Immer wieder liest man vom „gesellschaftlichen Zusammenhalt“. In Deutschland gibt es sogar einen Verbund universitärer und außeruniversitärer Institute namens „Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt“, und wenn die Informationen aus der KI stimmen, hat dieser Verbund seit seiner Gründung im Jahr 2020 ca. 60-70 Millionen Euro an Steuergeld erhalten.

Ich habe es ja derzeit mit den Begriffen, und ich kann erstaunlicherweise nach „Rechtsextremismus“, „Diskriminierung“, „Digitale Gewalt“ und „Social Media+“ nun schon den nächsten Begriff dekonstruieren: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“.
Ich behaupte nämlich, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt unmöglich ist. Die Gesellschaft kann nicht zusammenhalten. Oder aber: Sie hält immer schon zusammen, sonst wäre die Menschheit schon ausgestorben. Laut Niklas Luhmanns soziologischer Systemtheorie (und nicht nur in dieser) gibt es drei Ebenen soziologischer Beobachtung: 1. Interaktionssysteme 2. Organisationssysteme und 3. die Gesellschaft (als Weltgesellschaft).
Interaktionssysteme können zusammenhalten. Frisch Verliebte auf der Parkbank können zusammenhalten. Auch Organisationssysteme (Rollen sind hier das Zugehörigkeitsmerkmal) können zusammenhalten: Unternehmen können zusammenhalten, Parteien, Vereine und Verbände, und freilich auch Familien. Aber die Gesellschaft as a whole kann nicht zusammenhalten. Denn immer wenn ein Politiker sagt, dass „wir als Gesellschaft zusammenhalten müssen“, meint er ein Zusammenhalten gegen andere oder einen anderen: etwa gegen Rechtsextremisten, Linksextremisten, Terroristen, Bombenleger oder Amokläufer. Oder gerne auch (in der Verwendung der Linksgrünen) gegen eine gewisse demokratische Partei.
Nur: Dann ist es eben kein Zusammenhalten der Gesellschaft mehr, sondern ein Zusammenhalten der Rest-Gesellschaft abzüglich der anderen.
So, wie im Begriff „unsere Demokratie“ beliebige andere aus der Demokratie herausgenommen werden, werden mit dem Begriff „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ beliebige andere aus der Gesellschaft herausgenommen.
Der Begriff ist also Unsinn. Hier einige Beispiele:
„Wir wollen […], dass wir als Gesellschaft zusammenhalten.“ (Ex- Innenminister Thomas de Maizière, Deutschland, 2014)
„Hoffnung darauf, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten, wenn es darauf ankommt.“ (Bundeskanzler Christian Stocker, Österreich, 2025)
„Baden-Württemberg wird auch in Zukunft vielfältig sein und wir werden als Gesellschaft zusammenhalten.“ (Die Grünen, Deutschland, 2026)
„Gleichzeitig müssen wir heute mehr denn je darauf achten, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten.“ (Filiz Polat, Die Grünen, Deutschland, 2025)
Das Beschwören des „gesellschaftlichen Zusammenhalts“ fällt rein zufällig mit der Gründung der AfD und der Flüchtlingskrise 2015 zusammen:

Entgegnung mit Fundstücken zu folgendem Statement von anonym: „Eine Gesellschaft, in der auch friedliche Muslime ein Bestandteil sind, ist absolut kein Problem. Und Fakt ist eben, dass sich die Mehrheit der Muslime mit dem Grundgesetz identifiziert und friedlich ist. Natürlich gibt es da leider auch Extremisten. Die gibt es aber auch bei den Rechten und den Linken. Daher ist eine pauschale Ablehnung des Islam, wie Sie, die AfD & Co. sie betreiben, auch sehr bedenklich.“
1. zu „dass sich die Mehrheit der Muslime mit dem Grundgesetz identifiziert und friedlich ist“:
„Gesellschaftliche Zeitbombe“ – Politiker fordern Konsequenzen nach Studie zu jungen Muslimen (Veröffentlicht am 13.03.2026) unter https://www.welt.de/politik/deutschland/article69b3bc6d28b7770e637eb393/islamismus-gesellschaftliche-zeitbombe-politiker-fordern-konsequenzen-nach-studie-zu-jungen-muslimen.html
Der aktuelle „Motra-Monitor“ des Bundeskriminalamts kommt zum Ergebnis, dass 45,1 Prozent aller Muslime in Deutschland unter 40 Jahren latent oder manifest islamismusaffin eingestellt ist. 11,5 Prozent sind demnach manifest, 33,6 Prozent latent islamismusaffin. Die Forscher definieren als islamismusaffine Einstellungen, die Bereitschaft, religiöse Regeln des Islam als Grundlage der politischen Ordnung übernehmen zu wollen. Auch eine Abwertung anderer Religionen zeige sich in diesem Verhalten. Manifest heißt, dass die Radikalisierung zum Islamismus bereits stark ausgeprägt ist. Latent bedeutet, dass die radikalisierte Einstellung bereits vorhanden, aber noch nicht unmittelbar sichtbar ist.
