Dass die Salzburger Mozartkugel im Jahr 1890 vom Salzburger Konditormeister Paul Fürst erfunden wurde, steht in zahllosen Reiseführern dieser Welt und wird tagtäglich hunderten Touristen in Reisegruppen so erzählt. Offenbar stimmt das nicht, wie erst gestern ans Licht kam. Ein benachbarter Konditor dürfte sie in Wahrheit erfunden haben.
Nun gibt es neue, schwere Vorwürfe gegen die Salzburger Traditionskonditorei Fürst: Der Salzburger Historiker Gerhard Ammerer vermutet gegenüber der Presse am Sonntag, dass die Konditorei Fürst überdies ein Foto gefälscht und eine Auszeichnung erfunden haben könnte, die beide im Zusammenhang mit der „Erfindung“ der Mozartkugel stehen.
In zahlreichen Quellen findet man diese Information: „1905 erhielt Paul Fürst bei der Weltausstellung in Paris viel Lob und eine Goldmedaille für seine Mozartkugel.“ Allerdings gab es in Paris im Jahr 1905 gar keine Weltausstellung, sie war dort vielmehr im Jahr 1900. 1905 fand die Weltausstellung im belgischen Lüttich statt.
In Wikipedia findet sich seit kurzem diese Version: „Im Jahr 1905 präsentierte Paul Fürst die Mozartkugel bei der Pariser Ausstellung Exposition Internationale d’Alimentation et d’Hygiène Appliquée und erhielt dafür eine Goldmedaille.“
Eine Quellenangabe findet sich nach diesem Satz nicht, aber eine in Wikipedia abgebildete Medaille soll dies offenbar beweisen. Das Bild wurde vom Prokuristen der Konditorei Fürst selbst auf Wikipedia hochgeladen:
Bildausschnitt in Wikipedia, Eintrag „Mozartkugeln“, hier wieder veröffentlicht unter der Lizenz CC BY-SA 4.0
Googelt man nun diese „Exposition Internationale d’Alimentation et d’Hygiène appliquée“, stellt man fest, dass viele Funde wiederum zur Konditorei Fürst und zum Wikipedia-Eintrag über Mozartkugeln führen. Historiker Ammerer vermutet in der Presse am Sonntag, dass die Medaille gekauft gewesen sein könnte (in einer noch vertraulichen E-Mail an mich lieferte er für die Fälschungshypothese weitere Beweise). Tatsächlich gibt es die Medaille in der Version von 1906 für 40 Euro im Internet zu kaufen.
Bis vor vier Wochen hielt sich in Wikipedia und in mehreren weiteren Quellen die sicher falsche Darstellung mit der Weltausstellung, die 1905 in Paris stattgefunden haben soll. Ende Juli 2025 erfolgte die Änderung auf die Ernährungsausstellung:
Quelle: Wikipedia-Eintrag „Mozartkugeln“, Versionsgeschichte
Hier ist ein Hinweis im Internet auf die tatsächliche Existenz dieser Ernährungsausstellung:
Quelle: Newman Numismatic Portal
Mittlerweile gibt es auch einen Plakatfund.
Auch in diesem Bild finden sich die angebliche Medaille und der Orden aus Paris rechts oben abgebildet:
Quelle: Website der Konditorei Fürst
Historiker Ammerer kritisierte nun gegenüber der Presse am Sonntag, dass die Köpfe links wie ins Bild hineinmontiert wirken. Sieht man sich den Sitz der Hauben an, kann man dies schwerlich bestreiten. Aber warum sollte das Bild gefälscht worden sein? Es könnte vielleicht auch der damaligen Praxis entsprochen haben, Bilder so aufzupolieren. Wir wissen es nicht. Jedenfalls gibt es massive Zweifel an der historischen Darstellung. Die Pariser Weltausstellung 1905 ist sicher ein Fake, von „Fürst“ selbst allerdings nie behauptet.
Die Geschichte der Salzburger Mozartkugel von Fürst – ist alles ein Fake? Das Ding schmeckt auch so verdammt gut. Hatte es solche mutmaßlichen Schwindeleien überhaupt nötig?




Eine Medaille von Paris 1905: https://www.lot-tissimo.com/de-de/auction-catalogues/eppli-mnzhandel-and-auktionen/catalogue-id-srepp10116/lot-ded4b4bf-925d-4f90-bc45-b25e00a68d08
Auch bei ANNO Wien findet man einen Hinweis auf diese Ausstellung in Paris 1905: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=bbr&datum=19050801&query=%22Ausstellung+Paris+1905%22~20&ref=anno-search&seite=12
Naja, Herr Dr. Weber, neugierig wie ich war habe ich eben über digitale Archive wie google-books und anno das eine oder andere auch gefunden, wie Sie ja auch. Aber als Historiker muss ich auch sagen: das ist jetzt nur mal der Beweis, dass die bisherigen Aussagen falsch waren. Was aber richtig ist, bleibt damit offen. Meinte Baumann mit dem Inserat von 1881 das, was man heutzutage unter Mozartkugeln verstand? Hat Fürst seine Mozart-Bonbons – zwar offensichtlich nicht 1890 – 1888 erfunden oder vielleicht noch mal 10 Jahre vorher? Hat vielleicht ein dritter Konditor sie 20 Jahre vorher erfunden? Und war es dasselbe Rezept, das von beiden nachgeahmt wurde? Das alles kann man nicht aus den Zeitungsinseraten erkennen. Ich bin schon mal gespannt, da Herr Prof. Ammerer ja offenbar eine ausführliche Untersuchung dazu betreibt. Vielleicht findet er weitere Quellen. Und das sollte auch eher ein Thema der Fachwissenschaftler sein als der Gerichte. Ich als Franke engagiere mich da nicht weiter, wir haben schon genug zu tun mit dem Streit, ob nun bei uns, in der Oberpfalz oder in Thüringen die Bratwurst erfunden wurde, und wenn ja welche. Aber wenn es gerade passt, liefere ich den Salzburger Konditoren, Historikern und Juristen gerne auch etwa Munition für ihren Streit und betrachte aus der Ferne, wie er weitergeht.
