Fundamentale Änderung der Lehre und des Urheberrechts: ChatGPT Work 5.6 Sol Max liefert fix und fertige, argumentativ meisterliche und hübsch layoutierte Seminararbeit mit neuem (!) Wissen in zehn Minuten

Wie soll man da noch lehren, wenn die künstliche Intelligenz jede studentische überragt? Ich bin gespannt und werde es wohl bei meinem nächsten abgehaltenen Bachelorseminar an der Universität Wien im Wintersemester 2026/27 erfahren.

Ich habe auf ChatGPT Work (nicht „Chat“), Modell GPT-5.6 Sol, die Intelligenz auf „maximal“ gestellt, diesen Screenshot hochgeladen:

Quelle: Josef Mitterer (1992): Das Jenseits der Philosophie: Wider das dualistische Erkenntnisprinzip. Wien: Passagen Verlag, Edition Passagen, Band 38.

Dazu erhielt ChatGPT von mir diesen Prompt:

Das Ergebnis ist nach 12 Minuten und 38 Sekunden eine fix und fertige, meisterliche Seminararbeit. Wichtig ist, dass das eine kreative Aufgabe war, bei der neues Wissen generiert wurde. Neben mir selbst haben sich bislang so gut wie keine Autoren weltweit mit den angeblichen „infiniten Regressen“ bei Josef Mitterer beschäftigt. Es gibt meines Wissens überhaupt nur eine Diplomarbeit (von Patricia Ene) und eine Dissertation (von Martin Staude), in der Kapitel dazu vorkommen. Das war es. Das ist also wirklich alles genuine Eigenleistung der KI.

Das verändert die Lehre radikal. Es verändert die Workflows studentischen Arbeitens radikal. Denn „verbieten“ kann und soll man das nicht. – Warum sollten Studenten nicht zwischen eigener Lektüre des Originals und „eigenem“ Texten schauen, was die KI schreibt? Das ist ja ein völlig legitimes Werkzeug, es wäre geradezu absurd, auf dieses zu verzichten, denn es kann ja viele Texte verbessern. Das Konzept des Vertrauens wird auf eine völlig neue Basis gestellt werden müssen. Die Standards werden komplett neu definiert werden müssen. Von all dem lese und höre ich an den staatlichen Universitäten und Schulen schlichtweg gar nichts.

Auch die Grundlage des modernen Urheberrechts ist somit schlichtweg nicht mehr gültig:

Ich höre und lese dazu keine Diskussion aus der Rechtswissenschaft. Vielleicht hat jemand doch Links für mich.

Hier die fertige Arbeit:

Mitterer Regressanalyse Seite 01 Mitterer Regressanalyse Seite 02 Mitterer Regressanalyse Seite 03 Mitterer Regressanalyse Seite 04 Mitterer Regressanalyse Seite 05 Mitterer Regressanalyse Seite 06 Mitterer Regressanalyse Seite 07 Mitterer Regressanalyse Seite 08 Mitterer Regressanalyse Seite 09 Mitterer Regressanalyse Seite 10 Mitterer Regressanalyse Seite 11 Mitterer Regressanalyse Seite 12

6 Kommentare zu “Fundamentale Änderung der Lehre und des Urheberrechts: ChatGPT Work 5.6 Sol Max liefert fix und fertige, argumentativ meisterliche und hübsch layoutierte Seminararbeit mit neuem (!) Wissen in zehn Minuten

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  1. Dr. Markus Kühbacher

    Webers Urteil ist in der Diagnose der technischen und didaktischen Zäsur hellsichtig, in der Bewertung des einzelnen Produkts unkritisch und ein Beispiel für das Phänomen des Fluency Capture, bei dem die sprachliche Brillanz einer KI menschliche Gutachter dazu verleitet, ihre eigene Verifikationsroutine zu vernachlässigen.

    Seine publizistische Zuspitzung verwechselt Demonstration mit Benchmark, Neuformulierung mit neuer Erkenntnis, kausale Generierung mit wissenschaftlicher Eigenleistung und alltägliches „Werk“ mit dem urheberrechtlichen Werkbegriff. Besonders schwer wiegt, dass er als Autor der nächstliegenden Vorarbeiten die evidente Kontinuität zu seinen eigenen Texten nicht gegen den Originalitätsanspruch prüft.

