Der „stochastische Papagei“: Weitere Recherchen erhärten den Verdacht gegen Medizinethikerin und Corona-Hardlinerin Alena Buyx

Es ist interessant, sich in die Methodenliteratur zur Erstellung medizinischer Doktorarbeiten zu vertiefen. Wenn man denkt, dass Literaturarbeit in der Medizin nur eine untergeordnete Rolle spiele, wird man rasch eines Besseren belehrt. Wie in den Sozialwissenschaften, vielleicht sogar noch deutlicher, wird höchster Wert auf den Umgang mit Originalliteratur gelegt. Und dann heißt es: Lesen, lesen, lesen, und zwar stets die Originale!

Quelle statt vieler: Christel Weiß/Axel W. Bauer (20042): Die medizinische Doktorarbeit – von der Themensuche bis zur Dissertation. Stuttgart: Thieme, S. 122.

Denn welches Problem hätte die Wissenschaft mit dem ungeprüften Übernehmen von Quellen à la Buyx? Man stelle sich vor, der erste Interpret hätte Studienergebnisse falsch verstanden oder einen Zahlendreher beim Wiedergeben produziert. Fortan würden die initialen Fehler reproduziert werden. Dieses Problem muss die Wissenschaft vermeiden, deshalb gilt stets das Prinzip „Ad fontes“ oder auch „Read before you cite“, wie ein klassischer Aufsatz zum Thema heißt.

Meinen Vorwurf, dass die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats Buyx offenbar genau gegen dieses Prinzip vielfach verstoßen hat, hat sie mittlerweile nicht mit sachlicher Replik beantwortet, sondern damit, dass sie die Sache ihren Anwälten übergeben habe.

War das Abschreiben in der Medizin vielleicht innerhalb einer Forschergruppe üblich? Auch das verneint ChatGPT:

Screenshot ChatGPT, 23.02.2026

Ein Kommentator in meinem Blog hat mich weiter darauf hingewiesen, dass hier bei Buyx (links) alle neun Achsen- und Parameter-Beschriftungen fehlen (rechts im Bild die frühere Dissertation):

Ich kann bestätigen, dass dies im Originalexemplar der Dissertation von Buyx so aussieht. Einem Begutachter hätte dies sofort auffallen müssen.


„Buyx’ Arbeitsweise war womöglich nicht ungewöhnlich zu Jahrhundertbeginn an der Universität Münster. Dies entbindet sie jedoch nicht von der Einhaltung der Zitierregeln. […] Vielleicht kommt Buyx mit einer Rüge davon.“

Wenn das sogar ein Jochen Zenthöfer in der F.A.Z. schreibt, der in jüngster Zeit wenig „Freude“ mit meinen Plagiatsaufdeckungen hatte (die Fälle Robert Habeck, Anja Karlshaus und Mario Voigt wurden von ihm genüsslich relativiert), dann scheint an der Sache irgendwie was dran zu sein.

Die „ausgebuyxte“ (Krall) Habilitationsschrift*

Und somit stellt sich einmal mehr die Frage nach der Habilitationsschrift von Alena Buyx. Erstens interessiert mich natürlich jetzt sehr, wie in dieser zitiert wurde. Zweitens interessieren mich die Inhalte (Thema: Politische Philosophie der Biomedizin) wirklich brennend. Ich bin der Auffassung, dass jemand, der in den Mainstream-Medien so energisch, mitunter martialisch gegen „Rechts“, gegen „Populismus“ und für „unsere Demokratie“ ein- und auftritt, seine Habilitationsschrift zum ja eng verwandten Thema der Öffentlichkeit zugänglich machen muss.

Im Falle einer kumulativen Schrift wäre dies zumindest die Liste der Papers, die als einer Monographie adäquat angenommen wurden sowie eine etwaige neu verfasste Einleitung und ein neu verfasstes Resümee.

Quelle: https://x.com/Markus_Krall/status/2027750395804635209?s=20


*Update 14.03.2026: Die Universität Münster hat auf mein Drängen und das der Wochenzeitung Junge Freiheit die Habilitationsschrift von Alena Buyx mittlerweile veröffentlicht. Sie ist hier im Volltext abrufbar.


Und selbst der hochtrabende Begriff „stochastischer Papagei“ ist ein Plagiat

Bei Markus Lanz, dem öffentlich-rechtlichen Tummelplatz der Plagiatoren aller Art, äußerte sich Alena Buyx im Jahr 2023 dazu, dass die KI „von Genie immer noch relativ weit entfernt“ sei, denn sie sei nur ein „stochastischer Papagei“. Da stellt sich jetzt natürlich nicht nur die Frage der Selbstanwendung (zumindest, was den Papagei anbelangt), sondern erneut die des Umgangs mit wissenschaftlichen Quellen. Denn der Begriff „stochastischer Papagei“ stammt nicht von Buyx 2023, sondern von Emily M. Bender et al. 2021. Selbstverständlich gibt es bei Lanz kein Zitiergebot. Aber die Sequenz zeigt erneut gut auf, wie Buyx mit geistigem Eigentum umgeht. Konzepte mit Schöpfungshöhe werden in der Wissenschaft der Fairness halber attribuiert und sich nicht selbst zugeschrieben, das gilt auch für die Wissenschaftskommunikation.

All das muss man einer Person sagen, die in der Vergangenheit gerne ganz Deutschland belehrt hat.

Ein Kommentar zu “Der „stochastische Papagei“: Weitere Recherchen erhärten den Verdacht gegen Medizinethikerin und Corona-Hardlinerin Alena Buyx

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  1. Ralf Rath

    Der Computerwissenschaftler Joseph Weizenbaum kritisierte bereits zur Mitte der 1970er Jahre, dass bei zunehmend mehr Hochschulabsolventen festzustellen ist, dass „sie gar nichts Eigenes zu sagen haben“ (ders., 1994: 363, 9. Aufl.). Wer also heutzutage fähig ist, eigenständig eine Leistung zu erbringen, sieht sich dadurch gesellschaftlich ins Verhältnis gesetzt. Es tritt dann ein Mangel an klarer sozialer Struktur ein, der, medizinisch betrachtet, „einen nachweislichen pathogenen Einfluß auf die weitere Lebensgeschichte hat“ (Spitzer, 1996: 330). Es kommt dann nicht von ungefähr, dass die Anforderungen für eine Dissertation im Fach Medizin noch sehr viel schärfer formuliert sind als in den Sozialwissenschaften ohnehin schon. Sollte sich also bewahrheiten, dass die von Alena Buyx der Universität Münster eingereichte Schrift nicht einmal den Mindeststandards guter wissenschaftlicher Praxis genügt, stünde zuvörderst der Verdacht im Raum, damit der Ethik eines Arztes frontal zuwider schwere Erkrankungen und den Tod herbeizuführen. Der Historiker Michael Wolffsohn reklamiert angesichts dessen erst jüngst eine inzwischen mit Unsummen an Steuergeld finanzierte „Selbstzerstörung“ (Schwäbische Zeitung v. 13.7.2024). Letzten Endes bedeutet das, dass die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt in ihr Gegenteil verkehrt sein würde.

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