Viele Grüße
Erwin Denzler
Stimmt es wirklich, dass Friedrich Schiller die leckere Fischspezialität „Schillerlocken“ erfunden hat ????
Eigentlich wundert es mich, das Sie sich mit solchem Kleinkram abgeben.
Sie Ausstellung scheint es doch gegeben zu haben.
https://www.danisch.de/blog/2025/09/01/mozartkugeln-1905/#more-70922
Für Salzburger Mozartkugeln wurde in den Zeitungen ab den frühen 1880er Jahren geworben. je nach Schreibweise gibts auch noch ältere Inserate. Hier aus ANNO
mfg
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=apr&datum=18830503&seite=16&zoom=33&query=%22Mozart%2Bkugeln%22&ref=anno-search
Spektakulärer Fund! „Chocolade-Creme-Kugeln“ 1883!
Und Fürst hat in der „Presse“ gesagt, es könnte sich um „Gebäck“ gehandelt haben.
Das wird ja immer bunter.
Tja, auch Paul Fürst selbst hat schon 1888 in der Salzburger Fremden-Zeitung (Nr. 37 vom 18.9.1888) für seine „Mozart-Bonbons“ geworben, die er doch erst zwei Jahre später erfunden hat. Woher stammt eigentlich die Angabe 1890? Auch nur eine erste Erwähnung oder eine ausdrückliche Niederschrift Fürsts, vielleicht in einem Tagebuch oder in Briefen? Wenn man immer nur von der (zufällig gerade gefundenen) ersten Erwähnung in einem Inserat ausgeht, kann der Wettlauf ja alle paar Tage anders ausgehen. Womit wir wieder beim Thema korrektes wissenschaftliches Arbeiten wären.
Spektakulärer Fund! Finden Sie über anno noch Älteres?
Hallo Herr Dr. Weber,
anbei ein Zeitungsartikel (oder Werbung) mit Bezug auf die 1905-er Ausstellung aus dem amerikanischen Zeitungsarchiv (newspapers.com).
In diesem Archiv sind ein paar wenige Beispiele von Getränkeherstellern (Bier, Whiskey) oder einer Obstkonservenfabrik zu finden.
Viele Grüße
Liege 1905. Ich sehe da keinen Zusammenhang. Welchen sehen Sie?
Der Text sagt aus, dass jenes Bier neben Preisen in Paris, St. Louis und Liège jetzt (8.7.1906) auch den großen Preis sowie die Goldmedaille bei der in Frage stehenden „L’Exposition Internationale D’Alimentation et D’Hygiene“ erhalten habe. Dies wäre dann allerdings ein Jahr später als 1905 geschehen…
Wurden in der Vergangenheit sogar die Richter getäuscht und wurde des pekuniären Vorteils wegen Prozessbetrug* begangen?
War es möglicherweise am Anfang vom Ende vielleicht Mozart höchstselbst, der bei seinen Besuchen des Café Staiger, dem späteren Café Tomaselli, nicht nur den Begriff für seine bevorzugte Zuckerbäckerkunst, sondern auch seine inhaltliche Komposition prägte? Möglicherweise war dies aber auch seine Witwe, wiederverheiratete Constanze von Nissen, die von 1820 bis 1826 in dem Kaffeehaus lebte, das Johanna Staiger 1852 dann an den „Zuckerbäcker“ Carl Tomaselli, den Sohn des Tenors Giuseppe Tomaselli aus Mailand verkaufte, dessen Familie mit der Familie Wolfgang Amadeus Mozarts verkehrt haben soll.
Vielleicht stammt die Rezeptur der „Mozartkugel“ sogar aus Mailand selbst, wo man Pralinen aus Schichtnougat und mit Pistaziencreme sicher auch herzustellen wusste.
* https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:62006TJ0304
Lieber Dr. Kühbacher!
Vielleicht finden Sie das Original der „Original Mozartkugel“ irgendwo in Italien. Ich halte das nicht für unmöglich, denn so vieles in Salzburg kommt aus Italien, offen und verdeckt. Bitte kosten Sie sich durch – aber achten Sie dabei auf Ihr Gewicht!