Schlagwort-Archiv: Dissertation

Plagiat, Widerruf des Grades und das intervenierende Moment

Ob ein Plagiat vorliegt oder nicht, hat in Österreich offenbar nicht wirklich viel mit dem Text selbst zu tun.
Ob ein akademischer Grad widerrufen wird oder nicht, hat in Österreich offenbar nicht wirklich viel mit dem Plagiat selbst zu tun.
Anders als in Form dieser beiden Arbeitshypothesen kann ich mir im Moment folgende Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre nicht erklären:
* Ein Magister der Universität Salzburg plagiiert mehr als ein Drittel seiner Diplomarbeit von einer ungenannten Quelle, er behält seinen Grad. […]

Fall von der Leyen: Plagiat ja, Rücktritt möglich, aber Aberkennung nein?

VroniPlag Wiki hat also wieder einmal in bemerkenswerter philologischer Akribie ganze Arbeit geleistet: Die Plagiate in den einleitenden beiden „Theorie“-Kapiteln 1 und 3 sowie im Kapitel 6 („Diskussion“) der Dissertation von Ursula von der Leyen sind nicht mehr wegzudiskutieren. Auffällig viele falsch eingestreute Literaturreferenzen, schlampige Arbeitsweise und Referenzfehler durch Übernahmen aus der Sekundärliteratur, die so auch zu inhaltlichen Fehlern führten, kommen dazu. […]

RTL-„Schulermittlerin“ Sarah Sophie Koch im Visier von VroniPlag

Ihr werter Plagiatsgutachter wusste es schon seit fast zwei Jahren, nun ist es offiziell: Die Dissertation von Sarah Sophie Koch enthält Plagiatsfragmente. Bislang hat VroniPLag 40 Seiten oder 28,8 Prozent der einrechenbaren Gesamtseitenanzahl mit Plagiatsfragmenten, von kleinteiligen bis umfangreichen, dokumentiert. Interessant: Noch hat kein Massenmedium in Deutschland darüber berichtet.

Die Medizin und das Plagiat: VroniPlag wird auch an der Universität Wien fündig

Münster, Berlin, Wien: Erneut steht eine medizinische Dissertation unter dringendem Plagiatsverdacht. VroniPlag Wiki hat die Arbeit zwar noch nicht auf der Hauptseite veröffentlicht, aber Art und Umfang der Plagiate rechtfertigen meines Erachtens die Bekanntmachung.

Dazu passend mache ich im Moment sehr kafkaeske Erfahrungen mit dem medizinischen System, die ich an anderer Stelle veröffentlichen werde. […]

Von Münster nach Berlin: Das Mediziner-Doubletten-Syndrom erfasst nun auch die Charité

Es war ja fast zu erwarten: Der „Flächenbrand“ zu Münster kann auch anderswo entfacht werden. Nun widmet sich VroniPlag Wiki also der Charité. VroniPlag startete die Aufarbeitung mit einer komplett aus einer zwei Jahre älteren Doktorarbeit plagiierten Dissertation. Die absurde Übereinstimmung zeigt sich schon bei den Titeln in der DNB-Datenbank:

„Onkologische Langzeitergebnisse, Inkontinenz und Spätkomplikationen nach transperitonealer laparoskopischer radikaler Prostatektomie ohne Nerverhalt: Follow up von 700 Patienten, operiert in den Jahren 1999-2005 an der Klinik für Urologie der Charité Mitte“ von Anita Lisowski (2010)

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„Onkologische Langzeitergebnisse, Inkontinenz und Spätkomplikationen nach transperitonealer laparoskopischer radikaler Prostatektomie: Follow up von 1000 Patienten, operiert in den Jahren 1999 – 2004 an der Klinik für Urologie der Charité Mitte“ von Ramin Mansour (2008)

Das ist natürlich erneut große Wissenschaftssatire – und gleichzeitig ist es ungemein verstörend, dass solche Dinge auch (gerade?) […]

Mit drei Seiten Ko-Autorschaft zum Doktorat: Kürzeste Dissertation der Welt an der Uni Münster aufgetaucht

