Trikola und Antithesen schon in der plagiierten Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg aus dem Jahr 2008

Den Hinweis darauf, dass der Stil Guttenbergs bereits vor dem KI-Zeitalter existierte, verdanke ich meinem Plagiatsjäger-Kollegen Martin Heidingsfelder. Unten veröffentlichte Darstellung stammt vom Plagiatsexperten Gerhard Dannemann, beide haben mich unabhängig voneinander kontaktiert.

Und ich habe gestern von einem Journalisten einen weiteren Hinweis auf die Stilanalyse der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg erhalten. Ich habe mir nun diese genau durchgelesen. Ein Hinweis auf das gehäufte Vorkommen von Antithesen bei Guttenberg findet sich in ihr nicht, es werden auch nicht Trikola, sondern vielmehr „Doppel- und Dreifachmetaphern“ erwähnt. Die angeführten Beispiele weisen jedoch in eine andere Richtung.

Die folgende Dokumentation beweist jedenfalls, dass Trikola und Antithesen gemeinsam bei Guttenberg oder seinem Ghostwriter (?) schon vor der Möglichkeit der Nutzung einer KI als rhetorische Muster gehäuft eingesetzt wurden. Offenbar hat bislang niemand auf diese Muster geschaut, zumindest kenne ich keine entsprechende Publikation, die beide Phänomene im Visier hat.

Daraus könnte man nun folgern, dass die gestern veröffentlichten Stil-Parallelen in einem Kommentar von Karl-Theodor zu Guttenberg und einem Kommentar der österreichischen Journalistin Anna Thalhammer einfach dem Zufall geschuldet sind. Genau dieselben Stilmittel habe ich mittlerweile jedoch in Kommentaren zweier weiterer namhafter Journalisten aus Österreich entdeckt (siehe unten). Alle Texte lesen sich gleich, sie haben den konfektionierten Charme eines Burgers aus dem McDonald’s-Restaurant. Sie lesen sich „unmenschlich“. In drei Texten findet sich zudem in der Mitte ein historischer Exkurs mit wenigen Beispielen, der wohl Belesenheit und historische Tiefe erkennen lassen soll. Das Strickmuster ist immer dasselbe, als hätte im Hintergrund ein Template gearbeitet.

Die Sache bleibt für mich bis auf Weiteres ein Rätselfall. Verschiedene Hypothesen zur Textentstehung sind möglich. Klarerweise könnte auch KI mit genau diesem Stil gefüttert worden sein.

Neu ist aber nach dem im Folgenden dokumentierten Fund bei zu Guttenberg, dass das gehäufte Auftreten von Trikola und Antithesen alleine keine KI-Nutzung beweisen kann, da beide Stilmittel bereits 2008 inflationär zu finden waren.

Ein Indiz wäre hingegen die Änderung des Schreibstils in der Zeit bei den untersuchten Journalisten. (Wird fortgesetzt)

Legende:
Dreier-Wortketten (Trikola) sind türkis markiert.
Antithesen sind gelb markiert.

Weitere Beispiele aus dem österreichischen Journalismus der vergangenen Tage:

(Wiederabdruck der Werke als Großzitate zu wissenschaftlichen Zwecken, Quellen: vol.at, derstandard.at)

Ein Kommentar zu “Trikola und Antithesen schon in der plagiierten Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg aus dem Jahr 2008

Neuen Kommentar verfassen

  1. Andreas Slateff

    Zumindest in Österreich könnte das auch aus humanistischer Schulbildung stammen. Ich selber habe Trikola und Antithesen im Lateinunterricht als rhetorische Stilmittel gelernt und sie auch immer wieder in deutscher Literatur gefunden. Und ich habe mir das als Stilmittel auch selber für mich angeeignet. Da ich im Gymnasium wirklich viel deutsche Literatur lesen musste, hat auch das geprägt.
    Ich finde am Einsatz dieser Stilmittel jetzt nichts besonders Auffälliges. In irgendeinem Stil muss man ja schreiben. 🙂 Wenn man humanistischere Schuldbildung genossen hat, dann wurden solche Stile möglicherweise schon während der Schulzeit stärker verinnerlicht.
    Einige Stilmittel habe ich mir erst mit der Zeit zugelegt. Zum Beispiel Sätze mit Ellipsen ohne Prädikat zu schreiben. Oder unvollständige Sätze. Oder Sätze mit „oder“ oder „und“ zu beginnen. Das stammt bei mir vom Lesen der Kommentare in Tageszeitungen. In der Schule war mir das im Deutschunterricht verboten. Es galt als „schlechtes Deutsch“.

    Stattdessen galten lange Sätze im Thomas-Mann-Stil, bei denen man, während man am Anfang noch keine richtige Vorstellung hat, mitten im Satz, wo man ebenfalls aufgehalten wird, gar nicht mehr weiß, worum es eigentlich gehen sollte, als guter Stil. Meine schriftliche Deutschmaturaarbeit habe ich in einem solchen Stil geschrieben; ich kenne sie leider nicht mehr, vermutlich ist sie gewissermaßen unleserlich wegen der furchtbaren Schachtelsätze. 🙂
    Jedenfalls wurden Stilmittel damals in der Schule unterrichtet und als Schüler hat man sie oft dankbar aufgenommen.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar!

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die maximale Dateigröße für den Upload: 20 MB. Sie können hochladen: Bilddatei, Audiodateien. Links zu YouTube, Facebook, Twitter und anderen Dienstanbietern werden automatisch eingebunden. Dateien hierhin ziehen

Abschicken des Kommentars auch ohne Anhang möglich.
Von der Blog-Software akzeptierte Anhang-Dateiformate: .jpg, .jpeg, .gif, .png
Maximale Anhanggröße: Mehrere Dateien möglich, insgesamt 20 MB
In den Text integrierte Weblinks werden automatisch verlinkt.

Die Datenschutzerklärung für plagiatsgutachten.com finden Sie hier.