Die unten veröffentlichte Darstellung verdanke ich einem Mitarbeiter von VroniPlag Wiki. Ich habe gestern bereits den Hinweis auf die Stilanalyse der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg erhalten. Ich habe mir nun diese genau durchgelesen, ein Hinweis auf das gehäufte Vorkommen von Antithesen bei Guttenberg findet sich in ihr nicht, es werden auch nicht Trikola, sondern vielmehr „Doppel- und Dreifachmetaphern“ erwähnt. Die angeführten Beispiele weisen jedoch in eine andere Richtung.
Die folgende Dokumentation beweist jedenfalls, dass Trikola und Antithesen gemeinsam bei Guttenberg oder seinem Ghostwriter (?) schon vor der Möglichkeit der Nutzung einer KI als rhetorische Muster gehäuft eingesetzt wurden. Offenbar hat bislang niemand auf diese Muster geschaut, zumindest kenne ich keine entsprechende Publikation, die beide Phänomene im Visier hat.
Daraus könnte man nun folgern, dass die gestern veröffentlichten Stil-Parallelen in einem Kommentar von Karl-Theodor zu Guttenberg und einem Kommentar der österreichischen Journalistin Anna Thalhammer einfach dem Zufall geschuldet sind. Genau dieselben Stilmittel habe ich mittlerweile jedoch in Kommentaren zweier weiterer namhafter Journalisten aus Österreich entdeckt (siehe unten). Alle Texte lesen sich gleich, sie haben den konfektionierten Charme eines Burgers aus dem McDonald’s-Restaurant. Sie lesen sich „unmenschlich“. In drei Texten findet sich zudem in der Mitte ein historischer Exkurs mit wenigen Beispielen, der wohl Belesenheit und historische Tiefe erkennen lassen soll. Das Strickmuster ist immer dasselbe, als hätte im Hintergrund ein Template gearbeitet.
Die Sache bleibt für mich bis auf Weiteres ein Rätselfall. Verschiedene Hypothesen zur Textentstehung sind möglich. Klarerweise könnte auch KI mit genau diesem Stil gefüttert worden sein.
Neu ist aber nach dem im Folgenden dokumentierten Fund bei zu Guttenberg, dass das gehäufte Auftreten von Trikola und Antithesen alleine keine KI-Nutzung beweisen kann, da beide Stilmittel bereits 2008 inflationär zu finden waren.
Ein Indiz wäre hingegen die Änderung des Schreibstils in der Zeit bei den untersuchten Journalisten. (Wird fortgesetzt)
Legende:
Dreier-Wortketten (Trikola) sind türkis markiert.
Antithesen sind gelb markiert.


Weitere Beispiele aus dem österreichischen Journalismus der vergangenen Tage:


(Wiederabdruck der Werke als Großzitate zu wissenschaftlichen Zwecken, Quellen: vol.at, derstandard.at)