Sie wollen einen Text, etwa eine Doktorarbeit, auf Plagiat überprüfen lassen? Mail an weber@plagiatsgutachten.de


Wie Kollegin Debora Weber-Wulff in einem Leser-Kommentar im „Causa-Schavan“-Blog berichtet, wurden an der Universität Münster offenbar nicht nur medizinische Doktorarbeiten in Serie (teil-)plagiiert. Es ist nun auch die wahrscheinlich kürzeste Doktorarbeit der Welt aufgetaucht. […]

„Team Wallraff“ sollte sich die Münsteraner Plagiatsschmiede ansehen

Schon elf partiell bis nahezu komplett plagiierte Dissertationen an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster – und es werden wohl noch mehr werden. Dass unterschiedliche Betreuer in den neuen Plagiatsskandal involviert sind, weist meiner Erfahrung nach nicht auf eine Verschwörung einer Gruppe von Münsteraner Professoren hin, sondern eher auf die Tatsache, dass das Plagiat in der Medizin offenbar noch weiter verbreitet ist als in den Geistes- und Sozialwissenschaften. […]

Nächster Wikipedia-Textklau, nächste Dissertationsdoublette – alles wie vor Jahren. Oder?

Der „Plagiatsjäger“ gehört ja zu den paradoxen Berufen: Sein Ziel ist es, dass es ihn nicht mehr geben muss. Aber irgendwie scheint es sich mit dem akademischen Plagiarismus wie mit kriminellen Delikten zu verhalten: Sie sind systemimmanent. Da plagiiert ein Ko-Autor seiten- und kapitelweise aus Wikipedia und zumindest einer weiteren Quelle, und der betroffene C. […]

Wegweisendes Schavan-Urteil nun online nachzulesen

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf in der Causa Schavan ist nun im Volltext online nachzulesen. Es ist in vielerlei Hinsicht wegweisend. Klar ist: Viele Universitäten hielten und halten sich in keiner Weise an das, was hier geschrieben steht. Da das Verwaltungsgericht der Universität Recht gegeben hat, verstoßen zahlreiche andere Universitäten, die ganz anders agieren, mitunter wiederholt gegen herrschendes Recht. […]

Des Ministers fehlende Anführungszeichen oder: Die Konstruktion eines Plagiatsvorwurfs

So schnell kann es in der bundesdeutschen Medienlandschaft gehen: Schon heißt es, „[m]ehrere Internetportale“ würden „berichten“, dass CSU-Minister Gerd Müller bei seiner „Doktorarbeit ‚weite Strecken abgeschrieben'“ hat.

Quelle: http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Minister-Dr-Gerd-Mueller-weist-Plagiatsvorwurf-zurueck;art2757,1590338

Wahr ist leider, dass dies bislang nur politplag.de, die spendenfinanzierte Plattform des Kollegen Martin Heidingsfelder, gestreut hat; und von „weite[n] Strecken“ ist nicht einmal dort die Rede. […]

Neue Geschäftsfelder für die Plagiatsprüfung: Jenseits der Dissertationsautopsie

Der Klassiker der Plagiatsprüfung ist ja immer noch die Dissertation, die zwischen ca. 1975 und heute verfasst wurde. In den vergangenen Monaten hat sich allerdings das Geschäftsfeld Ihres werten Plagiatsgutachters mehr oder weniger ‚von selbst‘ erweitert:

* Zunehmend kamen die Anfragen und Aufträge auch aus der Wirtschaft: Von plagiierten Unternehmenswebsites über Imagefolder bis zu Projektexposés und Patentschriften. […]

Krasse Fehlentscheidung im Fall Steinmeier: Gehäufte Bauernopfer-Referenzen sind für die Uni Gießen kein Plagiat

Meine Notiz von heute morgen: Schon heute um 13:00 will die Universität Gießen die Prüfungsergebnisse im Fall Steinmeier bekannt geben, wird hier berichtet. Meines Erachtens verheißt die doch sehr rasche Verkündigung nichts Gutes (aber nicht für Steinmeier, sondern für die Plagiatssucher). Vielleicht irre ich mich. Alle Presseanfragen bitte heute mobil unter 0043 664 13 13 444. […]

Ein falscher Professor an der Uni Hamburg und ein falscher Doktortitel für die PR-Chefin der Deutschen Bahn

Und an dieser Stelle noch der Hinweis auf einen Kriminalfall, der hier, hier und hier nachzulesen ist (genauer: eine Groteske). Wenn das Drehbuchautoren nicht inspirieren wird!

