Schlagwort-Archiv: Gute wissenschaftliche Praxis

Die grottenschlechte Masterarbeit des bekannten ORF-Journalisten Martin Thür an der Donau-Universität Krems

Ich kann es einfach nicht verstehen, dass man in Österreich Top-Journalist werden kann, ohne die deutsche Sprache korrekt zu beherrschen. Das ist doch so, wie wenn jemand operiert, der mit dem Skalpell nicht umgehen kann.

Über die Fälle Natascha Kampusch und Josef Fritzl hat der ORF-Fernsehmoderator Martin Thür geschrieben – allerdings in einem Deutsch, das weh tut. […]

„Der Spiegel“ morgen exklusiv: Plagiatsjäger Weber hatte wohl für seine Doktorarbeit selbst einen Ghostwriter

Nehmen wir doch einfach einmal an, dass es diese Schlagzeile morgen geben würde. Da gibt es ja mittlerweile so einige Medien („Spiegel“, „Süddeutsche“, „taz“ oder „Correctiv“ in Deutschland, „Standard“ oder „Falter“ in Österreich), die diese Sau genüsslich durchs Dorf treiben würden.

Wie würde ich, der Plagiatsjäger, darauf reagieren? […]

SPD, Grüne, mehr als 300 Rechtswissenschaftler sowie Rechtswissenschaftliche Fakultät und Leitung der Universität Potsdam stellten sich schützend vor sehr wahrscheinlichen Promotionsbetrug

„Sie ist eine exzellente Juristin, ihre Eignung für das höchste Gericht steht für uns außer Frage.“
(Bärbel Bas, Bundesvorsitzende der SPD und Ministerin für Arbeit und Soziales hier)

„Wenn dann Zweifel an ihrer Person aufkommen, dann schauen wir uns das genau an und in dem vorliegenden Fall haben wir auch nach außen kommuniziert, dass wir diese Zweifel für fehl am Platz halten. […]

Die CDU vor ihrer Selbstzerfleischung: CDU-Mitglied erhebt Plagiatsvorwurf gegenüber der Dissertation der CDU-Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig

In Deutschland geht es munter weiter mit Plagiatsvorwürfen – nun erstmals innerhalb ein und derselben Partei. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erhebt einen Plagiatsvorwurf gegenüber der Dissertation „Die Aufgabenauslagerung in Landesbetriebe im Bundesland Brandenburg und anderen ausgewählten Bundesländern“ der CDU-Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig. Der Urheber des Vorwurfs ist selbst langjähriges verdientes CDU-Mitglied. […]

Austria’s Next Plagiarist: Auch der Präsident der österreichischen Personaldienstleister hat in seiner Dissertation massiv abgeschrieben

Von Werten wie „Qualität“, „Transparenz“ und auch „Integrität“ ist die Rede auf der Website des Verbands „Österreichischer Personaldienstleister“ oder – wenn man einen etwas negativer besetzten Ausdruck verwenden will – des Verbands  österreichischer Leiharbeitsfirmen. Früher hieß der Verband entsprechend auch „Verband Zeitarbeit und Arbeitsvermittlung“ (VZA). […]

Große Erfolge nach unseren Plagiatsgutachten: Gruber, Geschäftsführer des LASK, verliert Doktortitel – Schneider, Generalsekretär der Schweizer Volkspartei (SVP), verliert Professur

Wenige Monate nach dem Bekanntwerden der Plagiatsfälle rund um Ex-Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) hatten wir eines unserer damals längsten Gutachten fertiggestellt: Auf 119 gutachterlichen Seiten dokumentierten wir zahlreiche Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis in der Dissertation „Voraussetzungen und Institutionalisierung sozioökonomischer Kooperation zur Prävention von Geldwäsche“ von Siegmund Gruber und Stefan Lutz, in Kooperation der beiden eingereicht im Jahr 2005 an der Johannes Kepler-Universität Linz. […]

Teuerungen, Deutungskriege, Überregulierungen: Vom Unbehagen mit der Gegenwart

Das hat jetzt zwar nicht direkt etwas mit wissenschaftlicher Redlichkeit zu tun, aber mittelbar vielleicht doch. Denn die Frage muss erlaubt sein: Haben uns all die plagiierenden und sonst wie heuchelnden Absolventen der Hochschulen, die Trickser, Blender und Manipulateure (mit) in diese zunehmend missliche Lage gebracht? […]

Von der „Plagiatsjagd“ zur wissenschaftlichen Zitats- und Plagiatsforschung: Zeit für einen Wandel!

Im Zuge der Debatte um das Buch „Akadämlich“ geistern Fragen der Studierfähigkeit der aktuellen Studentengeneration und der Qualitätssicherung an den Hochschulen gerade wieder durch die Medien, siehe etwa hier und die Replik hier. Es ist hoch an der Zeit, dass sich das akademische System diesen Fragestellungen endlich in Forschung und Entwicklung annimmt. […]

Kommission gibt unserem Plagiatsgutachten recht: Aberkennung des Doktorgrades für bekannten deutschen Militärwissenschaftler empfohlen

Eine Kommission zur Untersuchung von Verdachtsfällen auf wissenschaftliches Fehlverhalten einer bundesdeutschen Universität empfiehlt ihrem Präsidenten, den Doktorgrad eines bekannten deutschen Militärwissenschaftlers, der in Deutschland auch eine Professur innehat, zu entziehen.

