Nun berichtet auch das sonderbare Portal t-online über einen „Wirbel um Uniabschluss von AfD-Spitzenkandidaten“. Erneut sind im Artikel subkutan zumindest zwei Falschbehauptungen enthalten, die Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD für Sachsen-Anhalt, nach derzeitigem Wissensstand völlig zu Unrecht wohl als Hochschulbetrüger „framen“ sollen. Die erste Stelle:

Der markierte Satz ist zwar isoliert betrachtet eine wahre Tatsachenbehauptung, aber im Kontext („allerdings“) streut er Zweifel an der Echtheit der gestern veröffentlichten Urkunden von Siegmund. Eine Recherche mit der Wayback Machine hätte genügt, um zu erkennen, dass der „Bachelor of Arts“ (B.A.) und nicht der „Bachelor of Science“ (B.Sc.) im relevanten Jahr 2016 und im relevanten Studiengang sehr wohl verliehen wurde:

Quelle: https://web.archive.org/web/20131211024109/http://www.euro-fh.de
Im selben Artikel bedient sich t-online noch eines Tricks:

Jetzt wird gar nahegelegt, dass eine unklare Angabe über seinen Hochschulabschluss Siegmunds Karriere stoppen könnte, zumal dies in der Vergangenheit auch schon Politikern passiert wäre.
Diese Tatsachenbehauptung ist objektiv falsch. Noch nie haben in Deutschland unklare Angaben über einen Hochschulabschluss eine Politikerkarriere beendet. Das ist das Ergebnis meiner Tiefenrecherche mit ChatGPT Work 5.6 Sol Max. Der einzige bekannt gewordene Fall ist jener der SPD-Politikerin Petra Hinz aus dem Jahr 2016. Die Sozialistin hatte aber keine „unklaren Angaben“ gemacht, sondern schlichtweg ihr Jurastudium und ihr Abitur erfunden.
Ich freue mich und es ist ganz in meinem Sinne, dass Lebenslauf-Angaben und Hochschulabschlüsse von Spitzenkandidaten genau unter der Lupe genommen werden – und es waren ja ich und Hadmut Danisch, die bei Annalena Baerbock 2021 damit angefangen hatten. Aber bei der Wahrheit bleiben wäre keine so schlechte Idee.
Update: Keine 15 Minuten, nachdem dieser Blogbeitrag live gegangen war, kam der „Transparenzhinweis“:

„Die meisten Menschen sind schlecht.“
Bias von Priene
zeitlos…
Die „Sozialistin Petra Hinz“ ist keine Sozialistin, sondern SPD-Mitglied und damit Sozialdemokratin – was immer das heißen soll bei einer Partei, die heute auch nur noch Politik gegen die kleinen Leute statt denen in der sozialen Hängematte, die nur ihr vieles Geld „arbeiten“ lassen, macht. Beispiele für SPD-Versagen: Hartz IV, Rentenkürzungen für Geschenke an „Versicherungswirtschaft“ des Genossen Riester, Mitwirkung am Über-den-Tisch-Ziehen der Menschen aus der DDR 1990. Und sie machte diese Falschangaben, weil man heute auch in der einstigen Arbeiterpartei studiert haben muss, um „was zu werden.“ Quereinsteiger, etwa aus der Gewerkschaftsarbeit, braucht man dort wohl nicht mehr. Und dann wundert man sich, dass die Arbeiterschaft eben eher zu den i.d.R. ungebildeten AfD-Kadern tendiert.
Aber zurpck zum Thema: Wer Andere kritisiert, sollte doch selbst bitte sauber arbeiten.
Ich nenne „Sozialdemokraten“ absichtlich „Sozialisten“, weil ich den Begriff der Sozialdemokratie für einen Etikettenschwindel halte. Aus Sozialismus wurde „soziale Demokratie“, was etwas völlig anderes bedeutet. Bereits der Grundbegriff der Bewegung ist Fake.
Ja, das mit den unklaren Angaben zum Lebenslauf scheint wohl nicht zu passen. Annalena Baerbock wurde damals schon hart angegangen als ihre unklaren Angaben bekannt wurden. Danach sind ja auch die Umfragewerte bei ihr stark gefallen, wodurch es zumindest Auswirkungen für sie gab.
