Eigentlich müsste man sich um andere Dinge kümmern, als die täglichen Lügen (hier: eine Unterlassungslüge bzw. eine Halbwahrheit) der Mainstream-Medien aufzudecken. Ich könnte mich etwa an die vielen noch unbeantworteten Kunden-Neuanfragen ranmachen und viele ehrenamtliche Plagiatsprüfungen vom Papst bis zu einem SPD-Spitzenkandidaten durchführen. Und auch Frau Mühl von der F.A.Z. könnte einfach immer ordentlich arbeiten.
Stattdessen passiert subkutan etwas anderes, und es passiert tagtäglich in den Mainstream-Medien und in der Wissenschaft, und hoffentlich nicht auch bald in der Justiz: Es geht darum, den weiteren Aufstieg der AfD in Deutschland und der FPÖ in Österreich mit aller Macht zu verhindern – und genau dafür nimmt man paradoxerweise eine immer größere Unzufriedenheit der Bevölkerung in Kauf, die sich über soziale Medien und Alternativmedien informiert und die manipulativen Tricks immer öfter durchschaut.
Ich freue mich, seit Anfang dieses Jahres auch hier im „Blog für Ehrlichkeit“ diese Tricks immer wieder erhellen zu dürfen.
Die F.A.Z.-Redakteurin Melanie Mühl schreibt in einem morgen erscheinenden Porträt über mich:
Webers damalige Absage an die Rechtsextremen war einer jener Momente, in denen sich der Unbeirrbare belehren ließ. Wessen Rat interessiert ihn heute noch?
Davor zitiert sie meinen langjährigen philosophischen Weggefährten Josef Mitterer, der ihr sagte, ich habe einen Auftritt „bei einem rechtsextremen Verein als Redner“ „abgesagt“. Nur: Ich habe den Vortrag gehalten. Es war eine Top-Atmosphäre mit vollem Haus, ein Ambiente, wie es sich jeder Vortragende nur wünschen kann. (Und da war auch nichts „rechtsextrem“, außer, man definiert nicht-linkes Denken so.)


Warum aber informiert Melanie Mühl ihre Leser, dass ich abgesagt hätte? Es ist eine Halbwahrheit: Ich habe tatsächlich zunächst abgesagt, weil mich besagter Josef Mitterer verunsichert hatte: „Wenn Du einmal in diesem rechten Eck bist, kommst Du nie wieder heraus.“ Nach einer kurzen Nachdenkphase habe ich die Rhetorik des „rechten Ecks“ durchschaut und wieder zugesagt.
Melanie Mühl ist eine grundsympathische, warmherzige und angenehme Journalistin. Sie will, im Gegensatz zu den mehrheitlich linksgrünen Aktivisten, „Andersdenkenden“ sichtlich nichts Böses. Ihre Äquidistanz ist ehrlich, ihre Neugierde fast naiv („Meine Fragen sind aber schon gut, oder?“).
Aber auch sie konnte es nicht lassen, unterschwellig einen Twist einzubauen: Da ist der böse „Rechtsextremismus“, der auch Ihren werten „Plagiatsjäger“ verführen will. Noch einmal wurde er rechtzeitig von einem Gutmenschen gewarnt, aber wann landet er endgültig in den Fängen der rechtsextremen Sekte und gerät irgendwann in existenzielle Not? Dann hilft nur noch die Bundesstelle für Sektenfragen, ein Deradikalisierungskurs einer NGO oder das Entschwörungsprogramm der Amadeu Antonio Stiftung. – Doch dieses Narrativ ist ein linker Irrläufer der Geschichte, ein Spinnennetz der Geschichtslügen, das sich mittlerweile durch alle Institutionen zieht. Davon handelt mein nächstes Buch.
Melanie Mühl hat alle, wirklich alle Fakten zum Artikel mit mir in immer wiederkehrenden Rückfragen auf WhatsApp gegengecheckt. Diese werden mir richtig fehlen. Es ist ihr sonst im gesamten Artikel kein nennenswerter Faktenfehler unterlaufen. (Im Artikel über mich in der New York Times zählte ich zwölf Faktenfehler.) Nur in Bezug auf den Vortrag bei den „Rechtsextremen“ hat sie keine Rückfrage bei mir gestellt. Das ist nicht unabsichtlich geschehen.
So entsteht unterschwellig alle Tage wieder ein falsches Narrativ. Die Korrektur dieses Narrativs kostet Zeit und fehlt woanders.
Update: Die F.A.Z. hat die Online-Fassung nach meinem Hinweis ergänzt:

Komisch… Frau Mühl berichtet auch vom Fall Brosius und erwähnt nicht, dass die Uni HH ihr den Titel läßt. Davon ab: Ich habe mir die Stellungnahme und die Richtlinien der Uni HH durchgelesen und habe dort mindestens eine Handvoll Fehler in der Argumentation sowie Widersprüche entdeckt. Sollten Sie, sehr geehrter Herr Dr. Weber, nur 4 Fehler dort entdecken, so möchte ich dies gerne aufs Doppelte aufrunden (nach Absprache).
