Ich bin einfach zu dumm, um Rüdiger Maas zu verstehen

Ich würde gerne verstehen, wie die junge Generation politisch tickt. Auch deshalb habe ich mir das neue Buch von Rüdiger Maas, „Generation RECHTS?“, gekauft. Aber ich scheitere schon kläglich am Buchcover. Und zwar wie noch nie.

Der erste fundamentale Widerspruch für Dumme

Der Untertitel des Buchs lautet: „Warum sich junge Menschen von der politischen Mitte abwenden“. Damit sich junge Menschen von der politischen Mitte abwenden können, müssen sie sich vorher in dieser befunden haben, das heißt in Kategorien der politischen Mitte gedacht haben. Auf dem Buchrücken lautet aber der erste Satz: „Lange galt die Jugend als nachhaltig, progressiv und ‚woke'“. Ich darf das übersetzen mit: Sie war links. – Das verstehe ich nun nicht: War die Jugend zuvor links oder in der politischen Mitte?

Am Buchrücken steht auch „Jugend ohne KOMPASS“. „KOMPASS“ ist in Großbuchstaben wie das Wort „RECHTS“ geschrieben. Lautet die unterschwellige grafische Botschaft, dass man keinen Kompass hat, wenn man rechts denkt? Das scheint doch gerade ein außerordentlich klarer und legitimer Kompass zu sein…

Der zweite fundamentale Widerspruch für Dumme

Das Buch heißt „Generation RECHTS?“. Da ist zwar schon ein Fragezeichen, aber da steht eben auch „RECHTS“ in Großbuchstaben und der Typ mit dem Hals scheint irgendwie einen Rechten darzustellen, wenn ich mich nicht irre. Auf dem Buchrücken steht aber, dass sich die Jugend aktuell in rechte junge Männer und linke junge Frauen polarisiert. Da steht wörtlich „politische Polarisierung“. – Das verstehe ich nun schon wieder nicht. Denn dann wäre das Thema des Buchs doch „Generation POLARISIERT“ gewesen…


Ist nun die Polarisierung die Gefahr oder ist die Gefahr, dass junge Menschen rechts denken? Wenn Letzteres, wäre es denn die Lösung, dass alle Jugendlichen (wieder?) links denken? – Sind die Probleme am Ende völlig andere, und reitet Maas mit seinem Buch nur auf der Surfwelle des Bashing rechten Denkens mit?


Ich hoffe, dass ich die Antworten im Buch finde, denn vielleicht war es ja Absicht des findigen Goldmann-Verlags, solche schweren kognitiven Dissonanzen beim Leser zu produzieren. Auf die Frage, wie die Jugend nun politisch wirklich tickt, habe ich jedenfalls überhaupt keine Antwort mehr.

Ein wenig Hoffnung, die Jugend politisch doch noch zu verstehen, gibt mir das einleitende Kapitel „Triggerwarnung“. In diesem schreibt Maas (S. 9):

„Hierfür habe ich mit einem Team aus Politikwissenschaftlern, Psychologen und Soziologen zwei Jahre lang Hunderte von jungen Menschen auf der Straße, in Sportvereinen, Einkaufszentren, Fußgängerzonen, an Tankstellen und bei Dorfveranstaltungen in allen Bundesländern zu ihrem Politikverständnis befragt.“

Ich stelle mir das leibhaftig vor: Rüdiger Maas mit Reißbrett oder Laptop bewaffnet, wie er Mädels und Jungs in der Shopping Mall zu ihrer Parteipräferenz befragt. Also ich hätte ihn als Teenager verjagt. Wäre ich als weiblicher (!) Teenager beim Auftanken (!!) von einem Herrn Maas (!!!) nach meiner Lieblingspartei (!!!!) gefragt worden, hätte ich es wohl als Anmachetrick empfunden oder Strafanzeige erstattet.

Das wird jedenfalls eine tolle Strandlektüre in diesem Sommer werden.

(Ich erhalte für diese grandiose Werbung keine Tantiemen von Rüdiger Maas.)

2 Kommentare zu “Ich bin einfach zu dumm, um Rüdiger Maas zu verstehen

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  1. Ein kleines Licht unter den Hochschullehrern

    Suchen Sie nicht nach etwas, das nicht da ist.

    Das ganze Generationengedöns ist hinfällig, wie der Soziologe Martin Schröder schon 2019 statistisch dargelegt hat: https://link.springer.com/article/10.1007/s11577-018-0570-6. Das dürfte auch für Wahlmotive gelten.

    Wenn man die Jugend erforschen wollte, müsste man zum Vergleich auch andere Altersgruppen befragen und beobachten. Sonst fällt man auf sich selbst herein.

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