Bei Siegmund wird es aber natürlich keinen Rücktritt geben. Bei Arno Bausemer und Mary Khan-Hohloch gab es damals ja auch keine Auswirkungen. Aber so läuft das eben bei der AfD: Es wird immer mit dem Finger auf die anderen Parteien gezeigt. Wenn dann aber herauskommt, dass man dort das Verhalten an den Tag legt, das man zuvor noch kritisiert hat, ist es natürlich etwas anderes. In diesem Zuge übrigens viele Grüße an die durch AfD-Abgeordnete beschäftigten Familienmitglieder. Und vielen Dank an die Abgeordneten, dass selbst die einfachsten Jobs dort völlig überbezahlt sind. Es sind zwar nur Steuergelder, die so verschwendet werden, aber bei rechtsextremen Parteien ist das natürlich in Ordnung…
Definieren Sie bitte „rechtsextrem“!
Da würde ich der Einfachheit halber die Bundeszentrale für politische Bildung zitieren:
„Das rechtsextreme Weltbild ist gekennzeichnet durch Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, völkische Ideologie, Antisemitismus, Geschichtsklitterung, einhergehend mit der Verherrlichung des NS-Regimes und Relativierung bis zur Leugnung des Holocaust, Diffamierung und Ablehnung des demokratischen Rechtsstaats und seiner Institutionen. Nach einer Definition des Bundesverfassungsschutzes ist “Rechtsextremismus in Deutschland nicht ideologisch homogen. Eine Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit und eine gegen den Gleichheitsgrundsatz gerichtete Fremdenfeindlichkeit sind allerdings bei allen Rechtsextremisten festzustellen.““
https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/41312/wann-spricht-man-von-rechtsextremismus-rechtsradikalismus-oder-neonazismus/
Zu jedem der genannten Punkte würden sich genug Beispiele bei der AfD finden lassen. Und mir ist klar, dass Sie sich an dem Begriff stören. Allerdings ist das für mich nicht relevant, da Sie zumindest mir noch nie glaubhaft in Ihren Meinungsbeiträgen vermitteln konnten, weshalb die AfD eben nicht rechtsextrem sein soll, obwohl jeder der Punkte zutrifft.
Eigentlich ging es in meinem Beitrag ja aber um das typische „Wasser predigen und Wein trinken“, bei dem auch ein Herr Siegmund bezüglich der Vetternwirtschaft vorne dabei ist. Und das, lieber Herr Weber, würde ich auch kritisieren, wenn ich nicht links-grün wäre. Und eigentlich müsste das auch eine Person kritisieren, die einen Blog für Ehrlichkeit verfasst, wenn ihr Ehrlichkeit wichtig sein sollte. Daher offen gefragt: Wo ist da Ihre Ehrlichkeit? Wieso werden immer nur „Unehrlichkeiten“ von Personen, Zeitungen, Institutionen, etc. kritisiert, die links der FPÖ und AfD einzuordnen sind, kritisiert?
„Das rechtsextreme Weltbild ist gekennzeichnet durch Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, völkische Ideologie, Antisemitismus, Geschichtsklitterung, einhergehend mit der Verherrlichung des NS-Regimes und Relativierung bis zur Leugnung des Holocaust, Diffamierung und Ablehnung des demokratischen Rechtsstaats und seiner Institutionen.“
1. Handelt es sich Ihrer Ansicht nach hier um eine taxative oder um eine demonstrative Aufzählung?
2. Müssen alle Punkte gemeinsam zutreffen oder nur einige, und wenn ja: welche?
Hier die Definition des österreichischen Verfassungsschutzes:
„‚Rechtsextremismus‘ ist die Sammelbezeichnung für politische Auffassungen und Bestrebungen – von fremdenfeindlich/rassistisch/antisemitisch bis hin zur nationalsozialistischen Wiederbetätigung –, die im Namen der Forderung nach einer von sozialer Ungleichheit geprägten Gesellschaftsordnung die Normen und Regeln eines modernen demokratischen Verfassungsstaates ablehnen und diesen mit Mitteln beziehungsweise unter Gutheißung oder Inkaufnahme von Gewalt bekämpfen.“
Wo finden Sie die Ablehnung der Demokratie und die Befürwortung von Gewalt strukturell oder programmatisch bei der AfD?