Damit folgt die Kommission unserem 103 Seiten umfassenden Detailplagiatsgutachten, das 139 Plagiatsfragmente in der mit „magna cum laude“ beurteilten Dissertation auflistet. […]

Plagiatsverdacht: Die systematisch verfehlte Quellenarbeit des Robert Habeck

Je genauer man hinsieht, desto mehr Abgründe entdeckt man: Selten traf dies so zu wie auf die fragwürdige Dissertation von Robert Habeck. Habeck hat auf geradezu unglaubliche Weise eine Belesenheit vorgetäuscht, die er nicht hat. Er hat dutzende Werke, die er zitiert hat, aus anderen, an Ort und Stelle ungenannten Quellen abgeschrieben und damit gegen eine wichtige Grundregel der Buchwissenschaften verstoßen. […]

Das Plagiat bleibt in der Familie: Wie Andrea Paluch unter anderem Dietrich Schwanitz und Niklas Luhmann plagiierte

Für mich ist es verstörend, dass jemand, der in seiner Dissertation plagiierte und so immer wieder den Leser täuschte, dann Schriftstellerin werden kann. Die Rede ist von Andrea Paluch. Sie hat sogar noch auf den letzten Seiten ihrer Dissertation Niklas Luhmann plagiiert, wo es längst explizit um eigene Ideen und Formulierungen gegangen wäre. […]

Plagiate in weiteren Publikationen von Mario Voigt: Auch zu Hartz IV und Mindesteinkommen hat der Politiker abgeschrieben

Der CDU-Spitzenkandidat von Thüringen und Professor an der Quadriga Hochschule Berlin hat nicht nur in der Buchfassung seiner Dissertation (2008-2010) an zumindest 46 Stellen plagiiert. Wir haben in den vergangenen Tagen zehn Plagiatsfragmente in drei weiteren Veröffentlichungen Voigts gefunden, die zwischen 2004 und 2017 erschienen sind. […]

Software-Prototypisierung, Geschichte von Zitat und Plagiat in der Wissenschaft, GWP-Netzwerk: Wir machen das alles ohne Förderungen!

Zuerst, 2022, war da der massive Gegenwind der ÖVP und des österreichischen Wissenschaftsministeriums (BMBWF), das sogar vor Gericht zugegeben hat, alle meine Bestrebungen zur Erforschung der „guten wissenschaftlichen Praxis“ in dem Moment abgewürgt zu haben, in dem ich meinen wahren Plagiatsvorwurf gegen ÖVP-Innenminister Gerhard Karner erhoben hatte. […]

Polascheks „Hochschulrechtspaket 2024“ ist ein erneuter Rohrkrepierer: Neues Gesetz verweist auf Paragrafen, die es noch gar nicht gibt

In Österreich, speziell im Polaschekschen Wissenschaftsministerium, scheint alles möglich zu sein und niemanden juckt es wirklich: Flugs ist das neue Universitätsgesetz (UG) mit seiner völlig widersinnigen „Plagiatsverjährung“ in Kraft getreten – man möchte fast sagen, über das Hintertürl mitten im Semester, nämlich am 30. April 2024. […]

Sinngemäßes Zitieren mit „Vgl.“ wahrscheinlich erst seit den 1970er Jahren normiert („GWP-History“, Teil 3)

Seit Jahren interessiert mich die noch ungeschriebene Kulturgeschichte des „Vgl.“ in den Geistes- und Sozialwissenschaften. (Der Verrat am „Vgl.“, der in der amerikanischen Plagiatsforschung mittlerweile „Sham Paraphrasing“ heißt, interessierte mich schon 2006).

In den ersten beiden Teilen meiner kleinen „GWP-History“ (Geschichte der guten wissenschaftlichen Praxis) hier im Blog habe ich mich mit der Entwicklung der Anführungszeichen und des Zitierens mit diesen in der Wissenschaft beschäftigt. […]

„Plagiatsverjährung“: Noch mehr Rechtsmurks des BMBWF – und dies auf Wunsch der Universitätenkonferenz!

Der neue „Plagiatsverjährungsparagraf“ ist schon in der Regierungsvorlage ein erneutes Beispiel für ganz schlechte Legistik seitens des BMBWF. Der Murks hört einfach nicht auf.

Der neue § 89 Abs. 2 UG soll lauten:

„(2) Die Aufhebung und Einziehung des Verleihungsbescheides aufgrund eines Plagiats in einer Bachelor-, Diplom- oder Masterarbeit ist nur im Zeitraum von zehn Jahren ab dem Zeitpunkt der Beurteilung der Bachelor-, Diplom- oder Masterarbeit zulässig.“ […]

Gänsefüßchen, „Vgl.“ & Co.: Zur Herkunft der wissenschaftlichen Zitierregeln („GWP-History“, Teil 1)

Schon seit Jahren interessiert mich, woher die wissenschaftlichen Zitierregeln eigentlich kommen. Und damit meine ich zunächst heutige kleinste gemeinsame Nenner wie etwa:

  • Wörtliche Zitate werden in doppelte Anführungszeichen gesetzt. Oder:
  • Sinngemäße Zitate müssen an Ort und Stelle mit einer Quellenangabe versehen sein.

