Noch mehr Stilblüten und Quatsch in der Diplomarbeit der profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer

Muss man als Journalist in Österreich eigentlich überhaupt noch gut Deutsch können? – Diese Frage stellt sich für mich nicht erst seit meiner Beschäftigung mit der Diplomarbeit von Anna Thalhammer, siehe die ebenso sehr zweifelhafte Masterarbeit des ORF-Journalisten Martin Thür oder die sprachlichen und inhaltlichen Entgleisungen des ehemaligen ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz auf X.

Aber die Ausführungen Anna Thalhammers sind next level. Sie sind zum Teil jenen von Christine „Kauderwelsch“ Aschbacher näher, als man es jemals für möglich gehalten hätte. Dazu einige weitere Beispiele aus Thalhammers Diplomarbeit:

„über den Dingens“ und „zweites Dreieck […], zwischen denen“: Muss in jedem Schüleraufsatz angestrichen werden, geht in einer Diplomarbeit aus dem Fach Germanistik an der Universität Wien offenbar durch. Einen „Dialog von Erzähler und Leser und Zensor“ gibt es nicht. Das ist dann nämlich ein Trialog oder zumindest ein doppelter Dialog (einmal zwischen Erzähler und Leser und einmal zwischen Erzähler und Zensor). Dass im Folgesatz von einem „Dreieck“ gesprochen wird, spricht für einen Trialog. Thalhammer hat den Sinn ihrer eigenen Worte also überhaupt nicht verstanden oder hat auch diesen Gedanken von wo geklaut.

Peinliches Deutsch, inhaltlicher Stuss: Nicht jede Menschenmenge konstituiert schon eine Gesellschaft. Zwischen Individuum und Gesellschaft liegt die Ebene der Organisation – das ist geisteswissenschaftliches Basiswissen.

„eines selbst“ ist auch sprachlich falsch. Und Kommafehler, Kommafehler, Kommafehler, wohin das Auge sieht.


Man fühlt sich als Medienkonsument verarscht, dass Anna Thalhammer Chefredakteurin des profil geworden ist. Vielleicht geht es Mitarbeitern und Eigentümern nicht unähnlich, sofern hier noch irgendein Bewusstsein für Qualität vorhanden ist.

5 Kommentare zu “Noch mehr Stilblüten und Quatsch in der Diplomarbeit der profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer

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  1. Stefan Kurz

    Lieber Stefan,

    immer wieder eine Freude, Ihre philologische Akribie zu bewundern. Wo andere bloß lesen, dort sezieren Sie. Wo andere achselzucken, dort entrüsten Sie sich. Und wo andere — sagen wir: Damen mit unbequemen Recherche-Resultaten — vermeintlich harmlose Diplomarbeiten schreiben, dort entdecken Sie noch das versteckteste Komma, den entlegensten Pleonasmus, das letzte „Dingens”.

    Ein Trialog! Wer hätte das gedacht. Sie haben recht, lieber Stefan: das ist next level. Ihre Beweisführung erinnert mich an die olfaktorischen Glanzleistungen jener vierbeinigen Kollegen, die man in Zollabteilungen und bei der Kriminaldirektion so schätzt — verlässlich, wenn die Spur einmal aufgenommen ist, unbeirrbar bis zur Apportierung. Bei guter Führung ein unschätzbarer Begleiter.

    Falls Sie mir gestatten, in altbewährter freundschaftlicher Verbundenheit:

    Stefan, faß!

    Mit besten Grüßen aus Tirol — wo, wie Sie wissen, gelegentlich auch andere Gipfel stattfinden, über die zu schreiben sich für gewisse Chefredakteurinnen als unklug erweisen könnte —

    Ihr S. K.

    P.S.: Karl-Theodor lässt Sie ebenfalls grüßen. Er sagt, Sie seien sein bester Avatar-Kollege.

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  2. Grammatika

    Keine Ahnung, wie die Verkaufszahlen des „Profils“ gegenwärtig aussehen. Für mich ist „Profil“ eine Marke, die für etwas steht, das diese Zeitschrift nicht mehr bietet. Ich habe das „Profil“ in der weiter zurückliegenden Zeit gerne gelesen, aber mittlerweile interessiert mich diese Zeitschrift nicht mehr. Sie dürfte über ein gutes finanzielles Polster verfügen; die Mittel wären zweifelsohne da, um kritischen Journalismus zu betreiben, der in Österreich so dringend vonnöten wäre. Ich habe es immer wieder mal versucht, einen Blick in diese Zeitschrift zu werfen, aber ich habe es nun sein lassen. Es spricht mich nichts mehr an.

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  3. Grammatika

    Das „Profil“ war in der Vergangenheit bekannt für gutes Deutsch und hat auch noch heute Journalisten und Journalistinnen, die in der deutschen Sprache firm sind. Diese Enthüllungen werfen Fragen auf. Nach welchen Kriterien ist die Position der Chefredakteurin vergeben worden? Hängt das mit der neuen Eigentümerstruktur zusammen? Gegenwärtig wird ja über eine Neufestlegung der Presseförderung nachgedacht. Vielleicht sollte man zuvor solche strukturellen Fragen betreffend die Eigentums- und Machtverhältnisse im österreichischen Pressewesen mal genauer prüfen?

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