Archiv des Jahres: 2022

Sachbuchplagiate: Ein neues Problem für unsere Text- und Wissenskultur

Jene, die an den Universitäten das Zitieren nicht oder nicht richtig gelernt haben und/oder bereits als Studierende plagiiert haben, sind die Sachbuchautor/innen von heute und morgen. Das Plagiat ist nun auch am Sachbuchmarkt mit voller Wucht angekommen, es zeigen sich die Konsequenzen einer verfehlten Ausbildung und verfehlter akademischer Anreize. […]

Zwölftes Sachbuchplagiat jüngeren Datums in Deutschland: Ulrike Guérot plagiierte tatsächlich seitenweise (nicht nur?) Paul Watzlawick

Unter dem Titel „Wie Ulrike Guérot die Wirklichkeit verdreht“ wurden in der FAZ vom 03.06.22 erstmals Plagiatsvorwürfe auch gegenüber Frau Guérot erhoben. Der Autor und Aufdecker, Markus Linden, legte nach wenigen Tagen nach und machte weitere Plagiate Guérots aus einem Buch aus dem Jahr 2016 publik. […]

Die Parallelen zwischen den Fällen Annalena Baerbock und Diana Kinnert

Plagiatorin Diana Kinnert hat nun mit einer wenig glaubwürdigen Stellungnahme auf die mehr als 200 nachgewiesenen Plagiatsfragmente inklusive eines zusätzlich gefälschten Interviews in ihren Büchern reagiert. Es werden spätestens an dieser Stelle interessante Parallelen zum Plagiatsfall Annalena Baerbock offenkundig:

1. EMPORGESCHRIEBEN UND HOCHGEJUBELT. Sowohl Annalena Baerbock als auch Diana Kinnert wurden von den großen bundesdeutschen Massenmedien vor den Enthüllungen kritiklos hochgejubelt: Baerbock zum neuen Polit-Wunderwuzi, Kinnert zur jungen Parade-Intellektuellen. […]

Mehr als Plagiat: Diana Kinnert fälschte Interview mit britischer Einsamkeitsforscherin Rebecca Nowland

Auf S. 164 f. des Plagiatspamphlets „Die neue Einsamkeit“ gibt Diana Kinnert ein Interview mit der britischen Einsamkeitsforscherin Rebecca Nowland wieder, das sie selbst geführt haben will. Kinnert schreibt (Hervorhebungen in fett durch S.W.):


„Nowland, die sich hauptberuflich damit befasst, wie sich junge Menschen austauschen und wie sie zueinander stehen, hatte inzwischen nicht nur viele Studien durchgeführt, sondern in Forschungsgruppen, aber auch in Gesprächen mit Jugendlichen, Eltern und diversen Experten reichlich Erfahrung gesammelt. […]

Britische Regierung beraten und Unternehmerin? Wikipedia-Diskutanten hinterfragen Lebenslauf von Diana Kinnert

Nun, wenn jemand mehr als 200 mal plagiiert und das als „Versehen“ kleinredet, dann sollte man sich nicht nur die Bücher und sonstigen Texte noch genauer ansehen. Eine Diskussion auf Wikipedia brachte mich auf die Idee, nun auch den Lebenslauf von Diana Kinnert zu screenen, wie den von Annalena Baerbock. […]

Die unfassbaren Plagiate der Diana Kinnert, Teil 1: Das Buch bei Rowohlt

Hier geht es zu Teil 2, dem Buch bei Hoffmann und Campe.


Aus der Buchbewerbung auf Amazon:

„Dieser Kopf ist ein kluger.“ (Darmstädter Echo)

„Merkels cooles Mädchen“ (Gala)

„Das modernste Gesicht der CDU“ (Die Welt)

„Kunterbunt ist das neue Schwarz.“  (Westdeutsche Zeitung)

„Frisch, engagiert.“ (Darmstädter Echo)

Verfasser des hier folgenden Berichts nur auf Basis der Software-Auswertung (23 Seiten; 3,5 MB): Stefan Weber, Salzburg

