Schlagwort-Archiv: Deutsche Plagiatsaffäre

Fall Schavan: Doktorgrad muss aberkannt werden

Mittlerweile habe ich die Textvergleiche zwischen der Dissertation von Frau Schavan und den Originalen akribisch studiert (ich unterstelle nun einmal eine Authentizität der Gesamtdokumentation, nicht zuletzt, da ja auch auf VroniPlag der Fall bereits zum Teil kompiliert wurde). Ich komme im Wesentlichen zu demselben Urteil wie Volker Rieble: Es handelt sich hierbei um Plagiate, die auf eine Arbeitsmethode hinweisen, die eindeutig als wissenschaftliches Fehlverhalten zu bezeichnen ist. […]

Abschreibende Politiker, abschreibende Professoren: Auch die Ausreden sind die gleichen

Vor einigen Wochen erhielt ich den Hinweis, dass der Erziehungswissenschaftler Heinz Reinders ein klares Plagiat begangen hat. Nun lesen Sie einmal, was der Ertappte dem Beklauten schreibt. Inhalt und Wording kommen einem doch irgendwie bekannt vor, oder?

„Seit gestern Nachmittag versuche ich zu rekonstruieren, wie es dazu gekommen ist, dass ich nicht auf Ihren Text als Quelle für das Kapitel ‚Soziale Kompetenz‘ ordnungsgemäß verwiesen habe. […]

Wenn schavanplags Textvergleiche stimmen, dann,…

… ja dann hat auch Frau Annette Schavan abgeschrieben, und zwar auf die bekannt widerwärtige, die Wissenschaft kaputt machende Art und Weise. Dann gehört auch sie zu jenen, die nicht begriffen haben und/oder nie richtig gelernt haben, worum es in der Wissenschaft eigentlich geht. Langsam wird es redundant, ich schreibe es dennoch noch einmal: Es geht darum, dass man Texte einerseits korrekt zitiert und andererseits in eigenen Worten interpretiert – und nicht darum, dass man beides vermengt: dass man nach gesetzten Fußnoten noch ein bisschen vom soeben referenzierten Autor „mit abschreibt“, dass man Belege irgendwo einstreut, aber ganze Absätze leicht umgeschrieben übernimmt usw. […]

Dissertation an der TU Berlin: Erneut schmerzliche Enthüllungen auf VroniPlag


Anything goes: Quellenangabe „Super Illu“ auf S. 45 der Dissertation

Eigentlich ist es fast schon egal, ob der Promovierte Bürgermeister ist oder nicht, FDP-ler ist oder nicht, als Fachmann auf seinem Gebiet gilt oder nicht, Webseiten zum einschlägigen Thema betreibt bzw. betrieben hat oder nicht: Die neuen Enthüllungen auf VroniPlag über eine 2009 an der TU Berlin angenommene Dissertation sind auch ohne das den massenmedialen Nachrichtenfaktoren entsprechende Beiwerk wieder schwer zu verdauen: Neben den bekannten Spielarten des Textplagiarismus stellt sich hier die (zwar in den VroniPlag-Fällen auch nicht neue, aber doch selten so klar hervorgetretene) Frage nach der Quellenseriosität – unabhängig von korrekter Zitation oder Plagiat. […]

Über wissenschaftliche Standards „nicht aufgeklärt worden“


Quelle: Schriftenverzeichnis Siegfried Haller, S. 2

Er hat es tatsächlich gesagt. Siegfried Haller sei „nicht aufgeklärt worden, was wissenschaftliche Standards sind“. Indirekt will er damit wohl der Universität Mitschuld an seinem wissenschaftlichen Fehlverhalten geben. Bringschuld oder Holschuld – das ist hier fast einerlei. Was mich mehr bewegt, ist das Faktum, dass es sich nicht nur um einen ‚reinen‘ Amtsleiter handelt (dem könnte man das vielleicht noch abkaufen), sondern um einen – siehe Schriftenverzeichnis mit mehr als 100 Publikationen – „Dipl.-Soziologe[n] […]

Mainzer Herzchirurgin unter Plagiatsverdacht

Nach einer Führungskraft im öffentlichen Dienst (siehe Leipziger Amtsleiter) nun also auch noch die Medizin: Eine Mainzer Herzchirurgin steht massiv unter Plagiatsverdacht, siehe hier und hier. Unter anderem soll sie aus der Habilitationsschrift ihres eigenen Doktorvaters großflächig unzitiert abgeschrieben haben, der das „durchgehen“ ließ (oder wieder mal: nie gelesen hat). […]

Leipziger Amtsleiter unter Plagiatsverdacht


Aus der Dissertation. Der Hinweis auf das Plagiat wurde hier in der Fußnote selbst gegeben. Keine optische Hervorhebung der übernommenen Passagen im Fließtext. Der Skandal ist hier auch: Jeder Betreuer müsste sofort sehen, dass es so eine Zitierweise nicht gibt. Die Nicht-Kennzeichnung wörtlich übernommener Stellen ist ein non licet. […]