Als Frauke Brosius-Gersdorf am 7. August 2025 erklärte, zur Wahl von Richtern am Bundesverfassungsgericht nicht mehr zur Verfügung zu stehen, schloss sie die von der Rechtsanwalts-Partnerschaftsgesellschaft Redeker et al. mbB damals veranlasste Aussendung mit den Worten, „dass ich mich weiterhin für die Werte unseres wunderbaren Grundgesetzes einsetzen werde“. Insofern eine Wertbegründung des Rechts zuletzt noch anlässlich des Ersten Blaubeurer Symposions vom 23. bis 26. September 1987 bereits bald vier Jahrzehnte zuvor als etwas bezeichnet worden ist, das „damit … in neuer Form einem Positivismus (huldigt)“ (Böckenförde, in: Brinkmann (Hrsg.) 1988: 198), sollte die Anmerkung gestattet sein, allein schon dadurch für gleich welches öffentliche Amt ungeeignet zu sein angesichts dessen, dass die vor allem von Max Horkheimer spätestens im Mai 1967 im Vorwort zur deutschen Ausgabe von „Eclipse of Reason“ geübte Kritik an der Tendenz zum Neopositivismus auch in Zukunft unüberholt bleibt. Wenn nunmehr der Deutsche Bundestag fast schon in letzter Minute am 11. Juli 2025 die Abstimmung von der Tagesordnung des Parlaments nahm, findet sich der Grund allein darin und nicht unbedingt an dem am Abend des vorherigen Tages bekannt gewordenen Anhalt auf Plagiarismus. Die FAZ weist somit in ihrem heutigen Portrait Stefan Weber eine Schuld zu, die nicht von der Wirklichkeit gedeckt ist.
Wie interessant. Weniger der Beitrag, der ist ein wenig seicht geraten. Aber die Tatsache an sich. Gibt es einen Anlass, dass die FAZ Sie ausgerechnet jetzt mit diesem Beitrag geadelt hat? Nichts gegen die sanft-freundliche Frau Mühl versteht sich. Aber warum wurde Ihr wahrer Freund Zenthöfer nicht erwähnt? Er hätte den Beitrag doch am besten gleich selbst verfassen können? Mit Insider-Hintergrundinfos angereichert. Sie hätten doch gut miteinander plaudern können. Von Plagiatsexperte zu Plagiatsexperte sozusagen. Sehr schade. Eine verpasste Gelegenheit für alle, mich eingeschlossen, die Sie gerne wirklich kennengelernt hätten.
Lieber Herr Dr. Weber, genau das ist der Punkt.
Mich ermüdet dieses inflationäre Nazivokabular inzwischen nur noch. Wer heute von der politischen Mehrheitsmeinung abweicht, unbequeme Fragen stellt oder offensichtliche Widersprüche benennt, landet schneller in der rechten Ecke, als man einen Gedanken zu Ende formulieren kann. Das ist keine politische Auseinandersetzung mehr, sondern der Versuch, Debatten durch moralische Etiketten zu ersetzen.
Das eigentliche Problem ist nicht, dass es Rechtsextremisten gibt – die gab es immer und sie gehören mit den Mitteln des Rechtsstaats bekämpft. Das Problem ist, dass der Begriff inzwischen so beliebig verwendet wird, dass er seinen eigentlichen Sinn verliert. Wer jeden zum Nazi erklärt, erklärt am Ende niemanden mehr zum Nazi. Man entwertet den Begriff und verharmlost damit zugleich die historischen Verbrechen des Nationalsozialismus.
Henryk M. Broder hat sinngemäß einmal festgestellt, dass in Deutschland häufig nicht mehr das Argument widerlegt wird, sondern derjenige, der es vorträgt. Genau diesen Eindruck habe ich inzwischen auch. An die Stelle von Fakten treten Gesinnungsprüfungen, an die Stelle von Argumenten moralische Etiketten.
Wenn die Messlatte inzwischen lautet, dass jeder, der dem politischen Mainstream widerspricht, als “Nazi” gilt, dann sagt dieses Etikett längst mehr über denjenigen aus, der es verteilt, als über denjenigen, der es tragen soll. Einschüchtern lässt sich dadurch jedenfalls niemand, der seine Position sachlich begründen kann.
Eine demokratische Gesellschaft lebt vom Streit der Argumente – nicht vom Verteilen historischer Kampfbegriffe. Wer jede abweichende Meinung pathologisiert oder dämonisiert, trägt nicht zur Verteidigung der Demokratie bei, sondern beschädigt ihre Debattenkultur.
Mir ist es egal, ob sich jemand als links oder rechts (was immer er oder sie auch darunter versteht) deklariert. Aber ganz grundsätzlich: Das Bekenntnis, „links“ zu sein, kann sicherlich nicht gegen Missbrauchsvorwürfe an den Universitäten immunisieren.
solange Journalismus ehrlich und Fakten basierend ist, ist es guter Journalismus. Ich bin gespannt auf den Artikel!