Und wieder genau dasselbe Muster wie beim „Rechtsextremismus“-Bericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes:
1. Der zentrale Begriff (wie „Rechtsextremismus“, „Diskriminierung“, bei HateAid nun „digitale Gewalt“) wird in Eigenregie schamlos erweitert. Dabei geben die zitierten Literaturquellen die Erweiterung nicht her (siehe Dokumentationsarchiv) oder in diesen steht sogar etwas völlig anderes (siehe nun HateAid). Da offenbar niemand die zitierten Quellen überprüft, fällt dieser Trick nicht auf.
2. Der Fragebogen wird nicht veröffentlicht. Im Fall von HateAid wurde der genaue Wortlaut der Fragen nicht bekannt gemacht. Wir wissen also gar nicht, was genau abgefragt wurde.
3. Angaben über Vorkommnisse werden mit realen Vorkommnissen verwechselt. Ein beliebter Kategorienfehler.
4. Rohdaten werden auf Anfrage nicht herausgerückt. Damit sind Nach- und Neuberechnungen nicht möglich.
So entsteht eine Pippi-Langstrumpf-Welt aus übertriebenen und nicht aussagekräftigen Zahlen und aus dieser eine falsche Politik. Würden die Naturwissenschaften und die Medizin auch so arbeiten, würde unsere Lebenserwartung noch bei 35 Jahren liegen.
Meine Hypothese lautet, dass die Muster 1-4 gehäuft bei Studien von linksgrünen NGOs vorkommen, damit diese sich erstens selbst legitimieren können und zweitens der vorgegebenen Ideologie entsprechen.
Jeder in den Sozialwissenschaften Tätige weiß, welchen Unterschied etwa diese beiden Fragen machen:
Haben Sie schon mindestens einmal digitale Gewalt persönlich erlebt?
Sind Sie häufig, das heißt mehrmals pro Monat, von digitaler Gewalt wie etwa schwerwiegender Beleidigung oder Erpressung im Internet betroffen?
Mit der Art der Frage können erwünschte Resultate erzeugt werden. Deshalb ist es oberstes Transparenzgebot in den Sozialwissenschaften, den Lesern das Erhebungsinstrumentarium (hier: den Fragebogen) mitzuteilen und damit stets den genauen Wortlaut einer Frage.
Wenn das unterbleibt, befinden wir uns in einer Welt der freien Konstruktion.
Aber es gibt noch viel mehr Probleme in den Studien von HateAid.
Lesen Sie hier das ehrenamtlich (ohne Prüfauftrag!) erstellte Gutachten zu HateAid (PDF-File zum Download, 16 Seiten, 4,2 MB).
















Selbst nach den wie auch immer zustande gekommenen Daten besteht zwischen den Geschlechtern bei der Betroffenheit nur ein Unterschied von 10% auf hohem Niveau, 63% vs. 53%. Dennoch sind ALLE Interviews des qualitativen Teils und dann auch ALLE aufgeführten wörtlichen Zitate von Frauen. 53% der Betroffenen sind einfach grundsätzlich egal, das stimmt auch für die besser wissenschaftlich abgesicherten Daten, bei denen es konstant keinen wesentlichen Unterschied in der Gesamtheit, sondern nur in Teilbereichen gibt. Männer als Opfer sind aber im Skript einfach nicht vorgesehen und würden das Thema zu sehr verkomplizieren, ähnlich wie bei der häuslichen Gewalt.
Die aktivistischen Organisationen brauchen dringend alarmistische Zahlen, daher werden Begriffe wie „Gewalt“ immer weiter ausgedehnt. Das führt dann allerdings zum Problem, dass auch immer mehr Männer als Opfer in den Statistiken auftauchen, das kann man wie hier dann unter den Tisch fallen lassen oder man bastelt sich einfach gleich als Prämisse, dass vor allem Frauen betroffen sind, was zwar nicht stimmt, aber wenn ich Männer gar nicht erst erfasse, fällt das dann nicht auf.
„Schönes“ Beispiel dafür ist der Report der EU-Behörde FRA:
https://fra.europa.eu/en/news/2023/online-hate-we-need-improve-content-moderation-effectively-tackle-hate-speech
Wird überall zitiert in der Form:
„It showed women were the main targets across all platforms and countries involved. Other affected groups included people of African descent, Roma and Jews.“
https://www.reuters.com/world/most-online-hate-targets-women-says-eu-report-2023-11-29/
Hier wurden allerdings auch nur die Daten der 4 Gruppen erhoben, von denen Frauen natürlich mit weitem Abstand die größte stellen und da Männer gar nicht erst als Gruppe erfasst werden, ist es gar nicht möglich, als dass Frauen „am meisten“ betroffen sind. Das erfährt man aber in keinem Medienbericht dazu und die meisten Leser werden instinktiv davon ausgehen, dass man sich natürlich die GESAMTHEIT der Hassnachrichten angeschaut hat und diese 4 Gruppen da am meisten betroffen waren.
Man könnte fast meinen, wir hätten es hier mit einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zu tun: der Narrativforschung ohne Datenbasis. Die Methode ist bestechend einfach – man behauptet, was ins Weltbild passt, nennt es „Studie“ und wartet, bis der öffentlich-rechtliche Rundfunk es in Endlosschleife zitiert.
Die klassische wissenschaftliche Trias – Datentransparenz, methodische Nachvollziehbarkeit, Reproduzierbarkeit – wirkt in diesem Kontext beinahe wie ein Relikt aus einer vergangenen Epoche. Heute genügt offenbar die richtige Haltung, um aus Thesen Tatsachen zu machen.
Stefan Weber spielt in diesem Setting den denkbar unangenehmsten Part: den desjenigen, der nachfragt. Der wissen will, wo die Daten sind, wie sie erhoben wurden und ob das Ganze überhaupt irgendeinem methodischen Mindeststandard genügt. Mit anderen Worten: Er verhält sich wie ein Wissenschaftler.
Und genau das ist das Problem.
Denn wer anfängt, solche Konstrukte ernsthaft zu prüfen, gefährdet die fragile Architektur medialer Gewissheiten. Plötzlich steht im Raum, dass das, was als „Studie“ verkauft wurde, möglicherweise eher eine Meinungsäußerung mit akademischer Verkleidung ist.
Der ÖRR wiederum wirkt in diesem Spiel zunehmend wie ein gut geölter Distributionsapparat für solche Deutungsangebote – weniger als kritische Instanz, mehr als Verstärker. Man sendet, was sendbar ist. Und sendbar ist, was passt.
Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis:
Nicht jede „Studie“, die im Fernsehen erwähnt wird, ist eine.
Aber jede ungeprüfte Behauptung wird durch Wiederholung erstaunlich schnell zu einer.
Weber erinnert lediglich daran, dass zwischen beidem ein Unterschied besteht.
Danke für die wichtige und notwendige Aufklärung.
Das entspricht genau der linksgrünen Vorgehensweise in ALLEN Bereichen, und die linksgrün versifften Medien spielen begeistert mit. Es ist an der Zeit, diesem geförderten Sozialschmarotzertum ein Ende zu bereiten. Keine NGO-Zuwendungen, Zwangsbeiträge und Medienförderungen mehr. Österreichs derzeitige Regierungspolitiker werden allerdings zu feige sein, das um- und durchzusetzen!
Völlige Zustimmung. Und sie sind nicht nur zu feige, vor allem die Sozialisten erhalten ja so die erwünschten Ergebnisse zu „Rechtsextremismus“ und „digitaler Gewalt“.