Gastkommentar zur Deutschkompetenz von Anna Thalhammer

Ich freue mich, diesen Gastkommentar der Journalistin K.I. veröffentlichen zu dürfen, der mich heute erreicht hat.


Ein Vorwurf kann laut sein, kann zugespitzt sein, kann Aufmerksamkeit binden – und doch ins Leere gehen. Genau das zeigt sich bei den Angriffen von Stefan Weber auf die angeblich mangelhaften Deutschkenntnisse von Anna Thalhammer, Chefredakteurin des profil. Denn hier wird etwas verwechselt: Form mit Substanz, Oberfläche mit Haltung, Grammatik mit politischer Verantwortung.

Nicht die Perfektion des Satzbaus entscheidet über journalistische Qualität, sondern die Klarheit der Position. Nicht die letzte Kommasetzung trägt eine Redaktion, sondern die innere Linie. Nicht die makellose Syntax macht einen Leitartikel relevant, sondern der Mut, sich gegen Macht, Populismus und Vereinfachung zu stellen. Gerade in Zeiten, in denen die Freiheitliche Partei Österreichs mit zugespitzten Narrativen operiert, ist Haltung kein Beiwerk, sondern Kern.

Man kann darüber streiten, ob ein Text stilistisch elegant ist oder nicht. Man kann Passagen kritisieren, Formulierungen beanstanden, sprachliche Unebenheiten markieren. Aber wer daraus ein zentrales Qualitätskriterium macht, verfehlt den Punkt. Journalismus ist nicht Sprachakrobatik, sondern öffentliche Intervention; nicht bloß Stilübung, sondern demokratische Praxis; nicht Selbstzweck, sondern Einmischung.

Die Antithese ist offensichtlich: Hier die Fixierung auf sprachliche Normen, dort die Frage nach politischer Orientierung. Hier die Kritik an vermeintlichen Defiziten, dort die reale Herausforderung durch eine Partei, die den Diskurs verschiebt. Wer das eine absolut setzt, relativiert das andere – und genau darin liegt das Problem der Angriffe. Sie zielen auf das Falsche und verfehlen das Entscheidende.

Hinzu kommt ein struktureller Wandel, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Redaktionen werden vielfältiger, internationaler, heterogener. Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen arbeiten zusammen, bringen Perspektiven ein, verschieben Maßstäbe. Das ist kein Verfall, sondern Realität; kein Mangel, sondern Transformation; kein Risiko, sondern Chance. In einer solchen Umgebung verändert sich auch das Verständnis von „perfektem Deutsch“. Es wird funktionaler, kommunikativer, inklusiver.

Das heißt nicht, dass Sprache egal wird. Im Gegenteil: Sie bleibt Werkzeug, Medium, Verantwortung. Aber sie ist nicht mehr das alleinige Kriterium. Entscheidend ist, ob Texte verstanden werden, ob sie einordnen, ob sie Wirkung entfalten. Entscheidend ist nicht die fehlerfreie Oberfläche, sondern die argumentative Tiefe; nicht die normgerechte Form, sondern die gesellschaftliche Relevanz.

Wer also die Debatte auf orthografische oder stilistische Fragen verengt, betreibt eine Verschiebung. Nicht die politische Auseinandersetzung steht dann im Zentrum, sondern eine Nebenfront. Nicht die Inhalte werden geprüft, sondern die Form. Nicht die Haltung wird kritisiert, sondern die Sprache. Das mag zugespitzt sein, es mag Aufmerksamkeit erzeugen – aber es führt weg vom Kern.

Am Ende bleibt eine einfache, aber unbequeme Einsicht: Journalismus misst sich nicht nur an seiner Sprache, sondern vor allem an seiner Haltung. Und in dieser Hinsicht steht Anna Thalhammer für eine klare Linie. Man kann sie teilen oder ablehnen, man kann sie diskutieren oder kritisieren – aber man kann sie nicht durch Grammatikdiskussionen entkräften.

8 Kommentare zu “Gastkommentar zur Deutschkompetenz von Anna Thalhammer

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  1. Willem von der Tams

    Dialektbedingte Fehler sowie solche Wendungen, die es nicht vom Oberdeutschen ins Hochdeutsche geschafft haben, wurden der Schülerin selbstverständlich nicht angekreidet.

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  2. David Tesch

    Die Germanistik versteht Sprache als System – und Grammatik beschreibt dieses System auf der Ebene von Form, Struktur und Regelhaftigkeit. Ohne sie wären Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte oder Textanalyse nicht wissenschaftlich fundiert. Ein paar Zitate dazu:

    „Grammatik ist die systematische Beschreibung der sprachlichen Strukturen.“
    „Wenn Sie in der Germanistik wissenschaftlich schreiben, ist es unabdingbar, dass Sie philologisch sorgfältig arbeiten.“

    Kurz um: „Grammatik ist das Fundament der Germanistik, weil sie das Regelwerk beschreibt, das jede Form von Sprachgebrauch – literarisch, historisch, kommunikativ – erst analysierbar macht. „

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  3. Birgit Stefanie Medlitsch / Redaktion Klartexxt

    „Am Ende bleibt eine einfache, aber unbequeme Einsicht: Journalismus misst sich nicht nur an seiner Sprache, sondern vor allem an seiner Haltung.“
    Dieser Satz entbehrt ja jeglicher Kennnis davon, was Journalismus ist.
    Journalismus hat nichts mit Haltung zu tun.
    Haltung kann ein Politiker oder Aktivist zeigen. Dadurch zeichnet er sich aus.
    Ein Journalist hat zu berichten, zu recherchieren, und dann all das, was ihm zu Kenntnis gelangt ist, zu ordnen und zu kommunizieren. Ein Journalist hat zu infomieren. Objektiv. Haltung hat im Bereich des Journalismus nichts verloren.
    Trotzdem muss man natürlich festhalten, dass viele Journalistin sich nur durch Haltung auszeichnen und leider meist wenig mit Sprache umgehen können. Von Recherchen, die der journalistischen Sorgfaltspflicht entsprechen sowie einer objektiven Darstellung der Fakten sind diese meist weit entfernt.

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Völlige Übereinstimmung, aber ich erlaube mir den Hinweis, dass der „Gastkommentar der Journalistin K.I.“ komplett von KI generiert wurde und die KI von mir die Anweisung erhalten hat, im Thalhammer-Style zu schreiben…

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  4. Thissy

    Na ja….Mit gleichem Recht kann man dann aber sagen: Bei einem Architekten sind nicht Kenntnisse in Geometrie und Messtechnik zentral, sondern Stilsicherheit und Originalität.

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