Es sind nicht nur Textschablonen, Plagiatsfragmente und ein offener Flirt mit dem Marxismus, die die germanistische Diplomarbeit der profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer, eingereicht im Dezember 2010 an der Universität Wien, als sehr fragwürdig erscheinen lassen.
Problematisch ist auch das mangelhafte Deutsch. – Jetzt spielt sich der Weber auch noch als Deutschlehrer auf, ja darf er das denn überhaupt? Dazu eine kurze „Einordnung“, wie es bei Frau Thalhammer wohl heißen würde: Diplomarbeiten sind in Österreich nach § 86 Universitätsgesetz veröffentlichungspflichtig. Ihr Sinn und Zweck ist es also, gelesen zu werden. Im Gegensatz zu Schüleraufsätzen oder der schriftlichen Deutschmatura sind sie keine Gesellenstücke, sondern Werke, die auch zum Zweck der Publikation verfasst wurden. Und man sollte voraussetzen können, dass gerade Diplomarbeiten im Fach Germanistik in astreinem Deutsch verfasst wurden. Wie sieht das nun bei Anna Thalhammer aus?
Aus dem Abstract der Diplomarbeit (die Sätze finden sich so wörtlich auch in der „Einleitung“ der Diplomarbeit):

Der oberflächliche Leser wird sich mit wissenschaftlich klingenden Schachtelsätzen nicht weiter beschäftigen wollen und sich denken: „Passt scho“. Sieht man allerdings genau hin, erkennt man, dass so gut wie gar nichts passt. Ich empfehle stets ein solches „close reading“, insbesondere bei wissenschaftlichen Texten.
Je nach Zählweise kommt man auf zumindest 13 Fehler in neun Zeilen:

Das profil beschäftigt sich aktuell mit mangelnden Deutschkenntnissen der österreichischen Volksschüler. Da schadet eine ergänzende Betrachtung nicht, die sich mit mangelnden Deutschkenntnissen (Stand 2010) seiner Chefredakteurin beschäftigt.
(Wird fortgesetzt)
Ich habe aber auch etwas gelernt aus diesem Kauderwelsch: „Wenn man sich beschäftigt“… – ja, und wenn man sich nicht damit beschäftigt? Wäre besser. Denn dann würde man nicht stolpern. Und wer stolpert schon gerne?
Vielen Dank. Habe herzlich gelacht.
Noch was: Die Dame hatte in der Ibiza-Sache die eine oder andere Frage richtig gestellt. Aber an den entscheidenden Punkten versagte sie: Sie sah in einen Abgrund und hat dann dort nicht weitergebohrt.
Sie weiß viel mehr über die Hintergründe. Aber davor zuckt sie zurück, weil das ihre Karriere gefährden könnte.
Und dann noch: Ja, wie so viele will sie „etwas gelten“. Das durchzieht doch ihr ganzes Wirken: Statt klassisch journalistisch zu arbeiten, schielt sie voll und ganz auf den Mainstream. Manchmal blitzt etwas bei ihr auf, aber dann wieder diese Gier nach Anerkennung. Leider gilt auch für diese Dame als Fahrplan: Haltung schlägt Wissen, damit zudem: schlägt Gewissenhaftigkeit.