Nun hat meine Bibliothekarin nach langer Suche also doch noch die Doktorarbeit des wegen seiner Titelführungen und unklaren Ausbildungsstationen in Kritik geratenen ZDF-„Generationenforschers“ Rüdiger Maas aus Augsburg gefunden. Hier (Klick rechts oben auf „EN“) kann das 154 Seiten starke Werk aus dem Jahr 2024 auf Englisch und in einer kürzeren bulgarischen Fassung heruntergeladen werden.
Doch schon das Abstract der Doktorarbeit ist – ähnlich wie das Exposé der Doktorarbeit der wegen eines Plagiatsvorwurfs dann zurückgetretenen österreichischen Ministerin Christine Aschbacher — ein wissenschaftliches Ärgernis ersten Ranges:

Quelle: https://ras.nacid.bg/dissertation-preview/77186
Gehen wir das mal ganz genau durch: Der Titel der im Berufsfeld „Soziale Kommunikations- und Informationswissenschaften“, also nicht im Fach Psychologie (!) eingereichten Doktorarbeit lautet: „Informationsprozess-Management zur Steigerung der Medienwirksamkeit während der Corona-Pandemie“. Das liest sich wie eine Anleitung, ein praxisorientiertes Manual etwa für die Regierung, um die Akzeptanz und Durchschlagskraft der Anti-Corona-Maßnahmen zu erhöhen. Das dürfte wohl mit „Impact of Media“ gemeint sein. Implementiert werden soll offenbar ein spezielles Prozessmanagement zur Erhöhung des Impacts. Schon alleine dieser Titel klingt für eine Doktorarbeit reichlich sonderbar, grundlegende Regeln für Titeln von Doktorarbeiten wie etwa die zeitliche, örtliche, personale und sachliche Eingrenzung wurden nicht erfüllt. Einen spezifizierenden Untertitel gibt es auch nicht.
Eine weitere Pointe: Die Corona-Pandemie war im Wesentlichen im Frühjahr 2023 durch. Warum wird 2024 eine Doktorarbeit mit dem Titel „Informationsprozess-Management zur Steigerung der Medienwirksamkeit während der Corona-Pandemie“ eingereicht? Dies würde ja bedeuten, dass ein bestimmter Management-Prozess irgendwo, der sich bereits ereignet hatte, Thema der Arbeit ist.
Der erste Satz des Abstracts verheißt dann aber ein völlig neues, anderes Thema: „Diese Dissertation untersucht die Auswirkungen unterschiedlichen Mediennutzungsverhaltens und deren Folgen.“ Plötzlich geht es also nicht mehr um die Steigerung der Medienwirksamkeit, auch nicht um die Medienwirkung als solche, nicht einmal um die Mediennutzung (was wieder etwas anderes ist!), sondern mitunter auch um die Auswirkungen der Mediennutzung, also etwa um die Frage, ob jemand, der Corona-Maßnahmen in Massenmedien rezipiert, diese tatsächlich auch einhält.
Und schon im zweiten Satz geht es wieder um etwas völlig anderes: „People who believe in a hidden plan behind the corona pandemic were compared with those who do not.“
Also sorry, das waren jetzt im Titel und in den ersten beiden Sätzen des Abstracts drei völlig verschiedene Themen für Doktorarbeiten, und ich wiederhole: dies alles immer noch ohne zeitliche, örtliche, personale und sachliche Eingrenzung des Themas. Und so geht es weiter. Das Englisch glänzt im besten Baerbock-Style, eine schlichte Katastrophe:
The results show, people who believe governments and science have a lower vulnerability to learned helplessness and other cognitive distortions.
Den Satz muss man sich aber nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich auf der Zunge zergehen lassen:
Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die Regierungen und der Wissenschaft vertrauen, weniger anfällig für „erlernte Hilflosigkeit“ und andere kognitive Verzerrungen sind.
Also, Leute, glaubt der Regierung! Glaubt Wissenschaftlern wie Rüdiger Maas! Dann seid ihr happy und werdet nicht in eine Depression stürzen!
Ich habe mit der Analyse der Doktorarbeit von Rüdiger Maas begonnen. Es tun sich wissenschaftliche Abgründe auf, bei den Zitaten, bei den Quellenangaben, bei identischen Wortketten und bei der Empirie. (Fortsetzung folgt; die gesamte Analyse erfolgt aus wissenschaftlichem Interesse und ehrenamtlich.)
Wohl passt das alles, was ich hier sehe, zur Beurteilung der Universität in Sofia, an der Rüdiger Maas promoviert hat, durch ChatGPT:

Das fängt ja gut an. Heute immerhin eine Entschuldigung auf LinkedIn. Für mich leider zu spät. Wenn man so schon fast als „Gott“ auftritt, muss man ein paar Titel-Sachen schon hinkriegen (FH versus Diplom- / promovierter Psychologe versus FH-Psychologe mit Doktorat in Information Management). Das sind riesige Unterschiebe. Aber eben, das ist die heutige Zeit… Leider… Angeben, große Klappe, und dann… traurige Welt. Konsequenzen? Wie immer keine. Aussitzen.