann –  laut Wikipedia unter vager Berufung auf das eigene Facebook-Profil von Diana Kinnert – ein Bachelor-Abschluss an der Universität Göttingen im Fach Politikwissenschaft.

Quelle: https://www.facebook.com/diana.kinnert

Der Bachelor-Abschluss wird von Diana Kinnert in ihren Narrativisierungen nicht erwähnt. Zum Studienweg ist vielmehr auf der eigenen Website zu lesen: „Nach dem Abitur studierte Kinnert Politikwissenschaft und Philosophie sowie Sozialwissenschaften an den Universitäten Göttingen, Amsterdam (NL), Köln und Berlin.“

Der Hinweis in Facebook auf einen Bachelor-Abschluss in Göttingen 2013 passt nicht zur folgenden Variante des Lebenslaufs, in der Diana Kinnert auch nach 2015 noch als Studentin „an der Humboldt-Universität zu Berlin“ bezeichnet wird. Oder war dort ein Master geplant, und wurde das Masterstudium dann abgebrochen?

Quelle: https://www.startplatz.de/diana-kinnert

Gründerin von zwei bis drei Digital-Unternehmen ohne Internetpräsenz

Soweit zu den akademischen Meriten. Machen wir weiter bei der Kurzfassung des Lebenslaufs ganz oben. Diana Kinnert sei „Gründerin“ und „Unternehmerin“, wie vielfach zu lesen ist. Sie gehöre, so steht es in der Kurzfassung, der „Global Media House GmbH“ an (auch von „Vizepräsidentin“ oder „Mitglied“ ist in anderen Quellen die Rede), sie sei „Gründerin und Geschäftsführerin“ der „Globalo News Publishing GmbH“ und „Gründerin und Geschäftsführerin“ der „newsgreen GmbH“. Nun, alle drei Companys dürften stark im Hintergrund ihre Fäden ziehen, denn sie haben nicht einmal Webauftritte und nach einer Google-Recherche sind bis auf eine grafisch eher diskutable WordPress-Site von newsgreen keine Produkte auffindbar. Das erscheint mir ein wenig dubios für Unternehmen, die sich mit der Vermarktung von Digital-Content beschäftigen. Ein Wikipedia-Diskutant sprach schon 2021 von einer „Ein-Personen-Gmbh“:

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Diana_Kinnert

Regierungsberaterin? Fakultätsmitglied? Der Faktencheck hat erst begonnen

Besonders wirkmächtig und hochgradig vernetzt beschreibt sich Diana Kinnert auf ihrer eigenen Website, da kann man nur erstaunt sagen: Hut ab für eine 31-Jährige!

Quelle: https://kinnert.com/theperson

Auch die Beratertätigkeit für die britische Regierung wird nun im Zuge der Plagiatsaffäre auf Wikipedia hinterfragt. Denn offensichtlich war Kinnert nur in einer Stiftung im Vorfeld irgendwie beteiligt:

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Diana_Kinnert

Und schließlich: Bei und von Kinnert ist zu lesen: „Kinnert ist Fakultätsmitglied des im Dezember 2017 neu gegründeten European Institute of Exponential Technologies and Desirable Futures Futur/io mit Sitzen in Berlin, Salzburg und Venedig.“ Ein „Sitz“ in Salzburg ist mir als Salzburger nicht bekannt. Offenbar waren 2017 einige Kurse in Salzburg geplant oder wurden tatsächlich durchgeführt. Der von Harald Neidhardt gegründete Think Tank liest sich bei Kinnert so, als wäre er eine akademische Institution an verschiedenen fixen Standorten in Europa.

2 Kommentare zu “Britische Regierung beraten und Unternehmerin? Wikipedia-Diskutanten hinterfragen Lebenslauf von Diana Kinnert

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  1. Ralf Rath

    Welch seltsame Blüten aufgebauschte Lebensläufe treiben, kann schon daran abgelesen werden, dass die Personalwesen von Unternehmen bei Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen die dort gemachten Angaben längst nicht mehr für bare Münze nehmen. Die von ihnen inzwischen in Anschlag gebrachte Beweislastumkehr hatte in meinem Fall zur Folge, dass beispielsweise die Deutz AG meinen in Kopie eingereichten Gesellenbrief eines Mechanikers einschließlich der Belobigung von vornherein für eine Fälschung hielt. Zwar forderte ich daraufhin vor dem dafür zuständigen Arbeitsgericht Schadenersatz. Aber ich zog die Klage nach einer Intervention des Richters zurück und mir war einsichtig, dass der Firma angesichts der Flut übertriebener Lebensläufe keine andere Wahl geblieben ist. Letztlich kam ohnehin kein Arbeitsverhältnis zustande, weil es von Beginn an durch Praktiken zutiefst gestört war, denen sich allen voran Diana Kinnert prominent bedient.

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Ich verweise hier auch auf den Fall Axel Spörl in Österreich. Selbst eine „Prüfung“ durch das international tätige Personalberatungsunternehmen Korn Ferry hat nicht erhellt, dass Spörls gefälschte Promotionsurkunde ein Dutzend Fehler auf Latein enthält, siehe https://kurier.at/kultur/causa-alex-spoerl-stuemperhafte-faelschung-der-promotionsurkunde/400937006. Das Weiteren verweise ich auf den Fall Prof. „Dr.“ „Dr.“ Uwe Gill, angeblich Vater der Künstlichen Intelligenz in Deutschland, der von sich zwei Doktorate am MIT behauptet. Dort ist er allerdings unbekannt.

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