Schon nach wenigen Minuten Beschäftigung mit dem ersten von acht Büchern von Wolfram Weimer, die ich in den nächsten Wochen genau analysieren werde, schreien mir die folgenden Plagiate entgegen. Es ist einfach nicht zu fassen, wer hier in Deutschland Medien-(sic!)minister geworden ist und wer von jenen gedeckt wird, die er paradoxerweise um ihr geistiges Eigentum brachte.
Ausgerechnet im Kapitel über Menschenwürde dürfte Weimer eine dreiviertel Buchseite einfach vom Bayerischen Rundfunk kopiert haben. Weimer schrieb 2018 auf Seite 17:

Der Journalist und Philosoph Michael Conradt veröffentlichte 2013, zwei Jahre vor seinem Tod, auf Bayernradio-Radiowissen diesen Text über die Menschenwürde:

Es ist schon äußerst skrupellos, zur Menschenwürde abzuschreiben und als deutscher „Intellektueller“ Immanuel Kant nicht einmal im Original zu rezipieren. Noch schlimmer ist aber die folgende Passage über die Renaissance des Heimatbegriffs, in der Wolfram Weimer eindeutig im eigenen Fabulierstil aus eigenen Wahrnehmungen zu schöpfen scheint (S. 32):

Das alles hat in Wahrheit die Journalistin Caroline Bock in der „Welt“ bereits im Jahr 2010 geschrieben:



Eine Passage über die Familie (Weimer, S. 26) findet sich wörtlich auch in einer Rede des 2024 verstorbenen CSU-Politikers Alois Glück aus dem Jahr 2013. Weimer:

Glück:


Auf S. 34 findet sich schließlich die seltene Spielart eines Doppel-Plagiats. Weimer philosophiert:

In Wahrheit zitierte hier im Jahr 2010 die Journalistin Caroline Bock den Kulturwissenschaftler Heinz Schilling, erneut in der „Welt“ und in der Folge auch in anderen Medien. Weimer hat also doppelt von hier abgeschrieben:

Kaum zu glauben ist auch S. 38 des Buchs. Weimer übernimmt zum Thema der deutschen Nation auf mehr als einer dreiviertel Seite eine Passage des deutschen Historikers Thomas Brechenmacher, die jedenfalls vor 2012 verfasst wurde. Weimer:

Brechenmacher:


