Amateure für Deutschland? So geht es halt auch gar nicht, liebe AfD!

„The Venice Symposium“

Ich wurde vom AfD-Politiker und EU-Parlamentarier Alexander Sell im Namen der „Sovereignty Foundation“ gebeten, mir die Zeit von 29. Oktober bis 1. November 2026 für ein Symposium in Venedig freizuhalten. Bis heute, vier Tage vor Beginn des angeblichen Symposiums, habe ich als auf der Website gelisteter „Confirmed speaker“ keinerlei Informationen von Sell erhalten. Nicht einmal der Titel der Veranstaltung und überhaupt die Existenz dieser öffentlich auffindbaren Website wurden mir kommuniziert. Diese habe ich erst über Umwege, nämlich vorgestern über ChatGPT Work gefunden und war sehr erstaunt.

Ich kenne kein Veranstaltungsprogramm, ich weiß nichts über die Unterkunft, Finanzielles wurde nicht besprochen, mein Slot wurde nicht definiert (Tag, Zeitpunkt, Dauer, Diskussion, Moderation?). Ich kenne weder die Technik vor Ort noch die Konferenzsprache. Das ist einfach nur ein schlechter Witz und mir in 35 Jahren Vortragstätigkeit noch nie passiert. So kann man mit Vortragenden nicht umgehen.

Der AfD-nahe Blogger Alexander Wallasch

Klar, die AfD ist nicht für bloggende Hobbyisten verantwortlich. Aber zumindest ein Mitarbeiter des Teams von Wallasch ist oder war AfD-Mitglied, und Storys von Wallasch werden sogar von Alice Weidel auf X geteilt. Ich habe zwei Tage vor dem Venice-Debakel die Erfahrung machen müssen, dass Wallasch ein unredigiertes, mehrfach sinnentstellendes Interview mit mir einfach online gestellt und dann auch noch die Einarbeitung von notwendigen Korrekturen verweigert hat (offenbar wurde das automatisiert erstellte Transkript von ihm nie gelesen oder maximal kurz überflogen). Dieses Interview wurde dann noch in der fehlerbehafteten Rohform am selben Abend von Alice Weidel auf X geteilt. Schon in „meinem“ ersten Satz war zu diesem Zeitpunkt ein grober Patzer zu lesen. Eine Spitzenpolitikerin, die Inhalte, die sie teilt, vorher nicht evaluiert, nehme ich nur bedingt ernst (und dies gilt auch, wenn jemand aus Weidels Team den Account betreibt: Hier gilt das Prinzip der Quellenprüfung vor dem Teilen!).


Ich hatte wirklich große Hoffnung, dass sich in der AfD die besten Köpfe tummeln, weil für die Altparteien erkennbar eine Negativauslese stattgefunden hat. Nun wurde ich zweifach enttäuscht. Es gäbe noch mehr zu berichten.

Vor allem empfinde ich die Fehlerkultur als schlichtweg katastrophal: Anstelle mein Interview zu redigieren, wurde die Sache vom Portal-Betreiber Roland Tichy auf X falsch dargestellt und darauf hin wurde auch noch meine Bio-Note bewusst zweimal entstellt.

Auch bezüglich des „Venice Symposium“ war man alles andere als einsichtig: Anstelle den Vortragenden endlich eine Rundmail zu schicken und die peinliche Situation aufzuklären, rief Herr Sell heute bei mir an und sprach in eiskalter Stimme: „Sie machen gegen uns auf Twitter [sic!] Stimmung. Jetzt kann ich Sie nicht mehr einladen.“ Der promovierte Herr Sell hat auch das Problem nicht verstanden: Er hat mich gar nie richtig eingeladen. Herr Sell, zur Info: Ich habe keine Angst vor Ihnen!


Und ein letzter Hinweis: Nein, ich werde aufgrund dieser enttäuschenden Erfahrungen mit mangelnder Professionalität der AfD nun nicht Fan von Philipp Amthor oder Elif Eralp werden. Ich bleibe der, der ich seit 2007 – bis auf einen kurzen Hoffnungsschimmer in den vergangenen Monaten, dass die AfD es besser machen würde – stets war:

Äquidistant zu allen politischen Parteien, und gleich kritisch bei allen, wenn sie Mist bauen.

2 Kommentare zu “Amateure für Deutschland? So geht es halt auch gar nicht, liebe AfD!”

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      So ist es! Was bilden sich diese Lackaffen eigentlich ein, wer wir „aus dem Volk“ sind? Wir müssen ja froh sein, wenn der große Blogger mit uns überhaupt telefoniert, oder? Oder fahren wir halt mal nach Venedig auf Verdacht, denn das wird sicher ein historisches Event, wenn es denn stattfindet.
      Wuahahahahahahaha.

      Antworten ↓

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