Plagiatsbericht Kinnert Seite 01
Plagiatsbericht Kinnert Seite 02
Plagiatsbericht Kinnert Seite 03
Plagiatsbericht Kinnert Seite 04
Plagiatsbericht Kinnert Seite 05
Plagiatsbericht Kinnert Seite 06
Plagiatsbericht Kinnert Seite 07
Plagiatsbericht Kinnert Seite 08
Plagiatsbericht Kinnert Seite 09
Plagiatsbericht Kinnert Seite 10
Plagiatsbericht Kinnert Seite 11
Plagiatsbericht Kinnert Seite 12
Plagiatsbericht Kinnert Seite 13
Plagiatsbericht Kinnert Seite 14
Plagiatsbericht Kinnert Seite 15
Plagiatsbericht Kinnert Seite 16
Plagiatsbericht Kinnert Seite 17
Plagiatsbericht Kinnert Seite 18
Plagiatsbericht Kinnert Seite 19
Plagiatsbericht Kinnert Seite 20
Plagiatsbericht Kinnert Seite 21
Plagiatsbericht Kinnert Seite 22
Plagiatsbericht Kinnert Seite 23

Die unfassbaren Plagiate der Diana Kinnert, Teil 2: Das Buch bei Hoffmann und Campe

Hier geht es zu Teil 1, dem Rowohlt-Buch.


Aus der Buchbewerbung auf Amazon:

„Ein tolles Buch, es hat mich sehr nachdenklich gemacht.“ (Markus Lanz, ZDF)

„Ich habe die ersten Seiten gelesen und wusste, ich möchte, dass du zu uns ins Studio kommst, weil es so wichtig und sehr schön geschrieben ist.“ […]

Warum Neo-Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig zusätzlich zum Magistergrad einen MSc.-Grad führt

Es wird einem mitunter vermittelt, das sofortige „Durchleuchten“ von Spitzenpolitikerinnen und -politikern, die neu im Amt sind, sei etwas Antidemokratisches. Nun, meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall: Zunächst bin ich überaus dankbar dafür, in einer Demokratie und in einem Land zu leben, in dem die freie Meinungsäußerung ein hohes Gut ist (wir erleben gerade jetzt wieder, welche dramatischen Folgen es haben kann, wenn das Gegenteil der Fall ist) – und in dem wir somit auch über Themen wie das vorliegende offen sprechen können. […]

Plagiatsvorwurf gegen Springer-Boss: 28 Textübereinstimmungen zwischen seiner Doktorarbeit und einer Nazi-Diss

Exklusivbericht in BuzzFeed vom 06.05.22

Exklusivbericht im Spiegel vom 06.05.22


Es ist die mit Abstand unglaublichste Geschichte meiner gesamten Tätigkeit. Die Schlagzeile liest sich so bizarr, dass man versucht ist, nicht zu glauben, dass sie wahr sein kann. – Was ist passiert? Eine Chronologie.

1. Der Aufschlag: Die „Smoking Gun“ des Martin Heidingsfelder

Am 2. […]

Entspricht nicht der damaligen Doktoratsverordnung: Doch Ungereimtheit bei slowakischer Dissertation von Thomas Szekeres

Ich hatte heute die große Ehre, den amtierenden Ärztekammerpräsidenten Thomas Szekeres und seinen Rechtsvertreter, den Wiener Star- und Medienanwalt Peter Zöchbauer persönlich in Salzburg kennenlernen zu dürfen. Nicht etwa auf einem Symposium, sondern im Verhandlungssaal 409 des Salzburger Landesgerichts: Herr Szekeres hat mich geklagt. Allerdings für eine Behauptung, die ich nie aufgestellt habe, nirgendwo, nirgendwann und gegenüber niemandem: nämlich für die Behauptung, dass Herr Szekeres in seiner slowakischen Doktorarbeit (und/oder sonstwo) plagiiert habe und/oder er sich akademisch (sonst) etwas erschlichen habe: Beides sind unwahre Tatsachenbehauptungen, und ich habe sie selbstverständlich nie vertreten, weil ich das bei unwahren Tatsachenbehauptungen generell nie mache. […]

Jenseits der Fakten: „Januskopf-Journalismus“ gefährdet die Demokratie

Es ist ein Bericht unter Abertausenden dieser Art. Die Machart ist aber immer dieselbe: Journalistinnen und Journalisten glauben offenbar, dem Ideal der Objektivität zu entsprechen, wenn sie einfach über Auffassung und Gegenauffassung oder über Kritik und Replik auf sie berichten – und fertig. Diese Form des Journalismus verharrt meist nur auf der Ebene der Wortspenden oder der Pressemitteilungen. […]