Auch in dieser Causa wurde ich bislang um Stillschweigen gebeten, aber nun ist sie publiziert worden. Klar ist für mich: Frau „Dr.“ […]

VroniPlag Wiki und Ihr werter Plagiatsgutachter wissen: Frank-Walter Steinmeier hat plagiiert

Spätestens nach diesem Artikel war es Zeit für öffentliche Wahrheitsfindung. Und die hat – wieder einmal – VroniPlag Wiki übernommen: Seit heute findet sich eine (sicher lange noch nicht abgeschlossene) Analyse von Frank-Walter Steinmeiers Dissertation aus dem Jahr 1991 auf der VroniPlag-Hauptseite. Einmal mehr erledigt also die wichtigste Arbeit im deutschen Wissenschaftssystem eine unbezahlte und weitgehend anonyme Gruppe, während hochbezahlte Professoren wie Claus Leggewie in der FAZ Lügen verbreiten. […]

Der Fall Michel Friedman oder: Warum Dissertationsautopsie die interessanteste neue Wissenschaft ist

Erstmals gibt es einen prominenten Plagiatsfall in Deutschland, bei dem sich das Interesse der Plagiatssucher (Erbloggtes, Heidingsfelder, Weber) genau umgekehrt proportional zum Interesse der Journalisten verhält. Und das ist beim derzeitigen Stand der Dinge auch gut so. Erbloggtes schrieb mir gestern: „Das ist irgendwie ein erfrischender Plagiatsfall. […]

Der Fall Friedman/Grün: Wer schrieb von wem ab, oder gab es eine gemeinsame Festplatte?

Ihr werter Plagiatsgutachter hat seine Dokumentation knapp eine Woche lang schön brav zurückgehalten. Denn der Fall ‚gehörte‘ und ‚gehört‘ meinem wertgeschätzten Kollegen Martin Heidingsfelder, der mich vor genau sieben Tagen von seinen ersten Funden informiert hat. Nun hat Heidingsfelder allerdings selbst gestern auf Twitter eine ominöse Nachricht hinterlassen, und „Erbloggtes“, der irgendwie immer alles auch schon zu wissen scheint, lieferte heute morgen den Weiterdreh. […]

Universität Düsseldorf nach der Causa Schavan mit mehreren Plagiatsfällen beschäftigt – weiterer Grad entzogen

Daran sollte sich die Exzellenz-Universität Dresden mal ein Beispiel nehmen: Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf geht das Plagiatsproblem offensiv und erfrischend ehrlich an. In einem am 15. 8. 2013 publizierten Dokument bekennt sie durchweg Farbe für eine ordentliche Wissenschaft. Erfreulich, schon auf der ersten Seite des Zwischenberichts Worte wie die folgenden zu lesen: „Ausschlaggebend ist allein das Vorliegen substantiierter Hinweise, nicht die Herkunft dieser Hinweise.“ […]

TU Dresden: Untersuchung eines Verdachtsfalls nur nach Bekanntgabe der Identität des Hinweisgebers

Etwas ungelenk ist diese neue Dokumentation einer an der TU Dresden angenommenen Dissertation schon, da sie nicht zwischen Fehlern bzw. Unzulänglichkeiten und echten Plagiatsvorwürfen, zwischen handwerklichen Mängeln und möglicher systematischer Täuschung des Lesers trennt. Zum Rekonstruieren der Plagiatsvorwürfe muss man sich durch den Datumsbereich des Blog-Archivs durchklicken und jene Einträge studieren, die die Vermutung „Fehlender Quellennachweis?“ […]