Althusmann will „Gegengutachten“ nicht veröffentlichen

Während „Kultusminister Dr. Bernd Althusmann“ etwa Kindertageseinrichtungen, Schülerlabors und die überbetriebliche Berufsausbildung in Niedersachsen öffentlich lobt, ist er in puncto Öffentlichkeit bei seiner eigenen Dissertation doch deutlich zurückhaltender. Eine offenbar „mindestens 15 Seiten lange Stellungnahme“ und auch (besonders interessant!) „ein wissenschaftliches Gegengutachten von anderen Hochschulprofessoren“ will er nicht veröffentlichen, schreibt das „Hamburger Abendblatt“. […]

Forderung nach flächendeckender rückwirkender Überprüfung von Dissertationen

Ich finde, es ist an der Zeit, eine Forderung auszusprechen: Die Universitäten und Fachhochschulen Deutschlands sollten verpflichtet werden bzw. idealerweise sich verpflichten, alle Dissertationen zumindest der vergangenen fünf Jahre (etwa: 2006 bis 2010) auf Plagiat im Stile Guttenbergs & Co., aber auch auf sinnlose bzw. falsche Zitation im Stile Althusmanns (mit der Folge des „Subtilplagiarismus“) zu überprüfen. […]

Fall Althusmann: Akribischer Einblick in den Abgrund der Textunkultur

Bei diesem Dokument wird einem schwindlig. Aber nicht, weil es nachweist, dass ganz offensichtlich, etwa absatz- oder seitenweise, kopiert wurde – wie in den bisherigen Fällen. Sondern gerade, weil es zeigt, dass auch dann abgeschrieben und gnadenlos zusammengestoppelt wird, wenn etwa auf Literatur mit „vgl.“ indirekt verwiesen wird. […]

Ein Trauerspiel: Kultusminister Althusmann unter Plagiatsverdacht

Es geht heute munter weiter. Diesmal war’s nicht VroniPlag, sondern hat’s ein Redakteur der „Zeit“ exklusiv berichtet.
Habe ich es nicht gesagt? In jeder Kommission, die für Qualitätsstandards im Bildungswesen zuständig ist, sitzt mindestens ein Plagiator (und wenn nicht Textdieb, dann andersartiger Titelbetrüger). Wir brauchen nun – neben dem Purzeln zahlreicher Doktorgrade – wirklich so etwas wie eine Revolution in der Wissenschaft. […]

Sehr gut! Wieder ein „Doktor Decorus“ in Deutschland weniger

Die Universität Tübingen hat heute mitgeteilt, dass Matthias Pröfrock der Doktorgrad entzogen wurde. Interessant ist dabei die Formulierung in der Pressemitteilung, der Promotionsausschuss „geht aufgrund der Schilderungen des Betroffenen zu seiner Arbeitsweise bei der Abfassung der Dissertation davon aus, dass die Übernahme der fremden Texte jedenfalls grob fahrlässig erfolgte“. […]

Plagiatsnachweise bei bereits sieben bundesdeutschen Politiker(umfeld)-Dissertationen


Quelle: VroniPlag

„‚Mit GuttenPlag haben wir gezeigt, dass Guttenberg ein Betrüger ist‘, sagt er. ‚Mit VroniPlag haben wir gezeigt, dass er nicht der einzige ist. Was soll da noch kommen?‘ Das Ausmaß des Betrugs, die Zahl, das soll, wenn es nach ihm ginge, noch kommen. Er hat einen Namen, den er nicht öffentlich machen will, im Internet heißt er KayH.“ […]

Unglaubliche Enthüllungen auf VroniPlag: Des Politikers Textkultur ohne Hirn


Quelle: VroniPlag

Ich bin immer wieder fassungslos, was das Team von VroniPlag alles zu Tage fördert. Man sehe sich nur die abgebildete Seite 23 in der Dissertation des FDP-Politikers Chatzimarkakis an. Warum erstellte er wie so eine Textschnipsel-Collage mit den Anschein eigener Durchdringung? Zum „Warum“: So etwas entsteht aus Überforderung oder Unterforderung. […]

Wer muss sich „stellen“?

