Wollte die Medizinische Universität Wien einen Plagiatsfall vertuschen?

Eine „Forschungsinstitution mit Weltruf“ sei man, heißt es in der Webseiten-Beschreibung der Med-Uni Wien, die Google listet. Da stören offenbar Fälle von wissenschaftlichem Fehlverhalten. Aber genau dieser Umgang ist der falsche Weg: Solche Fälle passieren, gerade bei großen Institutionen, und sie sollten transparent behandelt, das heißt publik gemacht werden. Nur das dient der Qualitätssicherung und der Glaubwürdigkeit. Zu einer solchen Veröffentlichungspraxis hat sich die Medizinische Universität Wien auch bereits 2008 verpflichtet, siehe die Erklärung „Wissenschaft und Wahrheit“ auf ihrer Webseite. Ich zitiere daraus:

„Im Falle des dringenden Verdachts oder bewiesenen Vorliegens eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens sind die wesentlichen Maßnahmen des Rektorats (i) Öffentlichmachen des Fehlverhaltens zur Wahrung der Reputation unserer Institution, (ii) die Herausgeber der Zeitschrift, in der die inkriminierten Daten publiziert sind, zu informieren, auf eine Retraktion der Publikation zu drängen oder die Autoren selbst zu dieser Vorgangsweise zu veranlassen, sowie (iii) disziplinäre Maßnahmen gegen die Autoren zu ergreifen […].“ (Quelle: Webseite der Medizinischen Universität Wien, „Wissenschaft und Wahrheit“)

Nun stieß ich heute auf diesen Widerruf eines Papers wegen Plagiats. Bei dem Autor, der in dem 2008 erschienenen Paper offenbar recht üppig aus einem Kapitel eines Buches aus dem Jahr 2003 abgekupfert hat, handelt es sich um einen Universitätsprofessor im Bereich Kinder- und Jugendheilkunde. Die Zeitschrift reagierte schnell: Das Paper erschien in der September-Ausgabe des „Journal of Nutrition“ und wurde bereits im Dezember 2008 zurückgezogen.


Schwer zu finden oder verschwiegen? Google findet keinen Hinweis auf das Plagiat auf der Med-Uni-Webseite.

Nun begab ich mich auf die Suche nach der Veröffentlichung dieses Vorfalls durch die Med-Uni – allerdings vergeblich. In einem anderen Fall wurde ein Verdacht auf Fehlverhalten öffentlich gemacht, und zwar schon am 23. Mai 2008, also Monate vor dem Plagiatsfall. Das verwundert. Hatte die Medizinische Universität Wien hier etwas zu vertuschen? Wurde oder wird mit zweierlei Maß gemessen? Oder gilt Plagiat weiterhin als minder schweres Vorkommnis?

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