Ab S. 40 sieht es so aus, dass weite Teile des Buchs plagiiert wurden: Die weiteren Plagiatsquellen sind unter anderem der französische Theologe Yves Bizeul und immer wieder die evangelische Kirche Deutschlands.
Wolfram Weimer hat also nicht nur im „The European“ schamlose Urheberrechtsverletzungen betrieben. Zumindest im ersten Buch, das ich mir genauer ansehe, hat er ebenso skrupellos plagiiert und alle Grenzen des Anstands und Standards der modernen Textkultur verlassen.
(Wird fortgesetzt)
Je konservativer sich diese hochgeschwemmten Politker geben, desto geistloser sind sie dann auch und nehmen darum schamlos „Anleihen“ von anderen, die sich wirklich über eine Sache den Kopf zerbrochen haben. Warum aber tun die Plagiatoren das überdies? Weil sie aus ihrer eigenen Primtivität heraus annehmen, dass auch die anderen eben so ungebildet wären wie sie selbst und schon nicht auf diese Betrügereien stoßen würden. Dass Politik, Medien und Justiz bereits derart abgestumpft sind und diese fatale Unmoral öfter schon auch einmal einfach so hinnehmen, ist beunruhigend genug! Daher ist Ihre unermürdliche Arbeit wider Betrug und geistige Anmaßung auch so wichtig. DANKE dafür!
Deutsche Dichter und Denker
Sympathisch! Aber warum kein Link zu dem tollen neuen Song über den Beauftragten für geistigen Diebstahl?
Der (blaue) Link ist direkt über dem Videoclip versteckt.
Hier nochmals in voller Länge:
https://suno.com/s/jp4ibkxtiEjn18GN
Was ich besonders frappierend finde ist, dass er doch seit Guttenberg, Schavan usw. wusste, wie Plagiate erforscht und entdeckt werden. Wie kann man nur so dämlich sein, dennoch zu plagiieren (viel aus der grauen Literatur, die aber mit KI durchsuchbar ist) und dann noch ein öffentliches hohes Amt annehmen? (Ich weiß, beides Symptome derselben Krankheit, nämlich narzisstische Eitelkeit).
Ich frag mich immer wieder, wie man die Chuzpe hat, ein Buch rauszubringen, in dem es nur so von Plagiaten wimmelt; es ist eine echte Krankheit!
Ich bleibe dabei, die politischen Akteure sind nur deshalb an ihren Stellen platziert, weil sie erpressbar sind. Ob von der Leyen, Scholz, Klingbeil, Merz, Drosten oder Weimer, alle sind so tief […] verstrickt, dass sie der Stimme ihres Meisters folgen müssen, um nicht um ihre Existenz gebracht zu werden. Und die Justiz ist Helfer dieses Masterminds. Es ist so naiv zu glauben, dass Weimer in absehbarer Zeit seinen Hut nimmt. Je korrupter und ungeeigneter er sich herausstellt, umso begehrenswerter wird er für Politik und Medien.
Wer soll „der Meister“ sein?
Woland 😏
Den Bock zum Gärtner gemacht!
Kulturstaatsminister schreibt massiv ab. Etwas, was seine einzige Aufgabe wäre, aufzupassen, dass niemand geistiges Eigentum sich aneignet, macht er fröhlich selber! Wie sicher fühlen sich diese Leute??
Wenn man sich die von Dr. Weber momentan dokumentierten Fundstellen ansieht, entsteht ein Bild, das weniger nach „Ungenauigkeit“ wirkt und deutlich mehr ein Muster gleichlautender Textübernahmen erkennen lässt. Und genau hier wird es politisch interessant.
Wir sprechen bekanntlich nicht über irgendeinen Kolumnisten oder einen übereifrigen PR-Texter – wir sprechen über den amtierenden Kulturstaatsminister. Ein Amt, das glaubwürdigerweise für geistige Originalität, Redlichkeit und den Respekt vor dem Werk anderer stehen sollte. Ausgerechnet dort findet sich nun ein Autor, der in seinen eigenen Werken über Werte und Menschenwürde Formulierungen verwendet, die zuvor beim Bayerischen Rundfunk, bei der WELT, in politischen Reden oder in theologischen Essays veröffentlicht wurden.
Die im vorliegenden Material dokumentierten Übernahmen sind nicht nur zufällig gleichlautend; sie folgen einem klar erkennbaren Wiederholungsmuster. Man orientiert sich an fremden Gedanken, übernimmt Passagen weitgehend unverändert, versieht sie mit einem eigenen Erzählrahmen – und präsentiert das Ergebnis anschließend als persönliche gedankliche Leistung. Während dies für einen normalen Autor bereits problematisch wäre, wirkt es für einen Kulturstaatsminister besonders befremdlich.
Man kann diese Befunde schwerlich als handwerklichen Ausrutscher abtun. Die Breite der betroffenen Passagen, ihre thematische Streuung und ihre Platzierung im Buch lassen auf strukturelle Unschärfen in der Textgenese schließen. Und genau deshalb ist Webers Analyse im Kern so brisant: Sie offenbart nicht nur einzelne Fehlstellen, sondern einen Befund, der mit dem Anspruch des Amts kaum vereinbar erscheint.
Der politische Betrieb reagiert darauf vielfach zurückhaltend – als handle es sich um eine Privatfehde oder um einen redaktionellen Lapsus. Doch die Frage ist größer: Wie glaubwürdig kann ein Kulturressort auftreten, das intellektuellen Anspruch für sich reklamiert, wenn beim eigenen Ressortchef grundlegende Anforderungen an Texttransparenz offenbar nicht durchgehend beachtet wurden?
Dr. Weber zeigt in seinem aktuellen ersten Beitrag auf, was im politischen Raum kaum ausgesprochen wird: Es geht nicht um Geschmack, nicht um Deutungskriege und nicht um parteipolitische Lager. Es geht um Integrität. Und um die Frage, wie belastbar die Grundlagen publizistischen Anspruchs sind, wenn wesentliche Teile des eigenen Werkes textlich auf bereits veröffentlichten Quellen beruhen und diese wahrscheinlich versehentlich vergessen wurden sauber zu zitieren.
Wenn Kultur zur Collage wird, die sich aus Presseartikeln, Radiobeiträgen und politischen Reden speist, stellt sich die Frage, was vom eigenen Werk tatsächlich getragen wird. Im Fall Weimer lautet die Antwort – zumindest nach derzeitigem Erkenntnisstand –: erheblich weniger, als das Buchcover erwarten lässt.
Wenn man „ES“ von der heiteren Seite aus betrachtet: So etwas kann dem österr. Medienminister nicht passieren. Dieser führt einen MSc (aktiv) in seinem Namen – von der Donauuniversität Krems. Das ist eine Auszeichnung der besonderen Art.