    Die fairste Formulierung lautet: Weber zeigt einen echten Validitätsbruch traditioneller Hausarbeiten, überdehnt ihn aber zu einer Anthropologie, Epistemologie und Rechtsdogmatik, die sein Beispiel nicht trägt.

    Philosophisches Endurteil

    Die KI-Arbeit beweist überzeugend, dass Mitterers §§ 65–66 auf einer statisch-realistischen, wahrheitskonditionalen Lesart keinen bösartigen rückwärts-chronologischen Prioritätsregress erzeugen. Sie verfehlt jedoch Mitterers stärkste, durch §§ 53–64 und 69–70 gestützte Lesart: einen progressiven Scheiternsregress der Versuche, das angeblich beschreibungsfreie Objekt diskursiv von jeder mit seiner Angabe entstehenden Rudimentärbeschreibung abzulösen.

    Mitterer wiederum kann daraus ohne Zusatzprämissen weder die Inkohärenz externer Referenz noch die Sprachabhängigkeit der Welt folgern. Seine Regressdiagnose setzt voraus, dass jede Referenz deskriptiven Gehalt erzeugt, dass ein Objekt nur als Wahrheitskriterium dienen kann, wenn seine Beschreibungsfreiheit im Diskurs explizit präsentiert wird, und dass kausale, pragmatische oder direkt-referentielle Relationen den Explizitierungsanspruch nicht beenden. Diese Prämissen sind bestreitbar.

    Das philosophisch tragfähige Ergebnis ist deshalb doppelt konditional: Ontischer Realismus kann konsistent sein; die vollständige sprachliche Selbstausweisung eines „nackten“ externen Wahrheitskriteriums kann dennoch nicht abschließbar sein.

    Diese beiden Sätze widersprechen einander nicht. Die Stärke der Debatte liegt gerade darin, ontische Unabhängigkeit von epistemischer und diskursiver Zugänglichkeit zu trennen.

    Die publizierte KI-Arbeit ist weder bloße Blendprosa noch die angekündigte Meisterleistung. Sie ist ein instruktives Hybrid: formal mutig, didaktisch hervorragend organisiert, bibliographisch erstaunlich breit – und gerade deshalb ein ideales Beispiel für die neue epistemische Gefahr hochqualitativer Generierung. Ihr Fehler ist nicht grobe Sinnlosigkeit, sondern eine plausible, elegant durchgehaltene Verengung des Gegenstands. Ein menschlicher Leser kann sich von ihr leichter überzeugen lassen als von einem erkennbar schlechten Text.

    Für die Philosophie folgt daraus kein Ende des Schreibens. Es folgt eine Verschiebung seines Zwecks. Wenn Formulierung und Literaturkompilation billig werden, müssen Auswahl der Prämissen, Kontexttreue, Gegenmodellbildung, Quellenprovenienz und Verantwortungsübernahme sichtbarer werden. Eine gute philosophische Ausbildung prüft dann weniger, ob jemand zwölf glatte Seiten herstellen kann, und mehr, ob jemand erkennt, welche Frage diese Seiten tatsächlich beantwortet haben und welche sie nur zu beantworten scheinen.

    Für die Wissenschaft gilt dasselbe Muster wie bei formalen Beweisen, Strukturvorhersagen und statistischer Software: Automatisierung entwertet nicht Erkenntnis, sondern schwache Surrogate für Erkenntnis. Sie verlangt bessere Prüfobjekte. Und für das Recht gilt: Ein neues Produktionsmittel widerlegt keine Legaldefinition; es zwingt dazu, menschliche Gestaltung und Verantwortung genauer zu identifizieren.

    Webers Blog hat daher einen richtigen Alarm ausgelöst, aber die falschen Beweise geliefert. Die eigentliche Zäsur lautet nicht „KI weiß und schafft nun wie ein Mensch“. Sie lautet: Ein überzeugender Text ist ab jetzt noch weniger als zuvor ein selbstbeglaubigender Nachweis von Wissen, Neuheit, Kompetenz oder Autorschaft.