Siehe auch: Araber feiern Terroranschlag auf CSD in sozialen Medien: „Gott möge den Täter reich belohnen!“(30.07.2026) unter https://apollo-news.net/araber-feiern-terroranschlag-auf-csd-in-sozialen-medien-gott-mge-den-tter-reich-belohnen/
2. zu „Natürlich gibt es da leider auch Extremisten. Die gibt es aber auch bei den Rechten und den Linken.“:
„Aus der Statistik des Generalbundesanwalts, erstes Halbjahr 2026. 174 neue Verfahren: 74,1 Prozent wegen islamistischem Terrorismus. 19,5 Prozent auslandsbezogener Extremismus. 3,4 Prozent Linksextremismus. 2,9 Prozent Rechtsextremismus.“ Gefunden unter https://reitschuster.de/post/nach-dem-csd-anschlag-was-niemand-wissen-soll/
Zu den Extremisten, die es bei den Rechten und den Linken angeblich genauso gibt: Dass seit einigen Jahren auf tatsächliche und vermeintliche Beleidigungen oder auch nur Kritik (wie bei Michael Stürzenberger) gegen den Islam im (westlichen) Europa – entgegen der Meinungsfreiheit – unzweifelhaft die Todesstrafe (ohne vorangehendes rechtsstaatliches Verfahren) droht und auch exekutiert wird (ohne dass sie auf demokratisch-rechtsstaatlichem Wege eingeführt wurde); dass Weihnachtsmärkte, Karnevalsumzüge etc. aus wegen Sicherheitsbedenken (in Bezug auf Leib und Leben) nicht mehr stattfinden können, das ist schon ein Extremismus neuer Qualität, der mir bei Links- und Rechtsextremen bisher nicht aufgefallen ist, und bereits unser aller Leben beeinflusst bzw. beeinträchtigt…
Also ich halte den Begriff des gesellschaftlichen Zusammenhalts für durchaus legitim, und als politische Zielgröße auch für wünschenswert. Das Beispiel der Auseinandersetzung zwischen Bürgerlichen und Sozialisten in den 1920er- und 1930er-Jahren zeigt aber, wie schwer dieser zu erreichen ist. In Österreich konnte dieser Konflikt nach 1945 in Form der sogenannten Sozialpartnerschaft glücklicherweise gut beigelegt werden.
Was bedeutet das nun für den aktuellen Gegensatz zwischen der westlichen Welt und dem Islam, um nur ein Thema herauszugreifen? Wieder stehen sich zwei Weltsichten unversöhnlich gegenüber. Die Reibungspunkte liegen, meiner Einschätzung nach, vor allem in den Bereichen individuelle Freiheit, Geschlechterrollen und Arbeitsethik. Mein Nachbar, ein Obst- und Gemüsehändler, hat das neulich folgendermaßen kommentiert: „Die Jugoslawen früher wollten noch arbeiten, aber die Araber sind zu stolz dafür!“ Das ist für mich eine kurze, aber treffsicher, Analyse. Die „Paschas“ wollen nicht arbeiten, und sie wollen auch vieles andere nicht, wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Akzeptanz der heimischen Kultur und Religion. Wer die Vorträge von Maria Schwarz zum Thema „Politischer Islam“ gehört hat, weiß wovon ich rede.
Ein großer Konflikt zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen bzw. „Eindringlingen“ scheint nur mehr eine Frage der Zeit zu sein. Großbritannien und Frankreich zeigen, wohin die Reise geht. Und auch der Verweis auf die Zwischenkriegszeit verheißt nichts Gutes.
