Schlagwort-Archiv: Plagiat

Anti-Intellektualismus österreichischer Art

Nun ist also mein Gutachten zu Johannes Hahn Journalisten übergeben und online publiziert worden. Die Reaktionen sind im Wesentlichen seit Jahren dieselben, wenn in Österreich Plagiatsfälle aufgedeckt werden, und so kam es auch diesmal:
FAKTENIGNORANZ. Obwohl die Anschuldigungen schwarz auf weiß dokumentiert werden und von jedermann/frau nachvollzogen werden könnten, hat sich die Mehrheit der Netz-Poster bereits ihre Holzhammer-Meinung gebildet, oft mit haarsträubender Fakten-Unkenntnis, obwohl das PDF nur einen Mausklick weit vom Webforum entfernt wäre (nachzulesen etwa hier). […]

Die „besten“ Ausreden der abschreibenden Zunft

Aus aktuellem Anlass eine kleine Sammlung:
1. Er habe die Dissertation selbst verfasst, was durch ein handgeschriebenes Konvolut bewiesen werden könne (Johannes Hahn, EU-Kommissar).
2. Er habe ein „Diskettenproblem“ gehabt, es handle sich somit um ein „elektronisches Versehen“ (Hubert Biedermann, Montanuniversität Leoben). […]

Ein denkwürdiger Tag

Sollten wir am 11. Mai fortan den „Tag der wissenschaftlichen Redlichkeit“ feiern? Heute morgen kam die Nachricht, dass die Universität Konstanz Veronica Saß den Doktortitel aberkannt hat. Am Vormittag folgte der Endbericht zu Guttenberg: Er findet klare Worte zu Guttenbergs unermesslichem Fake, aber leider keine klaren Worte zu Häberle und Streinz und deren Netzkompetenz anno 2006. […]

Fünf-Jahres-Jubiläum: Plagiate statt Ostereier suchen


Noch kein Wiki, aber immerhin Wickie: Akademischer Plagiatsfall anno 2006 im Netz

Es war Ostern 2006, als eine Kollegin und ich erstmals die Idee hatten, das Ausmaß eines akademischen Plagiatsfalls im Netz zu dokumentieren und zu diskutieren. Dieses Faktums gedenken wir heute fast ein wenig nostalgisch ;-). […]

Plagiierende und Plagiate verharmlosende Professoren als Teile des Systemproblems

Dass das ungeheuerliche Ausmaß des Plagiierens, das in den Wikis fortwährend akribisch dokumentiert wird, kein alleiniges Problem von (Spitzen-)Politikern ist, ist jedem Szene-Kenner bekannt. Es gibt nicht wenige Professoren, die glasklare Plagiate fortwährend relativieren, bagatellisieren oder gar ganz in Abrede stellen. Diese Leute werden oder wurden dafür gut bezahlt, wiederholt am Bruch der wissenschaftlichen Spielregeln mitzuwirken – oft auch unter Hinweis auf angebliche ‚größere‘ Weltprobleme, siehe etwa zuletzt die Statements hier und hier. […]

Terrorismus im Web 2.0 oder historisches Verdienst für die Wissenschaft?

Während die Berliner Medieninformatikerin und „Plagiatsjägerin“ Debora Weber-Wulff in einem Interview mit Deutschlandradio die Aktivitäten der Plag-Wiki-Aktivisten lobt (wie dies auch Ihr werter Plagiatsgutachter bislang getan hat), äußert sich nun erstmals ein ebenso engagierter Kämpfer gegen Plagiate sehr kritisch gegenüber der aktuellen Entwicklung. Volker Rieble sagt in einem Interview mit „Focus online“ folgendes:

„Aber ich verstehe auch die derzeitige Aufregung der Internetgemeinde nicht. […]

PlagWiki-Aktivisten melden nächsten Verdachtsfall

Fall vier der Politiker(umfeld)dissertationen wird hier analysiert. Interessant ist, dass die anonymen Plagiatsjäger im Netz nach derselben Methode vorgehen wie ich: Erste Text-Konkordanzen werden häufig über die Google Buchsuche gefunden. Auch mit der Snippet-Ansicht lässt sich schon gut arbeiten (Stichwortsuche). Wenn aus den Originalquellen des Plagiats in jüngeren Schriften nur Teile zitiert werden, bringen der Gang in die reale Bibliothek und das Aufsuchen dieser Originalquellen in der Regel noch mehr Treffer. […]

Deutscher Plagiatsskandal: Wann äußert sich Schavan?