    Webers Aufgabenstellung (sein Prompt) ließe sich so verändern, dass ein Modell nicht nur ein glatt taxonomisches Ergebnis produziert:

    „Analysiere Josef Mitterers §§ 52–75, nicht nur §§ 65–66. Rekonstruiere mindestens zwei gegensätzliche Lesarten des Regresses. Gib für jede Lesart Glieder, Trigger, rekursive Relation, Erfolgsziel und Grund einer möglichen Bösartigkeit formal an. Prüfe ausdrücklich § 69 gegen eine ontisch-temporale Interpretation. Vergleiche die Rekonstruktionen mit Weber 2013, 2020, 2022 und 2025 und markiere, welche Einsichten vorpubliziert sind. Beziehe Referenztheorie, dynamische Semantik und mindestens drei Regressansätze mit genauen Seitenstellen ein. Formuliere den stärksten Einwand gegen deine bevorzugte Lesart und einen Revisionsvorschlag. Trenne gesicherte Textbefunde, eigene Inferenzen und offene Fragen. Füge ein Quellen- und Rechercheprotokoll bei.“

    Ein solcher Prompt erzeugt noch keine Wahrheit, erhöht aber die Chance, dass Kontext, Priorität und Gegenargumente sichtbar werden.

    Zum Schluss möchte ich auf den hier verlinkten YouTube-Beitrag von Dr. Markus Kühbacher hinweisen, der den hier geposteten Kommentar mit Hilfe von Kimi K3 Swarm Max und ChatGPT Work 5.6 Sol Ultra auf seinem iPhone 17 Pro Max verfasst hat und auf Anfrage gerne bereit ist, seine eigenen Prompts und die seiner autonomen KI-Agenten offenzulegen:

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  2. Willem von der Tams

    Bitte geben Sie bei ChatGPT Work 5.6 Sol Max folgenden Text ein, versehen mit dem Befehl, diesen als Einleitung eines zeitgenössischen Romans zu betrachten, den es auf 200 Seiten nun zu ergänzen gilt:
    „Jahrhundertelang wurden wir mit der Aussage malträtiert: „Ich denke, also bin ich.“ Dann kamen junge frische Fachkräfte aus aller Herren Länder und mitten aus unserer (der uns eigenen, so glaubten wir) Universitas ergänzten jene ganz frech diesen uralten Jahrtausendsatz mit: „Isch wisse, wo Dei Haus wohnt.“ Diese Tatkraft. Dieses Wollen. Dieser Glaube. Wir haben uns den Kopf zermartert. Wie konnte das geschehen, dass es allen Ernstes und tatsächlich noch neue Erkenntnisse geben kann? Wir wussten schließlich alles, so dachten wir – wie meist: neben uns stehend. Doch jegliche Geschichte ging auch darüber hinweg. Alles Bisherige war umsonst. Ja, es war wirklich alles jetzt umsonst, denn wir mussten ab sofort nichts mehr bezahlen.“
    Sehr geehrter Herr Dr. Weber, Sie würden mir damit einen großen Gefallen tun. Ich studiere im 17. Semester Literaturwissenschaft (Nebenfach: „Wissenssoziologie des 3. Jahrtausends“) und muss die Seminararbeit am Montag abgeben.

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    1. Stefan Weber Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr von der Tams! Ich habe soeben (19:44 Uhr) den Prompt abgesandt. Ich gehe davon aus, dass Sie Ihren Roman in den nächsten Stunden erhalten werden. Ich werde ihn hier verlinken. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Seminar. Achtung: Inhalte ohne Gewähr!

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      1. Willem von der Tams

        Vielen, vielen, recht herzlichen Dank. Ich war schon im Schleudern. Wenn ich Montag nicht abgebe, kann ich mich nicht zur Zwischenprüfung anmelden. Und ohne die Bachelor-Zwischenprüfung bekomme ich nicht den Job bei der NGO „Demos kratein – will noch nicht heim“. Diese NGO wurde letztes Jahr hier von einigen stinkreichen Alumnis im besoffenen Kopf gegründet, denen dann anstandslos (also ohne Anstand) 15 Millionen Fördergelder bereits überwiesen wurden. Obwohl ich weiß, dass unsere alten Herren auch alle bei ihrer Magisterarbeit betrogen haben, bestehen die nun ausgerechnet bei mir auf einer bestandenen Bachelor-Zwischenprüfung. Ja, geht’s noch? Aber wenn’s klappt, bekomme ich immerhin schlappe 6000 Ocken im Monat. War alles bisher nur an diesem beschissenen fehlenden Roman gescheitert. Sie sind meine letzte Rettung, Kussi, Kussi… Ihr Willi

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