So manche Wissenschaftseinrichtung, die heute im Verbund des Forschungsinstituts gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) tätig ist, war schon zur Mitte der 1990er Jahre absolut am Nullpunkt angelangt. Dass heutzutage für „buchstäblich nichts“ (Adorno) dennoch die öffentliche Hand zuhauf Steuergeld ausreicht in mehrstelligen Millionenbeträgen, hängt insofern nicht mit der Leistungsfähigkeit auf dem Gebiet der Erkenntnisgewinnung zusammen. Vielmehr erfährt dadurch etwas eine mehr als üppige Finanzierung, was „edlem Wettbewerb“ (Max Planck) nicht einmal im Ansatz genügt. Wenn man so will, könnte deshalb die Kritik geübt werden, dass damit die Politik der seitdem in Deutschland amtierenden Bundesregierungen selbst beim besten Willen längst nicht mehr ernst zu nehmen ist, wenn ein vermeintlich akademischer Betrieb, der in Wirklichkeit die unverzichtbaren Mindeststandards sogar noch unterläuft, inzwischen über etliche Jahrzehnte hinweg gleichsam außer Konkurrenz aufrechterhalten wird.
Ausgerechnet Adorno als Gewährsmann für Kritik an linker Ideologie ist auch nicht schlecht!
Laut der Kritik des praktischen Arztes Paul Lüth kostete die mittlerweile an den Universitäten immer weiter vonseiten Dritter ausgreifende „Pseudoaktivität“ (in: Deutsches Ärzteblatt v. 6.9.1969: 2487) einst zuvörderst Adorno als Einzelnem das Leben.
„So, wie im Begriff „unsere Demokratie“ beliebige andere aus der Demokratie herausgenommen werden, werden mit dem Begriff „gesellschaftlicher Zusammenhalt“ beliebige andere aus der Gesellschaft herausgenommen.“
Also sehen Sie das folgende Zitat aus dem AfD-Programm zur letzten Bundestagswahl kritisch?
„Die deutsche Leitkultur beschreibt unseren Wertekonsens, der für unser Volk identitätsbildend ist und uns von anderen unterscheidet. Sie sorgt für den Zusammenhalt der Gesellschaft und ist Voraussetzung für das Funktionieren unseres Staates.“
Gefunden: https://www.afd.de/wahlprogramm-kultur
Ja, ich würde die Formulierung „Sie sorgt für den Zusammenhalt der Gesellschaft“ hier als unreflektiert und deplatziert werten. Gemeint ist offenbar die deutsche Gesellschaft, wie sich aus dem Kontext ergibt.
Bei den einen ist es also Unsinn und bei den anderen nur unreflektiert und deplatziert?
Gemeint ist, wie man am Kontext erkennt, die deutsche Gesellschaft, wie sie die AfD gerne hätte. Das hat aber nichts mit der tatsächlichen deutschen Gesellschaft zu tun, die übrigens noch nie über ganz Deutschland einheitlich war und sich auch schon immer geändert hat.
Und auch wenn es Ihnen, der AfD und vielen anderen hier nicht gefällt: der Islam gehört schon sehr lange zu Deutschland und damit zur deutschen Kultur. Es ist an sich auch nicht schlimmer, dass der Islam Bestandteil Deutschlands ist, als das Christentum, das Judentum oder der Atheismus. Denn für den gesellschaftlichen Zusammenhalt (ja, ich weiß, dass Ihnen der Begriff nicht gefällt) ist ein friedlicher Muslim, Christ, Juden, Atheist, etc. förderlicher als zum Beispiel ein politischer Extremist.
Danke für Ihren Kommentar. Ich bin nicht Ihrer Meinung, da es erstens Prognosen gibt, dass der Islam mehr und mehr zur dominierenden Religion in Deutschland werden wird und zweitens es bereits klar sichtbare Tendenzen hin zu einer Parallelgesellschaft gibt. Dann stellt sich wieder die Frage, welcher Teil der Gesellschaft „zusammenhält“.
Ich schicke mal die Antwort an meinen vorherigen Kommentar, da seltsamerweise kein „Antwort“-Button unter Ihrer Antwort angezeigt wird, Herr Weber.
Zunächst zu den Prognosen: Haben Sie dazu eine wissenschaftliche Quelle? Ihr Blogeintrag dazu (https://plagiatsgutachten.com/blog/linkswokeismus-will-islamische-gesellschaft/) zumindest wäre für eine wissenschaftliche Prognose nämlich nicht geeignet, da ChatGPT bei solchen „Prognosen“ einfach nur linear weiter rechnet und daher nicht geeignet ist.
