KI-Skandal in der NZZ weitet sich aus: Chefredakteur Gujer wusste seit einer Woche vom Vorwurf und hat nichts depubliziert – Zahlreiche weitere Kommentare stark verdächtig

Es ist eine tödliche Geschichte für die Glaubwürdigkeit der Neuen Zürcher Zeitung. Deren Chefredakteur Eric Gujer wusste seit mehr als einer Woche vom dringenden KI-Verdacht bei seinem neuen Kollegen Florian Eder, wie ein E-Mailverkehr belegt. Und Gujer hat nichts depubliziert. Der Verdacht kam auch nicht von irgendwem und er war nicht aus der Luft gegriffen: Der Informant ist selbst Journalist und Akademiker, und er hat alles mit Pangram-Analysen nachgewiesen. Gujer hingegen ging in Abwehrhaltung. Er mailte am 11. Juni 2026 dem Informanten:

Bei der NZZ steht am Anfang und am Ende jedes journalistischen Inhalts ein Mensch. Unsere Journalistinnen und Journalisten entscheiden über Themen, recherchieren, ordnen ein und tragen die Verantwortung für die Veröffentlichung.

Künstliche Intelligenz nutzen wir als Werkzeug, beispielsweise bei Recherche, Analyse, Übersetzung oder Transkription. Sie dient der Unterstützung journalistischer Arbeit, ersetzt diese aber nicht.

Von Menschen nicht geprüfte Informationen haben in der NZZ keinen Platz. 

Wenn wir KI einsetzen, um bestehende Inhalte in zusätzlichen Formaten anzubieten – etwa als automatische Zusammenfassung oder als Audio-Version –, machen wir dies transparent.

Unser Ziel ist es, neue Technologien verantwortungsvoll zu nutzen und gleichzeitig Qualität, Transparenz und Glaubwürdigkeit zu wahren.

Auf der Basis des Vorgenannten erachte ich es als ausgeschlossen, dass Herr Eder seine Texte von KI hat schreiben lassen.

Wenn Sie jedoch konkrete Hinweise haben, bitte ich Sie, mir die einzelnen Fundstellen mit Begründung zuzustellen. Der summarische Verweis auf ein Tool genügt hierfür nicht.

Mit freundlichen Grüssen

Eric Gujer“

Das allgemeine Politiker-Blabla, mit dem hier geantwortet wurde, erstaunt für einen Chefredakteur eines solchen Blattes. Dass aus ethischen Vorgaben ein empirischer Ausschlussgrund folgt, ist ein dämliches Non sequitur. Entgegen jeder zu erwartenden journalistischen Tugend ist hier kein Interesse an der Sache zu vernehmen. Der Text liest sich fast so, als wäre er selbst von Gujers Assistentin von KI aufgesetzt worden. Der Stilbruch und inhaltliche Bruch ab „Auf der Basis des Vorgenannten…“ weist zumindest auf fremde Autorschaft bis zu dieser Stelle hin. Ein einziger E-Mail-Texter kommentiert sich so in der Regel nicht selbst.


Mittlerweile ist ein Kommentar von Florian Eder in der Neuen Zürcher Zeitung Deutschland aufgetaucht, der die folgenden Antithesen enthält. Viele Beispiele stehen übrigens auch inhaltlich für totalen Bullshit. Sie zeigen, wie KI(-Verdacht) zu einer völligen Verflachung und „Verdämlichung“ der Argumentationsketten führt.

Vielfalt ist ein Wert. Beliebigkeit ist keiner.

Wissenschaft folgt nicht dem Zeitgeist, sondern der Relevanz.

Wer jede Zumutung vermeiden will, verhindert nicht Ungerechtigkeit, sondern Entwicklung.

Exzellenz ist unbequem. Darin liegt ihr Wert.

Über Exzellenz nicht als Prestigeprojekt, sondern als Verpflichtung.

Exzellenz ist kein Geniekult. Sie entsteht nicht aus Begabung allein und schon gar nicht aus Herkunft. Sie entsteht durch Arbeit, durch Wiederholung, durch Hartnäckigkeit, durch Training…

Dabei ist die Frage nach Exzellenz längst mehr als eine pädagogische. Sie ist eine ökonomische Notwendigkeit.

Nicht weniger fordern, um niemanden zu verlieren, sondern mehr Menschen befähigen, mehr zu leisten.

Exzellenz ist kein nostalgisches Ideal und kein Luxus für gute Zeiten. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft unter veränderten Bedingungen handlungsfähig bleibt.

(Wird fortgesetzt)

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