In einigen Blogs und Massenmedien wird nun die Forderung erhoben, die anonymen „Jäger“ im Netz müssten sich „stellen“, müssten ihre Anonymität auf- und ihre wahre Identität preisgeben. Das ist Humbug, man nennt dieses Denken „Opfer-Täter-Umkehr“. Musste sich in der Vergangenheit denn jemals ein im klassischen Reviewing-Prozess anonym bleibender Gutachter „stellen“? […]

Die „besten“ Ausreden der abschreibenden Zunft

Aus aktuellem Anlass eine kleine Sammlung:
1. Er habe die Dissertation selbst verfasst, was durch ein handgeschriebenes Konvolut bewiesen werden könne (Johannes Hahn, EU-Kommissar).
2. Er habe ein „Diskettenproblem“ gehabt, es handle sich somit um ein „elektronisches Versehen“ (Hubert Biedermann, Montanuniversität Leoben). […]

Textueller Missbrauch an deutschen Unis und in der Europapolitik

Seit gestern wissen wir, wieder einmal dank VroniPlag, dass ein weiterer deutscher Politiker aus dem konservativ-liberalen Lager bereits die ersten Sätze der Einleitung seiner Dissertation aus der FAZ abgeschrieben hat. Der gute Mann muss schon ins Schwitzen gekommen sein, denn auf seiner Website erklärt er – auch seit gestern – seine Neuerfindung der wissenschaftlichen Zitiertechniken: vom Harvard-Style zum Jorgo-Style sozusagen. […]

Ein denkwürdiger Tag

Sollten wir am 11. Mai fortan den „Tag der wissenschaftlichen Redlichkeit“ feiern? Heute morgen kam die Nachricht, dass die Universität Konstanz Veronica Saß den Doktortitel aberkannt hat. Am Vormittag folgte der Endbericht zu Guttenberg: Er findet klare Worte zu Guttenbergs unermesslichem Fake, aber leider keine klaren Worte zu Häberle und Streinz und deren Netzkompetenz anno 2006. […]

In Deutschland purzeln die Doktorgrade

Willkommen beim neuen Spiel (dank Massenmedien und vor allem Internet): „Ex-Doktor, ärgere Dich nicht“. Nach Guttenberg, zu dem der Prüfbericht der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ seit heute im Internet nachzulesen ist, nun also auch Veronica Saß. Zumindest drei oder vier weitere heiße Kandidaten für das Spiel, das zuletzt von VroniPlag maßgeblich gesteuert wurde, könnten folgen. […]

Plagiierende und Plagiate verharmlosende Professoren als Teile des Systemproblems

Dass das ungeheuerliche Ausmaß des Plagiierens, das in den Wikis fortwährend akribisch dokumentiert wird, kein alleiniges Problem von (Spitzen-)Politikern ist, ist jedem Szene-Kenner bekannt. Es gibt nicht wenige Professoren, die glasklare Plagiate fortwährend relativieren, bagatellisieren oder gar ganz in Abrede stellen. Diese Leute werden oder wurden dafür gut bezahlt, wiederholt am Bruch der wissenschaftlichen Spielregeln mitzuwirken – oft auch unter Hinweis auf angebliche ‚größere‘ Weltprobleme, siehe etwa zuletzt die Statements hier und hier. […]

Die niedere Kunst des geringfügigen Umschreibens

Nach Guttenberg, Saß, Pröfrock und Koch-Mehrin nunmehr also Fall Nummer fünf in Deutschland. Dieser wird seit einigen Stunden auf PlagiPedi dokumentiert. Vieles deutet mittlerweile auf ein hochgradig systemisches Problem hin, auf eine Epidemie.
Was zeigt das erste Handvoll Fundstellen in diesem Fall? Ganz wie gehabt: Ab- und umschreiben (meist kürzen, vereinfachen, sehr selten erweitern) statt selbst schreiben. […]

Terrorismus im Web 2.0 oder historisches Verdienst für die Wissenschaft?

Während die Berliner Medieninformatikerin und „Plagiatsjägerin“ Debora Weber-Wulff in einem Interview mit Deutschlandradio die Aktivitäten der Plag-Wiki-Aktivisten lobt (wie dies auch Ihr werter Plagiatsgutachter bislang getan hat), äußert sich nun erstmals ein ebenso engagierter Kämpfer gegen Plagiate sehr kritisch gegenüber der aktuellen Entwicklung. Volker Rieble sagt in einem Interview mit „Focus online“ folgendes:

„Aber ich verstehe auch die derzeitige Aufregung der Internetgemeinde nicht. […]

PlagWiki-Aktivisten melden nächsten Verdachtsfall

Fall vier der Politiker(umfeld)dissertationen wird hier analysiert. Interessant ist, dass die anonymen Plagiatsjäger im Netz nach derselben Methode vorgehen wie ich: Erste Text-Konkordanzen werden häufig über die Google Buchsuche gefunden. Auch mit der Snippet-Ansicht lässt sich schon gut arbeiten (Stichwortsuche). Wenn aus den Originalquellen des Plagiats in jüngeren Schriften nur Teile zitiert werden, bringen der Gang in die reale Bibliothek und das Aufsuchen dieser Originalquellen in der Regel noch mehr Treffer. […]