Ich war heute auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ich lese dort unter „Hochschulen“ nur von Qualitätspakt, Innovationspotenzial und Exzellenzinitiative. Die PlagWikis zeichnen derzeit ein ganz anderes Bild der Lage, das sehr traurig stimmt: Dissertationen, die offenbar von Betreuern (mittlerweile sind schon sechs Professoren betroffen!) […]

Copy-Paste-Affäre: Dritte rechtswissenschaftliche Dissertation im Visier

Nach den bereits verifizierten Plagiatsfällen Guttenberg und Saß gibt es nun einen dritten Verdachtsfall in Deutschland: Wieder Rechtswissenschaften, wieder Zeitraum nach 2005, wieder eine Universität in der südlichen Hälfte Deutschlands, wieder (Umfeld) CDU/CSU, und wieder macht man sich im Wiki kollektiv auf die Plagiatssuche.
Im Moment fällt es selbst mir schwer, die Sache einzuordnen, und so wird es wohl auch den Qualitätsmedien in den nächsten Tagen gehen. […]

In bester Gesellschaft


Quelle: Telepolis

Das Buch „Das Google-Copy-Paste-Syndrom“ Ihres werten Plagiatsgutachters findet sich im Amazon-Partnerprogramm von „Telepolis“ in bester Gesellschaft – gleich neben postmodernen Gesamtkunstwerken wie „Verfassung und Verfassungsvertrag“ oder „Regulierung im Mobilfunk“. Das freut mich!
Nur: Was bitte hat denn die Dissertation des CDU-Abgeordneten Günter Krings hier zu suchen? […]

VroniPlag Wiki funktioniert – Eine erste kleine Plag-Wiki-Bilanz

Respekt! Über Nacht hat die Netzgemeinde auf 47 Seiten der Dissertation „Regulierung im Mobilfunk“ von Veronica Saß Plagiatsstellen gefunden. Dies ist ein geeigneter Zeitpunkt, einmal eine erste vorläufige Plag-Wiki-Bilanz zu ziehen.

* Begonnen hat alles mit dem fulminanten Erfolg von GuttenPlag Wiki, das am 17. […]

VroniPlag Wiki gegründet – ob es wieder funktionieren wird?

Der Titel des neuen Wikis ist schon mal sehr originell. Wenn ich es richtig einschätze, ist die neue Plagiatsaffäre den Massenmedien, auch der Qualitätspresse, zunächst weitgehend egal. Dann stellt sich die Frage, ob sich genügend Netznutzer über die netzeigenen Kanäle aufraffen werden – schade wäre es, wenn’s nicht ein zweites Mal klappen würde. […]

Nächste Dissertationsaffäre nach Guttenberg braut sich zusammen


Aus dem Original, Diskussionspapier, Universität der Bundeswehr Hamburg, 2003, S. 1

Aus der Doktorarbeit, Universität Konstanz, 2008

Waren die Causa Guttenberg und das Ausmaß des Plagiats ein Einzelfall? Alle Universitäten aller Länder der Welt haben ein Plagiatsproblem. Aber Deutschlands Universitäten haben langsam ein Imageproblem, falls sich nunmehr tatsächlich das „Muster Guttenberg“ wiederholen sollte. […]

Flucht nach vorne an der Uni Wien – Fragen zu einem gutachterlichen Schnellschuss

Auf Druck der vor einer Woche neu gegründeten „Initiative Transparente Wissenschaft“ und einiger Printmedien hat die Universität Wien nunmehr selbst die Dissertation von Johannes Hahn im Volltext sowie auch das umstrittene Entlastungsgutachten des Züricher Philosophen Peter Schulthess online gestellt. Dies darf einerseits als erster Etappensieg der „Initiative Transparente Wissenschaft“ gewertet werden, andererseits sollte nun aber auch ein offener Dialog über die auf den Tisch gelegten Fakten stattfinden. […]

Unwahrheit oder Unwissenheit? Was in der Plagiatsdebatte im Moment so alles behauptet wird

Die Plagiatsdiskussion wird in den deutschen und österreichischen Medien weiter intensiv geführt. Der österreichische Ex-Wissenschaftsminister und jetzige EU-Kommissar Johannes Hahn erscheint im Wiener ORF-Fernsehzentrum mit der handgeschriebenen Originalfassung seiner Dissertation. Offenbar soll das handschriftliche Konvolut Plagiatsfreiheit beweisen. – Ob Hahn weiß, dass die in perfekter Handschrift geübten mittelalterlichen Mönche fast nur abgeschrieben haben? […]

Fall Guttenberg: Data Mining als nächster Schritt nach dem kollektiven Ergoogeln?

Der Stellungnahme auf GuttenPlag-Wiki ist völlig rechtzugeben: Guttenberg hat „bei der Ankündigung seines Rücktritts [erneut] keine klaren Worte zur offensichtlichen Täuschungsabsicht und zur Urheberschaft der Dissertation gefunden“. Wir wissen immer noch nicht die ganze Wahrheit.
Das brachte mich heute auf die Idee, dass das kollektive Ergoogeln der Arbeit (und eventuell der darauf folgende Abgleich mit nur offline verfügbarer Literatur) vielleicht nur der erste Schritt sein könnte, um die ganze Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. […]

Professur auch nach plagiierter Diplomarbeit und widerrufenem Grad?

