Schon mit seinem ersten populärwissenschaftlichen Sachbuch bewies Clemens Pig, dass sich seine Kompetenz als Sachbuch-Autor im Wesentlichen auf (belegtes!) Fladern und Texte-Recyceln („Eigenplagiate“) beschränkt. Sogar seinen Buchtitel hat er (immerhin am Cover durch Anführungszeichen gekennzeichnet, aber dies könnte auch ein Selbstzitat signalisieren) von der Washington Post übernommen (erst im Nachwort weist er expressis verbis darauf hin):


Der inhaltliche rote Faden des ersten Sachbuchs von Clemens Pig lautet in einem Satz: Putin, Trump, Big-Tech-Konzerne und Social Media sind die Bösen – unabhängige Nachrichtenagenturen wie die APA sind die Guten, die Bastion der Demokratie bzw. genauer: ihre Basis. Der formale rote Faden ist: Wiederverwertete Texte aus früheren APA-Veröffentlichungen von ihm, aber auch von anderen APA-Autoren (Texte 1:1 übernommen, aber nur mit Fußnote belegt). Lesen muss man das Kompilat freilich nicht.
Die ganze Mär von der Demokratiebedrohung durch Social Media, Fake News und Desinformation von Tech-Oligarchen und Polit-Autokraten halte ich für sehr limitiert. Vielmehr scheint es zumindest in Österreich und Deutschland eher unser gegenwärtiges politisches Establishment selbst zu sein, das durch falsche Priorisierungen, ausgeprägte Inkompetenzen, heuchlerische Leugnungen und tägliche Lügenshows die Demokratie kaputt macht. Die klassischen Massenmedien, vor allem auch der ORF, liefern fast nur noch linke Narrative, zum Teil auf Basis manipulierter und/oder falsch dargestellter Studienergebnisse. Zu diesem gigantischen Problem findet sich in beiden Büchern Pigs kein Wort. Aber das ist ein inhaltliches Problem, das ich mit Pigs Ausführungen habe (ich sehe übrigens die APA noch als weitgehend sauber arbeitend). Mir geht es hier um einen anderen, schwerwiegenderen Verdacht.
Im zweiten Buch von Clemens Pig, das vor wenigen Wochen in Österreich allerorts gefeiert wurde, überrascht ein Sound, den man mittlerweile sattsam kennt: der Sound der KI. Einige Beispiele:
Antithesen (Negations-Parallelismen):
Handgriffe, die nicht schmeicheln, sondern ordnen.
Ein Foyer, in dem die Türen nicht zuschlagen, sondern warten. [Anm. SW: Was ist eine wartende Tür?]
Es ist nicht spektakulär, sondern sauber.
Aber er ist nicht das Produkt, sondern ein Nebenraum.
Kein schiefes Grinsen, kein Rabattgekreische. Nur eine schlichte Schranke.
Der personalisierte Feed begrüßt mich nicht mit dem Lautesten, sondern mit dem Nächsten.
Ich nehme das Abo – nicht heroisch, eher mit der leisen Ahnung, dass Information vielleicht wieder etwas kosten darf.
Ich betrete den neuen gemeinsamen Social-Media-Raum der Redaktionen, und zum ersten Mal fühlt sich Öffentlichkeit nicht an wie ein Kampf um Aufmerksamkeit.
Ich merke, wie mein Satz gerade genug falsch war, um nützlich zu sein.
Niemand beschimpft mich dafür, niemand feiert mich dafür. Es ist einfach Teil der Sache.
Hier ist Wahrheit eher eine Architektur.
nicht wie Influencer, sondern wie Leute, die eine Verantwortung tragen und sie auch zeigen.
Ich bin nicht Protagonist einer Empörungsshow. Ich bin Teil von etwas Neuem, das mich an etwas Wirkliches anschließt.
Trikola:
Ein Redakteur, ein echter Name, eine Redaktion.
zwei Drinks, drei Lieferessen, ein Streamingmonat.
Verteidigung, Rechthaberei, der kleine Furor des „Man wird ja noch sagen dürfen“.
Keine sirrenden Farben, kein hektisches Gezappel, kein algorithmisches „Hier, das wird dich empören“.
Wege, Geländer, Türen, an denen „Bitte hier entlang“ steht.
für Zyniker, für Spalter, für mein eigenes Ego.
Ich tippe meinen Namen ein, setze ein Passwort, bestätige eine Mail.
ein Themenband, ein paar sorgfältig gesetzte Überschriften, kleine Hinweise, woher etwas stammt
Ich habe etwas verstanden, etwas korrigiert, mich einmal sogar entschuldigt.
sichtbar, überprüfbar, manchmal mühsam
Eine Wissenschaftlerin, die ihre Quellen wie Trittsteine setzt. Ein Lehrer, der Fragen stellt, als wolle er tatsächlich verstehen. Redakteurinnen, die antworten, nicht wie Influencer, sondern wie Leute, die eine Verantwortung tragen und sie auch zeigen.
Eine manuelle stilometrische Analyse von mir hat ergeben, dass sich diese Stilmittel im ersten Buch so nicht finden. Im zweiten Buch findet sich der Hinweis: „Redaktion: Dr. Christian Rainer“
War der Titel des ersten Buchs gekennzeichnet gefladert, enthält der Titel des zweiten Buchs übrigens einen offensichtlichen Widerspruch:

Würde es tatsächlich eine „Welt ohne Wahrheit“ geben, hätte eben auch die APA ihren Job nicht richtig gemacht. Nun lobhudelt Pig aber gerade in beiden Büchern, dass dies der Fall ist. Eine „Welt mit Wahrheit“ würden aber nicht unabhängige Nachrichtenagenturen zurückbringen, sondern jene Massenmedien, die von diesen die Informationen beziehen – unter der Voraussetzung, dass sie es aufgeben würden, aus diesen Informationen vorwiegend bis ausnahmslos linke Narrative zu konstruieren.
Diesem Kernproblem geht Pig, wie alle Scheinkonservativen, konsequent aus dem Weg. Wie will dieser von den Konservativen unterstützte ORF-Generaldirektor in spe den linken ORF leiten? Oder weist gerade das Beschweigen dieser Problematik auf seine für den ORF notwendige Situationselastizität hin und ist sie damit das beste Qualifikationskriterium?