„Muster-Dissertationsplagiat“ an der Wirtschaftsuniversität Wien blieb offenbar 15 Monate nach Meldung bislang ohne Konsequenzen

Es war der Wunsch der ÖVP und vor allem der SPÖ nach dem Plagiatsfall Föderl-Schmid: Ein Zeichen setzen gegen die Ahndung von Plagiaten.

Mittlerweile zeigt in Sachen guter wissenschaftlicher Praxis in Österreich niemand mehr bis auf uns Aktivität. Die 2008 gegründete Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) glänzt auf ihrer Website mit chronischer Inaktivität: Das letzte Newsposting ist fast ein Jahr alt, der letzte Jahresbericht umfasst das Jahr 2023. Die Richtlinien stammen aus dem Jahr 2015.

Auch die AQ Austria, zu der das Thema der guten wissenschaftlichen Praxis nach der letzten Hochschulgesetz-Novellierung hinübergewandert ist, zeigt keine Aktivität. Seit Monaten steht da auf der Website bloß „Seite in Bearbeitung.“:

Quelle: AQ Austria

Zweimalige Anfragen bei den beiden angeführten Damen blieben unbeantwortet. Auch so kann man mit Steuergeld umgehen.


Zu all diesen qualitätsschädigenden Entwicklungen passt dieser Musterfall bestens: Eine von zahlreichen Plagiaten durchsetzte Dissertation an der Wirtschaftsuniversität Wien, die am Höhepunkt des Copy/Paste-Plagiarismus, im Jahr 2000, angenommen wurde.

Der Verfasser ist heute Präsident des Amts für Kommunikation in Liechtenstein, also ein hochrangiger Beamter. Er hat laut seinem LinkedIn-Profil vier Universitätsabschlüsse und hat zudem einen Kurs in Sachen Weltraum absolviert. Der Betreuer war Heinrich Otruba, ehemals auch Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien und Geschäftsführer der österreichischen Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH RTR, bei der auch der Promovierte gearbeitet hat.

Gemeldet wurde der Plagiatsverdacht vom Team Weber und von einem Rechtsanwalt bereits vor 15 Monaten. Die Doktorarbeit ist bis heute regulär im Bestand:

Quelle: ÖNB-Eintrag

Das Gutachten zu den Plagiatsfragmenten in der Dissertation liegt mittlerweile in einer verbesserten Variante vor. Es wurde heute an die WU Wien abgeschickt. Sie finden es hier zum PDF-Download (82 Seiten, 171 MB) sowie identisch im Folgenden abgebildet.

Update 13.04.2026: Die Tageszeitung „Liechtensteiner Vaterland“ berichtet, dass das frühere Gutachten zu den Plagiatsfragmenten in der Dissertation von Rainer Schnepfleitner zu einer begründungslosen Einstellung des Verfahrens durch die WU Wien führte.

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2 Kommentare zu “„Muster-Dissertationsplagiat“ an der Wirtschaftsuniversität Wien blieb offenbar 15 Monate nach Meldung bislang ohne Konsequenzen

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  1. Alois Eschenberger

    „Mittlerweile zeigt in Sachen guter wissenschaftlicher Praxis in Österreich niemand mehr bis auf uns Aktivität.“

    Warum wohl? Weil wahrscheinlich eine große Mehrheit der Dissertationen und Habilitationen Plagiate sind, da hält man lieber seine Füßchen unter dem Tisch still! 🤣

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