Was soll diese Überschrift denn? So was gibt es in Deutschland doch nicht, oder? Nein, ist auch auf Spiegel-Online zu lesen, na Gott sei Dank:

„Nach einem Fehlverhalten wie bei Guttenberg käme niemand mehr an ‚verantwortliche Positionen in der Wissenschaft, eine Karriere wäre ausgeschlossen‘.“

So beschreibt Ernst-Ludwig Winnacker, ehemaliger Präsident der DFG, die offenbar stets funktionierenden Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft auf Spiegel-Online. […]

Plagiarismus-Wikis als neues Tool zur Qualitätssicherung

Wir erleben gerade eine kleine (für mich große!) Revolution im Bereich der Entdeckung und Veröffentlichung wissenschaftlichen Fehlverhaltens – derzeit noch eingeschränkt auf Plagiarismus. Das GuttenPlag-Wiki, Idee eines genialen Anonymus, war offenbar der Startschuss für weitere Initiativen dieser Art, die sich nun im Netz ausbreiten. Hier sind etwa Arbeiten zahlreicher Politikerinnen und Politiker aufgelistet, die auf Plagiatsstellen untersucht werden sollen. […]

Und noch ’n Guttenberg-Plagiat… Aber wer hat diesmal von wem abgeschrieben?


Aus der Webseite von Herrn Guttenberg


Aus der Webseite von Herrn Thering (auch CDU, allerdings Hamburg)

Doktorarbeiten mit Höchstnote entpuppen sich als jenseitig plumpe Internetcollagen mit minimaler „Editierarbeit“, die gegen alle Regeln des wissenschaftlichen Handwerks verstoßen. Und nun auch das noch: Plagiate (auch im nicht-wissenschaftlichen Kontext gibt es Plagiatsbegriffe!) […]

Nicht nur Guttenberg sollte abdanken

„Nach den Übereinstimmungen, die bisher nachgewiesen wurden, muss man jedenfalls sagen: Der Artikel aus der NZZ zur Invocatio Dei im EU-Parlament, den Guttenberg wohl komplett und ohne Kennzeichnung übernommen hat, ist ein Langzitat ohne Urhebernachweis, also Plagiat im Sinne des Urhebergesetzes. Bei den beiden anderen Autoren sind zwar wörtliche Übernahmen nicht als Zitate gekennzeichnet, aber es wird auf den Autor hingewiesen. […]

Einmalige Dynamik: Kollaborative Dokumentation der Guttenberg-Plagiate im Netz

So etwas hat es noch nicht gegeben: Der Fall Guttenberg wird nun nicht von verschwiegenen Gremien der Universität Bayreuth und der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgeklärt, sondern kollaborativ im Netz. Die Liste der Übereinstimmungen umfasste bereits heute in der Früh 23 Seiten und wird wohl in den nächsten Stunden und Tagen noch deutlich wachsen. […]

Fall Guttenberg: Eine Plagiatsfundgrube mit Auszeichnung – und noch mehr?

Mittlerweile ist es durch alle Medien gegangen: Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit nicht nur ein paar Mal plagiiert, sondern ein paar dutzend Male, wenn nicht noch öfter. Dass auch schon Guttenbergs Einleitung abgeschrieben wurde, ist – neben vielen anderen Vergleichsstellen – hier dokumentiert. Das erinnert frappierend an die ganz plumpen Copy & Paste-Arbeiten, die ich früher in Österreich aufgedeckt habe. […]

Widerlich: Auch Guttenberg ist ein Plagiator

Plagiarismus und politische Karriere stehen möglicherweise in einem gewissen Zusammenhang. Was in Österreich der Fall des ehemaligen Wissenschaftsministers und heutigen EU-Kommissars Hahn ist (zur Erinnerung: siehe hier und hier), ist nun in Deutschland der Fall des Verteidigungsministers Guttenberg. Ein positiver Aspekt des Internets ist: Die Vorwürfe können anhand der Originalstellen rasch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und von jedermann/frau überprüft werden, siehe die Dokumentation der „Süddeutschen Zeitung“. […]

Buchtipp: „Geistiges Eigentum und Originalität“

Soeben ist bei Turia + Kant der Sammelband „Geistiges Eigentum und Originalität. Zur Politik der Wissens- und Kulturproduktion“ erschienen. Das höchst lesenswerte Buch bringt ganz unterschiedliche Perspektiven zusammen und ist ein Folgeprojekt des Symposiums „Original, Plagiat, Fälschung“, das 2007 in Wien stattfand. Unter dem Titel „Plunder Culture“ findet sich in der Publikation auch ein Interview mit Ihrem Plagiatsgutachter, in dem sich dieser wie gewohnt kein Blatt vor den Mund nimmt. […]