Das Bauchgefühl, dass mit dem Küniglberg etwas gehörig nicht stimmt, hatte ich schon als junger Praktikant ebendort anno 1996. Meine damalige Freundin war gerade nach Wien gezogen, um ihre journalistische „Karriere“ beim linken Falter zu starten. Ich suchte daher auch einen Job in Wien und der ORF gab mir nach einem Auswahlverfahren im Landesstudio Salzburg eine Chance, ganz ohne Parteiticket. Nach nur einem Monat bin ich geflüchtet. Ich habe es nie bereut.
Ich erinnere mich freilich nur noch vage, aber ich hatte damals in der Zeit-im-Bild-Redaktion den Eindruck, dass die meisten den ganzen Tag lang nichts zu tun hatten und daher nur Arbeit simulierten. Ich verbrachte die meiste Zeit mit dem angeordneten Abspeichern von SAT-1- und ProSieben-Nachrichten auf VHS-Cassetten, die aber kaum einmal jemand brauchte. Die Stimmung in den Redaktionssitzungen war immer sehr sonderbar, gehemmt, humorfrei, fast beklemmend. Einmal kam es zu einer Zeit-im-Bild-Meldung über Salzburg. Ich hatte in Salzburg angerufen und von einem Journalisten erfahren, dass sich die Sache ganz anders zugetragen hatte. Ein dicker ORF-Bonze fuhr mir damals übers Maul, wer ich denn sei, das anzuzweifeln, ich sei ja nur ein Praktikant, wir würden das so bringen und Punkt.
Zu diesen Erfahrungen, die ich vor 30 Jahren gesammelt hatte, passen ganz aktuelle Eindrücke: Etwa jene, wie der ORF eindeutig manipuliert auf Basis falscher Zahlen über den „Rechtsextremismus“ in Österreich berichtete. Danach fragte ich mich, ob das nicht ein generelles Muster sein könnte, und in den Folgetagen fielen mir in der Berichterstattung folgende Dinge auf:
- Die Anzahl der Ausländer in Gefängnissen wurde in einem „Experten“-Interview als mögliche Ursache für die aktuelle Gefängnismisere relativiert bzw. bewusst an den Schluss des Interviews gesetzt.
- Über die sinkende Inflationsrate im Januar 2026 wurde ohne klaren Vergleichskontext berichtet, was erlaubte, das Sinken als Jubelmeldung der Regierung zu verkaufen.
- Ebenso ohne klaren Vergleichskontext und ohne Begriffsklärung (gestellte Anträge, bewilligte Anträge oder tatsächliche Zuzüge?) wurde über einen angeblichen Rückgang des Familiennachzugs berichtet.
- Sehr auffällig erschien mir auch die mehrtägige Kampagne für ein Social-Media-Verbot mit den immergleichen linken Expertinnen und Experten wie Inge Brodnig oder einer sozialistischen Psychologin und hausgemachten Zahlen.
- Eine von den Linken und NGOs orchestrierte „Pflegedemonstration“ in Salzburg wurde zur Spitzenmeldung in der Zeit im Bild 2 und Bilder erweckten fast den Eindruck eines Volksaufstands im Bundesland.
- Erst vor wenigen Tagen stellte ich ebendieses Muster gefaketer Zahlen auch in der ARD-Tagesschau zum Thema „Diskriminierung“ fest.
Man kann daher folgende Hypothese wagen: Kann es sein, dass es – entgegen der im ORF-Gesetz festgeschriebenen Verpflichtung zur Objektivität und Unparteilichkeit – keineswegs das Selbstverständnis des ORF ist, möglichst faktenorientiert zu berichten und Sachlagen möglichst empirisch korrekt wiederzugeben, sondern vielmehr, stets Haltung zu zeigen? Dass es genauer gesagt stets darum geht, erstens linksgrüne Ideologie zu propagieren (und dies mit der ÖVP als stets schweigendem Mitläufer) und zweitens die FPÖ verächtlich zu machen, und dies genau deshalb, weil sie den ORF in seiner derzeitigen Konstitution als offensichtlichen linksgrünen Regierungslautsprecher zerschlagen möchte?