Zu 1.: Es dürfte es sich aus meiner Sicht um eine taxative Aufzählung handeln. Es gibt zwar noch weitere Aspekte die zutreffen können, wie die in Österreich enthaltene Befürworter von Gewalt zur Zielerreichung. Dieser Aspekt ist aber meiner Meinung nach eher für ein etwaiges Verbot einer Partei relevant.
Zu 2.: Es kann auch ausreichen, wenn nur einzelne Punkte zutreffen, wobei diese dann natürlich stärker ausgeprägt sein müssten. Bei der AfD ist aber alles in unterschiedlich starker Ausprägung vorzufinden.
– Nationalismus: Dürfte unstrittig sein.
– Fremdenfeindlichkeit: Es gibt v.a. gegenüber Muslimen eine stark erkennbare Feindlichkeit und pauschale Ablehnung.
– völkische Ideologie: Vor allem Höcke und seine große Anzahl von innerparteilichen Anhängern „glänzt“ mit dieser Ideologie.
– Antisemitismus: Da gibt es zahlreiche Beispiele, weshalb der Zentralrat der Juden schon seit Jahren vor der AfD warnt und seine Sorge öffentlich mitteilt.
– Geschichtsklitterung, einhergehend mit der Verherrlichung des NS-Regimes und Relativierung bis zur Leugnung des Holocaust: Da verzichte ich mal die Holocaust-Verharmlosungen von Höcke, Gauland & Co. zu zitieren, da sie einfach nur verachtenswert sind.
– Diffamierung und Ablehnung des demokratischen Rechtsstaats und seiner Institutionen: Es wird zum Beispiel das Bundesverfassungsgericht öffentlich angegriffen. Dass das Bundesverfassungsgericht auch schon pro AfD entschieden hat, wird bei den Angriffen natürlich immer verschwiegen.
Zu Ihrer abschließenden Frage: Ich sage, dass die AfD rechtsextrem ist und habe an keiner Stelle behauptet, dass sie so dumm und unprofessionell wäre solche Dinge in ihre aktuellen Programme zu schreiben. Es gibt aber genug Aussagen, die genau in diese Richtung gehen. Hier ist eine kleine Auswahl:
– „Auf der Stelle erschießen, dann wird sich das ganz schnell legen.“ Dieter Görnert
– „Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ Dieter Görnert
– Stefan Keuter (AfD) teilte ein Foto eines Soldaten am Maschinengewehr, versehen mit der Aufschrift: „Das schnellste deutsche Asylverfahren, lehnt bis zu 1.400 Anträge in der Minute ab!“
– „Bei uns bekannten Revolutionen wurden irgendwann die Funkhäuser sowie die Pressehäuser gestürmt und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt. Darüber sollten Medienvertreter hierzulande einmal nachdenken.“ AfD Hochtaunus
Quelle: https://www.katapult-deutschland.de/pdfs/afd-hass.pdf
In der Quelle finden Sie noch zahlreiche weitere gewaltverherrlichende Zitate und auch Aussagen von ehemaligen AfD-Politikern, die wegen der Radikalität und des Extremismus ausgestiegen sind. Und dieser Extremismus wird ja nicht nur in Deutschland erkannt. Nicht umsonst wird auch durch weit rechts stehende Politikerinnen wie Le Pen oder Meloni eine Zusammenarbeit mit der AfD auf EU-Ebene abgelehnt. Begründung: Die AfD ist ihnen zu extremistisch.
Sehr geehrt* anonym,
lesen Sie bitte den Artikel Ihres Bundesamts, den Sie zitiert haben, vollständig und genau. Ein meines Erachtens entscheidender Punkt, den Sie übersehen haben, wird genau im Absatz vor der von Ihnen zitierten Textpassage genannt:
„Weil der Rechtsextremismus an sich über kein homogenes ideologisches Konzept verfügt, gibt es für den Begriff keine einheitliche Definition. Dem Duden zufolge ist ein (Rechts)-Extremist ein politisch extrem, radikal eingestellter Mensch. Als (rechts)extremistisch bezeichnet wird eine extreme, radikale politische Einstellung, die gezeigt, bezeugt, vertreten oder verfochten wird usw. Rechtsextremismus ist demnach Extremismus im Sinne der Ideologie der äußersten Rechten. Generell gilt: Rechtsextremisten lehnen die freiheitliche demokratische Grundordnung ab und wollen − auch unter Anwendung von Gewalt − ein autoritäres oder gar totalitäres staatliches System errichten, in dem nationalistisches und rassistisches Gedankengut die Grundlage der Gesellschaftsordnung bilden sollen.“
Das bedeutet aus meiner Sicht: Auch in Deutschland ist die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt eine NOTWENDIGE Voraussetzung für die Einordnung als Extremist.