Und zu den Parallelgesellschaften: Wenn es keine Gesamtgesellschaft gibt, die überhaupt zusammenhalten kann, was ja Ihre Kernhypothese im aktuellen Blogeintrag ist, dann sind Parallelgesellschaften zwangsläufig etwas komplett natürliches. Denn dann dürfte es ja zig Parallelgesellschaften geben, wie zum Beispiel auch eine rechtsextreme Parallelgesellschaft oder eine linksextreme oder …(die Liste kann beliebig weit ergänzt werden).
Und unabhängig von Ihrer Kernhypothese wiederhole ich es nochmal: Eine Gesellschaft, in der auch friedliche Muslime ein Bestandteil sind, ist absolut kein Problem. Und Fakt ist eben, dass sich die Mehrheit der Muslime mit dem Grundgesetz identifiziert und friedlich ist. Natürlich gibt es da leider auch Extremisten. Die gibt es aber auch bei den Rechten und den Linken. Daher ist eine pauschale Ablehnung des Islam, wie Sie, die AfD & Co. sie betreiben, auch sehr bedenklich.
„Denn für den gesellschaftlichen Zusammenhalt … ist ein friedlicher Muslim … förderlicher als zum Beispiel ein politischer Extremist.“
So ist es. Der Islam ist ja auch bekannt als toleranteste unter allen Religionen, und er zeigt sich eigentlich ausschliesslich durch friedliche Muslime. Zum Glück existiert kein politisch-religiöser Extremismus islamischer Prägung. Terror im Namen des Islam hat nichts mit dem wahren Islam zu tun. Keinesfalls hängt die Sexualkriminalität von Migranten mit religiös induzierten Ansichten zusammen. Ausserdem fördert der Islam die Integration. Die Scharia ist uns allen willkommen. (Dass die Scharia nicht nur für Muslime massgeblich ist sondern für alle Bürger, muss doch auch für alle in Ordnung sein.)
Unser aller Leben hat sich seit Beginn der islamischen Massenzuwanderung auf keine Weise negativ entwickelt, ich verstehe gar nicht, wieso jemand AfD wähle sollte!
Ich habe nie behauptet, dass alle Muslime friedlich wären bzw. dass es darunter nicht auch eine extremistische Minderheit geben würde.
Ansonsten zitiere ich lediglich den folgenden Absatz aus meinem vorherigen Kommentar, da er es aus meiner Sicht sehr gut zusammenfasst:
„Eine Gesellschaft, in der auch friedliche Muslime ein Bestandteil sind, ist absolut kein Problem. Und Fakt ist eben, dass sich die Mehrheit der Muslime mit dem Grundgesetz identifiziert und friedlich ist. Natürlich gibt es da leider auch Extremisten. Die gibt es aber auch bei den Rechten und den Linken. Daher ist eine pauschale Ablehnung des Islam, wie Sie, die AfD & Co. sie betreiben, auch sehr bedenklich.“
»[…] Wir sind weiter, als es die derzeitige Debatte vermuten lässt. Es ist längst Konsens, dass man Deutsch lernen muss, wenn man hier lebt. Es ist Konsens, dass in Deutschland deutsches Recht und Gesetz zu gelten hat. Für alle – wir sind ein Volk.
Es gibt Hunderttausende, die sich täglich für bessere Integration einsetzen. Viele – zum Beispiel als Integrationslotsen – freiwillig, uneigennützig und ehrenamtlich. Unsere Kommunen und die Länder leisten Beträchtliches, wenn sich Politik und Bürger zusammentun. Alle sollen gemeinsam das Netz weben, das unsere Gesellschaft in aller Vielfalt und trotz aller Spannungen zusammenhält.
Auch wenn wir weiter sind, als es die derzeitige Debatte vermuten lässt, sind wir ganz offenkundig nicht weit genug. Ja, wir haben Nachholbedarf, ich nenne als Beispiele: Integrations- und Sprachkurse für die ganze Familie, Unterrichtsangebote in Muttersprachen, islamischen Religionsunterricht von hier ausgebildeten Lehrern und selbstverständlich in deutscher Sprache. Und ja, wir brauchen auch viel mehr Konsequenz bei der Durchsetzung von Regeln und Pflichten – etwa bei Schulschwänzern. Das gilt übrigens für alle, die in unserem Land leben.
Zu allererst brauchen wir aber eine klare Haltung. Ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt, sondern breiter angelegt ist. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. Vor fast 200 Jahren hat es Johann Wolfgang von Goethe in seinem West-östlichen Divan zum Ausdruck gebracht: „Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“ […]«, „Vielfalt schätzen – Zusammenhalt fördern“, Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 in Bremen, https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Christian-Wulff/Reden/2010/10/20101003_Rede.html