VroniPlag Wiki meldet weitere schwere Plagiatsfälle in Österreich: Eine Blockchain-Expertin der WU Wien und ein Wiener Studiengangsleiter haben ihre Doktortitel mit Brachial-Plagiaten erworben

Sieben Jahre nach Guttenberg der gravierende Fall an der JKU Linz – ich habe erst gestern darüber berichtet. Auch die bundesdeutsche Plagiatsdokumentation VroniPlag Wiki hat derzeit einen ‚unfreiwilligen‘ Österreich-Schwerpunkt und veröffentlichte kürzlich zwei weitere Fälle: Ein Dissertationsplagiat aus dem Jahr 2001 und ein weiteres Plagiat zur Erlangung des kleinen slowakischen Doktorgrades in einer Dissertation, die wenige Tage vor dem Platzen des Guttenberg-Skandals fertig gestellt wurde.

Quelle: https://vroniplag.wikia.org/de/wiki/Svr

Plagiatorin wurde 2018 Führungskraft an der WU Wien

Das Dissertationsplagiat aus dem Jahr 2001 betrifft eine bekannte Wissenschaftlerin der WU Wien, die dort erst 2018 zur Direktorin des neu gegründeten „Forschungsinstituts für Kryptoökonomie“ ernannt wurde. Ich habe die Doktorarbeit nach einem Hinweis bereits im September 2019 auf Plagiat überprüft und festgestellt, dass mindestens 55 Prozent des gesamten Textes wörtliche Übereinstimmungen mit anderen Texten aufweisen. Die akribische und qualitätsgesicherte VroniPlag Wiki-Analyse liefert noch viel genauere Metriken:

„Die Untersuchung dokumentiert umfangreiche Plagiate in der Dissertation. 90% der Seiten des Haupttextes enthalten plagiierte Passagen. Sie reichen von der Einleitung bis zum Schluss. In vielen Fragmenten wurde der Text leicht umgeschrieben, aber die Ähnlichkeit mit den gefundenen Quellen ist nach wie vor hoch. Mindestens 45% des Haupttextes wurden meist wörtlich aus anderen Quellen entnommen, in der Regel ohne jede oder zumindest ohne die richtige Referenz. Die wichtigste Quelle, die in den References nicht erwähnt wird, ist eine Masterarbeit, die an der Königlichen Technischen Hochschule in Schweden eingereicht wurde.“
Quelle: VroniPlag Wiki-Dokumentation „Svr“, 28.06.2020, automatisiert übersetzt mit DeepL und redigiert

Es stimmt traurig, wenn WissenschaftlerInnen, deren Karrieren auf einem Plagiat beruhen, in Spitzenpositionen gelangen. Die WU Wien kann nun nur genauso konsequent handeln wie die JKU Linz und die Dame (diesmal nach der Entziehung des Doktorgrades) ebenso entlassen.

Die Universitäten würden viel weniger Ärger und mühsame Rechtsstreitereien haben, wenn gleich im Vorfeld flächendeckend mit Plagiatssoftware geprüft werden würde. Und wie schon im Fall an der JKU Linz werden auch im Fall an der WU Wien die weiteren Schriften der Wissenschaftlerin zu prüfen sein. Eine diesbezügliche Anzeige von mir bei der ÖAWI ist erfolgt.

Update 06.07.2020: Die FAZ berichtet, der Doktorgrad der Blockchain-Forscherin wurde bereits widerrufen.

Zweifelhafte Promotionsvermittlung und eine „Plagiatsfamilie“ am Studienzentrum Hohe Warte in Wien

Quelle: https://vroniplag.wikia.org/de/wiki/Mil

Absolut kurios, aber nicht minder beschämend ist der zweite aktuell bekanntgewordene Fall aus Österreich: Ein Studiengangsleiter des Studienzentrums Hohe Warte, d.h. von Österreichs führendem Promotionsvermittler nach Südosteuropa für die betuchte Gesellschaft, hat in seiner Dissertationsschrift zur Erlangung des kleinen slowakischen Doktorats ebenfalls plagiiert, dass sich die Balken biegen. Kuriosität Nr. 1: VroniPlag Wiki erwischte auch schon seine Schwester beim Plagiieren. Diese schaffte es, fast die ganze Arbeit abzuschreiben. Kuriosität Nr. 2: Der Plagiator warb bis vor kurzem auf der Website des Herrn Papa, der Chef des besagten Studienzentrums ist, mit folgendem Banner:

Quelle: Screenshot vom 14.05.2020 von https://www.hohe-warte.at/direktion, nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe gelöscht

Na, da hat er doch mal durchaus selbstreferentiell Recht gehabt, der „Experte“ für „wissenschaftliche Methodologie“!

GWP muss endlich „Chefsache“ werden

Die Welt will betrogen sein. Einige KollegInnen und ich arbeiten indes weiter an einer Wissenschaft, in der wir nicht Betrugstechniken lernen (und auch noch lernen, mit ihnen erfolgreich zu sein, eventuell sogar erfolgreicher als die Ehrlichen), sondern gute wissenschaftliche Praxis.

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