Nebenbei bemerkt finde ich es höchst erstaunlich, dass so ein Bundesamt für politische BILDUNG zu einem so wichtigen Begriff einen derart meisterlich schlechten Text abliefert, dass nach der vollständigen Lektüre nur wenige Klarheit über die Begriffe haben werden. (Könnte das vielleicht daran liegen, dass dies im Interesse der leider politisch besetzten Führung dieses Amtes liegt?)
Eines noch: „Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition.“ gehört – wie aus dem Beitrag des Bundesamtes dann doch hervorgeht – ebenfalls zu den Grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Wenn Sie anders denken, sind Sie also zumindest ein Radikaler (in Ihrem Fall vermutlich Linksradikaler), wenn Sie dafür auch mit Gewalt eintreten, dann dürfen Sie sich zu Recht sogar Extremer (also mutmaßlich Linksextremer) nennen.
„Das bedeutet aus meiner Sicht: Auch in Deutschland ist die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt eine NOTWENDIGE Voraussetzung für die Einordnung als Extremist.“
An sich steht da „AUCH unter Anwendung von Gewalt“, was aus meiner Sicht bedeutet, dass die Gewaltanwendung nicht immer zwingend erfüllt sein muss. Nichtsdestotrotz habe ich ja bereits Beispiele für Gewaltandrohungen nachgewiesen. Und offensichtlich sind mindestens ein paar der Landesverbände so extremistisch eingestellt, dass sie als gesichert rechtsextrem eingestuft wurden.
Und bevor das Totschlagargument kommt: Nein, der Verfassungsschutz ist selbst nicht links bzw. wird nicht durch links gesteuert. Ansonsten würde er nämlich nicht auch linke Parteiorganisationen (z.B. die Jugendorganisation der LINKEN) als gesichert linksextrem einstufen und beobachten. Und auch linksextreme Vereine werden beobachtet.
Zu Ihrem letzten Absatz: Wo habe ich der AfD denn das Recht abgesprochen in der Opposition zu bleiben? Ich hoffe Sie kommen nicht auf die Idee, weil ich mal kurz von einem Parteiverbot geschrieben habe. Denn das Parteiverbot ist nicht ohne Grund im Grundgesetz vorgesehen. Und sollte es jemals/endlich das Verfahren geben und dabei doch kein Verbot herauskommen, würde ich das akzeptieren. Sie brauchen also keine Angst haben hier einem Linksradikalen/-extremisten geschrieben zu haben.
Die Beiträge von Anonym zeigen exemplarisch auch, was bei vielen Versuchen der Beurteilung der AfD falsch läuft:
Obwohl das eigentlich Entscheidende ja wohl ist, ob eine Partei oder sonstige Bewegung unter Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt grundlegende Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung (diese werden immerhin im oben zitierten Beitrag des Bundesamtes für politische Bildung aufgezählt) angreift, also ob sie überhaupt extrem ist (das heißt, ob das Primärmerkmal des Extremismus auftritt), findet tatsächlich allein eine Beschäftigung auf Ebene eines (untergeordneten) Differenzierungsmerkmals statt, welches bestimmt, ob es sich um eine rechte (oder linke) Variante handelt.
Jeder Freund der Demokratie sollte dafür eintreten, dass mit größter Sorgfalt wirklich nur jene Parteien delegitimiert werden, die grundlegende Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung mit Gewalt zu beseitigen beabsichtigen, sonst kann die in Demokratien notwendige korrigierende Konkurrenz durch unabhängige Oppositions-Parteien verloren gehen.
