Und nein, damit meine ich nicht viel zu enge Sitzreihen und viel zu wenige Toiletten. Das wurde schon vielfach bemängelt und der Missstand ist in Salzburg bekannt. Wer pinkeln muss, der erledigt sein Geschäft besser nicht im Landestheater, sondern an seiner Hausmauer. Ich meine einen Vorfall, der sich heute bei der Premiere von „Julius Cäsar“ von Händel ereignet hat. Einen Vorfall, der so nie hätte passieren dürfen, der durch nichts zu entschuldigen ist. Punkt.
Es mag ein wenig so aussehen, als würde ich mich mehr und mehr ärgern. Das ist korrekt. Ich fräse mich derzeit durch Salzburgs Kultur-Schickeria, siehe auch hier und hier. Aber kaum jemand kann sich daran erinnern, dass das im Prinzip bei mir nicht neu ist, das habe ich schon im prä-digitalen Zeitalter getan. Für meine ersten Kulturkritiken in der Salzburger Volkszeitung und im Jugendmagazin des Landes Salzburg wurde ich von einem Mitarbeiter des Stadtmagistrats als „Szene-Vernichter Nr. 1“ tituliert. Ich habe schon immer gern Dreck als solchen expressis verbis benannt.
Ist das „Salzburger Landestheater“ links? Ich habe mich bis heute nie ernstlich mit dieser Frage beschäftigt und lese dann diese Google-Rezension:

Die Stadt Salzburg wird ja derzeit sozialistisch-kommunistisch regiert, und Ur-Linken-Apparatschik Heinz Schaden, im Gegensatz zu mir – von dem dies ja nur von den Linksgrünen fälschlich behauptet wird – tatsächlich ein rechtskräftig verurteilter Straftäter, mischt beim Landestheater auch irgendwie mit. Das alles macht schon etwas unangenehme Vibes, wäre aber noch zu tolerieren gewesen für die Liebe zur Kunst.
Nun aber zur eigentlichen Story. Was ist da heute bei der Premiere passiert? Dazu eigenplagiiere ich meine Google-Rezension:
Ich habe mich sehr auf eine weitere neue Inszenierung von „Julius Cäsar“, der für mich besten Oper aller Zeiten und meinem Lieblingsmusikstück überhaupt, gefreut. Mit leuchtenden Kinderaugen verfolgte ich so auch die ersten zwanzig Minuten. Doch dann machte ein eingeschlafener Saaldiener, sprich ein Mitarbeiter des Salzburger Landestheaters (!), durch lautes Schlafen und Atmen mit offenem Mund zunehmend auf sich aufmerksam. Seine Schlafgeräusche wurden schließlich so laut, dass sich reihenweise Zuseher nach ihm umdrehten und den Kopf schüttelten. Da der Saaldiener abseits der Reihen saß, war ein Anstupsen nicht möglich.
Schon vor Beginn der Aufführung fielen mir rückblickend bei ihm Merkwürdigkeiten auf: Ein Dame fragte, ob ein Platz „noch frei“ sei. Wir sind ja nicht im Obus, im Landestheater gibt es Platzkarten. Oder nicht? Die Dame stand dann während des ersten Aktes einfach herum, unklar ist, ob sie überhaupt eine Karte hatte. Der Saaldiener, hier noch wach, griff nicht ein. Eine andere Dame wies er in eine falsche Reihe ein.
Aufgrund der sich steigernden, unerträglich lauten Geräusche des Saaldieners musste ich die Aufführung während des ersten Aktes verlassen.
Was für eine tiefe Respektlosigkeit vor allem gegenüber den Künstlern, die einen Eindruck hinterlassen wollen, aber auch gegenüber dem zahlenden Publikum!
Wenn der Mitarbeiter des Landestheaters selbst die Premiere kaputt macht, läuft im Haus etwas grundlegend falsch und sind alle Bemühungen um künstlerischen Ausdruck der Künstler und Kunstgenuss des Publikums umsonst.
Für den anschließenden Krawall, den ich in Reaktion veranstaltet habe, möchte ich mich ebenso bei Künstlern und Publikum in aller Form entschuldigen.
Hinweis: Damit es nicht heißt, ich verliere mich vollends im Framing: Ein die Aufführung kaputtmachender Saaldiener kann einem natürlich auch in einem konservativen Haus passieren. Keine Frage. Aber es passt irgendwie zusammen: An linken Schauplätzen – siehe Volkskundemuseum, siehe Universität Salzburg, siehe ORF Landesstudio Salzburg – gibt es immer zumindest einen Problembären, der alle mitreißt (in den vergangenen 30 Jahren zunehmend eine Problembärin). Und dann heißt es, der Aufdecker des Missstands sei das Problem. Wahrscheinlich darf der akademische Saaldiener weiter das Publikum durch seine elenden Geräusche stören und ich bekomme Hausverbot im Landestheater. Das würde sich gut treffen: Spart Geld, spart enormen Ärger und „Julius Cäsar“ sehe ich eh lieber auf Blu-Ray. Und aktuellen Lesestoff habe ich auch.