(Sofern freilich die Unterscheidung zwischen diesen beiden Zitatarten überhaupt getroffen wird, was in gewissen naturwissenschaftlichen Disziplinen nicht der Fall ist.) […]

„Plagiatsverjährung“ ist Titelentwertung: Wie Blimlinger und Polaschek jedes Bemühen um Qualitätssicherung an Hochschulen zerstören

Da will sich ein System nun vor neuen Aufdeckungen schützen.

Eines der vier Ziele des „Hochschulrechtspakets 2024“ war die „Sicherstellung der höchstmöglichen [sic] Integrität im wissenschaftlichen und künstlerischen Studien-, Lehr- und Forschungsbereich“. Diese „Sicherstellung“ setzt die schwarz-grüne Koalition jetzt mit folgendem Signal um: ‚Wenn Du Deinen Textbetrug länger als zehn Jahre abgesessen hast, kann Dir hierzulande nichts mehr passieren.‘ […]

Plagiatsverdacht in der Fischereiökologie: Was für die Universität Innsbruck alles kein Plagiat ist

Die Universität Innsbruck gibt, ähnlich wie die Universität Klagenfurt, seit langem Rätsel auf, was den Umgang mit Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens anbelangt. Man könnte einmal eine wissenschaftliche Arbeit der folgenden Hypothese widmen: Je höher die Berge, desto größer sind die Mauern des Schweigens und desto unausgeprägter ist die Fehlerkultur. […]

Plagiatssoftware, Statistik wissenschaftlichen Fehlverhaltens, KI-generierte Inhalte: Keine Vereinheitlichungsaktivitäten in Österreich in Sicht

Die Frage des „Standard“-Redakteurs Theo Anders an unseren Wissenschaftsminister Martin Polaschek lautete: „Nicht einmal der verpflichtende Einsatz von Plagiatssoftware wird politisch vorgegeben, warum nicht?“ Und der Minister, offenbar bar jeder Ahnung von Plagiatssoftware, antwortete: „Weil nicht alle Universitäten gleich sind und die autonomen Unis in ihren Bereichen am besten entscheiden können, welche individuellen Vorkehrungen sie brauchen.“ […]

„Hochschulrechtspaket“ 2024: Die „gute wissenschaftliche Praxis“ übersiedelt von einem Gesetz ins andere – und sonst?

Vielleicht vergegenwärtigen wir uns zu Beginn, welche die aktuellen Probleme in der (nicht nur, aber vielleicht insbesondere österreichischen) Hochschullandschaft sind:

  • Studienanfänger sind zunehmend studierunfähig, das verlangt nach neuen Kriterien (gar nicht nur im Sinne von Hürden) für den Zuschlag eines Studienplatzes. Das BMBWF erforscht aber nicht die Hypothese der zunehmenden Studierunfähigkeit, sondern setzt auf Studierbarkeit.
[…]

Die Ex-Rektorskandidatin der Universität Salzburg, Viola Heutger, hat in ihrer Dissertation sogar den Papst und „Die Welt“ plagiiert

Dass Viola Heutger in ihrer Dissertation plagiiert hat, dass sich die Balken biegen, sogar von Papst Johannes Paul II. und aus „Die Welt“, ist eine wahre Tatsachenbehauptung. Die Universität Salzburg steht nun vor der wohl historisch einmaligen Entscheidung, ob sie den akademischen Grad einer Person widerrufen soll, die um Haaresbreite Rektorin geworden wäre. […]

Kritik am Gesetzesentwurf für die „Digitaluni“ Linz: GWP fehlt in zentralen Passagen, und wieder ist „Vorsatz“ falsch erwähnt

Sie finden hier im Blogbeitrag sowie als PDF-File online meine heute eingereichte Stellungnahme zum Gesetzesentwurf für eine neue „Digitaluni“ – mittlerweile „Interdisciplinary Transformation University Austria“ (IT:U) – in Linz.

Die Deadline für Stellungnahmen ist der 8. Januar 2024. Mit bislang zwölf Rückmeldungen ist das Interesse als gering zu bewerten. […]

Warum die österreichische Universitätenkonferenz uniko nicht an guter wissenschaftlicher Praxis interessiert ist

Die „gute wissenschaftliche Praxis“, das ist so etwas wie der Grundstock der Wissenschaft. Zu meiner Studienzeit, als es den Begriff noch gar nicht gab, war den allermeisten intuitiv klar, was wir alles nicht dürfen: Abschreiben ohne Anführungszeichen und Quellenangaben; Fragebögen einer empirischen Erhebung selbst ausfüllen; missliebige Ergebnisse ignorieren. […]