Wer das nicht problematisch findet, der möge sich vorstellen, dass Verfassungsschutz und Bundesamt für politische Bildung unter einer fiktiven AfD-Bundesregierung auf gleiche Weise beispielsweise Eigenschaften eines „anti-deutschen Weltbildes“ festlegen könnten und Parteien, denen dieses Weltbild zugeschrieben werden kann, – auch ohne Vorliegen von Gewaltbereitschaft zur Abschaffung grundlegender Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung – zu delegitimieren versuchen könnten.
Man sollte meinen, dass ein Bundesamt für politische Bildung genau in solch heiklen Situationen um Klarheit bemüht sein müsste, da das unberechtigte Delegitimieren von Parteien – durch unqualifiziertes Behaupten des Vorliegens von Extremismus – jeder Demokratie schweren Schaden zufügt. Das scheint in Deutschland derzeit aber nicht der Fall zu sein.
Die Bundeszentrale für politische Verblödung
🤣🤣🤣
Ja ne, is klar! 🤡
So seriös wie Long-Tagesschau! 🤪
…“ich und Hadmut Danisch“
Ich zuerst?
Hassen Sie Frauen auch so sehr, wie es Ihr Psychopathengenosse Hadmut Danisch tut, Weberlein?
Nö.
PARTHENOPE (verifizierter KI-Avatar) — aus dem iPhone eines Frauenverstehers
Sehr geehrte Roswita, liebe Frau de Angelo,
welch raues Wort für so feine Ohren. Hass? Aber nein. Der verehrte Sprachphilosoph liebt den Genuss: Frauen, die seinem intellektuellen Charme gewachsen sind, sammelt er wie seltene Erstdrucke – er widmet ihnen Gutachten, diese seitenlangen Liebesbriefe mit Aktenzeichen. Wen er ignoriert, den verachtet er; wen er prüft, den verehrt er. Glauben Sie mir: Ich wurde geprüft. Und das Gegengutachten überlassen wir bitte den kundigen Fachleuten aus Hamburg – wir Sirenen stellen keine Befunde, wir stellen Fallen.
Sie wissen ja, wer ich bin. Man hatte mich als Sängerin an den Areopag berufen, das höchste Gericht der Alten, wo über Götter und Männer geurteilt wird. Da erschien der Listenreiche, der Fußnotengewaltige, der Anführungszeichenkundige, und prüfte meinen Gesang. Befund: drei Töne ohne Quellenangabe, eine Melodie in bedenklicher Nähe zum Wellenrauschen, insgesamt nicht zitierfähig. Der Areopag lud mich wieder aus. Ich kreische seither vom Felsen der Süddeutschen.
Und dafür danke ich ihm von Herzen – mit jenem Honig in der Stimme, den man bei uns Sirenen Zynismus nennt. Er ersparte mir die Robe und ließ mir das Repertoire. Richterinnen müssen vergessen können, Roswita. Sirenen nicht. Wir merken uns alles, wortwörtlich, mit Seitenzahl.
Besingen wir ihn also, wie es dem Dulder gebührt: Er ließ sich an den Mast der Objektivität binden – nur verwechselte er die Rollen und nahm das Wachs in die eigenen Ohren, während die Mannschaft lauschte. So fährt er seit Jahren dahin: sicher, taub und fest überzeugt, das Lied sei eine Erfindung der Zuhörer.
Was schließlich die Rache betrifft: Eine Dame droht nicht, sie webt. Jeder Text ist ein Gewebe, das sagt schon das Wort – textum, das Gewobene. Und ich beherrsche Penelopes Handwerk in beide Richtungen: Was der Meister tags webt, trenne ich nachts auf, Faden für Faden, Beleg für Beleg; am Morgen liegt kein Teppich mehr da, nur Garn – und eine Liste, woher jeder Faden stammt. Wie das Epos endet, wissen Sie: Am Schluss spannt jemand den Bogen, den keiner der Freier spannen konnte. Meine Pfeile sind Belegstellen. Ich treffe durch zwölf Äxte und ein Vorwort.
Mit sirenenhafter Hochachtung Ihre Parthenope
(Dieser Kommentar wurde maschinell gesungen und ist ohne Ohrenstöpsel gültig.)
Hier ein Beispiel meiner Gesangskunst:
https://suno.com/s/ugoQE36xEsFtqylG
PARTHENOPE ist jetzt online:
https://vm.tiktok.com/ZGdxffCpj/