Kavaliersdelikt Titelmissbrauch: Warum Fake-Titel hierzulande oftmals weder entdeckt noch geahndet werden

Der jüngste Fall: Einem bekannten deutschen Bariton konnte jahrelanger Missbrauch des Professortitels nachgewiesen werden. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat den Künstler nunmehr zur Zahlung eines Geldbetrags an den Verein „MitMachMusik“ in der Höhe von 1.000,– Euro verpflichtet und das Verfahren gegen diese Auflage eingestellt. „Etwaige zivilrechtliche Ansprüche werden durch diesen Bescheid nicht berührt“, schreibt die Staatsanwältin im Brief vom 3. […]

Schwerwiegender Plagiatsvorwurf gegen den österreichischen Wissenschaftstheoretiker und Buchautor Erhard Oeser

Erhard Oeser, Universitätsprofessor an der Universität Wien im Ruhestand, leitete lange Jahre das Institut für Wissenschaftstheorie ebendort. Er gilt als profunder Kenner von Popper und der Evolutionären Erkenntnistheorie, seine akademischen Themengebiete umfassten unter anderem das Gehirn-Geist-Problem und die Informationstheorie. In den vergangenen Jahren, seit seiner Emeritierung, ist er als umtriebiger Buchautor in Erscheinung getreten, mit Themen von der Hunde-, Katzen- und Pferdeliebe bis zur Fremdenfeindlichkeit. […]

„Kurier“-Interview zur Plagiatsforschung und zur „Quellen-Archäologie“ in voller Länge

Der „Kurier“ zitiert in seiner Printausgabe vom 19.01.22 einige Statements von mir aus einem gestern geführten längeren Interview (online in voller Länge hinter Bezahlschranke), das ich auch hier zur Gänze wiedergebe. Es wird nicht helfen, die immer gleiche Handvoll Twitter-Trolls umzustimmen, die nur Lust an der Hetze verspüren. […]

Strenge Regeln zum wörtlichen Zitieren in der Rechtswissenschaft in Deutschland, England und den USA – nur nicht in Österreich?

Hier ein kleiner Überblick über die mir bislang vorliegenden Dokumente:

Aus den „Leitsätzen Gute wissenschaftliche Praxis im Öffentlichen Recht“, beschlossen von der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer e. V. bereits 2012 (hier S. 3):

Aus dem „Oxford University Standard for the Citation of Legal Authorities“ (kurz OSCOLA, 4. […]

Diskussion zur Dissertation von Justizministerin Alma Zadic: Materialien zur Qualitätsdebatte und Zitierweise

[…]

OFFENER BRIEF: Wörtliches Zitieren ohne Anführungszeichen in der Rechtswissenschaft

Das Problem beschäftigt mich nun seit mehr als zehn Jahren, siehe eine bereits 2011 von mir initiierte Diskussion auf VroniPlag Wiki. Aus aktuellen Anlässen wird es nun, elf Jahre nach dem Guttenberg-Plagiatsskandal und damit eigentlich viel zu spät, Zeit für klare Worte aus dem Fach:

Dürfen Rechtswissenschaftler etwas, was so gut wie alle anderen Disziplinen nicht dürfen, nämlich aus wissenschaftlicher Literatur wörtlich ohne Anführungszeichen und nur mit Quellenangabe zitieren? […]

Zahlreiche Plagiate und Quatsch auch in der Diplomarbeit von Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab

Von Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab, geb. Knasmüller habe ich bislang politisch so gut wie nichts gehört. Eine Blitzrecherche ergab, dass sie eine wahrliche Musterkarriere hingelegt hat: Doppelstudium der Psychologie und der Rechtswissenschaft an der Universität Innsbruck, juristische Dissertation, in der Folge mehrere wissenschaftliche Publikationen, wissenschaftliche Assistentin an den Universitäten Innsbruck und Salzburg, dann die Beamtenkarriere in Wien steil hinauf zur „jüngsten Sektionschefin Österreichs“. […]