Lammertplag: Nachweis der Täuschung in wesentlichem Umfang bereits erbracht

Die Mühen des „Robert Schmidt“ sind es wert, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Hier also meine Einschätzung: Der Nachweis der Täuschung in wesentlichem Umfang ist mit den 42 beanstandeten Fließtext-Seiten (von insgesamt 116) bereits erbracht worden. Es ergibt sich ein eindeutiges Muster der suggerierten eigenständigen Auseinandersetzung mit Literaturquellen, Studien und Forschungsergebnissen – wobei aber durchweg andere, nicht genannte Literatur dieser Auseinandersetzung zugrunde lag. […]

Von Guttenberg zurück zu Lammert: Das Wissenschaftsplagiat hat also eine (lange!) Tradition

„Reichen Beanstandungen in Hinweisen zu weiterführender Literatur überhaupt aus, um einen Plagiatsvorwurf zu konstruieren und diesen öffentlich zu machen?“, fragt „Der Tagesspiegel“ heute. Journalisten darf man kaum vorwerfen, dass sie in der tagesaktuellen Hektik die eine oder andere Reduktion von Komplexität begehen und eben schnell mal uns, die Plagiatsexperten fragen (Ihr werter Plagiatsgutachter, ansonsten immer brav online, war heute wegen seines Urlaubs tagsüber nicht erreichbar). […]

Was haben die deutschen Universitäten eigentlich aus den Plagiatsfällen gelernt? Offenbar nichts!

Ihrem werten Plagiatsgutachter erscheint seine Sache immer wieder wie ein Kampf gegen die Windmühlen. So auch heute, nach einer meines Erachtens verstörenden Mail des für die Selbstkontrolle der Wissenschaft zuständigen Professors der Universität München. Es ist nicht das erste Mal, dass ich auf eine hoffentlich einigermaßen präzise Recherche und den Versuch einer Interpretation einfach keine klare Antwort bekomme, dass Dinge irgendwie entschieden (das heißt in neun von zehn Fällen: abgeschmettert) werden, ohne diese Entscheidungen zu begründen. […]

Plagiatsforschung und -begutachtung: Kleines Update vor der Sommerpause 2013

* Das nächste Buch Ihres werten Plagiatsgutachters wird den Titel „Plagiatsforschung. Eine Herausforderung für die Wissenschaft“ tragen. Es wird 2014 bei einem renommierten deutschen Verlagshaus erscheinen, nähere Informationen folgen im Herbst. Zielgruppe sind primär Lehrende an Schulen und Hochschulen. Ein Buch zum Thema „Richtig Zitieren – Nicht Plagiieren“ mit der Zielgruppe der Schüler und Studenten wird als nächstes in Angriff genommen werden. […]

Zur Verjährungsdebatte: Überlegungen zu „Autonomie“ und „Reputation“ der Wissenschaft

„Grundlage aller Überlegungen der Unterzeichner ist die Wahrung und Förderung wissenschaftlicher Autonomie“, heißt es in dem gestern hier im Blog diskutierten brisanten Positionspapier (S. 2). Und weiter: „Wissenschaftsautonomie ist der Gestaltungsmacht staatlicher Akteure entzogen. Selbst der Missbrauch von Freiheit vermag ihre Abschaffung nicht zu rechtfertigen.“ […]

Sprengstoff: Positionspapier regt Verjährung von Plagiaten nach zehn Jahren an

Ein Positionspapier des Allgemeinen Fakultätentags, der Fakultätentage und des Deutschen Hochschulverbands empfiehlt ‚zwischen den Zeilen‘ die Einführung einer Verjährung von Plagiatsdelikten nach zehn Jahren. Es heißt in dem Paper:

„Insgesamt sehen die Unterzeichner gleichwohl mehr Gründe, die für eine Verankerung einer Verjährungsfrist in der Promotionsordnung sprechen als dagegen. […]