Dies würde bedeuten, dass der ORF täglich eine linksgrüne Wirklichkeit simuliert, die mit dem Mehrheitswillen der Bevölkerung laut aktuellen Sonntagsfragen nicht übereinstimmt. Aber der ORF soll ja gar nicht der Bevölkerung nach dem Mund reden: Er soll einfach nur nicht manipulieren und tricksen. Das hatte zumindest ich in den 1990er Jahren in der Journalistenausbildung so gelernt, und dafür gab es ganz klare Standards, die eingeübt wurden. Ich vermute, dass diese Standards mittlerweile durch „Haltung zeigen“ ersetzt wurden. Eine fatale Entwicklung.
Womit wir zurück beim aktuellen Aufhänger wären: Der ORF, zumindest seine Führungsetage, hat in dieser Woche ein hochgradig desaströses Bild vermittelt: Da scheint man mit unseren Gebührenzahlungen einer erpresserischen Räuberhöhle und einem Swingerclub näher zu sein, als dies selbst die größten Kritiker des Küniglbergs vermutet hätten. Aber wie heißt es so schön: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Ein Grundgesetz der Arbeitswelt. Was soll in der Wissenschaftspolitik herauskommen, wenn der Wissenschaftsminister selbst ein Dissertationsplagiator ist?
Eine ganz seltsame Rolle im Gesamtbild scheint nach Medienberichten der ehemalige SPÖ-ler und Grüne Pius Strobl zu spielen, offiziell kein Geringerer als der Gründer der grünen Partei in Österreich. Er sagte gestern in einem mit dem linken Standard schriftlich geführten Interview, dass er „unter starkem Mobbing seiner [gemeint ist hier: des zurückgetretenen Generaldirektors Roland Weißmann] Umgebung und Bossing leide“ und deshalb sogar in ein „Burnout“ geschlittert wäre. Gleichzeitig wies Strobl Gerüchte, dass eine Privatfehde zwischen Weißmann und ihm über seine, Strobls, ORF-Zusatzpension irgendetwas mit der aktuellen Pornobilderaffäre zu tun haben könne, zurück. Dazu spielte er dem Standard eine Einleitung eines E-Mails von Weißmann an ihn, Strobl, weiter:

Ein sonderbarer inhaltlicher Widerspruch zur Wehklage über Bossing und Mobbing durch Weißmann ist das. Oder hat uns Strobl einen nachfolgenden „Aber…“-Absatz des E-Mails bewusst vorenthalten?
Jedenfalls schließt sich hier der Kreis: Der in mehreren Medien kolportierte Verdacht einer Intrige, einer Falle gegen Weißmann (offenbar auf Basis eines tatsächlich die Integrität verletzenden Verhaltens nach einer beendeten Beziehung*) passt ins Bild linksgrüner Dauermanipulation und -trickserei. Wie beim Ibiza-Video gibt es also zwei Seiten.
Mehr und mehr sehe ich, dass wir an den Universitäten, in den sonstigen journalistischen Aus- und Weiterbildungsstätten, in den Medienhäusern und Presseclubs Österreichs eine klare Dominanz, ja fast schon eine Meinungsdiktatur linksgrüner Haltung haben. Besucht man etwa die Website des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, glaubt man fast schon, in einem arabischen Land zu sein. Auch hier dauerte es keine zehn Sekunden, bis ich zum ersten Mal das Wort „Haltung“ las und der Regenbogen prangt am Seitenende, nicht die österreichische Flagge. Den Weg bereitet für diese aus meiner Sicht grundfalsche Entwicklung haben SPÖ- und ÖGB-nahe Journalistikprofessoren, die Cultural Studies, die Gender Studies und bekennende Neomarxisten, von Steuergeld genauso alimentiert wie die ORF-Bonzen.
* Update 14.03.2026: Diese Einschätzung stützt sich auf eine öffentliche Aussage Peter Westenthalers. Roland Weißmann bestreitet mittlerweile über seinen Anwalt eine Integritätsverletzung gegenüber der Person.